Zauner, Franz

Zauner, Franz, Edler von Felpatan, Bildhauer, wurde 1746 zu Kauns auf dem Kaunerberger im Oberinnthale geboren, und er- hielt den ersten Unterricht bei seinem Vetter Horer in Passau . Hierauf arbeitete er zu Wien fünf Jahre im Atelier des Professors Schletterer, wo sich bei wenigen Hülfsmitteln sein Genie einen eigenen Weg bahnte. Das erste selbstständige Werk des Künst- lers ist eine Brunnenstatue im Hofgarten zu Schönbrunn, wo da- mals der Hofbildhauer Bayer die Arbeiten leitete. Zauner erwarb sich beim Fürsten von Kaunitz die Ehre, seine Kräfte versuchen zu dürfen, und das Modell wurde sogleich zur Ausführung in Stein bestimmt. Dieses Werk erwarb ihm auch die Gunst der Kaiserin Maria Theresia, und die Folge davon war 1776 ein Rei- sestipendium nach Rom , wo er 1781 einen Ruf an die k. k. Aka- demie nach Wien erhielt. Zauner erkannte das manierirte Wesen, welches damals in der plastischen Kunst herrschte, und er ver- wies seine Schüler an ein genaues Studium der Antike und der Natur. Er bezeichnete daher der Plastik eine bessere Richtung, seine Bemühungen hatten aber keineswegs jenen Erfolg, dass man mit seinem Auftreten den Anfang einer neuen Aera der Bildhauer- kunst in Wien bezeichnen könnte. Zauner konnte sich der con- ventionellen Formen selbst nicht ganz entäussern, und wenn auch mehrere seiner Werke entschiedene Verdienste haben, so waren sie doch nicht geeignet, das Auge für die strenge, natur-

Das grösste monumentale Werk, welches Zauner in Wien hin- terliess, ist aber die eherne Reiterstatue des Kaisers Joseph II., welche Kaiser Franz I. zu Ehren seines grossen Oheims setzen liess. Der Monarch, im römischen Costüm mit dem Lorbeer- kranze auf dem Haupte, hält mit der Linken die Zügel des Pferdes und streckt die Rechte vor sich hin. Die Figur des Kaisers, dessen Kopf von grösster Aehnlichkeit ist, wäre stehend 134 F. hoch, und das Pferd ist vom vorderen Standfusse bis über die Mähne des Ko- pies 2 Klafter 1 Fuss und 3 Zoll hoch. Im Jahre 1797 goss der

ünstler ein kleineres Modell der Reiterstatue in Erz, welches im Garten zu Laxenburg aufgestellt wurde. Es hat mit dem Piedestal eine Höhe von 12 Fuss. Im Jahre 1800 ging er endlich an den Guss des colossalen Reiters, und 1803 stieg das Pferd aus der Grube hervor. Der Guss gelang vollkommen, so dass Canova die Arbei- ter zum Gusse seiner Statue Napoleons nach Rom kommen liess. Canova behauptete, dass dieses Monument alles übertreffe, was bis dahin die neuere Kunst in Europa geschaffen hat. Zauner's Reiter- bild steht auf einem Fussgestelle von schwarzgrauem Granit mit der Inschrift: Josepho II. Aug. qui saluti publicae vixit non diu sed totus. Rückwärts: Franciscus Rom. et Aug. Imp. ex fratre nepos parenti posuit 1806. Auf den langen Seiten sind zwei grosse Bas- reliefs in Erz, welche sich auf die Beförderung und Aufmunterung des Handels und Ackerbaues beziehen. Die Hauptfiguren sind 4 F. 8 Z. hoch. An den Ecken stehen vier Pilaster corinthischer Orde- nung, und an diesen sieht man 16 Medaillons in Bronze, welche nach Münzen gearbeitet sind, die auf merkwürdige Ereignisse un- ter Joseph II. geprägt wurden. Die Einweihung dieses grossartigen Werkes erfolgte 1807. Zum Zeichen der Anerkennung erhob Franz I. den Künstler in den Adelstand, unter dem Namen Edler von Felpatan, nach einem kleinen Orte auf dem Kaunerberge. Zauner wurde 1792 akademischer Rath, und 1806 Direktor der Akademie in Wien, indem Füger die Direktion der k. k. Gallerie erhielt. Er fertigte in späterer Zeit noch mehrere schöne Bild-

*) Ueber den Guss und die Vorbereitung dazu gab J. Ellmauer ein Werk heraus: Inauguration der Bildsäule Kaiser Jo- seph II. Wien 1807, kl. fol. Mit einer Abbildung des Mo- numents von Jakob Merz. Eine ausführliche Beschreibung des Werkes findet man auch in C. Bertuch's Bemerkungen auf einer Reise aus Thüringen nach Wien, S. 57 u. 189:

Naglers' Künstler-Lex. Bd. XXII. 15

Der Edle von Felpatan starb zu Wien den 3. März 1822 im 76. Jahre. Der k. sächsische Hofmaler Vogel von Vogelstein zeich- nete 1813 das Bildniss des Künstlers, und fügte es seiner bekann- ten Porträtssammlung bei,

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