Wynants, Jan

Wynants, Jan, Landschaftsmaler von Harlem, gehört zu den aus- gezeichnetsten Meistern seiner Zeit, doch bewahrt die Kunstge- schichte nur wenige Data aus seinem Leben. Diese sind indessen nicht sehr erbaulich. Wynants war ein Spieler, und trieb sich in

heit erhob er sich auf ihre Kosten. Das Geburtsjahr ist un-

bekannt, doch war er um 1640 bereits ein Meister von Ruf. Zu dieser Zeit hielt sich Ph. Wouwerman bei ihm auf, welcher meh- rere Bilder in Wynants' Weise ausführte; man kennt diese an der originellen Staffage, welche bei Wouwerman vorherrschend ist, während dessen Meister die Landschaft zur Hauptsache machte. Wynants ließ die belebenden Figuren häufig von A. van de Velde, Lingelbach, Ostade, Th. van Thulden, F. Hals u. A. malen, ohne dies einzugeben; A. van de Velde und Lingelbach gehörten außer Ph. Wouwerman zu seinen berühmten Schülern, und daher ist es erklärlich, warum mehrere Bilder von diesen Künstlern staf- firt sind. Das Todesjahr des Wynants ist unbekannt; man weiß nur aus dem Harlemer Zunftbuche, dass er noch 1677 am Leben war. Wenn daher seine Geburtszeit in das Jahr 1600 oder 1600 gesetzt, und 1677 geradehin als Sterbejahr angegeben wird, so ist es nur eine willkürliche Annahme.

Wynants wählte gewöhnlich Gegenden mit sandigen Höhen und reizenden Waldwegen; liebte auf der anderen Seite auch weite Fernen und gewächsreiche Fluren. Besonders schön sind seine Vorgründe mit zart ausgearbeiteter Vegetation. Die Baumstämme sind unnachahmlich, sei es im frischen Leben oder in trockenem Zustand. Das hell- und schöne Laubwerk ist weniger naturgetreu, aber wohlgefällig in den saftigen Strichen, welche es bilden. Wynants' Landschaften haben in seltenem Grade jene heitere, kühle Frische des Tons, welche das Wesen der nördlichen Natur so vor- trefflich ausdrückt. Hierin ist dieser Meister ganz einzig, und nicht minder bewunderungswürdig in dem harmonischen Silberton sei- ner letzten Periode. Wenige Landschaftsmaler kommen ihm an Wahr- heit und Feinheit der Luftperspektive, an Klarheit und Frische der meist kühlen Harmonie gleich. Dabei ist die Behandlung von äußerster Delikatesse, von den Einzelheiten des Vorgrundes bis zu den duftigen Fernen sich erstreckend. Seine Landschaften sind auch ohne Staffage reizende, pikante Bilder, aber noch um so angenehmer, wenn die genannten Künstler auf geistreiche Weise Figuren und Tiere einführen.

Das Vaterland des Künstlers bewahrt nur einen kleinen Theil seiner Werke. In der k. Sammlung im Haag sind zwei Bilder von Wynants, und in Rijks Museum zu Amsterdam findet man deren drei. Die herrliche Landschaft mit Figuren und Vieh von A. van de Velde, welche sich in der Sammlung Sacghem zu Gent befand, wanderte 1835 den Weg der Auktion. Hauptgemälde des Meisters sind im Museum des Louvre. Da ist jene baumreiche Landschaft mit Jägern, Hirten und Vieh (von A. v. de Velde), welche aus Boisset's Sammlung um 10.000 Fr. erkauft wurde. Dieses Gemälde trägt die Jahrzahl 1668. Ein Wunder von Harmonie, Abtönung und liebevoller Ausführung ist nach Waagen (K. u. K. II, S. 619) die Landschaft, wo bei eintretender Dämmerung das Vieh zum Bauern- hause zurückkehrt. Die Staffage hat A. v. de Velde gemalt. Ausser- dem ist noch ein Bild im Louvre, Falkenjäger, Hirten und Vieh in einer freien Landschaft vorstellend, das reizendste Gemälde von allen. Wie von so vielen holländischen Meistern, so sind auch von Wynants' Meisterwerke in England. H. Veel erwarb 1826 für 255 Guineen ein Bildchen der feinsten Art. Die Straße windet sich an einem Lehmhügel hin, und ein Baumstamm ist im Vor-

gundo angebracht. Die Frau zu Pferd und der Hirt passiren mit Auten und Schaafen ein Wasser. Man kann nichts Pikanteres sehen, als dieses von A. v. d. Velde staffirte Gemälde. Ein zweites Bild in der Collection des R. Peel hat Lingelbach mit Figuren versehen. In der Bridgewater-Gallerie sind fünf Bilder von Wy- nants, mit Staffagen von A. v. d. Velde und Lingelbach. Lord Ashburton besitzt ein meisterhaftes Gemälde mit reicher Staffage von A. v. d. Velde, welches 300 Pf. St. kostete. Graf Radnor be- sitzt eine hübsche Gegend mit Figuren von Velde, von 1602, in Grösse und Haltung eines der gewältesten Werke des Meisters. Auch H. Beckford bewahrt eine grosse Landschaft von ausseror- dentlicher Kraft der Farbe, und aus des Meisters bester Zeit. Der dritten Periode gehört eine grosse Landschaft in Alton Tower an, die durch den harmonischen Silberton anspricht. Die meister- hafte Landschaft mit Figuren von Lingelbach, ehedem in der Gal- lerie des Herzogs von Berry, besitzt jetzt Ch. Heusch in London.

In der k. Gallerie zu Dresden findet man drei meisterhafte Landschaften von Wynants. In der einen treibt eine Frau den be- lastenen Esel, in der anderen treiben Hirten die Schaafherde über den Hügel. Das grösste der Gemälde ist von v. d. Velde mit Vieh staffirt, welches durch das Thor hereingetrieben wird. Von allen genannten Bildern ist das grösste jenes der Pinakothek in Mün- chen, welches einen mit Bäumen bewachsenen Hügel und einen Fluss zeigt, wo am frühen Morgen Hornvieh weidet. Diese Staf- fage ist von A. v. d. Velde gemalt. H. 4 F. 9 Z. 6 L., Br. 6 F. 1 Z. 3 L. In derselben Grösse ist das Gegenstück, eine Abend- Landschaft mit Reisenden und zwei alten Bäumen im Vorgrunde. Uebrigens sind noch vier kleinere Gemälde in der Pinakothek zu München, welche zu den trefflichsten Bildern des Meisters gehö- ren. In der k. k. Gallerie zu Wien sind zwei Landschaften ohne Staffage, die eine mit J. W. bezeichnet, die andere mit dem Na- men und der Jahrzahl 1674.

Stiche und Lithographien nach diesem Meister.

Landschaft mit Gebäuden und einer Viehheerde, nach einem berühmten Bilde im Louvre von Weisbrod geätzt, und von Ph. le Bas mit dem Stichel vollendet 1775, qu. fol.

Gegend bei Harlem, gest. von M. Eichler, fol.

Départ pour la chasse au vol, berühmtes Bild im Museum des Louvre, gest. von Darnstädt. Musée Napoléon, qu. fol.

Le pont chancelant. J. Mathieu sc., fol.

A View in Switzerland. M. C., Prestel sc., Aquatinta, qu. roy. fol.

L'étang aux canards. W. v. Kobell sc., Hauptblatt in Aqua- tinta, qu. roy. fol.

Zwei Ansichten aus der Gegend von Harlem, gest. von E. W. Musculus, qu. fol.

Landschaft mit grossen Bäumen im Vorgrunde. W. v. Kobell sc., 1792, qu. fol.

Das Gegenstück enthält eine Landschaft mit Hirten und Kuh nach A. v. d. Velde.

Landschaft mit Figuren zu Fuss und zu Pferd, gest. von Mus- culus, qu. fol.

Der Morgen, nach dem Bilde in der Pinakothek zu Mün- chen von J. Woelfle lithographirt, qu. fol.

Der Abend, das Gegenstück zu obigem Blatte.

Landschaft mit Fontainen. Desfriches del., qu. fol.

Zwei schöne Landschaften mit Figuren. Mlle., Riollet sc. Ca- binet Poullain, kl. fol. /

Landschaft mit einem Jäger, einem Herrn und einer Dame am Walde, radirt von J. de Bossieu, gr. qu. fol.

Die Plünderung eines Dorfes, gest. von F. C. Canot, qu. fol.

Drei schöne Landschaften, geätzt von Pillement und Desaulx, vollendet von Niquet u. Geissler, qu. fol.

Drei Landschaften nach Zeichnungen, lith. von J. N. Strixner, qu. fol.

Wyndter, Wintter.

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