Zeghers oder Zegers, Herkules

Zeghers oder Zegers, Herkules, Landschaftsmaler und Radi- rer, wurde um 1625 zu Utrecht geboren, und war einer derjeni-

Zeghers ist der Erfinder der Kunst, durch Kupferabdrücke mit mehreren Farben Gemälde nachzuahmen. Er ätzte die Platte, und druckte dieselbe auf Leinwand oder auf mit Oelfarbe grün- ; dirtes Papier ab,- Hierauf überging er sie mit Oelfarben zum wei- teren Drucke, und nach einigen Oelretouchen. auf dem Abdru- cke, kam ein Bild heraus, welches einige Aehnlichkeit mit der neueren Lithochromie hatte. Doch fertigte der Künstler auch viele Abdrücke vor der reinen Platte, welche in Zeichnung und Be- handlung an die älteren holländischen Landschafter, als A. Miyou, J. Momper, Saftleven etc. erinnern. Nur der Baumschlag ist nicht ‚ gelungen, und alterthümlich, so dass seine Tannen und Fichten an jene von H. S. Lautensack und Hirschvogel erinnern. Dadurch ward Heinecke veranlasst, einige Blätter von Lautensack dem Zeg- hers zuzuschreiben. Diese Blätter, meistens Landschaften mit weis ter Ferne ohne alle Prätension der Nadel, gehören aber zu den geistreichsten Erzeugnissen ihrer Art, und sind im schwarzen Zu- stande jetzt äusserst selten, da er immer Versuche machte, durch Oelfarben ein Bildehen hervor zu bringen. Er fand aber mit die- sen Versuchen nicht einmal Beschauer, noch weniger Käufer, und auch seine Radirungen blieben unbeachtet. Die Kupferdrucker brachten ganze Körbe voll seiner Abdrücke in die Kramläden, und verkauften sie als Makulatur pfundweise. Der arme Mann konnte nicht so viel erlösen, um Leinwand zum Farbendrucke zu kaufen., Er leerte daher den Kasten seiner Frau, wofür ihn diese bei al- lem Unglücke mit Schimpfreden überhäufte. Endlich ätzte und

  • stach er eine Platte mit allem Aufwande seiner Kunst; allein kein Kunsthändler wollte sie kaufen, und man gab ihm den Bescheid, mit seinen Waaren nach der Vogtei des Zuchthauses zu gehen, wo die Züchtlinge seine Blätter für die Matrosendosen umformen könnten. Diese Schmach konnte aber der arme Mann nicht ertragen, und zerschnitt die Platte nach wenigen Abdrücken. Nach seinem Tode bezahlte man für jeden derselben 16 Dukaten, wie Hoog- straaten versichert. Zeghers erreichte kein hohes Alter. Um sein Unglück zu erleichtern ergab er sich zuletzt dem Trunke, und ver- lor durch einen Sturz von der Treppe das Leben. Das Todesjahr ist nicht bekannt. Basan ist weit im Irrthume, wenn er 1741 als solches nimmt. Hoogstraaten zählte ihn schon 1608 zu den Todten.

Ueber die äusserst seltenen Blätter dieses unglücklichen Künst- lers gibt Inspektor Frenzel im Kunstblatt 1820 Nachricht. In der k. Kupferstich-Sammlung zu Dresden sind deren 14 Stücke, wel- che einst Houbracken besass. Darunter ist ein Abdruck von sei-

*) Aus diesem Werke entnahmen J. C. Weyerman und Des- camps ihre Nachrichten über Zeghers.

  1. Landschaft mit einem sich weit ausbreitenden Baume in der Mitte des Blattes, rechts Häuser von Bäumen umgeben, im Grunde Schiffe auf der See, und in der weiten Ferne Thür- me. H. 8 Z. 2 L., Br. 10 Z. 3 L. ;

Dieses Blatt ist in Aquatinta übergangen, und die Luft bis über die Grenzen der Baumformen mit der Woge, wie bei den Schabblättern bewirkt. Zwei ähnliche Blätter lie- ferte im 16. Jahrhunderte D. Hopfer, und Zegers steht zwi- schen diesem und dem französischen Künstler le Prince als Erfinder der Tuschmanier, als welcher le Prince gilt.

  1. Reiche Landschaft in die Höhe und mit weiter Ferne. Links im Vorgrunde auf den Felsen Tannen- und Fichtenstämme, und auf dem Thalgebirge in der Mitte Gebäude von Ge- sträuchen umgeben, worunter rechts ein Thurm emporreicht.

  2. Reiche Gebirgslandschaft. Im Vorgrunde ein grosser kahler Hügel mit Steinen, rechts ein Werk mit einer Hütte. Leicht radiert und kräftig geätzt.

Ausser dem Exemplar in Dresden kennt man auch eines in der Sammlung des H. von Nagler in Berlin,

  1. Landschaft mit Felsmassen im Vorgrunde bis zur Ferne, Im Mittelgrunde ein kleiner Flecken, wo sich ein spitziger Thurm und die Brücke mit einem Bogen auszeichnen. Der Wasserfall gibt seine Masse nach dem Vorgrunde ab.

Von diesem geistreich radirten Blatte gibt es folgende Abdrücke:

I. Die ganz feinen Aetzdrücke. Ein höchst seltener Probe- druck in Dresden zeigt über den Bergen mehrere Proben von Kreuzschraffirungen.

II. Die Platte tiefer geätzt mit Anwendung von ganz feinen und dichten Schatten- und Halbschattenparthien, wodurch die Lichter pikanter werden,

III, Dieselben Vorzüge, An dem im Vorgrunde links befindli- chen Baumstamme sieht man einen Ast, an den Felsen rechts, und an drei anderen Parthien in der Ferne zeigen sich herausgeschliffene Stellen,

  1. Gebirgsgegend. Die Bergreihe geht nach dem Mittelgrunde und der Ferne, Auf der Fläche sind eine grosse Anzahl klei- ner Gebäude und Massen von Bäumen.

  2. Hohe Gebirgsgegend. In Vorgrunde rechts ein spitziger Fel- sen, an dessen Fuss ein kleiner Bach, und Bäume und Ge- sträuche sich ausbreiten. Hinter dem Felsen erhebt sich ein Bergschloss mit einem Thurme, und nach links bemerkt man ein sehr niedliches Blättchen, H. 3 Z. 5 L., Br.

Z. 7 L.

  1. Kleiner Wald von belaubten Bäumen. Es führt die Strasse durch denselben, und links sieht man eine alte Hütte mit spitzigem Schornstein. Dieses Blättchen ist die Arbeit eines genialen Künstlers, und von höchst geistreicher Behandlung.

  2. Ansicht eines Dorfes. Links sind grosse Bäume, welche sich gegen den Vorgrund her ausbreiten. Zum Dorfe im Mittel- grunde führt ein ziemlich breiter Weg. Sehr schöne, und mit vielem Geist radirte idyllische Composition., H. 5 Z

  3. Aussicht in eine grosse und weite Gegend, wo vom Mittel-

grunde bis nach der Ferne kleine Ortschaften sich zeigen.

Links in der Ferne ist ein breiter Strom, welcher kleine In-

seln bildet, Die Bergstrasse vorn rechts führt nach einer Burg. Fast nur im Umriss radirt. H. 522 L., Br. 7 Z. 41 L.

  1. Die Ruinen einer Kirche. Rechts bemerkt man besonders einen abgestumpften Pfeiler, hinter welchem andere nach einem mit Fenstern versehenen Giebel führen. In der Mitte ein Mann mit dem Reisebündel.

  2. Eine Marine. Auf dem Wasser gehen Schiffe, und im Vorgrunde sind zwei grosse Dreimaster. Kräftig im Um- riss geätzt. / 11

  3. Gebirgslandschaft. Nach rechts im Mittelgrunde ein hoher spitziger Felsen, an dessen Füss ein Dorf mit Kirche steht.

  4. Landschaft in die Höhe. Links ein Gebirgsweg mit hohen Bäumen, in der Ferne die Stadt mit Thürmen; Geistreich radirt, doch mehr im Umriss; Sammlung des Erzherzog Carl,

  5. Gebirgslandschaft mit sehr hohen Felsen; In der Ferne ein Dorf. Sehr leicht radirt. H. 3 Z. 7 L., Br. 4 Z. 11 L. Samm- lung des Erzherzog Carl

  6. Ein Seesturm. Verschiedene Schiffe den Wellen preisgege- ben. Sammlung des Erzherzogs Carl.

  7. Stillleben. Drei über einander liegende Bücher, das erste halb offen. Sammlung des Erzherzogs Carl:

  8. Grosse und reiche Landschaft, das letzte Blatt des Künst- lers. Rechts im Vorgrunde grosse mit Gesträuchen und Gras bewachsene Felsen, an welchen ein Stück Zaun bemerkt wird; Im Mittelgrunde liegen Flecken und Dörfer, und von Links und rechts ziehen sich hohe Felsen nach der Ferne. Schön gezeichnet, geistreich radirt und kräftig geätzt. H. 10 Z. 3 1/2, Br. 9 1/2

  9. Felsige Gegend. Im Mittelgrunde eine Thurmspitze über Gebäude emporreichend, links ein sehr hoher spitziger Fel- sen. Sammlung des Prinzen Friedrich in Dresden:

  10. Gebirgslandschaft in die Höhe. Rechts vorn hohe Felsen, im Thal ein Dorf mit Windmühle. Fast über die ganze rechte Seite des Blattes zeigen sich die Spuren eines gros- sen radirten Schiffes, woraus zu schliessen ist, dass die Platte grösser gewesen und zu einem anderen Gegenstande benutzt war. Sammlung des Prinzen Friedrich von Dresden,

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