Suys, Tilman Franz

Suys, Tilman Franz, Architekt , geb. zu Ostende 1783, begann seine Studien an der Akademie in Brügge , und ging dann zur weiteren Ausbildung nach Paris , wo sich Percier seiner annahm. Er besuchte auch die k. Akademie, gewann unter mehreren Bewer- bern 1812 den grossen Preis der Architektur mit dem Entwurf eines Stadttores, welches im »Recueil de Grands prix d'Architecture» abgebildet ist, und sah sich in Rom schon drei Jahre im Besitze einer Pension, als ihm als Ausländer 1815 dieselbe entzogen wurde. Jetzt bewilligte ihm der König der Niederlande zu gleichem Zwecke eine Unterstützung, so dass der Künstler bis 1817 in Rom den Stu- dien obliegen konnte. Während seines italienischen Aufenthaltes fertigte er in Rom , und dann auch in Neapel , Calabrien und Si- cilien, eine grosse Anzahl von Zeichnungen nach den schönsten antiken Bauwerken, und gelangte zuletzt zur genauesten Kenntnis der klassischen Architektur der Alten. Auf seiner Rückkehr durch- forschte er auch Ober-Italien und Frankreich , und wählte vorerst Paris zu seinem Standorte. Hier stach er nach genauen Zeichnun- gen und Messungen den Palast Massimi in Kupfer, und fügte alle Details dieses Gebäudes hinzu, so dass dieses Werk an Cor- rektheit und Eleganz den Stichen des Werkes von Ch. Normand nicht nachsteht. Nach seiner Rückkehr in's Vaterland wurde ihm zu Brüssel der Bau der »Porte Guillaume« übertragen, welche im 15. Heft des Choix des monumens les plus remarquables du Royaume des Pays-bas abgebildet ist. Im Jahre 1820 erhielt er die Stelle eines Professors der Baukunst an der Akademie in Amster- dam, wo er jetzt seine Lehre nach den Regeln der klassischen Bau- kunst einrichtete und eine grosse Anzahl von tüchtigen Schülern bildete. Als früherer Beweis seiner Meisterschaft in der schönen Architektur dient der Entwurf zu einem Palast der schönen Künste

teilt eine hohe Meinung von der klassischen Tüchtigkeit dieses Meisters. Sein Werk ist auch die neue evangelische Kirche in Am- sterdam, welche im Innern als Muster der modernen Baukunst im römischen Style gelten kann. Ferner baute er die Palais des Kö- nigs und des Kronprinzen in Brüssel, welche ebenfalls zu den schönsten Werken der modernen Palastarchitektur gehören. Im Jahre 1825 erhielt er die Stelle eines Architekten des Königs für die südlichen Provinzen des Reiches,