Wolf (Wolff), Ulrich Ludwig Friedrich

Wolf (Wolff), Ulrich Ludwig Friedrich, Zeichner und Ku- pferstecher, wurde 1772 zu Berlin geboren, und sollte nach dem Willen seines gleichnamigen Vaters Bildhauer werden. Er trat da- her bei Tassaert in die Lehre, welchen er bald durch den Tod verlor, so dass Wolf genöthiget war, auf eigenem Wege seine Aus- bildung zu verfolgen. Seine Vorbilder waren gute Modelle, wel- che er nachbildete, bald aber nahm die historische Composition seine Thätigkeit in Anspruch, da er sich zum Maler glauben glaubte, Er besuchte jetzt die Akademie der Künste, welche damals unter Leitung des berühmten W. Mengs stand. Auch mit Carstens kam Wolf in Berührung, und dieser Mann war es, welcher in ihm das Gefühl für das Schöne, und die Poesie der Kunst entwickelte. Er wies ihn auf die Antike hin, welche Wolf aber nur nach Gyps-

abgüssen kennen lernen konnte. Wolf zeichnete alle Werke dieser Art, wie er sie in Berlin vorfand, und die weite Lücke füllte er

  • durch das Studium der Natur aus. Durch diese strenge Übung gewann er bald grosse Vollkommenheit im Zeichnen, worin ihm seine Kenntnisse im Modelliren nicht wenig zu Hülfe kam. Er malte auch Bildnisse in Oel, konnte aber in der Technik der Malerei nicht zum Ziele kommen, da er schon früh als Zeichner Anerkennung gefunden hatte, und von vielen Seiten beschäfti- get wurde. Eine bedeutende Anzahl von Zeichnungen wurde für electricistische und andere Werke gestochen, und viele andere hi- storische Compositinnen führte er im grossem, theilweise sehr gros- sem Formate mit farbigen Stiften aus. Diese Zeichnungen sind als farbige Cartons zu betrachten. Mehrere derselben sind durch den Stich bekannt, besonders merkwürdige Ereignisse aus der Ge- schichte seiner Zeit. Auch eine Folge von Pferdestücken ist von ihm bekannt. Er zeichnete im Auftrage der k. Thierarzneischule die schönsten Hengste und Stuten auf dem Friedrich-Wilhelms- Gestüt bei Neustadt an der Dosse, welche für Naumann's und Helmbrecht's Charakteristik der vorzüglichsten Hengste und Stuten in diesem Gestüte von M. Haas u. A. gestochen wurden, gr. fol.

Wolf behauptete als Zeichner grossen Ruf. Die historischen und romantischen Darstellungen machen den grössten Theil seiner Arbeiten aus, und an diese reihen sich verschiedene Genrestücke. Er zeichnete in schwarzer und farbiger Kreide, Tusch und Sepia, und auch mehrere Aquarellbilder sind von ihm vorhanden. Dann ist er auch einer der ersten Künstler, welche zu Berlin in der Li- thographie sich versucht haben. Diese Blätter sind für ihre Zeit höchst schätzbar, da sich's hierin um die Zeichnung handelt, we- niger um die feine lithographische Technik. Sie wurden daher mit allgemeinem Beifalle aufgenommen.

Wolf wurde 1811 Mitglied der k. Akademie in Berlin, und 1832 starb er. Albrecht Wolf hat sein Bildniss gestochen. In der Zeitung für die elegante Welt 1852 S. 230 ist sein Necrolog zu lesen.

Stiche nach Zeichnungen.

Friedrich der Grosse von Preussen, ganze Figur, gestochen von F. Jugel, fol. Friedrich II. auf seinem Leibpferde Conde mit Gefolge im Garten zu Sans-Soucy. Gestochen von M. Haas 1808, gr. fol. Man hielt dieses Bildniss für das ähnlichste des Königs. Graf F. A. Halkreuth, gestochen von G. Lehmann, fol. Friedrich der zweite in der Schlacht bei Kunersdorf, gestochen von Daniel Berger, qu. fol. Friedrich II. mit Gefolge im Dome zu Berlin vor der Leiche des grossen Churfürsten, Gestochen von F. Bolt, gr. fol. König Friedrich Wilhelm besucht das Lager in Bautzen, gestochen von F. Jugel, fol. Kaiser Alexander I. von Russland, und Friedrich Wilhelm III. von Preussen am Sarge Friedrichs des Grossen. Gestochen von F. Bolt, gr. fol. Das erste Jahrhundert der russischen Monarchie, mit den Bild- nissen der Monarchen. In Aquatinta von D. Berger, s. gr. fol. Die Königin Louise von Preussen und der Major Schill, ge- stochen von F. Bollinger 1809, fol. Der Einzug Napoleons in Berlin, gestochen von F. Jugel, gr.

Der Einzug der Allürten in Paris 1814, gestochen von F. Ju- gel, 8r. u. fol. Der Abschied des Freiwilligen von seinem Vater, gestochen von F. Jugel, fol. Gedenkblatt auf den Tod der Königin Luise von Preußen, gestochen von Krethlow, gr. fol.

Eigenhändige Stiche und Lithographien,

  1. Georg Washington, Copie nach A. Girardet's Stich, fol.

  2. Dr. F. A. Wolf, berühmter Philolog. L. Wolf del. ad vi- vum et lith. Berolini 1803, gr. fol.

  3. Maria mit dem schlafenden Jesuskinde, nach S. Gaetano li- thographirt, gr. fol.

  4. Johannes der Täufer, lithographirt 1824, fol.

  5. Die vier Jahreszeiten, nach Carlotto lithographirt 1824, gr. fol.

  6. Ein verwundeter römischer Krieger, lithographirt, fol.

  7. Albrecht Achilles von Brandenburg erobert eine Fahne der Nürnberger, nach einem drei Fuss breiten colorirten Car- ton radirt und gestochen, fol.

  8. Zwei Bacchantinnen, radirt und gestochen, fol.

  9. Einige der Natur gezeichnete Akt, radirt und gesto- chen, fol.

  10. Türkisches Pferderennen in Constantinopel, nach einer Skizze radirt und gestochen, qu. fol.

  11. Das Leibpferd Friedrichs II., Condé genannt, für die oben erwähnte Sammlung von Pferdestücken der Thierarzneischule radirt und gestochen, gr., fol.

  12. Eine Gruppe von Hunden am Eichenstamme, radirt und ge- stochen, gr. qu. fol.

  13. Mehrere radirte Blätter zur Reise des Grafen Raczynski 1828.

  14. Mehrere Vignetten und Titelkupfer, darunter solche mit Por- traiten,

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