Solimena, Francesco, Maler, genannt Abbate Ciccio, geb. zu Nocera de' Pagani , sollte nach dem Willen seines Vaters An- drea der Jurisprudenz sich widmen, hatte aber unter dessen Augen die Kunst liebgewonnen, und zog sie bald den Studien vor. Den ersten Unterricht ertheilte ihm der Vater, und dann begab er sich zu Francesco di Maria nach Neapel, der ihn vergebens zu stren- ger Uebung im Zeichnen anhielt, da Solimena wie mit einem Eindruck ein grosser Maler werden wollte. Er zeichnete nach dem
Solimena hinterliess in Neapel zahlreiche Werke, die ihn nach Giordano's Tod, als er für den ersten italienischen Meister erklärt
war, mit grossen Summen honorirt wurden. Er malte Portraite, hi- storische Darstellungen, Genrebilder , Landschaften , Thiere, Archi- tektur, Blumen und Früchte , Alles was ihm einfiel. Seine Schü- ler copirten Vieles, was als Original ins Ausland ging. Zu sei- nen Hauptwerken zählte man die Fresken in der Sakristei der Theatiner von S. Paolo in Neapel, dann jene am Bogen der Apo- stelkirche daselbst, welchen die Arbeiten des del Po weichen muss- ten. In der Kirche des Oratoriums malte er die Capelle des heil. Philippus Neri aus, und vollendete die Figuren mit ungemeinem Fleisse. Werke von seiner Hand findet man auch am Gewölbe von S. Niccola della Carita, an der Kuppel der Kirche della Albina, in der Kirche Girolimini, in der Sakristei von S. Domenico Maggiore, u. s. w. Besonders gerühmt wurde ein grosses Altar- blatt bei den Nonnen von S. Gaio, und im Hause S. Felice war eine ganze Gallerie von ihm, welche später den neapolitanischen Künstlern zum immer offenen Studium diente. Auch ein Sohn die- ses Hauses war bekanntlich sein Schüler. In der Kirche zu Monte Cassino sind vier sehr grosse, später durch Feuer beschädigte Bil- der von Solimena, und auch in andern Kirchen des Reiches trifft man Arbeiten von seiner Hand. Im Kirchenstaate ist sein grösstes Bild das Abendmal des Herrn im Refektorium der Conventualen zu Assisi, welches er mit grösstem Fleisse vollendete. In den Pa- lästen Albani und Colonna zu Rom fand man mehrere historische Darstellungen, und der Graf Buonacorsi zu Macerata besass zu Lanzi's Zeit neben andern mehrere mythologische Darstellungen. Im k. Palaste zu Turin führt ein Saal nach ihm den Namen. Da sieht man den König Salomon, wie er die Geschenke der Königin von Saba empfängt, die Vertreibung des Heliodor aus dem Tem- pel, die Debora, u. a.
Unter den Bildern, die er für das Ausland malte, rühmt man eine Aurora, welche der Churfürst von Mainz erhielt, und die Schlacht des Alexander, im Auftrage Philipp V. von Spanien ge- malt. Zu seinen Hauptwerken gehören auch die Gemälde im Bel- vedere zu Wien. Im sogenannten goldenen Cabinete sieht man in lebensgrossen Figuren an der Decke in achteckiger Form die Ent- führung des Cephalus durch die Aurora. In der Schlosskapelle ist die Auferstehung Christi an dem 1723 errichteten Altare. Im sie- benten Zimmer der Gallerie ist die Kreuzabnehmung in lebens- grossen Figuren auf Leinwand. Dann ist in der Gallerie des Bel- vedere auch eine kleine Darstellung der Entführung der Orithia durch Boreas. Im Erdgeschosse ist ein Gemälde, welches Kaiser Carl VI. von seinem Hofe umgeben vorstellt, wie ihm Graf von Althann 1728 knieend das Inventar der Gallerie überreicht. Der Kopf des Kaisers und des Grafen sind von J. G. Auerbach gemalt. Fiorillo rühmt vornehmlich ein Bild des Phaeton, welches in der Gallerie zu Wien seyn soll. Wenn nicht eines der genann- ten mythologischen Bilder darunter zu verstehen ist, findet man jetzt selbes nicht aufgestellt. Zu den vorzüglichsten Gemälden des Meisters gehören auch jene der Gallerie in Dresden. Da ist ein lebensgrosses Bild der Königin Sophonisbe auf dem Throne, wie sie das von Syphax übersendete Gefäss mit Gift empfängt. Von grösserer Ausdehnung ist der Kampf der Lapithen mit den Cen- tauren in halber Lebensgrösse. Kleiner ist ein zweites Bild des Raubes der Hippodamia, oder des Kampfes der Lapithen. Ganze Figuren in Lebensgrösse enthält ein drittes Gemälde, welches einen jungen Hirten mit Hund und Heerde vorstellt, wie ihm zwei Göt- tinnen auf Wolken erscheinen (Paris mit Juno und Iris?). Ein
- dymion, Acis und Galathea, Venus und Adonis, Zephyr und Flora, Bacchus und Ariadne, lauter grosse Bilder, die Oesterreich rühmt; Venus und Callisto, reiche Composition, Christus als Gärtner vor der Magdalena, römische Soldaten an einem Flusse ruhend, Im Museum des Louvre sieht man die Vertreibung des Heliodor aus dem Tempel, dann Adam und Eva, wie Satan auf ihre Verführung lauert. In der Eremitage zu St. Petersburg sind mehrere Werke von ihm, darunter ein Sabinerraub, Armida, welche den Rinaldo bekränzt, die fliehende Armida, und ein Paar andere Bilder von geringem Werthe.
Solimena erwarb sich durch seine Kunst Ehre und Reichthum, Er huldigte auch den Wissenschaften, und machte glückliche poe- tische Versuche. Er starb 1747 auf einem seiner Landgüter. In der Sammlung Paignon-Dijonval war bis 1810 sein Bildniss in eigenhäß- liger Zeichnung. Auch in der Tribune zu Florenz ist das Bildniss dieses Meisters, gest. von F. Gregory, in der Serie de' ritratti, und für das Museo Fiorentino. Auch J. J. Haid stach sein Bildniss, Oval von drei Genien umgeben. Bei d'Argensville finden wir es ebenfalls. C. G. Guttenberg stach das Haus des Solimena bei Neapel.
Von Stichen nach Werken dieses Meisters erwähnen wir fol- gende, meistens in grossem Formate.
Das Urtheil Salomon's, gest. von Prestel in Handzeichnungs- Manier. Jakob und Rahel am Brunnen, gest. von P. Monaco.
Judith im Begriffe dem Holofernes das Haupt vom Rumpfe zu trennen, gest. von Vangelisti.
Die Verkündigung des Engels an Maria, von Lemire und Perö für das Musee Napoleon gestochen.
Die Darstellung im Tempel, gest. von P. A. Kilian, der aber die Platte nicht vollendete, weswegen dieses grosse Blatt sel- ten ist;
Eine hl. Familie, gest. von Baron.
Die Flucht der hl. Familie nach Aegypten, gest. von N. De- launay jun., qu. 4.
Der Kindermord, von J. T. Prestel in Lavismanier gestochen.
Die hl. Familie in einer schönen Landschaft, von Delaunay jun. für das Cabinet Poullain gestochen, kl. 4. Die Taube Christi, gest. von J. E. Hand in schwarzer Manier, Die Auferstehung Christi, gest. von einem Unbekannten für Marillet's Verlag.
Maria Mater Dei, gestochen von Orsolini,
Mater Dolorosa, halbe Figur, gest. von M. Pitteri.
Die hl. Jungfrau mit dem Buche, halbe Figur. Gest. von J. G. Seiter in grösstem Formate,
Die heil. Jungfrau mit dem Kinde, ein solches Bild von G. Wagner, das andere von Berardi gestochen.
Maria mit dem Kinde auf Wolken und vor ihr St. Franz de Paula, gest. von G. Wagner für das Dresdner Galleriewerk.
Wagner stach dieses Bild zweimal, da die erste Platte nicht genügte. Auch Ph. A. Kilian stach dieses Gemälde für das Dresdner Galleriewerk, aber von der Gegenseite,
Maria mit dem Kinde auf Wolken, gest. von Wagner.
Maria Magdalena mit gefalteten Händen, gest. von E. G. Krüger,
Die Aufnahme des hl. Wilhelm von Vercelli in den Himmel, gest. von J. Malliar in Neapel.
St. Cajetan von Tiene, gest. von D. Cunego.