Wyck, Thomas I Maler und Radierer, wurde 1616 zu Harlem ge- boren, wo ihm ein unbekannter Meister den ersten Unterricht er- theilte. Später sah er sich einige Jahre in Italien um, und machte an der Küste des mittelländischen Meeres und in der Umgegend von Neapel viele Studien, deren er sich dann bei seinen Gemäl- den bediente. Die Strandansichten des Meisters, die mit Figuren in verschiedenen Trachten belebt sind, kann man als Erzeugnisse aus jener Zeit betrachten. Dann malte er auch öffentliche Märkte mit reicher Staffage, Quacksalber von der neugierigen Menge um- geben, Seiltänzer, Gaukler, und verschiedene andere lustige Sce- nen, wie sie von P. de Laer vorkommen. Besonderen Beifall er- warb er sich mit seinen Alchimisten in ihren Laboratorien, welche als Satyre auf die Goldmachersucht seiner Zeit zu betrachten sind. Vertue glaubt, Wyck habe damit den König Carl II. von England und den Prinzen Rupert von der Pfalz persifliren wollen, weil diese Fürsten ebenfalls Laboratorien hatten, und den Stein der Weisen finden wollten. Der Künstler lebte zur Zeit der Restau- ration in London , und fand da mit seinen meisterhaften und treff- lich colorirten Bildern ausserordentlichen Beifall. Lord Burling- ton besass von ihm eine grosse Ansicht des St. James-Park, in welchem Carl II. mit den Grossen seines Hofes zu Pferd in Pa- rade erscheint. Der Lord bewahrte auch eine grosse Ansicht von London, kurz vor dem 1660 erfolgten Brand der Stadt gemalt. Diesen Brand stellte der Künstler ebenfalls in einigen Gemälden dar. Mr. Halsted besass eine türkische Maskerade in lebensgros- sen Figuren; König Carl II. und die Herren und Damen des Hofes spielen dabei die Rollen. In den Gallerien zu Wien, Braun- schweig, Berlin, München, Dresden u. s. w. findet man Werke von ihm. In der Gallerie zu Amsterdam ist nur ein Gemälde von Wyck, das Innere eines Bauernhauses, worin ein Weib mit zwei Kindern spinnt. Seine meisten Werke sind in kleinem Formate, aber gewöhnlich reich in der Anordnung, Gross ist das Gemälde
im Museum zu Berlin. Es stellt einen Seehafen mit Architektur und bunter Staffage dar, ein Bild von bedeutsamer Anordnung des Ganzen, doch mehr auf den Effekt einer glänzenden Deko- ration gemalt. In Cabineten findet man auch Zeichnungen von ihm, gewöhnlich in Tusch, z. B.
Th. Wyck starb zu London 1686, nach Walpole 1682. Immer- zeel fügte das Bildniss des Meisters bei. A. Bannermann hat es früher in London mit jenem des Jan Wyck gestochen.
Stiche nach diesem Meister,
Le Philosoph hollandois, Lireux sc., fol. Le Ménage du Chimiste, P. Chenu sc., s. gr. qu. fol. Le Chimiste, Von Hutin radirt, und von J. Camarata 1765 mit dem Stichel vollendet, gr. qu. fol. Die beiden folgenden Blätter enthalten denselben Gegenstand, nach dem Bilde in der Gallerie zu Dresden.
Lesender Gelehrter im Studierzimmer. Radirt von J. Junker, Ex Coll. H. D. (Hagedorn) 1749, 4.
Der Gelehrte in der Studierstube, nach dem Bilde aus dem Cabinet Hagedorn von C. C. Leichsenring gestochen, fol.
Das Innre einer Verstehergaarde, nach dem Bilde in der Gal- lerie zu Copenhagen von J. W. Vos lithographirt 1837, roy. fol.
Inneres eines italienischen Hofes, rechts der Führer bei den Mauleseln. Das Bild in Dresden, von F. Boetius gestochen 1768, r. fol. Innerer Hofraum, wo links der Esel bepakt wird. Gest. von Boetius, das Gegenstück zu obigem Blatte, nach dem Bilde aus Hagedorn's Cabinet.
Petit Port en Asie, kleine Marine, Colibert sc., kl. qu. fol. La Caravane en Repos, in Tuschmanier von W. v. Kobell 1801, qu. fol.
Zwei Marinen mit Ruinen am Ufer, Zeichnungs-Imitationen von M. C. Prestel, kl. 4.
Italienische Stadtansicht. In Ploos van Amstel's Werk, qu. fol.
Eigenhändige Radirungen,
Die Blätter dieses Meisters sind im Geschmacke des P. de Laer eben so leicht als geistreich radirt. Die kleinen unterbrochenen Striche folgen den Formen sehr verständig, sind mehr oder we- niger geschlossen, und selten mit Gegenschnitten bedeckt. Die Sticheinadel und den Stichstift wandte er nie an, und doch ma- chen seine Blätter im Helldunkel gute Wirkung. Sie sind im Al- gemeinen ziemlich selten, und vollständig trifft man sie nur in ausserst wenigen Sammlungen an. Einzelne Blätter stehen nach Maassgabe der Abdrücke in einem Preise von 2 — 3 Thl., und noch höher.
Bartsch P. gr. IV. p. 141 ff. beschreibt 21 Blätter, und hält damit das Werk complet. R. Weigel (Suppl. du P. gr. Leig- zig 1843, p. 170 ff.) gibt Zusätze zu dem Verzeichnisse von Bartsch, und beschreibt noch weiter die Nr. 22 — 25.
- Die Spinnerin, links des Blattes, rechts im Grunde ein Mann mit hoher Mütze auf dem Boden sitzend. Bartsch fand auf diesem Blatte kein Zeichen, es steht aber der Buchstabe W, unten am Steine, neben dem Stocke. Sollten sich Abdrücke ohne Zeichen finden, so gehören sie zu den frühesten. H. 3 Z. 10 Lt. Br. 1 Z. 6 L.
Nagler's Künstler-Lex. Bd. XXII. — . 40
Bartsch nennt (1805) diese Radirung äußerst selten, was aber jetzt nicht mehr der Fall ist, indem Basan neue Ab- drücke veranstaltet hatte.
Wie oben, in alten Drücken. Mit der Nr. 8 rechts unten. Aus Basan's Verlag.
1 Die Nr. 8 ausgekratzt, aber nicht ohne Hinterlassung eini-
ger Spuren.
- Auf die neueren Abdrücke macht Weigel (I. II.) auf- merksam.
Drei Bauern beim Kartenspiel, ein vierter (halbe Figur) rechts im Grunde bei der Ruine. Nach rechts unten das Zei- chen T. W. H. 22 1/2 L., Br. 2 Z.
Die Näherin, sitzend in Mitte des Blattes, Hinter ihr links ein Esel, im Vorgrunde ein Mann im Mantel. In der Mitte unten das Monogramm. H. 3 Z. 1 L., Br. 2 Z. 8 L.
W. Schlachter hat dieses Blatt copirt. Der Esel ist rechts, im Contradruck links.
Der Mann, welcher die Schuhe bindet, in einer Gruppe von fünf Figuren. Links in der Ferne Gebäude und ein Mann neben dem Esel. In der Mitte unten das Monogramm.
Der Kastanienverkäufer, rechts vor der Pfanne.
Der Schmied arbeitet mit dem Hammer. Vor ihm steht ein Weib, und im Grund sieht man einen Esel. Unten rechts
Landschaften mit Ruinen, Fol.
Über ein Bauer mit grossem Hut neben der sitzenden Alten, und ein anderes Weib blickt zum Fenster heraus. Links oben in der Ecke: das Monogramm. Äusserst seltenes Blatt.
Die Spinnerin und der Hufschmid. Sie sitzt links vorn, und in der Ecke das Monogramm. H. 3 Z. 2 L., Br. 2 Z. 6 L. Diese Darstellung ist wahrscheinlich nach einem Bilde von P. de Laer radirt, und das Blatt, welches Bartsch I. Nr. 185 dem de Laer selbst zuschreibt, anscheinlich Copie nach Wyck, wie Bartsch im Artikel über diesen Künstler selbst zugeben will. Die Copie ist sehr schön.
Von 4 Blättern ohne Nummern. H. circa 3 Z., Br. 4 Z. Über die Abdrücke s. unten Nr. 10.
Der runde Thurm rechts am Wasser. Links vorn heben zwei Matrosen eine Last aus dem Kahn. Rechts oben das Zeichen.
Die Colonnade (der Tempel des Friedens in Rom) bei ei- nem Brunnen und einigen Gebäuden rechts des Blattes. In der Mitte unten das Zeichen.
Die Schmiede, rechts im Gewölbe bei alten Gebäuden. Un- ten nach links das Zeichen.
Der Brunnen im Hofe, in der Mitte des Blattes an den Gebäuden. Nach rechts beschäftigt sich ein Weib mit dem Eimer. Rechts oben in der Ecke das Monogramm.
Nach diesem und dem ersten Blatt (Nr. 7) stellt R. Wei- gel folgende Abdrücke fest:
A. Reine Aetzdrücke, ohne Monogramm des Künstlers. Graf von Fries in Wien besass ein Exemplar auf chinesisches Papier, welches mit anderen Blättern bei der Auktion mit 130 fl. bezahlt wurde.
I. Vollendete Abdrücke vor dem Zeichen des Künstlers. Auf dem Blatte Nr. 10, welches Weigel sah, fehlt das kleine Loch links in der Mauer neben dem Gewölbe, III. An der Einfassung des Brunnens im letzten Blatte: Just, Dankers Exc.
Von Nr. 9 und 10 gibt es Copien, welche um 1—2 L. kleiner sind, als die Originale. Die beiden anderen Blätter sind schlecht copirt, vielleicht von Schweyer in Frankfurt. Die guten Copien könnte man verwechseln.
Der tanzende alte Bettler bei der Säule, an welcher ein Mann lehnt. Rechts ein Hund, und im Grunde ein Weib mit dem Korbe auf dem Kopfe an der Treppe. Links unten gegen die Säule das Zeichen. H. 4 Z. 8 L., Br. 4 Z. 3 L.
Der bärtige Bettler sitzend mit der Traube, welche er mit einem knieenden Bettler theilt. Im Grunde eine steinerne Brücke, auf welcher ein Mann mit dem Wickelkinde geht. Links oben das Zeichen. H. 4 Z. 8 L., Br. 4 Z. 2 L.
Diese beiden Darstellungen sind Mendoza's spanischem Romane: Lazarillo de Tormes, entnommen. Auf dem ersten Blatte (Nr. 11) fordert Lazarillo den Blinden auf, gegen die Säule zu rennen, auf dem anderen verzehrt er die Hälfte der Traube. Weigel kennt folgende Abdrücke von diesen Blättern, .
I. Vor dem Zeichen Wyck's.
II. Mit dem Monogramm, wie Bartsch angibt.
III. Die modernen Abdrücke, welche fast wie Copien aussehen. Die Linien sind breiter, und ausgedruckt. Die abgenützten Platten, welche sich in England befinden, sind auf stärkeres Papier abgedruckt, und fern von der geistreichen Behand- lung der alten Abdrücke. Deswegen wurde zuweilen die Originalität bezweifelt.
- Die Küchenmädchen am Brunnen im Hofe. Vor dem Brun- nen spielt ein Knabe mit dem Hunde. In der Mitte unten das Zeichen. H. 5 Z. 8 L. mit 2 L. Rand, Br. 4 Z. 4 L. Weigel macht auf folgende Abdrücke aufmerksam:
I. Vor dem Zeichen Wyck's.
II. Mit demselben, aber vor den Kreuzstrichen am Pfeiler rechts am Rande.
III. Mit den Kreuzstrichen am Pfeiler,
- Die Frau mit zwei Körben. Den einen trägt sie auf dem Kopfe, und blickt nach dem links vorn sitzenden Matrosen etc. Rechts oben in der Ecke das Zeichen, H. 4 Z. 4 L., Br. 4 Z.
I. Vor dem Zeichen des Meisters.
II. Wie oben von Bartsch beschrieben,
- Der orientalische Kaufmann am Ufer des Flusses bei Ballen, deren links zwei Matrosen herbeischaffen. Links erhebt sich ein Gebäude, und zwei Frauen waschen im Flusse. Links oben in der Ecke das Zeichen. H. 4 Z. 4 L., Br. 4 Z.
I. Vor Wyck's Monogramm. II. Mit demselben. III. Die neuen Abdrücke, wie oben Nr. 12. Die Platte ist in England. Eine Copie dieses Blattes ist kleiner, als das Original. Auch die neuen Abdrücken gleichen Copien.
- Das Waaren-Magazin. Im Gewölbe stehen zwei Orientalen,
und im Grunde sieht man zwei Geschäftsleute, Rechts un- ten in der Ecke das Zeichen. H. 4 Z. 3 L., Br. 3 Z. 11 L. Weigel bestimmt folgende Abdrücke, I. Vor dem Monogramm. II. Mit dem Zeichen, von Bartsch beschrieben.
- Die Matrosen am Ufer des Flusses, welches mit Gebäuden besetzt ist. Die vier Matrosen sind in Beschäftigung. Links oben das Zeichen. H. 4 Z. 4 L., Br. 4 Z.
Weigel kennt folgende Abdrücke. I. Vor dem Monogramm. II. Wie oben von Bartsch beschrieben.
II. Die neuen Abdrücke auf stärkeres Papier, fast Copien glei- chend. Die Platte ist in England.
Eine Copie ist kleiner, als das Original.
Die Spinnerin und der Fischer, welcher mit dem Angel am Ufer des Flusses sitzt. Letzterer bespielt eine Ruine. Links oben in der Ecke das Zeichen, H. 4 Z. 1 L., Br. 4 Z. 4 L. I. Vor dem Monogramm. II. Wie oben von Bartsch beschrieben. III. Die neuen, in England gezogenen Abdrücke, welche fast wie Copien aussehen.
Die Brücke mit dem Thurme und zwei Pfeilern. Links am Ufer drei Matrosen mit Ballen, oben in der Ecke das Zei- chen. H. 4 Z. 7 L., Br. 5 Z. 1 L.
Weigel macht auf folgende Abdrücke aufmerksam. I. Vor dem Monogramm links oben in der Ecke, II. Wie oben von Bartsch beschrieben. III. Die neuen Abdrücke, wie oben Nr. 18. Die Copie dieses Blattes ist kleiner.
- Die Mühle am Wasser, links des Blattes. Rechts vorn sind zwei Orientalen bei Ballen, welche Matrosen fortschaffen. Rechts oben in der Ecke das Zeichen, H. 5 Z. 2 L., Br. 6 Z. 2 L.
I. Vor dem Monogramm. II. Wie oben von Bartsch beschrieben.
Die gute Copie ist kleiner, als das Original, die schlechte wahrscheinlich von Schweyer.
Die Frau mit dem Korbe auf dem Kopfe bei dem ruhenden Manne. Letzterer sitzt beim Hause, und nach links sieht man an der Mauer ein Basrelief der Madonna. Links oben in der Ecke das Zeichen, H. 5 Z. 2 L., Br. 6 Z. 2 L. In Walker's Collection of forty two Fac-similes of rare Etchings etc. ist eine sehr gute Copie.
W. Grugge von fünf Bettlern unter dem Gewölbe einer Ruine. Links scheinen Männer zu spielen, und einer sitzt auf dem grossen Steine, Rechts ruhen drei andere auf dem Boden, und im Vorgrunde liegt ein kleiner Hund. Sehr leicht geätzt, ohne Zeichen, H. 3 Z. 6 L., Br. 2 Z. 5 L.
W. Eine Grotte im Felsen, welcher sich nach dem Grund hin ausdehnt, und durch Steine und Erdmassen unterbro- chen ist. Auf dem ersten Erdhügel sitzt ein Mann mit dem Stocke, und neben ihm sieht man eine andere Figur. Auf dem Wege von der Seite her reitet ein Mann auf dem Esel. Links unten das Zeichen. H. 4 Z. 6 L., Br. 3 Z. 1 L.
nem Gebäude erhebt. Hinter der Figur, welche von der
Brücke kommt, bemerkt man den Kopf eines Esels, und des-
sen Treiber ist halb zu sehen. Der Bach bildet unter der Brücke einen Wasserfall. H. 4 Z. 6 L., Br. 3 Z. 1 L.
Dieses, und die beiden vorhergehenden Blätter gelten für
einzig, und kamen aus dem Cabinet des H. Josi in die
Sammlung des Herzogs von Sachsen-Teschen, welche jetzt
Erzherzog Karl in Wien besitzt. Da findet man alle ge-
nannten Blätter von Wyck,
- W. Der offene Koffer. Er steht auf einem Tische, dabei zwei Flaschen, eine Lampe, eine Tasse, Medaillen, Kar- ten etc., Links an der Wand ist ein Blatt mit Figuren und Thieren in der Landschaft, und daneben steht: Matham exe. Dieses effektvolle Blatt wird dem Th. Wyck zugeschrieben. Brulliot erklärt es aber im Aretin'schen Cataloge für L.
Bramer's Arbeit. Die Darstellung passt allerdings eher für
Bramer, doch bleibt es ungewiss, ob er das Blatt radirt hat. H. 4 Z. 6 L., Br. 6 Z. 6 L.
I. Vor der Adresse, und vor den Ueberarbeitungen an der um- gestürzten Tasse,
- Mit der Adresse von Matham, welche auf einigen Abdrü- cken doppelt vorkommt.
- W. Büste eines Bauers mit dem Hute, im Profil nach rechts. Er öffnet den Mund zum Lachen. Rechts sieht man die Hälfte einer weiblichen Büste. H. 2 Z. 2 —3 L., Br. 1 Z. 8 an.
Dieses, erstreiche, in der Weise Wyck's radirte Blatt wird dem D. Ryckaert, P. Snayers und auch dem Jan Steen zugeschrieben.
Im ersten Drucke fehlt die Einfassung mit dem Stichel, und die Aetzung ist nicht gelungen. Später wurde die Platte überarbeitet. Das Blatt ist nicht selten.
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