Sustris, Friedrich

Sustris, Friedrich, auch Suster, Sustris. und Zustris genannt, Ma- ler und Architekt, wurde nach der gewöhnlichen Annahme zu Amsterdam geboren, wo auch sein Vater Lambert die Malerei übte, wahrscheinlich jener Lamberto d'Amsterdamo, dessen Vasari erwähnt. Friedrich begab sich zur Vollendung seiner Studien nach Italien, und arbeitete mehrere Jahre in Florenz , wo er sich an Vasari hielt, welcher dieses Künstlers in seiner zweiten Ausgabe der Vite de' Pittori etc., Firenze mit Ehren erwähnt, unter dem Namen Federigo di Lamberto Fiammingo. Er war auch Mit- glied der Akademie in Florenz, und als solches unter der Zahl derjenigen Künstler, welche unter Vasari's Leitung das Trauer- gewand des Michel Angelo mit Malereien zierten. So lange sich der Künstler in Italien aufgehalten habe, ist nicht bekannt; eben- so finden wir kein Verzeichniss der Werke, welche er in diesem Lande hinterlassen hat. Den weiteren Kreis seiner Thätigkeit hatte er in München gezogen, wo der Künstler als Hofmaler und Architekt des Herzogs Wilhelm V. erscheint. Dieser Fürst ge- langte 1579 zur Regierung, und nahm mehrere Künstler in Sold, unter welchen Sustris in einem undatirten, im k. Reichsarchivs- Conservatorium liegenden Verzeichnisse der Ausgaben für dieselben oben ansteht. Aus diesem Verzeichnisse geht hervor, dass Meister Sustris alle Quartale 150 Gulden bezog, die höchste Besoldung, da P. Candito nur 125 Gulden erhielt, Christoph Schwarz steht noch nicht auf der Liste.

Sustris malte nach seiner Ankunft in München die Bildnisse des Herzogs Wilhelm und seiner Gemahlin Renata in Lebens-

Sustris fertigte aller Wahrscheinlichkeit nach auch den Plan zur Jesuitenkirche in München, welche Herzog Wilhelm erbaute; denn er stand von jeher an der Spitze des Unternehmens. Dass er den Plan und das Modell zu dem nach dem Einsturze des Thurmes erweiter- ten Chore gefertigt habe, ist aktenmässig, und dieser ist in seinen Theilen vollkommen dem früheren Baue entsprechend. Zur Berat- hung des ursprünglichen Planes wurde Wendel Dietrich *) berufen, und erhielt dafür ein Honorar von 12 Gulden. Der Grundstein der Kirche wurde den 18. April 1583 gelegt, nachdem Wolfgang Müller, auch Wolf Maurer genannt, mit seinen Leuten im Fürgeding den Platz gereinigt und den Grund gegraben hatte. Dieser Müller stand bis zu dem 1590 erfolgten Einsturze des Thurmes dem Baue als Werkmeister vor, wurde aber dann entfernt, wie wir schon im Artikel desselben nachgewiesen haben, wo wir ihn aus der Reihe der eigentlichen Künstler strichen, da er nur als Maurermeister im Taglohn arbeitete. Der Herzog war untröstlich über dieses Un- glück, worüber die Gegner der Jesuiten frohlockten. Allein nach kurzer Zeit war der Ausbau der Kirche unwiderruflich beschlossen, und um des Werkes sicher zu seyn, sollte ein italienischer Bau- meister berufen werden, was aber unterblieb. F. Sustris erhielt den Auftrag, den Plan zum neuen vergrösserten Chor zu machen, der sich da ausbreitet, wo der Thurm sich erhob. Dieser Plan liegt noch im Jesuitenakte des k. Reichsarchivs-Conservatorium, das Modell aber, welches Sustris vom Langhause in Verbindung mit dem Chore herstellen musste, ist zu Grunde gegangen. Nach diesem Plane wurde die Kirche vollendet, aber der neue Thurm sieht in einiger Entfernung noch zur Zeit der Vollendung entge- gen. Im Jahre 1597 wurde die Kirche und das Collegium vollendet, letzteres unter Leitung des Meisters Wendel Dietrich. Wolf Müller war seit dem Einsturze des Thurmes nicht mehr beim Baue. Die Aufschrift seines Bildnisses, ehedem in der Sakristei, jetzt in der Gallerie zu Schleissheim: »1585 hat Wolfgang Müller, ein Steinmetz, seines Alters 48 Jahr, die Kirche und das Collegium erbauet,« ist daher sicher nicht gleichzeitig mit dem Bilde, oder beides ist späteres Machwerk. Die Kirche der Jesuiten hat eine styl- und geschmacklose Facade, bietet aber in ihrem Inneren grossartige Räume, und mit Kühnheit ist das Gewölbe des Schiffes gespannt. Der leichte Sprung, welcher sich vom Chore abwärts zeigt, entstand beim Abbruche der durch den Einsturz des Thur-

*) Dies ist nicht der berühmte Wendel Dietterlein von Strass- burg, sondern ein Baumeister und Kistler von Augsburg, der 1584 im Dienste des Herzogs trat, und das neue Schul- haus der Jesuiten baute, da der frühere Baumeister, Wil- helm Oekhel, als Jesuitenfeind in Ungnade gerieth. Später erscheint Dietrich neben Sustris als Mitglied der Kirchenbau- Commission. Nach seiner Zeichnung wurde der Choraltar, der Tabernakel u. s. w. gefertigt. Er hatte in München auch eine Kistlerwerkstätte.

mes beschädigten Mauer, an welche sich das Gewölbe lehnte. Der Thurm stürzte zwar in sich zusammen, übte aber doch einen starken Druck aus, da er schon eine bedeutende Höhe erreicht hatte. Sustris könnte auch den Plan zum Wilhelminischen Palast gefertigt haben, zu welchem 1579 der Grundstein gelegt wurde.

Auszerdem könnte nur der oben in der Note erwähnte Wilhelm Oeckl, der bei seiner 1584 erfolgten Ungnade bereits 34 Jahre Hofbaumeister war, und somit auf Leonhard Halder folgte, auf diese Ehre Anspruch machen. Wenigstens dürfte Sustris den Bau fortgeführt haben. Die Capelle dieser jetzt unter dem Namen der Herzog-Maxburg bekannten Residenz wurde erst den 13. Juli 1597 eingeweiht. Die Pläne zum Klösterchen und der Capelle des heil. Ignaz von Loyola, und dann zu den Clausen in Schleissheim kann Sustris kaum mehr gefertigt haben. Der Bau der älteren, den Heiligen Renatus und Wilhelm geweihten Cellen, begann 1597, wo Sustris nach der gewöhnlichen Angabe starb, was aber nicht möglich ist, wenn er mit Th. Maurer die Zeichnungen zu den unten erwähnten Augsburger Heiligen von 1620 geliefert hat. Dass er sich aber als Architekt einen Namen gemacht habe, beweiset auch der Umstand, dass er sich auf Stichen nach seinen Gemälden Maler und Architekt des Herzogs Wilhelm nennt; Den Jesuit- tenbau hatte er vielleicht auch in einem Gemälde sich zugeschrie- ben, welches auf einem der oberen Gänge der Kirche sich befind- et, und den Künstler vorstellt, wie er dem Herzog und der her- zoglichen Familie den Plan überreicht. Die Kirche und das Col- legium sind bereits im Gemälde vollendet, nur ein Paar Arbeiter deuten auf den Neubau. Dieses Gemälde ist in einem verwahrlos- ten Zustande, aber selbst als Malerei nicht ohne Interesse. Dann findet sich ein durch J. Sadeler's Stich bekanntes Bild, welches die heil. Familie, und die im Bau begriffene Kirche vorstellt, zu welcher Engel Materialien herbeischleppen. Wo sich dieses Bild befindet, oder ob Sustris nur eine Zeichnung geliefert habe, kön- nen wir nicht bestimmen. Es finden sich überhaupt wenige Ge- mälde von ihm angegeben. Für die ehemalige Kapuzinerkirche zu Landshut malte er die Himmelfahrt Mariä. In der Gallerie zu Göt- tingen ist von ihm eine Verkündigung Mariä, vielleicht das von J. Sadeler gestochene Bild. In der Sammlung des Assessor Schmidt in Kiel war noch 1800 ein Gemälde mit der Magdalena in der Höhle. In der Sammlung des Erzherzogs Carl zu Wien sind einige Zeichnungen von diesem Meister. In der k. Pinakothek zu Mün- chen ist das Bildniss desselben, wie er unter der Gestalt des heil. Lucus vor seiner Staffelei die Madonna mit dem Kinde malt.

Stiche nach Werken dieses Meisters

Der ewige Vater befiehlt dem Engel, der Maria das Geheim- niss der Menschwerdung Christi zu verkünden. Sie ist im Zimmer mit Nähen beschäftigt. Gest. von Joh. Sadeler. Mit Dedication an den Herzog Wilhelm von Bayern.

Die Verkündigung Mariä. J. Sadeler excud.

Christus am Oelberge, betend. L. K. (RKilian), f. D. Custos exc.

Christus am Oelberge, gest. von D. Custos.

Die Kreuztragung, gest. von D. Custos, Oval.

Christus am Kreuze, daneben das alte und neue Testament, gest. von J. Sadeler.

Christus erscheint der Magdalena: Noli me tangere, gest. von J. Sadeler.

Das Leiden Christi, kleine Darstellungen in der Form des Kreu- zes, gest. von Salmon Müller für seinen eigenen Verlag, 1593.