Zeitblom, Bartholomäus, einer der trefflichsten Maler der schwä- bischen Schule, welcher aber erst in neuer Zeit nach Verdienst ge- würdigt wurde, besonders in der höchst interessanten Schrift von C. Grüneisen und Ed. Mauch, Ulms Kunstleben im Mittelalter, Ulm 1640, in Waagen's Werk: Kunstwerke und Künstler in Deutschi- land 41. 2. Leipzig 1843 und 45, und in Passavant's Beiträgen im Kunstblatt, 2, 40. Ueber die Lebensverhältnisse dieses Meisters ist wenig bekannt. Er war bereits 1468 ausübender Künstler, in den Steuerbüchern zu Ulm kommt er aber erst nach vor. In die- sem Jahre heirathete er die Tochter des berühmten Malers Hans Schülein (Schuelein), und wurde dadurch mit Martin Schaffer verschwägert, da dieser Schüleins jüngste Tochter zur Frau ge-
Die Anfänge seiner Kunst weisen auf die Schule des alten Friedrich Herlen, welcher von an die Grundsätze der Schule des van Eyck in Schwaben verkündete. Anderseits ist aber auch der Einfluss des fränkischen Hauptmeisters Wohlgemuth unver- kennbar; besonders in seinem Streben nach einer würdigen und bedeutsamen Erfassung des Gegenstandes, verbunden mit einem aufrichtigen Anschliessen an die umgebende Natur. Zeitblom folgte daher weniger der idealen Richtung der van Eckschen Schule, sondern strebte vielmehr nach der Realität der fränkischen Schule, welche sich in den schärferen Umrissen, in den ausdrucks- vollen, mehr charakteristischen als schönen Köpfen kund gibt. Doch liebte Zeitblom jene Wohlgemuth'schen hervorstehenden Backenknochen weniger. Seine meisten männlichen und weiblichen Köpfe haben eine eigenthümliche Gesichtsbildung, deren Grundtypus vielleicht in seiner Verwandtschaft zu suchen ist, welche ihm bei der Dar- stellung jugendlicher Figuren häufig ein Modell lieferte. In sei- nen Köpfen spricht sich aber eine edle, verständig, biedere Ge= müthsart aus, und der oft vorkommende nicht ideal schöne obere
Nasenwinkel deutet auf eine Familienverwandtschaft des Künstlers,
welche auch durch die feinen Lippen, und das leise Vortreten des Kinnes sich bemerklich macht. Das Bildniss des Künstlers auf der Rückseite des Altares auf dem Herberge hat denselben Typus. Seine Heiligen sind alle von edler Bildung und im Charakter mil- der Würde dargestellt, und statt des idealen Anstriches der Eyck'- schen Schule ist ihnen ein warmes Leben verliehen. Doch sind die Köpfe und Hände besser, als die Füsse, und überhaupt das etwas magere Nackte gezeichnet; die Bewegungen dagegen natür- lich, und nicht eckig und verschoben, wie oft bei früheren Mei- stern. Den Faltenwurf hielt er in gestreckten Linien einfach und grossartig, fern von jenem knäueligen Wesen der Wohlgemuth'- schen Schule. In Darstellung schlechter Charaktere folgte er aber anfangs der fränkischen und schwäbisch - augsburgischen Gewöh- nung, oder überhaupt der Richtung der damaligen deutschen Kunst ins Hässliche und Verzerrte, worauf wir im Artikel des M. Wohlgemuth aufmerksam gemacht haben. Als Colorist steht Zeitblom auf einer hohen Stufe. Besonders wusste er durch ein tiefes Violett neben entgegengesetzten, leuchtenden Farben, wie ein frisches Grün, ein warmes Braun, oder schillerndes Gelb, ei- nen eigenthümlichen Reiz zu erzielen. Seine Fleischtöne sind warm, und gehen in den Schatten ins tief Bräunliche in seiner mittleren Zeit, wurden aber kühler und feiner in seinen späteren Werken, welche überhaupt die vorzüglichsten sind. Die Bilder aus der frühen Zeit des Meisters erinnern entschieden an F. Her- lin den Alten. Den Uebergang machte er unter dem Einflusse des Martin Schön, bald aber erhob er sich zu selbstständiger Eigen- thümlichkeit, welche bereits 1488 auf das bestimmteste hervortritt. Was seine Stellung zu den übrigen grossen deutschen Malern sei- nes Jahrhunderts betrifft, kommt er als unmittelbarer Nachfolger des Friedrich Herlin und Martin Schön zunächst mit Hans Schüh- lein in Berührung, welcher ihm als eigenthümlicher Nebenbuhler gegenüber steht. Wenn Zeitblom am Reichthum der Phantasie
dem Schongauer nachsteht, den Herlein bei einer sehr schlichten Weise übertrifft, so steht er überdiess in Schmelz und Harmonie
der Farben, wenigstens in seinen früheren Werken, über beiden, und Schühlein ist hierin weit hinter ihm, obgleich sich dieser selbst auf einer hohen Stufe bewegt. Schühlein verfuhr mit der Palette nicht so sorgfältig als die genannten Meister, und erreichte bei seinem gelbbräunlichen Grundton keine solche Frische, als Zeit- blom. Dagegen aber hatte Schühlein dem noch mehr an das Ty- pische haltenden Zeitblom gegenüber in der Form sich vervoll- kommnet, eine kräftigere, rundere Zeichnung erlangt. Hierin steht Schühlein über M. Schön und Zeitblom, und er arbeitete in dieser Hinsicht dem M. Schaffner vor, dessen Hauptverdienst in noch höherem Grade die Zeichnung ist, deren Reinheit nach der frühe- ren Ansicht nur in Italien gesucht werden wollte. Schaffner erre reichte aber hinsichtlich der Färbung nicht einmal den Meister Schühlein, und von Zeitblom weicht er hierin so sehr ab, dass an eine Verwechslung nicht zu denken ist. Durch M. Schaffner gelangte aber die Ulmer Schule zur feinsten Ausgestaltung,
Zeitblom's frühestes, bis jetzt bekanntes Werk ist in der St. Georgenkirche zu Nördlingen, welches ihn als einen tüchtigen Schüler des F. Herlen sen. zeigt, welchem er die klare und warme Art der Ölgemälerei verdanken dürfte*). „Dieses Werk stellt die Ausflistung Christi durch Pilatus vor, und wurde nach der ein- geschnittenen Jahrzahl auf dem alten Rahmen 1468 gefertigt, und zwar auf Veranlassung des Kirchenpflegers Hans Gingger, welcher dort auf dem Bilde neben einer Volksgruppe kniet. Rechts oben in einer der durch die Säule getrennten Abtheilung sieht man Pi- latus, wie er Christum mit der Dornenkrone dem in der unteren Abtheilung versammelten Volke zeigt. Der eine der drei Henker hält ihn am Ringe um den Hals fest. Links sind drei andere Knechte, welche durch ihre Beschäftigung merken lassen, dass hier die Geißlung vollzogen wurde. Unter dem Balkone ist das Volk, welches in eifrigen Bewegungen und mit gemeinen Gesich- tern Crucifige ruft, wie ein Schriftstreifen anzeigt. Am Bretstuhl des Donators steht das Monogramm des Künstlers. Dieses Ge- mälde ist sehr fleissig behandelt, besonders in den warm colorirten Fleischtheilen. Die Figuren sind aber steif, und in der Hässlich- keit und Verzerrung einiger Kriegsknechte gibt sich die Neigung der fränkischen Schule kund, aus deren Fesseln sich der Künst- ler mehr und mehr losmachte. Im Jahre 1473 malte Zeitblom für die Pfarrkirche in Kilchberg bei Tübingen, und zwar auf Voran- lassung des Ritter Hans von Ehingen in Ulm, welcher in demsel- ben Jahre aus dem gelobten Lande zurückgekehrt war. Dieser Altar ist jetzt in Privathänden. Zwei Tafeln besitzt der Ober-Tri- bunalrath von Abel in Stuttgart, zwei andere der Domherz von Hirscher zu Freiburg im Breisgau. Die Bilder des ersteren stellen St. Georg mit dem Lindwurm und den heil. Florian, jene bei H. v. Hirscher den Täufer Johannes mit Agnus Dei, und St. Marga- retha mit dem Speer im Rachen des Ungeheuers dar. Die Heiligen stehen auf gewürfeltem Marmorboden unter gothischen Baldachi- nen vor einem goldgewirkten Teppiche auf blauem Grunde. Die Körperformen dieses Altares sind zwar etwas steif, mager und ohne richtiges Verhältniss, doch sind dies tüchtig gemalte Per- sönlichkeiten mit ausdrucksvollen Köpfen. Bart und Haupthaar können nicht schöner geordnet seyn. Auch die Farbe des Flei- sches ist gesund und frisch, so wie die übrige Farbe kräftig und
*) F. Herlen besuchte die Schule der van Eyck, trat 1455 in Schwaben auf, und starb den 12. Okt. 1451.
In die frühere Zeit des Künstlers mögen auch noch einige andere Bilder Zeitblom's gehören, welche wir aber nicht nach ei- ner Anschauung classificiren können. In selbstständiger Eigen- thümlichkeit erscheint aber der Meister in dem Altare aus Hau- sen von 1488, welcher sich jetzt in der Sammlung des Profes- sors Hassler zu Ulm befindet. Der Mittelraum des Altarschreines enthält in Schnitzwerk Maria zwischen St. Conrad und Ulrich. Die von Zeitblom bemalten Innenseiten der Flügel zeigen die Hei- ligen Nicolaus und Franz, die Aussenseiten Christus am Oelberge. An der Altarstaffel zeigt Christus zwischen beiden Heiligen die Wundmahle. In vollendeter Entwicklung und in meisterlicher Kraft erblicken wir nach Passavant den Künstler in den 1406 gefertigten Bildern zu einem Altarschrein aus der Pfarrkirche in Eschach, jetzt im Besitze des H. v. Abel in Stuttgart). Die inneren Seiten der jetzt durchsägten Tafeln stellen die Verkündigung und Heim- suchung der Maria dar, die äusseren die lebensgrossen Gestalten des Evangelisten und Täufers Johannes, beide von höchster Würde in der Haltung, und bezaubernd durch den Schmelz und die Har- monie der Färbung. Die Altarstaffel enthält die Brustbilder der vier lateinischen Kirchenväter, gleichfalls von ausgezeichneter Schön- heit und mildem Ernst. Die erwahnte Figur des Täufers Johannes malte Zeitblom auch in der Nische des westlichen Giebels der Klo- sterkirche zu Blaubeuern in colossalen Verhältnissen in Fresco, man weiss aber nicht, welche von beiden Gestalten die frühere ist. Wahrscheinlich ist das Fresco später, da der grosse Altar in der
Kirche zu den letzten Unternehmungen des Meisters gehört.
Im Jahre 1497 vollendete Zeitblom die Bilder des herrlichen Altarschreines in der Kirche auf dem Herbergo bei Gaildorf. Auf
*) Dieser Altar wurde nach Weyermann 1848 für etliche zwanzig Louisd'or verkauft, indem die Kirche ohne Mittel eine Baureparatur vornehmen musste. Im Inneren des Schrei- nes waren die Statuen der Maria und der beiden Johannes.
*) Im Schreine dieses Altares stand einst eine fünf Fuss hohe Marmorstatue der Madonna mit dem Kinde, welcher Wun derkraft zugeschrieben wurde. Jetzt ist diese Statue im Ar chive zu Sondheim. Sie wurde durch Holzbilder ersetzt. Maria mit dem Kinde steht zwischen St. Catharina und Bar bara.
In der Kapelle des kgl. Landschlosses zu Krauchenwies sind acht Tafeln, welche E. Mauch (Verhandlungen des Vereins für Kunst und Alterthum III. Ulm 1846, S. 24) zu Zeitblom's schön- sten Werken zählt. Sie enthalten Darstellungen aus dem Leben der Maria bis zu ihrem Tode. Die Figuren haben Lebensgrösse und sind auf Goldgrund gemalt. Auf den Rückseiten sind vier ge- malte Darstellungen aus der Leidensgeschichte des Herrn, und vier Reliefs. Sie haben stark gelitten, während die Vorder- seiten sehr gut erhalten und ohne Ausbesserung sind. Diese Bil- der zierten wahrscheinlich einen Altar. Andere Werke, welche auf Zeitblom's Werkstätte oder Schule zurückweisen, sind ausser dem kleinen Altar mit Tafeln aus dem Le- ben der Maria und dem Gemälde mit Brustbildern von Heiligen in St. Urban zu Hall, und mehreren weiblichen Heiligen in der Klo- sterkirche zu Murrhardt, vornehmlich die Hochaltarbilder in Blau- beuern, acht Tafeln im Frauenkloster zu Hegbach bei Biberach, und acht Tafeln aus dem vormaligen Augustinerkloster zu den Wengen in Ulm. Die acht Tafeln dieses Klosters, wovon zwei in der Samm- lung des Hr. von Abel zu Stuttgart sind, gehörten zu einem gros- sen Altarwerke, welches das Leiden des Heilandes auf dem Oel- berge schildert, und vor allem geeignet ist, das Streben des Mei- sters nach naturgetreuer Darstellung und tiefer Charakterisirung zu bezeugen. Auf der einen Seite ist die colossale Darstellung des Leidens Christi, wo jede Figur durch mehrere. Tafeln hindurch geht. Die Köpfe sind von hohem Ernste, die Körperformen von edelster Bildung, und die Gewandung von schönstem Wurfe. Auf den Rückseiten hat jede Tafel ein eigenes Bild von besonderer Lieblichkeit, aber von minderer Bedeutung als die zerstückelten grösseren Gemälde. Man sieht da die Verkündigung, Geburt, Be- schneidung, Darstellung im Tempel, die Himmelfahrt Christi, den Priester mit der Monstranz, den Täufer Johannes mit männlichen, und St. Margaretha mit weiblichen Heiligen. Auch zu dem Cyclus der Vorderseite gehören die einzelnen Gestalten der Heiligen Mar- garetha und Jacobus major. Die Schule des Zeitblom ist unver- kennbar an dem Typus und der Anmuth der Köpfe, doch bei min- der tief empfundener Darstellung und weniger feiner Plastik, als der Meister sie hatte. An Schönheit aber und Liebreiz dürften diese Gesichter, besonders der heil. Frauen, zu dem Besten ge-
Die acht Tafeln im Kloster Hegbach enthalten einen Cyclus von Heiligen, die Lebensgeschichte der Maria, und die Passion. Diese Darstellungen sind edel, und selbst die Kriegsknechte bei der Geisslung und Kreuzigung haben nicht mehr jene Uebertrei- bung der fränkischen Schule. Mehrere einzelne Figuren und Grup- pen sind so vollkommen, wie sie nur M. Schaffner geben kann, ebenso graziös ist besonders die Figur der heil. Catharina,
Einer der grössten und reichsten Altäre der christlichen Welt ist jener in Blaubeuen, dessen meisterhaftes Schnitzwerk lange Zeit dem Syrlin beigemessen wurde, aber sicher von einem Bild- schnitzer der Ulmer Schule herrührt, wie in Ulm's Kunstleben S. 67. dargethan ist. Auf den Aussenseiten der inneren Thüren des Schreines sind 16 Gemälde von Zeitblom und seinen Schülern, welche in zwei Reihen die Geschichte des Täufers Johannes schil- dern. Ist der ganze Altar geschlossen sieht man, an den äusseren Seiten der Thüren die Passion in vier Gemälden, und Figuren von Heiligen an den Seiten des Kastens und am hinteren Theile des Altars, wo auch das Schweisstuch mit den Engeln nicht fehlt. Am Deckel des Staffelkastens ist das apokalyptische Lamm gemalt, zu den Seiten je zwei Brustbilder der Evangelisten, und daneben Jo- hannes Baptist und St. Benedikt. An dem silbernen Teller mit
dem Haupte des Johannes ist das Ulmer Stadtwappen, und auf dem linken Beine eines Jünglings im Gefolge des Vierfürsten so wie
auf dessen Mütze, ist das Monogramm H A., welches Hans Acker bedeuten könnte. Die Zahl XVII. am Beine des Mundschenken macht die Vollendung des Bildes im Jahre 1517 nicht unwahrschein- lich. Die Verfasser von Ulm's Kunstleben im Mittelalter S. 50 er- kennen in diesen Bildern, welche Weyermann dem Stocker zu- schreibt, durchaus das Gepräge der Schule Zeitblom's. Der Mei- ster selbst dürfte nur Einzelnes, zumal in den Köpfen, ausgeführt haben. Ueber einen colossalen St. Christoph in Fresco an der Westseite der Kirche, haben wir oben benachrichtigt.
Die genannten Werke bilden noch einen grossen Reichthum an Gemälden Zeitbloms und seiner Schule in Schwaben, es sind hier aber noch andere Gemälde von ihm im Privatbesitze. Die Sammlung des Obertribunalrathes von Abel in Stuttgart glänzt vor allen, wie wir oben gesehen haben. In der Sammlung des Finanzrathes Eser in Ulm sind zwei Altarflüge aus der Kirche in Hürbel. Sie enthalten in Gross die Heiligen Catharina und Barbara auf Goldgrund. Der Antiquitätenhändler von Herrich in Ravensburg besass 1844 acht Tafeln mit Brustbildern in fast 4 Le- bensgrösse. Die Köpfe sind ohne Zweifel Bildnisse nach der Na- tur in Phantasiekleidung, alle schön, etliche ausgezeichnet, aber übermalt. Baron von Lassberg zu Meersburg erwarb zwei Tafeln, welche das Gepräge der Werke Zeitblom's tragen. Die eine stellt Maria und Elisabeth in Begrüssung, die andere Maria Magdalena und Ursula dar. Die Figuren haben im Kniestück 3 Lebensgrosse, Domherr von Hirscher in Freiburg bewahrt ausser den oben er- wähnten Werken eine Büste der heil. Anna aus einer Kirche in
In letzterer Zeit richtete auch der König von Württemberg ein besonderes Augenmerk auf die Werke der alten schwäbischen Schule, und somit steht zu erwarten, dass viele Bilder Zeitblom's für das Vaterland erhalten werden. Der Verein für Kunst und Al- terthum in Ulm hat von jeher darauf hin zu wirken gesucht, dass eine Gallerie von Werken der höchst interessanten und ausgezeich- neten Ulmer Schule errichtet werden möge, was um so wünschens- werter ist, da sonst in einem Decennium sicher viele Bilder über die Grenzen hin wandern werden.
Das Verzeichniss der Werke Zeitblom's ist aber mit den genann- ten Bildern noch lange nicht geschlossen. Er wurde erst in letz- terer Zeit der Vergessenheit entrissen, und somit mag noch man- ches Gemälde unbekannt verborgen seyn, oder einen fremden Namen tragen.
In der Gallerie des Erbprinzen von Sigmaringen ist ein gros- ses, 1847 von Kigner in Augsburg restauriertes Mittelbild (8 — 5 F. gross), welches die heil. drei Könige vorstellt, wie sie dem Kinde Geschenke darreichen. Die Figuren in 3 Lebensgrösse sind äußerst charakteristisch gezeichnet, in breiten schön gefalteten Gewändern mit ausdrucksvollen Köpfen. Diese Tafel wurde durch- sägt, da auf der Rückseite zwei andere Darstellungen gemalt wa- ren, nämlich die Opferung im Tempel und der Tod der Maria. In dem ersteren dieser originellen Bilder finden sich Köpfe, wel- che an Feinheit und Adel sich zur Reinheit der Rafaelischen Schule erheben. Der Tod der Maria ist von religiös zarter Auf- fassung. Auf dem grossen Bilde erscheint sie als schlichte deutsche Hausfrau, deren hohe Stirn von tiefem Ernste umzogen ist, wäh- rend der göttliche Knabe heiter in dem goldenen Gefässe des Kö- nigs spielt. Ueberdies finden sich in der Gallerie des Prinzen von Sigmaringen acht Tafeln mit Darstellungen aus dem Leben der Maria, Bilder von grösster Schönheit,
In der Morigkapelle (Gallerie) zu Nürnberg sind zwei Tafeln aus der Gallerie des Fürsten von Wallerstein, St. Margaretha und St. Ursula darstellend. Besonders schön ist letztere, von mildem und edlem Charakter, und von grosser Klarheit und Helle des war- men Tons. Das erstere dieser Bilder ist schlecht retouchirt. Dann schreibt ihm Waagen 1. c. I. 183 in dieser Gallerie ein Bild zu, wel- ches im Cataloge als H. Baldung Grien angegeben ist. Es stellt die heil. Anna mit Maria und dem Kinde auf den Armen, und zu den Seiten vier weibliche Heilige dar. Dieses Bild stimmt in keinem Stücke mit den echten Bildern jenes Meisters, sondern in den feinen und ansprechenden Gesichtsbildungen mit geraden, schmalen Nasen, dem zarten, klaren röthlichen Fleischton, den langen mageren Händen mit den früheren Werken Zeitblom's,
In der k. Pinakothek zu München sind Gemälde mit kleinen Figuren, der Ritter Georg mit der Fahne und St. Anton mit dem Schweine, beide aus der früheren Zeit des Meisters. Waagen (Neues Kunstblatt 1850 S. 306) erklärt auch das Nr. 88 des Catalogs dem Martin Schongauer zugeschriebene Gemälde für Zeitblom's Arbeit. Es stellt in lebensgrossen Figuren die Trauer um den Leichnam des Herrn dar. Man erkennt nach Waagen in diesem Werke nicht allein die von Zeitblom so häufig angewendete Gesichtsbil- dung und seine tiefe warme Färbung, sondern auch in einem be- sonderen Grade sein edles und tiefes Gefühl. Da die beiden an-
In der k. Gallerie zu Augsburg sind vier Tafeln mit 3 lebens- großen Figuren, welche Darstellungen aus der Legende des heil. Säulen, (nicht St. Ulrich) enthalten, und aus dem vormah- ligen Karmeliterkloster stammen. Waagen (K. u. K. in Deutsch- land Bd. 35) beschreibt diese Bilder, und erkennt darin eine hohe Stufe der künstlerischen Ausbildung. Die Figuren sind von gutem Verhältniss, die Zeichnung, zumal der Köpfe und Hände, zeugt von vieler Kenntniss, die Gewänder sind von einfachen, aber ge- radlinigen Falten. Ganz eigenthümlich ist die Zusammenstellung der Farben, worin ein dunkles Violett, Rosa, Schillerstoffe und braunlasirtes Gold mit vielem Geschmacke vereinigt sind. Der öf- ter bräunliche Fleischton ist minder warm als in den früheren Bildern von ihm zu Nürnberg, doch von ungleich grösserer Fein- heit und Sättigung. An die Stelle des Goldgrundes ist eine ziemlich einfache Landschaft getreten, und das architektonische Beiwerk ist nicht mehr das gothische. Conservator Eigner hat diesen Bil- dern ihre ursprüngliche Frische verliehen. In dieser Gallerie sind auch noch drei andere Bilder (1504) von Zeitblom, welche den Künstler von seiner günstigsten Seite zeigen. Sie stellen auf Gold- grund die Heiligen Alexander, Eventius und Theodotus dar. Vier andere Bilder von Heiligen auf Goldgrund sind weniger erheblich.
In der Sammlung des Kaufmanns Auberlen zu Augsburg wa- ren bis in die letzte Zeit zwei 5 F. hohe Bilder, welche die Hei- ligen Georg und Nikolaus, dann St. Catharina und Apollonia dar- stellen, die ersteren auf Goldgrund, die weiblichen Heiligen auf
blauem Grunde mit goldenem Sternenhimmel.
Das Todesjahr dieses Meisters, des deutschen Leonardo, ist unbekannt. Im Jahre 1517 war er noch thätig, wahrscheinlich ein tiefer Sechziger. Sein Bildniss ist auf der Rückseite des Altares auf dem Herrberg bei Gaildorf, lithographirt in dem oben erwähn- ten Werk des Alterthumsvereins für Ulm und Oberschwaben. In der Titelverzierung von Ulm's Kunstleben im Mittelalter, beschrie- ben von C. Grüneisen und E. Mauch. Ulm 1840, kommt es im Kleinen vor.
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