Zanetti, Conte Antonio Maria, quondam Girolamo, auch Eras- mus genannt, Kunstsammler , Kupferstecher und Formschneider , wurde zu Venedig geboren, und übte sich schon in früher Jugend in der Zeichenkunst . Als Knabe von 14 Jahren radirte er eine Folge von zwölf Blättern mit Köpfen und Figuren, welche dem englischen Arzte Dr. Mead dedicirt sind. Die Liebe zur Kunst begleitete ihn sein Leben lang, und da er Mittel besass, konnte er auch Sammlungen verschiedener Art anlegen. Seine Bibliothek, die Sammlung von Handzeichnungen, Kupferstichen, Münzen, an- tiken Steinen etc. war sehr bedeutend. Einen Theil der Hand- zeichnungen erwarb er in England , darunter jene von Parmigiano aus dem Cabinet Arundel, welche er in Helldunkel nachbildete. Seine Sammlung war reich an Blättern von L. van Leyden, Rem- brandt, Callot, Marc Anton, G. Pencz, Ghisi Mantuano, A. Fan- tuzzi da Trento, H. da Carpi etc. Sein gleichnamiger Neffe, der Erbe des Onkels, vermehrte diese Sammlung, besonders mit Sti- chen venetianischer Meister. Dieser jüngere A. M. Zanetti liess die seltensten Blätter von Rembrandt durch Curnani, Novelli und Sardi copiren. Der Sohn des Zanetti Giovane, ein reicher Ban- quier, bewahrte die von unserm Grafen gegründete Sammlung bis an seinen Tod; im Jahre 1791 kaufte sie aber Baron V. Denon mit den Zeichnungen von den Erben desselben *). Die Sammlung antiker Gemmen, welche Zanetti besass, ist durch ein Kupferwerk bekannt: Le Gemme antiche di A. M. Zanetti di Giro- lamo, illustrate colle annotazioni latine di A. F. Gori, volgariz- zate da Girolamo Francesco Zanetti di Alessandro. Venezia 1750. Mit 80 Blättern in fol. Dieser Zanetti di Alessandro war der Nefle unseres Kunstfreundes, und Bruder des folgenden A. M. Zanetti.
Der Graf A. M. Zanetti di Girolamo hat ferner das Verdienst, die Kunst, Bilder in Helldunkel zu vervielfältigen, wieder erweckt
*) Denon's Sammlung hat 1826 Duchesne sen., beschrieben:
Description des Objets d'Arts qui composent le Cabinet de Feu M. le Baron V. Denon.
Raccolta di varie stampe a chiaroscuro dai disegni ori- ginali di Francesco Mazzuola, detto il Parmegianino, e d''altri insegni autori da Antonio Maria Zanetti, qm. Gir. (quondam Girolamo), che gli stessi disegni possiede: Parte prima e seconda. In Venezia MDCCXLIX., gr. fol.
Von diesen Blättern sind 63 nach Parmegianino, theils mit des- sen Namen und Monogramm, theils ohne Zeichen. Sieben Blätter
sind nach Rafael's Zeichnungen, und eines nach L. Orsi ausge- führt. Das größte Blatt, der Durchzug der Israeliten durch das
Meer nach Rafael ist 8 Z. 4 L. hoch, und 13 Z. breit. Die übrige n Darstellungen sind in 12, 8 und 4, die wenigsten in kl. fol.
Zanetti selbst radirte zwei Blätter, Studien von 7 Köpfen und 6 Figuren; 16 Blätter mit biblischen und mythologischen Darstel- lungen, so wie Gruppen und einzelne Figuren sind von J. A. Fal- doni, A. Zucchi und C. Orsolini gestochen, und 10 Blätter hat G. B. Tiepolo radirt. Die Clair-obscur rührt von Zanetti her.
Die oben genannte Raccolta hat zwei Titel, so dass das Werk im Ganzen 72 Blätter enthält. Dann sind 4 gedruckte Blät- ter beigegeben, welche die Dedication an den Fürsten von Lich- tenstein und das Inhaltsverzeichniss geben. In der Dedication sagt Graf Zanetti, dass er nach einer Auflage von 30 Exemplaren die Platten vernichtet habe. Daher kommt die grosse Seltenheit die- ses Werkes. R. Weigel werthet das Exemplar, welches der engli- sche Consul John Smith, und dann Joshua Reynolds besassen, auf 80 Thlr. Einzelne Blätter stehen in einem Werthe von 1 — 2 Thaler und darüber.
Dieser Künstler ist auch der Haupturheber eines Werkes über die antiken Statuen, welche sich im Vorsaale der St. Markus-Bi- bliothek, und an anderen öffentlichen Orten befanden. Die Abbil- dungen sind von den beiden Antonio Maria Zanetti, und erschie- nen mit Text unter dem Titel:
Le antiiche Statue greche e romane che nell'antisala della li-
breria di San Marco, ed in altri luoghi di Venezia si trovano,
publicate ed illustrate da i Signori Cugini Antonio Maria Za- nelti. Venezia 1740 et 1743, 2 Bände mit 83 Blättern, fol.
Alle Blätter dieses Werkes sind sicher nicht von den beiden
Zanetti, J. Camerata soll Baereliefs nach ihren Zeichnungen ge- stochen haben.
Graf Zanetti di Girolamo starb zu Venedig 1757, wie Duchesne aine, der Herausgeber der Description du Cabinet Denon, Paris 1826, behauptet, wahrscheinlich nach Denon's Notiz. Andere se- tzen das Todesjahr des Künstlers um 1767. Rosalba Carriera hat sein Bildniß gemalt, und J. A. Faldoni dasselbe gestochen, gr. fol.
C. Gregori dedicirte ihm folgendes radirte Blatt: Fatum Ghis- mundae, A Joanne aS. Joanne egregie delineatum —. Eximio Viro Veneto A. M. Zanettio 1735, gr. d.
In den Lettere pittoriche II. sind vier an den Cav. F. Gaburri gerichtete Briefe von 1723 — 32 abgedruckt,
Ausser den oben erwähnten von Bartsch beschriebenen Blät- tern in Helldunkel erwähnen wir noch folgende;
XII teste e figure disegnate e intagliate all' acqua -forte da A. M. Z. (Monogramm des A. M. Zanetti) nell' eta d'anni quatordici, dedicate all' Eccell. Sig. Doctor Mead amatore illustre delle belle arti —. 13 Blätter mit Titel und dem Zei- chen des Künstlers, 8.° und kl. 4.°
Eine Folge von 12 Blättern mit Figuren und Thieren, nach
Zeichnungen von B. Castiglione. Gandellini sagt, diese ra-
dirten Blätter seyen mit jugendlichem Feuer und mit aus-
erlesenem Geschmacke gearbeitet. Im Rigal'schen Cataloge
werden dem Zanetti nur drei allegorische Darstellungen nach Castiglione zugeschrieben.
St. Petrus auf Wolken sitzend in päpstlichem Ornate, wie er das Kreuz betrachtet, welches Engel in der Luft tragen. Jacobus Tintorettus inv. Antonius Maria Zanetti del, et sculp. Schöne und seltene Radirung, s. hoch fol.
Der schlafende Cupido, nach Mich. Angelo radirt, 4.
Der Centaur Chiron unterrichtet den Achilles im Leyerspiel. Ant. M. Zanetti. Hier. F. dono dedit et dicavit, Seltene Ra- dirung, qu. fol.
Der Centaur mit seiner Familie, welcher Zauberkünste treibt. Antonio Maria Zanetti, Hier., F. dono dedit et dicavit (an J. Mariette). Seltene Radirung, qu. fol.
Die Centaurnfamilie in einer Eandschaft, wie oben bezeich- net und dem Consul Smith gewidmet, Seltene Radirung,
u. fol.
Bacchus mit der Weinrebe, wie er aus dem Glase trinkt, welches ihm ein Kind reicht. Radirung mit dem Zeichen des Künstlers, Oval 8.°;
Eine Carrikatur auf den Musiker Farinelli, von Gandellini erwähnt.
Die Madonna mit dem Kinde auf Wolken, nach Parmegia- nino, Helldunkel von drei Platten 1722. Dem Bartsch un-
St. Petrus und Paulus gegen links gehend, nach Parmegia- nino, Helldunkel von drei Platten, Bartsch fehlend. H. 5 Z. Z. L., Br. 3 Z. 7 L.
St. Andreas mit dem Kreuze, Nach Parmegianino, Helldunkel von zwei Platten, Bartsch unbekannt, 8.
Die Auffindung des heil. Kreuzes durch St. Helena, reiche Composition nach Tintoretto, Helldunkel von drei Platten,
Der Faun mit dem Liebesgott, von R. Weigel dem Zanetti zugeschrieben. Oval 3,
Der Kopf eines Mannes mit kahlem Haupte en face. Hell- dunkel von zwei Platten, und nicht beschrieben. R. Weigel hält es für echt. H. 6 Z. 6 L., Br. 5 Z.
Folgende Blätter von Nr. 16 — 10 erwähnt Bartsch zu den Clair-obscura des oben erwähnten Werkes, Sie kom- men einzeln vor.
(B. 1). Die Verkündigung des Engels. Maria ist rechts ne- ben dem Bette, links der himmlische Bote. Ohne Zeichen. H. 5 Z. 1 L., Br. 2 Z. 3 L.
(B. 2). Ein stehender, nackter junger Mann mit einem Män- telchen um die Schulter, und) den Stock in der Linken, Ohne Zeichen., H. 5 Z., Br. 2 Z. 8 L.
(B. 3). Ein sitzendes Weib, welches den linken Arm an das Fenster lehnt. Durch dieses sieht man in der Luft einen Engel mit dem Kreuze, Links oben: R. V., rechts das Zei- chen des Künstlers mit Jun, Helldunkel von 4 Platten. H.
Bartsch sah im Cabinet des Grafen Fries einen Abdruck ohne Zanetti's Zeichen. Dafür aber ist links unten das Mo- nogramm des Andrea Andreani mit der Beischrift: in man- toia 1602. Mit diesem Abdruck wollte Zanetti den J. Ma- riette täuschen,
- (B. 4). Mutius Scävola, wie er die Hand über das Feuer hält. Links sind fünf Figuren von Männern. Links oben das Monogramm Zanetti's mit J. f. 1727. Helldunkel von drei Platten. H. 8 Z. 7 L., Br. 6 Z. 7 L.
Dieses Blatt ist eine etwas grössere Wiederholung jener Darstellung, welche in der Raccolta ohne Zeichen vorkommt.
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