Zelotti, Gianbattista, Maler, genannt Battista da Verona, war mit Paul Veronese Schüler von Antonio Badile, ahmte aber dem ersteren so vollkommen nach, dass man die Werke beider Künstler verwechselt hat. Vasari V. 61 lobt ihn im Leben des Sansovino, hält ihn aber für Tizian's Schüler, weil Zelotti von diesem Meister jene Wärme der Färbung entlehnt hat, welche Paolo nur selten erreichte. Auch in der Zeichnung fanden einige grössere Richtigkeit, als bei Paul Veronese, und Zelotti wäre jedenfalls demselben gefährlich geworden, wenn er es verstanden hätte, sein Talent nach Gebühr geltend zu machen. So war er zuweilen Paolo's Gehülfe, und dann malte er meistens entfernt von grossen Städten, öfters in Dorfkirchen, in Casinos und Landhäusern, gewöhnlich in Fresco. Diese Malereien verrathen ein reiches Talent zur Composition, und einen so feinen Sinn für Schönheit der Farbe, dass Zelotti zu den vorzüglichsten Frescomalern seines Jahrhunderts gezählt werden muss. Lanzi nennt ihn den zweiten Paolo, und glaubt, dass der erste nur schönere Köpfe gemalt, und durch grössere Mannichfaltigkeit und Grazie sich ausgezeichnet habe.
Die Oelbilder dieses Meisters sind selten. In der Galleria Carrara sah Lanzi eine heil. Familie im Style Tizians, und zwei an-
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Das Hauptwerk Zelotti's ist in der Villa Obizzi zu Catajo, wo er 1570 verschiedene Episoden aus der Geschichte des Hauses Obizzi in Fresco malte. Diese Gemälde sind nach Lanzi hinsicht- lich des Geschmackes, der Weitschichtigkeit und Seltenheit des Inhaltes eine Zierde des venetianischen Staates. Sie werden noch immer von Fremden besucht, da auch die Villa andere Sehens- würdigkeiten besitzt. Auch in der von Palladio erbauten Villa Fus- carini della Gambarere, und im Palast Capello sind Fresken von ihm. In den italienischen Sammlungen findet man auch schöne Zeichnungen von Zelotti. Sie sind meistens in Kreide und Tusch behandelt.
Nach Ridolfi starb der Künstler um 1590 im 60. Jahre, und Lanzi lässt ihn um 1592 sterben. Fiorillo nimmt 1595 als das To- desjahr des Meisters. Bei Ridolfi I. 348 findet man sein Bildniss, und ein zweites ist in der Serie der ritratti etc. VII. 144.
Stiche nach Gemälden und Zeichnungen.
Der Leichnam des Herrn auf dem Schoosse der unter den Kreuzen sitzenden Maria von zwei Engeln angebetet. Gest. im Wic- ner Galleriewerke von J. Perger, kl. fol.
Die Stigmatisation des heil. Franz, gest. von Th. Verkruys in das alte florentinische Galleriewerk, qu. fol. St. Magdalena in der Wüste, gest. von Th. Verkruys, kl. fol.
Allegorie auf den Frieden (?), nach einem Gemälde in der Gal- lerie zu Florenz. Eine Frau mit dem Schilde führt den Amor an der Hand, welcher an ein anderes Weib gefesselt ist. Dieses trägt den Zweig. HKad. von C. Maratti, kl. fol.
Ein sitzender junger Mann am Fenster mit der Guitarre, be- zeichnet: Il Zelotti depinse, 4.
Dieses Blatt gehört mit vier anderen Figurenstudien in Za- netti's Werk. Sie sind Bruchstücke von Fresken im Palast Fosca- rini und Capello, gr. 8.
Venetia auf der Weltkugel sitzend mit dem Löwen zu den Füssen, gest. von V. le Fevre, fol.
Ein Greis mit einem Mädchen, welches den Scepter hält, gest. von demselben, fol.
Lanzi sagt, dass le Fevre zwei Bilder aus dem Kathsaale der Zehn gestochen habe, welche mit Unrecht dem P. Veronese bei- gelegt werden. Wahrscheinlich die obigen Blätter,
Eigenhändige Radirung.
Das antike Opfer, Composition von sechs Figuren. Links vorn schlachtet ein Mann die Tiere, und der Priester bringt die Liba- tion. Zelotti inv. Reiches und seltenes Blatt, gr. fol.
Im späteren (?) Drucke mit: St. Scolari form. Füssly. Sagt man, finde dieses Blatt auch ohne alle Bezeichnung, und unterschieden in der Form,
Von den verschiedenen in Mailand ausgeführten Werken des Künstlers hat sich nur noch das Bild eines Johannes des Täufers mit dem Donator Grafen Gaspare Vimercati erhalten. Es befindet sich in der Sakristei von S. Maria delle Grazie. In dieser Kirche war zu Vasari's Zeit auch eine Auferstehung Christi mit schönen Verkürzungen, und Lanzi sah in S. Simpliciano eine Verkündig- ung mit täuschender Architektur. Diese Gemälde sind nicht mehr vorhanden, aber besser verschleppt als vernichtet. In St. Agatha zu Brescia ist ein Gemälde, welches Brognoli dem Zenale, andere dem Calisto da Lodi zuschreiben. Es stellt in der Mitte St. Agatha am Kreuze, und zu den Seiten je zwei Heilige dar. Sollten sich nicht noch mehr Werke von ihm finden, so ist es unmöglich, sich einen anschaulichen Begriff von dem Entwicklungsgange dieses ausgezeichneten Künstlers zu machen, Vgl. Passavant's Beiträge zur Geschichte der alten Malerschulen, Kunstblatt 1838, Nr. 67,
Lomazzo sagt auch, dass Zenale Traktate über die Perspektive und die Verhältnisse des menschlichen Körpers geschrieben, und sie 1524 seinem Sohne zugeeignet habe. Als Architekt war er für die Kirche St. Maria zu Bergamo thätig. Tassi (Vite de' Pittori — Bergamaschi 4. 87) erfuhr aus Rechnungsbüchern, dass der Künst- ler 1520 und 1525 um sein Gutachten wegen des Baues des Chores und eines zu fertigenden Altares in Kupfer befragt wurde.
Zenale starb 1520, 90 Jahre alt.
*) Vasari nennt ihn Bernardo da Trevio, einen Berühmten Zeichner und Ingenieur, der zur Zeit Bramante's in Mailand lebte, wo er mit L. da Vinci in Berührung kam.
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