Wurmser, Nicolaus und Kuntze

Wurmser, Nicolaus und Kuntze, Maler von Strassburg , waren

unter der Regierung Kaiser Carl IV. (1340 — 78) in Prag thätig, sie scheinen aber schon viel früher nach Böhmen gekommen zu seyn, wenn in den Auszügen des ältesten Wandelbuchs in v. Murr's Journal kein Irrthum in der Jahrzahl herrscht. Es soll näm- lich unter dem Jahre 1310 stehen: Cunzel Bohemus frater Nicolai pictoris. Doch erst im Jahre 1350 verlieh der Kaiser dem Nicolaus einen Gnadenbrief: Nicolao dicto Wurmser de Argentina Pictori suo. propter hoc, ut ipse diligentiori studio pingat loca et castra ad que deputatus fuerit, quod ipse possit disponere, legare, donare, testari et ordinare de bonis suis etc, etc. Dieser Brief ist in Dla- bacz's Künstler-Lexikon für Böhmen abgedruckt, so wie ein zwei- ter von , in welchem ihn der Kaiser von dem Census u. s. w. auf seinem Hofe zu Morsie (jetzt Morzin, in der Carlsteiner Herr- schaft) befreit. Er nennt ihn »Dilectus nobis magister Nicolaus Pictor, familiaris noster«, und schärft seinen Offizialen unter An- drohung schwerer Ungnade ein, von seinem Maler keine Abgabe zu fordern.

Wurmser malte nach dem Wortlaute des ersten Briefes in den kaiserlichen Palästen und Schlössern, vornehmlich auf dem Karl- stein bei Prag.

Eine besondere Berücksichtigung verdient ein Gemälde, wel- ches aus der Catharinenkapelle der Schlosskirche in die k. k. Gal- lerie zu Wien kam. Es stellt Christus am Kreuze mit Maria und Johannes dar, und hat dieselbe Eigenthümlichkeit, wie die Werke von Theoderich von Prag. Die Heiligenscheine sind golden, und der Grund grau. Der Ausdruck der Köpfe ist nicht ohne Adel, die Zeichnung grossartig, dem Antiken noch verwandt, ziemlich wohlverstanden, aber schwerfällig und unbehülflich in den Extre- mitäten, und etwas kurz in den Verhältnissen der beinahe lebens- grossen Figuren. Der kräftige Ton der Farben und deren ge- schmeidiges Bindungsmittel hat in Folge einer unter Joseph II. veranstalteten, aber nicht gehörig begründeten Untersuchung die

*) Dieser Meister war ebenfalls Hofmaler des Kaisers Carl IV., welchem er 1348 einen Gnadenbrief ertheilte. Er malte in der Capelle des Karlstein. Der Brief ist bei Dlabacz I. 328 abgedruckt.

Meinunaerzeu , die Prager Bilder seyen in Oel gemalt. Dieser Ansicht kann aber Passavant (Kunstblatt 1841 S. 366) nicht bei- pflichten, da die alte Cölner Schule eine ganz ähnliche, aber noch vollkommenere Technik zeigt, obgleich das Bindemittel ihrer Far- ben sicher kein Oel war. Öb nun die Erfindung jenes Bindemit- tels von Böhmen an den Rhein kam, oder umgekehrt *), lässt Passavant unentschieden. Er nimmt aber mit Sicherheit an, dass diese neue Malweise nach der Mitte des 14. Jahrhunderts in Deutschland allgemein bekannt war. Sie übertrifft eben so sehr die byzantinische, als die durch Giotto in Italien eingeführte Tech- nik bei weitem.

Andere Werke schreibt A. Primisser in den Wiener Jahrbü- chern der Literatur XXVIL 41824 diesem Künstler zu, es ist aber zu Lemerken, dass auch Theodorich von Prag und Thomas von Mutina für den Kaiser Carl IV. gearbeitet haben. Primisser hält folgende Bilder tür Wurmser's Werke.

  1. Das Gemälde in der Karlsteiner Collegiat-Kirche, wo Karl 1V. drei Mal mit seinen beiden Söhnen, und allein vorkommt, in lebensgrossen Figuren. Ein Mal reicht er seinem älte- sten Sohne Wenzel ein Kreuz, dann seinem jüngeren Sohne Sigismund einen Ring, und das dritte Mal steht er selbst in gebückter Stellung, in vollem Kaiserornate mit Krone und Mantel vor einem Altare.

  2. Das schöne Bild der apokalyptischen Frau, die auf dem Monde steht, und das neugeborne Kind in den Armen trägt. Dieses Bild, die hehre jungfräuliche Mutter im Strahler- glanze, gehört zu den bedeutensten Darstellungen in Carl- stein. it den Werken des Dietrich von Prag und des Thomas von Mutina hat es keine Aehnlichkeit, man dürfte also nach Primisser wohl auf Wurmser rathen, welchem überhaupt einige die Gemälde dieser Kirche zuschreiben, Die übrigen Bilder dieser Kirche sind beinahe spurlos un- tergegangen. Sie sind, wie man aus dem Vorhandenen ver- muthen darf, sammt und sonders aus der Apokalypse, ge- nommen.

  3. Die schönen Brustbilder Karl IV. und seiner Gemahlin Anna von der Pfalz, welche das Kreuz tragen. Sie sind al fresco über dem Eingange im Inneren der Katharinen Kapelle ge- malt, und ohne Vergleich die zuverlässigsten, die man von diesem Kaiserlichen Paare noch besitzt. Männliche Schön- heit war dem Kaiser nicht beschieden; desto schöner aber, und voll milder Hoheit, erscheint das Angesicht Annens. Beide schmücken goldene, mit Edelsteinen besetzte Kronen, von denen rückwärts lange Bänder herabhängen. Der Kai- ser hat einen reichen Bart und lange Haare, die über die Schulter herabwallen. Auch Anna erscheint im langen flie- genden Haupthaar. Des Kaisers goldener, faltenloser Man- tel und Ornat ist hie und da mit Adlern gestickt, die Kai- serin aber trägt einen mit Gold verbrämten scharlachrothen, an der Brust zusamrnengehefteten Mantel. Mit beiden Hän- den halten die Gatten ein grosses goldenes, einstenms reich mit wirklichen Edelsteinen besetztes Kreuz, das an den En- den und in der Mitte vierblätterige Rosen bildet, Der Grund

*) Die Thätigkeit des Hauptmeisters der Cölner Schule, des Meisters Wilhelm, fällt um 1360 — 88

  1. Von dem Meister des kreuztragenden Ehepaares scheinen auch die sieben Köpfe böhmischer Landespatrone an der lin- ken Wand der Capelle zu seyn, wiewohl sie schon sehr be- schädigt und ursprünglich schon misshandelt sind.

  2. Die Altarnische, worin das schadhafte Gemälde der heil. Mutter mit dem Kinde zwischen dem Kaiser und der Kai- serin thront, in derselben Capello.

Ob die Gemälde an den Wänden der Treppe in dem Thurme, welche die Geschichte des heil. Wenzel und der heil. Ludmilla vorstellen, Wurmser's Arbeit seien, bleibt unentschieden. Ebenso wenig ist eine Gewissheit da, ob er auch die Deckengemälde in der Kreuzkapelle verfertiget habe, welche einen besondern Styl zeigen.

  1. Die älteren Wandgemälde in der Wenzelscapelle des Pra- ger Doms, die mit den bessern Karlsteiner Fresken entschie- dene Ähnlichkeit haben. Indessen gehört nur der klein- ste Theil jenener Wandgemälde der Zeit Carls IV. an, wie eine sorgfältige Betrachtung lehrt. Er beschränkt sich wohl nur auf die untere Bilderreihe, welche aus dem Leben des Heilandes entlehnt ist. Von der linken Seite angefangen, sieht man nämlich den Heiland vor Pilatus (die folgenden Bilder sind leider durch den Altar und andere Dinge ver- borgen), dann folgt die Huldigung, Grablegung, Aufer- stehung und Himmelfahrt. Das Angesicht des auferste- henden Heilandes ist, — so sehr es auch verdunkelt ist — eines grossen Meisters würdig. Darauf kommt das Pfingstfest, nach herkömmlicher Weise dargestellt. Maria in der Mitte unter den Aposteln, eine herrliche, würdige Gestalt, senkt das Haupt, und faltet die Hände, über ihr die Taube. Die letzte der alten Darstellungen sind die Apostelfürsten Petrus und Paulus, dem Altare gerade gegenüber. Diese, den Carl- steiner Bildern so ähnlichen Fresken, haben mit jenen glei- che Einfassung, die in herrlichen Achats, Karnieken, Ame- thystquarzen von erstaunlicher Größe und mit vergoldeten Gyps verbunden, besteht. Auch Chrysoprasse sind da, be- sonders ein grosses Kreuz aus einem solchen, in der Hand des auferstehenden Heilandes. Eine weit neuere Hand ver- rathen die oberen Wandgemälde, welche das Leben des heil. Wenzel vorstellen,

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