Zahn, Wilhelm

Zahn, Wilhelm, Professor , Maler und Architekt von Cassel , einer der berühmtesten Künstler und kunstforscher unserer Zeit, machte

seine Studien an der Akademie der genannten Stadt, und begab sich dann zur weiteren Ausbildung nach Italien . Er richtete in Rom und Neapel ein besonderes Augenmerk auf die alten Ueber- reste der Architektur mit ihrer malerischen und plastischen Aus- schmückung. Das Studium der antiken Wandmaßwerke und der Ornamente aller Art machte in ihm schon früh den Entschluss fest, ein Decorationswerk auszuarbeiten, welches um so größere Erwartungen erregte, als dem Künstler in Neapel die seltene Ver- günstigung zu Theil wurde, bei den Ausgrabungen in Pompeji einige Sommer gegenwärtig zu seyn, und sogleich Alles zu zeich- nen, was an Kunstwerken verschiedener Art zu Tage gefördert wurde. Dann standen ihm die Museen in Neapel und Portici offen, und er hatte die Erlaubnis alte und neue Fundstücke zu copiren, ja Malereien und Ornamente unmittelbar auf den Origi- nalien durchzuzeichnen *). Als Frucht dieses Studiums ist eine Sammlung von Ornamenten zu betrachten, welche als Vorläufer eines größeren Werkes im Cotta'schen Verlage unter folgendem Titel erschien:

Neu entdeckte Wandgemälde in Pompeji, gezeichnet

von W. Zahn, in 40 Steindrücken. München 1828, fol.

Während der Publikation dieses Werkes befand sich Zahn wieder in Deutschland , indem er 1827 aus Rom nach Cassel berufen wurde, um mit F. Müller und von Rhoden das Churfürstliche Palais am Wilhelmsplatz auszuschmücken. Nach Vollendung dieser De- corationsarbeiten begab sich der Künstler wieder nach Italien, um die unterbrochenen Studien mit erneuerter Kraft wieder aufzuneh- men. Zunächst bot ihm Pompeji die reichste Ausbeute, und Zahn schloss jetzt der Ornamentik einen früher ungekannten Kreis der Darstellung auf. Er zeichnete zu diesem Zwecke die schön- sten Verzierungen und merkwürdigsten Gemälde aus Pompeji, Herkulanum und Stabiae, und da sein zweites Werk im gros- sen Formate erscheinen konnte, so war es möglich, die Umrisse der schönsten Gemälde nach den Durchzeichnungen auf den Origi- nalien zu geben. Die Anwendung des lithographischen Farbendru- ckes, welcher damals bereits in München von Weishaupt in An- wendung gebracht wurde, und durch Zahn eine wesentliche Ver- vollkommnung erhielt, war besonders geeignet, eine den antiken Vorbildern ganz entsprechende Lebhaftigkeit zu geben. Das zweite Werk des Künstlers erschien unter folgendem Titel, und kostete in der Prachtausgabe 60 Thlr.

Die schönsten Ornamente und merkwürdigsten Gemälde aus Pompeji, Herkulanum und Stabiae, nebst einigen Grundrissen und Ansichten nach den an Ort und Stelle gemachten Originalzeichnungen von Prof. W. Zahn, 10 Hefte mit lith. und in Farben gedruckten Blättern., Ber- lin, Reimer 1828, 29, roy. fol.

Dies ist die erste Abtheilung eines Werkes, welches damals nicht seines Gleichen hatte, und auch die spätere Fortsetzung steht einzig da, vollkommen geeignet, uns richtige Begriffe von der Malerei der Alten zu geben. Nach der Publikation der ersten Ab-

*) Ueber die Bemühungen des Künstlers während seines ersten Aufenthaltes in Italien s. Bötticher's artistisches Notizblatt, 1828 vom 17. September, und Goethe's Kunst und Alterthum 1828, S. 288.

Zahn, Wilhelm.

  1. Abtheilung erschien aber zunächst ein Ornamentenwerk in Lieferun- gen, wozu er die Materialien in Italien und Griechenland gesammelt hatte. Die Zeichnungen, welche er zu diesem Zwecke ferti- gte, sind sehr schön in Farben behandelt, so wie Zahn übri- genfalls als Zeichner und Aquarellmaler hohe Meisterschaft behaup- tet. Die Vorbilder fand er in den Resten antiker Gebäude, in Wand- und Vasengemälden, und die Terracotten, welche ursprüng- lich bemalt waren, lieferten ihm einen anderen Theil. Das ge- nannte Werk hat folgenden Titel:

Ornamente aller klassischen Kunstepochen nach den Originalen in ihren eigenthümlichen Farben dargestellt von W. Zahn. 11 Hefte mit farbigen Lithographien, Berlin, Rei-

mer 1830, 45, qu. fol. Inzwischen erschien auch ein kleineres Werk über Ornamente:

Auserlesene Verzierungen aus dem Gesammtge- biet der bildenden Kunst, zum Gebrauche für Künstler und kunstbeflissene Handwerker, zugleich als Vorlegeblätter.

Dieses Werk erschien von 1842 an zu Berlin in Heften mit

Umrissen, roy. 4. Bis zum Erscheinen der zweiten Abtheilung des grossen Wer- kes über Herkulanum, Pompeji und Stabäi verflossen zehn Jahre.

Diese verlebte der Künstler in Italien, und die grösste Zeit brachte

er in Pompeji und Neapel zu. Die günstigsten Monate verflossen

ihm in der Umgebung von Ruinen, und er war Zeuge der wich- tigsten Entdeckungen. Dadurch sah er sich in den Stand gesetzt, ausserordentliche Materialien zu sammeln, wie sie zum Theil nur im Moment frischer Ausgrabungen zu erlangen sind. Er erhielt sogar 1837 die Erlaubniss, alle seit mehreren Jahren ausgegrabe- nen Bronzen, Vasen, Candelaber etc. formen und abguss en zu lassen. Die Sammlung, welche der Künstler zusammenbrachte, ist daher von höchstem Interesse. Im Jahre 1856 machte er in Pom- peji einen merkwürdigen Fund von silbernen Gefässen und Mün- zen der Cäsaren, worüber das Kunstblatt des genannten Jahres S. 152 berichtet. Später (1837) entdeckte er die Reste der alten Stadt Teglana bei Torre dell' Annunziata in der Nähe von Nea- pel. Die Hauptaufgabe des Künstlers blieb aber die Fortsetzung seines grossen Werkes. Er fertigte zu diesem Zwecke die Grund- risse, Aufrisse und Durchschnitte aller seit 1828 in Herkulanum ausgegrabenen Häuser. Dann zeichnete er alle Details, Ornamente und Malereien, welche von 1830 – 40 zu Pompeji in der Strada di Mercurio, der Strada della Fortuna, in der Casa del Cignale etc. ausgegraben wurden, nebst vielen Grundrissen, Aufrissen und Durchschnitten von Häusern. Von vielen solchen antiken Gebäu- den machte er Zeichnungen, wie sie ursprünglich gewesen seyn mussten. Im Jahre 1840 kehrte Cav. Zahn endlich nach Deutsch- land zurück, und stellte seine reiche Sammlung in Berlin auf. Er brachte auch eine in Cumae aufgefundene Statue der Venus mit, welche zu den herrlichsten Werken der alten Kunst gehört. Auch eine Gemäldesammlung hatte er in Italien zusammengebracht, wel- che Bilder von hohem Interesse zählt. Zahn ist nicht allein ein grosser Kenner der antiken Kunst, sondern umfasst auch mit glei- cher Einsicht die Werke späterer Zeit, besonders der Malerei in allen Zweigen. In Berlin beförderte er die zweite Abtheilung sei- nes grossen Werkes über Herkulanum, Pompeji und Stabiä zum Drucke, welches unter folgendem Titel erschien:

Die schönsten Ornamente und merkwürdigsten Gemälde aus

Pompeji, Herkulanum und Stabiä, von W. Zahn., Zweite Folhe

Die dritte Folge erschien von 1850 an in demselben Verlage, und in 10 Heften, mit Chromolithographien, roy. fol.

Im Jahre 1850 unternahm Ritter Professor Zahn auch eine Kunstreise nach Frankreich und die Niederlande, um die Malwerke der alten Meister zu studiren, mit besonderer Rücksicht auf die Miniaturen in alten Handschriften. Er machte bei dieser Gelegenheit viele archivalische Studien, so dass er wahrscheinlich auch ein Werk über mittelalterliche Kunst beabsichtigte. Vgl. Neues deutsches Kunstblatt 1850, S. 270.

Das Bildniss des Künstlers, von Naumann gezeichnet, befindet sich in der berühmten Portraitsammlung des Hofmalers Vogel von Vogelstein in Dresden.

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