Zagel, Zantzinger, Zasinger, Zatzinger, Zingel, Martin, wird ein Kupferstecher oder Goldschmied genannt, dessen Namen aber keines der ihm zugeschriebenen, nur mit den Buchstaben M. Z. versehenen Blätter trägt. Auch Matthäus Zasinger oder Zeyssin- ger, Zingel, Zink und Zündt wird er genannt, aber nur durch Verwechslung mit dem Nürnberger Mathias Zündt , welcher viel später lebte. B. von Aretin (Beiträge zur Geschichte der Literatur I. 70) will entdeckt haben, dass der Künstler Matthäus Zeyssinger heisse, und Goldschmied gewesen sei, allein er hat nur bewiesen, dass von 1505—9 dieser M. Zeyssinger mit Hans Ostendorfer in München eine Druckerei hatte, aus welcher kleine Plagen und
- Flugblätter hervorgingen, auf welche wir im Artikel des Hans Ostendorfer bereits aufmerksam gemacht haben. Ob die daselbst erwähnten Holzschnitte von dem Maler Ostendorfer oder von Zeyss- singer seyen, ist nicht zu bestimmen, ein Meister M. Z. hat aber in Holz geschnitten, und zwar zur Zeit des sogenannten M. Zagel oder Zasinger, welcher vielleicht mit dem Formschneider M. Z. Eine Person ist.
Martin Zasinger, oder Matthäus Zeyssinger, wenn man will, soll nach einigen um zu Nürnberg , nach Malpe um 1450 ge- boren worden seyn. Diese Angaben sind willkürlich, und es ist nur so viel gewiss, dass der Künstler M. Z. um 1501 zu München noch mit Kraft gearbeitet habe, wie man es von einem Greise nicht erwarten kann. Dieser Zagel oder Zeyssinger, wel- cher unter dem Monogrammisten stecken soll, muss daher eher um 1450, als um 1430 geboren worden seyn. In den Papieren der alten Künstlerzunft in München, welche uns zu Gebote standen, fanden wir keines Meisters dieses Namens erwähnt, was indessen keinen Ausschlag gibt, da die Goldschmiede in der genannten Stadt eine eigene Zunft bildeten, deren Akten nicht mehr so weit hinaufreichen. Auch glauben wir nicht, dass alle mit dem Zei- chen M. Z. versehenen Blätter von einer und derselben Hand her- rühren, da einige einen begabteren Künstler beurkunden, welcher den Albrecht Dürer zum Vorbilde genommen hat, wie namentlich das ausdrucksvolle Blatt mit der Enthauptung der heil. Catharina beweiset. Auch noch einige andere Blätter sind in Dürers Manier gearbeitet. Von diesen unterscheiden sich wieder andere wesentlich, wie die Nr. 4, 8 und 20 bei Bartsch, und in unserem Verzeichnisse. Es wäre daher wohl möglich, dass zwei Stecher sich des Zeichens M. Z. bedient haben, vielleicht Vater und Sohn. Von dem älteren M. Z. könnten die Darstellungen aus der Ars moriendi herrüh- ren, welche in alten Abdrücken äusserst selten vorkommen dürf- ten. Sonderbarer Weise finden sie sich in einem Buche, welches
- mehr als hundert Jahre später erschien, unter dem Titel: »Kurzer
Begriff der fürnemsten Versuchung, mit welchen der Laidige Sa- than den sterbenden Menschen gemeiniglich anfechten thut etc.
; _ sup. permissu. München bei Peter König. Auf dem letzten Platte: . Gedruckt zu München bei Anna Beringer im Jahr MDCXXII.
In Verlegung Peter Königs Kunstführer, kl. 8. In diesem Werke
Die genannte xylographische Ars moriendi ist äusserst selten. Die k. Hofbibliothek zu München bewahrt ein Exemplar. Auch R. Weigel in Leipzig besitzt ein Exemplar mit 14 Darstellungen, im Ganzen 24 Blätter, welche mit den weissen Rückseiten zusam- mengeklebt sind. Zu Anfang und zu Ende ist ein einzelnes, auf einer Seite bedrucktes Textblatt. Das Papierzeichen ist der Anker mit dem Ringe oben und unten. H. 7 Z. 11 L. — 8 Z. 3 L., Br. 5 Z. 8 L. — 6 Z. Im dritten Hefte der Aehrenlese auf dem Felde der Kunst (von Weigel) ist das erste Blatt facsimilirt. Damit stimmt der alte Stich von M. Z., und der Holzschnitt bei Walasser, nur fehlen die Bandrullen mit der Schrift, welche auf dem Xylogra-
*) Eine Münchner Schule nimmt man bisher nicht an, wir wer- den aber bei anderer Gelegenheit zeigen, dass schon im 15. u. 16. Jahrhundert in München ein bedeutendes Kunststre- ben war. Die sogenannte Schule von Landshut ist dagegen schr problematisch, so wie auch Mair von Landshut nicht in der niederbayerischen Stadt, sondern in Mähren thätig war. Zu Anfang des 14. Jahrhundert kamen Künstler von Mün- chen nach Landshut, jene Meister aber, welche man na- mentlich zur Landskuter Schule zählt, lebten fast alle im München. Hier fand später die Richtung der Augsburger Schule Eingang.
Naglers Künstler-Lex., Bd. XXII, 12
Bartsch, P. gr. 371 ff. schreibt diesem Meister 21 Blätter zu, und kümmert sich wenig um seinen Namen. Diese Blätter sind alle selten, einige im guten Drucke schwer zu finden.
- Salomon betet den Götzen Milkon an. Er kniet vor der Säule, auf welcher die Statue steht, und hinter ihm sieht man eines seiner abgöttischen Weiber, In der Mitte unten M. Z./ oben 1501. H. 6 Z. 9 L., Br. 5 Z. 10 L.
Hochwiesner 8 fl. 15 kr. Sternberg 9 Thl.
- Die heil. Jungfrau mit dem Kinde auf einer Bank bei der Fontaine. Im Grunde Gebäude am Flusse. In der Mitte unten M. Z., am Brunnen 1501. H. 6 Z. 7 L., Br. 5 Z. 9 L.
Sternberg 4 Thl.: Ackermann 4½ Thl.
Die Enthauptung des Täufers Johannes. Der Henker legt das Haupt in die Schüssel der Herodias. In der Mitte un- ten das Zeichen, H. 7 Z. 4 L., Br. 5 Z. 3 L.
Die Marter des heil. Sebastian. Er ist links am Baume von Pfeilen durchbohrt, und vorn rechts erscheint Diocletian zu Pferd mit Gefolge. Diese Darstellung erkennt man seit Bartsch. Das Blatt stellt aber die vier Königssöhne dar,
welche nach der Leiche ihres Vaters schießen, bis auf den
jüngsten, in welchem Bartsch die Irene erkennen möchte. Die Scene ist aus den Gestis Romanorum entnommen, dem
Legendenbuch des christlichen Mittelalters, welches mit Voß-
raignè's goldener Legende eine Fundgrube der Künstler war.
In der Mitte unten das Zeichen. Anscheinlich Copie nach
Mair von Landshut (?). H. 6 Z. 4 L., Br. 9 Z.
Von dieser Darstellung existiren neue Abdrücke. Stern- berg 2½ Thl. Ackermann 3½ Thl. Weigel 6 Thl.
St. Sebastian am Baume von drei Pfeilen durchbohrt. In der Mitte unten das Zeichen. H. 3 Z. 4 L., Br. 2 Z. 4 L.
St. Georg zu Pferd im Begriffe nach dem Drachen zu hauen. In der Ferne links die Könige, im Grunde die Mühle; in der Mitte unten das Zeichen. H. 3 Z. 10 L., Br. 3 Z. 3 L.
St. Christoph mit dem Jesuskinde durch den Fluss schrei- tend. Rechts im Grunde der Eremit, in der Mitte unten das Zeichen, H. 7 Z., Br. 4 Z. 9 L.
Die Enthauptung der heil. Catharina in Gegenwart des Kai- sers Maxentius, reiche und ausdrucksvolle Composition im Geiste Dürer's, In der Mitte unten das Zeichen. H. 11 Z. 6 L., Br. 9 Z. 6 L.
Die späteren Abdrücke sind retouchirt, und theils neu. Sternberg 12 Thl. Weigel 8 Thl.
Die Hinrichtung der heil. Barbara. Der Henker erfasst sie mit erhobenem Schwert bei den Haaren. In der Mitte unten das Zeichen, H. 5 Z., 7 L., Br. 4 Z. 7 L. Sternberg 4½ Thl. Weigel 3½ Thl.
St. Ursula mit Buch und Pfeil, nach rechts gehend. Das Zeichen in der Mitte unten. H. 4 Z. 9 L., Br. 3 Z. 2 L. Die neuen Abdrücke veranstaltete der Kunsthändler Stö- ckel in Wien.
Sternberg 4 Thl. Weigel 3 Thl.
St. Margaretha mit dem Drachen. In der Mitte unten das Zeichen. H.4 Z. 7 L., Br. 3 Z. 2 L. 13). Der grosse Ball in der neuen Veste zu München, reiche Composition. Im Grunde ist Albert IV. mit seiner Gemah- lin am Spieltische. In der Mitte unten das Zeichen, oben die Jahrzahl 1500. Seltenes Hauptblatt. H.8 Z., Br. 11 Z. 6 L. Sternberg'sche Auktion 114 Thl.
Das grosse Turnier vor der neuen Veste in München, reiche Composition. In der Mitte unten das Zeichen, rechts im Grunde am Hause die Jahrzahl 1500. H.8 Z., Br. 11 Z. 6 L. Hochwiesner 16 fl. 30 kr. Sternberg 1 ½ Thl.
Ein Ritter und eine Dame im Zimmer in Umarmung. Rechts vorn das Täfelchen mit M. Z., über dem Fenster eines Hau- ses 1503. Eines der schönsten altdeutschen Blätter. H. 5 Z. Hochwiesner 13 fl. Spekter 2 Thl. Weigel 10 Thl.
Zwei Liebende in einer Landschaft, in der Ferne ein Land- haus am Wasser. In der Mitte unten das Zeichen. H. 5 Z. Sternberg 5 Thl. Weigel 33 Thl.
Die Erinnerung an den Tod. Eine nackte Frau mit der Uhr auf dem Todtenkopf stehend. Sehr zart in Dürer's Charakter. In der Mitte unten das Zeichen. H. 6 Z 6 L. Br. 4 Z. 10 L.
Sternberg 54 Thl. Spekter 13 Thl.
Die Frau auf dem Manne reitend, gewöhnlich Sokrates und Xantippe genannt. Im Grunde links kommt ein Orientale mit der Dame in den Garten. In der Mitte unten das Zei- chen.
Der Reiter mit der Dame auf dem Pferde, in einer Land- schaft nach rechts. In der Mitte unten das Zeichen. H. 4 Z.
Vier Landsknechte auf dem Marsche. Voraus der Tambour und Pfeifer. In der Mitte unten M. Z. H. 42 Z 6 L. Br. 21 Thl. Sternberg 8 Thl. 560 Kr.
Das Weib mit der Eule, auch Licht und Finsterniss ge- nannt. Rechts oben, woher die Sonnenstrahlen kommen, steht auf der Bandrolle: Duck Dich. 1500. Mit dem Zei- chen. H. 6 Z., Br. 4 Z. 6 L. Die täuschende Copie erkennt man an den Buchstaben M. Z. In dieser hängt unten das Z. mit dem M. zusammen, im Original sind die Buchstaben getrennt. Weigel 23 Thl.
Die Darstellungen aus der oben erwähnten Ars moriendi. 13 Blätter, davon 11 mit den Buchstaben M. Z. H. 3 Z. Die Holzschnitte in Walasser's Kunst wohl zu sterben sind später als diese Blätter, und nicht von Zasinger.
Ein Herr bei der sitzenden Dame. In Mitte unten M. Z. 4. Dieses Blatt kennt Bartsch nicht. H.3 Z. 2 L., Br. 2 Z. 8 L.
Diese Darstellung ist in Holz geschnitten, und hat auf der Rückseite Text.
Die Königin Artemisia, Mit M. Z. bezeichnet, und ebenfalls in Holz geschnitten. H. 4 Z. 5 L., Br. 2 Z. 9 L.
Verschiedene groteske Verzierungen, 21 Blätter. Solche Blätter sind nach Gandellini mit Z. A. oder M. Z. bezeich- net. Er legt sie dem Zagel oder Zasinger bei, was wohl der Bestätigung bedarf, Gandellini macht Stiche daraus, Lipowski Holzschnitte.
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