Zimmermann, Clemens, Historienmaler und Direktor der k. Cen- tral-Gallerie in München , wurde 1788 (den 4. Nov.) zu Düsseldorf geboren, und betrat schon in seinem zehnten Jahre die Bahn der
Kunst, obgleich damals noch die wissenschaftliche Ausbildung ei-
nen Theil der Zeit in Anspruch nahm. P. v. Langer, Direktor der Düsseldorfer Akademie, ertheilte ihm Unterricht in der Malerei, und diesem Meister folgte Zimmermann 1808 nach München, wo er an der Spitze der ersten Schüler der neu gegründeten Akademie stand. Von Liebe zur Kunst beseelt, und bei strenger künstleri- scher Besonnenheit erregte er bald Aufmerksamkeit, und bei der ersten Ausstellung 1812 gehörte sein Gemälde mit Merkur und Argus zu den schönsten Leistungen der Schule. Noch grössere Auszeichnung wurde ihm aber 1814 zu Theil, indem er die Preis- aufgabe löste, welche das Opfer Noah's nach der Sündfluth zum Gegenstande hatte. Gleichzeitig brachte er ein treffliches Oelge- mälde zur Ausstellung, Theseus und seine Mutter, wie sie diesem von den Thaten des Vaters erzählt. Die Figuren sind im Geschmacke der Antike gedacht und gezeichnet, erscheinen aber, wie in jener Zeit oft geschah, nicht statuarisch, sondern in Lebenswärme in- heiterer Umgebung. Auch viele Bildnisse malte der Künstler , wo- durch er schon früh in Auffassung und Darstellung der verschie- densten Charaktere Übung gewann.
Ausgerüstet mit allen technischen Mitteln, und wie wenige andere Künstler geeignet, den Wirkungskreis eines Lehrers zu be- treten, ernannte ihn König Maximilian I. zum Professor der Kunst- schule in Augsburg, und übertrug ihm zugleich die Leitung der Anstalt. Es war damals eine neue Einrichtung der Lokalität noth- wendig, so dass der Künstler die Zwischenzeit zu einer längst er- sehnten Reise nach Italien benützen konnte, indem ihm der König eine bedeutende Unterstützung zufliesen liess. Zimmermann stu- dirte jetzt mit Begeisterung die Werke Rafael's und seiner Schule, und sein angeborner Sinn für Schönheit der Form und für epische Charaktere hielt ihn fern von jener alt-deutschthümlichen Rich- tung, welche damals weit verbreitet war. Viele seiner schönsten Schöpfungen tragen einen idyllischen Charakter, und zeugen von einer heiteren Lebensanschauung. Das gemüthliche, seelenvolle Element herrscht auch in seinen religiösen Bildern vor, da ihm, wie im Leben, so auch in der Kunst starke leidenschaftliche Er- reger fern ist. Sein Sinn ist mehr auf das Liebliche, Seelen- volle gerichtet, und desswegen machen Zimmermann's Werke den wohlthuendsten Eindruck, da sie sich auch durch eine lebenswarme, zarte Färbung auszeichnen.
Im Jahre 1817 kehrte der Künstler an seinen Bestimmungsort zurück, und theilte fortan seine Zeit mit dem Unterrichte und der Ausübung seiner Kunst. Sein erstes Werk, welches er nach seiner Rückkehr aus Italien in Augsburg ausführte, ist eine lieb-
Mittlerweile eröffnete Kronprinz-Ludwig von Bayern der Kunst in München ein glänzendes Feld, und P. v. Cornelius kam 1820 von Düsseldorf, um dasselbe zu bebauen. An den Wänden und Plafonds der k. Glyptothek sind die ersten Blüthen, welche da- mals die Kunst in München trieb. Cornelius begann mit Eros, dem Bezwinger der Elemente, dieser Meister aber war nicht im Stande, allein den grossen Bildercyclus zu bewältigen. Er musste Gehülfen wählen, unter welchen Zimmermann einen hohen Rang einnimmt, so dass er in die Reihe der ersten Historiker der Münch- ner Schule zu stellen ist. Über seine Thätigkeit in der k. Pina- kothek, und über die Gemälde, welche er daselbst nach den Car- tons von Cornelius ausführte, haben wir schon im Artikel des Rit- ters von Cornelius berichtet, und daher ist das Weitere dort nach- zulesen. Wir bemerken daher nur, dass Zimmermann in jenen Jahren noch immer Professor der Kunstschule in Augsburg war, und nur in den Sommermonaten zur Förderung des Werkes Ur- heberschaft hatte. Im Jahre 1825 berief ihn aber König Maximilian in gleicher Eigenschaft an die k. Akademie in München, wo er jedoch bald die schmerzhafte Nachricht vom Tode des Königs erhielt. Lud- wig bestieg jetzt den väterlichen Thron, und die Kunst richtete freudig den Blick auf ihn. Cornelius ward zum Direktor der Aka- demie ernannt, und auch seine Gehülfen und Schüler sollten fortan des Schutzes des Königs sich erfreuen. Die Fresken in den Ar- kaden des k. Hofgartens waren ihnen zunächst bestimmt, und da nun heben wir als Zimmermann's selbstständiges Werk besonders die Belehnung Otto's des Grossen durch Friedrich Barbarossa her- vor, da die Composition eben so schön und reich, als die Fär- bung klar und harmonisch ist. Zimmermann erscheint in diesen Arkaden als reifer Meister unter hochstrebenden jüngeren Talen- ten*). Auch im Palaste des Herzogs Maximilian in Bayern sind Fresken von ihm. Er verzierte die Decke des Tanzsaales, und in der Kapelle malte er die Madonna auf dem Throne mit zwei schwe- benden Engeln, welche sie bekrönen. Die Figuren sind in starker Lebensgrösse und von grösster Schönheit der Form. Auf dem Felde der episch-lyrischen Dichtung sehen wir den Künstler im Speisesaale des von König Ludwig erbauten südlichen Residenz- flügels (Königsbau). Hier malte Zimmermann 34 Darstellungen aus Anakreons Liedern und Erzählungen, und es ward ihm ver- liehen.
*) Über diese historischen Bilder s. B. v. Hormayr, die ge- schichtlichen Fresken in den Arkaden des Hofgartens. Mün-
sind aber an den vier Wänden: In Förster's Leitfaden zur Be-
trachtung der Wand- und Deckenbilder des Königsbaues (Mün-
chen 1834, S. 62), und in Söltl's bildende Kunst in München 1842 S. 145 sind diese anmuthigen Bilder beschrieben, und es ist nur zu beklagen, dass wir dieselben nicht in Abbildungen besitzen. Die Ausführung der Gemälde geschah in Wachsfarben, und daher ist das Colorit von außerordentlicher Frische und Lebendigkeit, ganz dem heiteren Kreise der Dichtung entsprechend. Die Maler
Atschütz und Nilson standen ihm als Gehülfen zur Seite, Com-
position und Zeichnung rührt aber von Zimmermann allein her.
— In Anerkennung seines ausgezeichneten glücklichen Talentes für Form- und Farbengebung erhielt Zimmermann 1820 von Kö- nig Ludwig den Auftrag, die kleinen Skizzen von Cornelius für die Loggien der k. Pinakothek in Cartons, und dann in Fresco- bildern auszuführen. Auf die kleinen Zeichnungen haben wir schon im Artikel des P. v. Cornelius hingewiesen, und seit der 1840 erfolgten Vollendung der Malereien bietet dieser Corridor ei- nen Glanzpunkt der Kunst in München. Cornelius wählte den Stoff aus der Geschichte der Malerei, hauptsächlich der des Mittelalters, und fortgehend bis zur Mitte des 17. Jahrhunderts. Prof. Hiltner-
Spurger, Gassen etc. waren mit Zimmermann bei der Ausführung
der Gemälde in Fresco thätig, welche durch ihre Farbenpracht die geistreichen Compositionen des Altmeisters Cornelius noch er- höhen *). Zimmermann arbeitete an diesem Bilderzyklus fast zehn Sommer mit rastlosem Eifer, während die Wintermonate die An- fertigung der Cartons, und der Schulunterricht im Antikensaale seine Zeit in Anspruch nahmen. Dennoch ward er der Ölmalerei nicht untreu, sondern vollendete ausser mehreren höchst gelun- genen Bildnissen auch historische Bilder in Oel. Zu den früheren Arbeiten dieser Art (1820) gehört die liebliche biblische Idylle der Vermählung der heil. Catharina, ein höchst feines Staffeleibild, und dann die italienischen Pilger auf dem Wege nach Loretto, welche König Ludwig erwarb. Von ausgezeichneter Schönheit ist seine heil. Cäcilia mit zwei singenden Engeln, wie sie der göttlichen Har- monie lauscht. Dieses Bild erwarb 1836 der Kunstverein in Mün- chen. Ein späteres Gemälde (1837) stellt den Abschied des jungen Tobias von dem Aeltern dar. Er scheidet mit seiner Gattin, und noch unter dem Vorhofe segnet der Vater das jugendliche Paar. Alles ist zur Abreise bereit, das Gesinde wartet, ein Küher treibt die Schaafe vorwärts, und der Engel ergreift den jungen Tobias an der Schulter, welcher jetzt, zur Eile gedrängt, die Hand nach dem die alte Mutter küssenden Weibe ausstreckt. Dieses durch Schön- heit und Reichthum der Figuren, so wie durch meisterhafte Per- spektive ausgezeichnete Bild besitzt der Hofbuchdrucker Rösel. Im
*) An der neuen Pinakothek malt jetzt W. v. Kaulbach, die Ge- schichte der neueren Kunst, jener Stoiker aber im schwar- zen Gewande, welcher der alten Pinakothek den Rücken wen- det, ist nicht gerade als Wendepunkt der älteren und neue- ren Geschichte zu betrachten.
Nagler's Künstler-Lex. Bd. XXI. 19
C. Zimmermann wurde 1840 an R. v. Langer's Stelle Direktor der k. Central-Gallerie in München. Sein Sohn und Schüler Julius schreitet ebenfalls auf der Bahn der Kunst muthig fort.
Lithographien von und nach Zimmermann.
Anleitung zum Schattiren in der Figurenzeichnung (meist Kö- pfe nach Rafael) von Prof. Zimmermann. München; 1848, gr. fol.
Dieses Werk enthält 20 Blätter, welche zu München von Mit- terer gedruckt wurden. Vollständige Exemplare sind selten. Wei- gel werthet eines auf 514 Thl.
Ein ungenanntes Bildniss nach A. van Dyck, für das alte Münchner-Galleriewerk von Zimmermann auf Stein gezeichnet,
fol.
Die Kreuzabnahme. Original-Lithographie für die Sammlung von Orig. Handzeichnungen lebender bayr. Künstler. München bei Zeller, gr. fol.
Amorinen mit einem Faune scherzend. Original-Lithographie in H. Kohler's Münchner Album, München 1841 — 42, gr. fol.
Dieses Werk enthält auch die Portraite der Theilnehmer.
S. Cäcilia. C., Zimmermann pinx. Lith. von G. Scheuerlein, gr. fol.
Die Vermählung der heil. Catharina, lith. von H. Kohler, roy. fol.
Die Belehnung Otto's des Grossen mit dem Herzogthum Bayern, Frescobild in den Arkaden des Hofgartens in München. Lith. in dem Werke: Frescogemälde aus der Geschichte der Bayern — —. 19 Blätter., München, Cotta, qu. fol.; dann in Copien, München bei Herrmann, fol.
Diese Darstellung hat Zimmermann nicht selbst lithographirt.
Zimmermann hat in seiner früheren Zeit auch 6 Blätter mit Landschaften und architektonischen Ansichten aus Italien radirt. Die Platten kamen in den Besitz des Kunsthändlers Grünling in Wien, wo sie aber liegen blieben. Die Abdrücke scheinen bisher selten zu seyn, 8., 4. und kl. qu. fol.
Wir wissen nur von einer Ansicht des Colosseums und von Terracina.
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