Soleiio, Gioi'510

Soleiio, Gioi'510, Maler von Alessandria , blühte in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts, ist aber, obgleich ein Künstler von Bedeutung, nach seiner Bildungs- und Lebensgeschichte unbekannt. Auch Lomazzo und Malvasia wussten nichts hierüber. Letzterer sagt nur, dass ein Altarbild der Hauskapelle der Conventualen in Alessandria, welches St. Augustin und St. Franz vorstellt, wie sie die Stadt der Madonna emptyehen, in jenem Style von Brill gemalt sei, welcher vor den Carracci in Italien herrschend war. Die Figuren verrathen mehr Fleiss als Geist, die Farbe ist matt und das Ganze zeigt einen Künstler, der die römische Schule nachahmen wollte, aber nicht konnte. Ein zweites Altarbild ist in der Dominicaner- kirche zu Casale, und stellt St. Lorenz auf den Knieen vor der Ma- donna vor, wie drei graziöse Engelchen den Rost zu heben su- chen. Hier erscheint der Künstler mehr auf Rafaelischer Bahn, in Reinheit der Zeichnung, in Schönheit und Grazie der Köpfe, so wie in bezeichnendem Ausdrucke. Durch das Fenster sieht man auf eine schöne Landschaft. Dieses Gemälde hielt Malvasia für das beste Werk, welches Casale aufzuweisen hatte, und dem nur mehr Leben in der Färbung und grössere Kraft des Helldunkels zu wün- schen wäre. Das Gepräge irgend einer Schule tragen also diese Werke nicht. Auch mit Bernardino Lanini, seinem Schwiegervater, ist er nicht zu vergleichen. Die Werke der römischen und mai- ländischen Schule scheint er daher nur nach Kupferstichen studirt zu haben. Am meisten nähert er sich dem B. Campi.

Fiorenzo behauptet indessen, Solerio bringe seinem Vaterlande grosse Ehre, und selbst das Ausland habe ihn geehrt. Nach der Angabe dieses Schriftstellers war er auch Bildhauer, und wurde auf den Hof Philipp II. nach Spanien berufen, wo er für S. Lo- renzo in Madrid mehrere Werke ausführte und die Bildnisse der ganzen k. Familie malte. Der König soll ihm 1580 auch das aus- schliessliche Privilegium ertheilt haben, das Wappen von Spanien und Portugal zu malen. Solerio soll aber die Vortheile dieser Begünstigung nicht erkannt, und daher in Mailand dieselbe einem anderen übertragen haben, woraus dieser grossen Nutzen zog. Diess erzählt Ghilini in den Annal. di Alessandria 1600 p. 167.

Dann rühmt Malvasia diesen Meister auch als Portraitmaler, und vergleicht ihn mit Passerotti, Archimboldi, Gaeta und dem Cremasker del Monte. Auch Lomazzo sagt, Solerio habe sich durch einige Bildnisse am Hofe des Herzogs Emanuel von Savoyen Ruhm erworben. Im Jahre 1587 starb der Künstler,