Wolf, Claus

Wolf, Claus, Maler, wurde erst in neuer Zeit in die Kunstge-

schichte eingeführt, zunächst durch Herrn Conservator Eigner zu Augsburg, Kunstblatt 1840, S. 410, und 1847 S. 51. Eigner fand in Urkunden eines Claus Wolf Strigel erwähnt, welcher aber nach alt- schwäbischer Weise nur mit seinen Vornamen genannt wurde. Er war Schüler des alten Hans Holbein in Augsburg , und blieb des-

sen Richtung getreu. Eigner besass von ihm ein Altärchen von

, auf welchem der Name des Meisters steht. Dann deutet er auch die Buchstaben C. W., welche mit der Jahrzahl 1516 auf dem Altarwerke stehen, welches aus der Kirche in Nürtingen vor etli- chen Jahren in die Gemäldesammlung der Kunstschule in Stuttgart kam. Dieser Altar wird im Kunstblatt , S. 419 und 1847 S. 50 beschrieben. Er besteht aus einem Mittelbilde und zwei Flügeln, welche vor der Reinigung durch Eigner zersägt wurden, da sie auf beiden Seiten bemalt sind. Das Hauptbild stellt die heil. Fa- milie mit Engeln dar, und auf den Flügeln sind Begebennisse aus dem Leben der Maria und der Jugend des Heilandes, bis zu ihrer Krönung durch denselben. Die inneren Bilder sind auf Goldgrund

gemalt, und die Heiligenscheine als feine vom Kopf ausgehende

Strahlen behandelt. Die Anordnung ist symmetrisch, und zeigt, dass der Meister noch streng an der alten, kirchlich-religiösen Kunst hielt. Die Formen sind ideal, doch nicht ohne Studium der Na- tur entworfen, was sich besonders in den älteren Männerköpfen zeigt. Die weiblichen Gestalten sind sehr schön, vornehmlich die

Maria von mädchenhafter Anmuth. Man sieht in Allem, dass der

Meister von der religiösen Feierlichkeit der Darstellung innerlich

durchdrungen war. Doch ist alles geistvoll belebt und natürlich, als wenn wirkliche Vorgänge geschildert werden. Es zeigt sich, dass die schwäbisch-Augsburgische Richtung zum Idealen die Natur nicht unberücksichtigt gelassen habe. Die Verhältnisse der Figuren sind schlank, theils mit langen und weiten Gewandmassen, de- ren Falten nur in einigen Gewändern eckig und kitterisch sind. Die Engel, welche in der Form am wenigsten gelungen sind, ha- ben erhobene Flügel mit Pfauenfedern, aber keine Heiligenscheine, was gegen die Gewohnheit der alten Meister ist. Die Färbung ist durchaus gesättiget, von ernstem Ton, lebenswarm in der Carna- tion, vor herrschende Farben sind rothbraun, und bräunlichroth, auch blaugrün mit Golddustoff, alle sehr tief und kräftig, aber klar und ohne kalte Mitteltöne. Bei den in schönen Massen geordne- ten, und leicht gezeichneten Haaren sind die Lichter sehr fein

aufgesetzt. Wie bei vielen Werken der alten Schule, so sind auch

hier die Aussenseiten etwas leichter behandelt, als die inneren Bil-

der. Die äusseren Darstellungen sind ohne Goldgrund, nur die

scheibenförmigen Heiligenscheine vergoldet,

Mit diesem Claus Wolf ist jetzt die Kunstgeschichte um den Namen eines ausgezeichneten Meisters reicher, und da seine Vor- trefflichkeit auf eine grosse Thätigkeit schliessen lässt, so dürfen

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