Wohlgemuth, Michael, Maler und Holzschnitzer , stammt aus einer alten Nürnbergschen Familie, welche schon früh Maler, Bild- schnitzer und Formschneider , und von an mehrere namhafte Mitglieder zählte, welchen man aber mit Sicherheit kein Werk zu- schreiben kann. Der Vater unsers Künstlers könnte Albrecht Wohl- gemuth gewesen seyn, welcher nach Murr als Bürger vor- kommt, neben einem Maler Hans Pleydenwurf, dem muthmassli- chen Vater Wilhelms, mit welchem Michael Wohlgemuth in Be- rührung kommt. Dieser Meister wurde 1434 geboren, und wahr- scheinlich im väterlichen Hause zur Kunst angewiesen, bis er in die Fremde ging, um nach damaligem Gebrauche bei berühmten Meistern gesellenweise zu arbeiten, und dadurch selbst die Meister- schaft zu erlangen. Auf eine längere Abwesenheit von Nürnberg scheint der Umstand zu deuten, dass Wohlgemuth erst als Bürger von Nürnberg erscheint, wo er bis an seinem 1510 erfolg- ten Tod verblieb, und als der bedeutendste Meister der fränkischen Schule zu betrachten ist. Doch soll nicht behauptet werden, dass die Malerei in Nürnberg erst von Wohlgemuth ihren Aufschwung datiret; sie hatte schon vor dem Eintritt der Weise desselben eine hohe Stufe erreicht. Im dritten Zimmer der Gallerie auf der Burg ist eine Anzahl von Bildern der Nürnberger Schule aus dem 14. Jahrhundert vereiniget, welche für jene Periode ein höchst günsti- ges Zeugniß geben. Der jetzige Hucaltar in der Frauenkirche, welcher aus der 1385 vollendeten Kirche der Karthäuser stammt, schliesst sich neben anderen in Nürnberg vorhandenen Bildern würdig an. Der Hauptsache nach gehören alle diese Gemälde der weitverbreiteten Richtung der alt-kölnischen Schule an, sie sind aber nach Waagen (Kunstwerke und Künstler in Deutschland I, 163) keineswegs als Nachahmungen jener Kölner Bilder zu neh- men, sondern zeigen Merkmale einer durchaus eigenthümlichen Ausbildung innerhalb jener allgemeineren Richtung. In den Kö- pfen heiliger Personen verräth sich dasselbe Bestreben nach Schön- heit und Ausdruck religiöser Reinheit und Milde, in den Gewän- dern dieselbe Schönheit der Motive, dieselbe Weichheit der einzel- nen Falten. Die Reinheit der Formen ist aber in den Köpfen noch grösser, die Formen selbst, obwohl ebenfalls weich, doch bestimm- ter und minder verblasen, als bei den alt-kölnischen Bildern, die Modellirung aller Theile stärker, die Farben der Gewänder tiefer, so dass sie jenen in diesen Stücken noch vorzuziehen sind. Die Bilder auf der Burg, und des Altares der Frauenkirche, welche Waagen l.c. 163 beschreibt, haben eine grosse Aehnlichkeit mit den Bildhauerarbeiten Schönhofer's in der Frauenkirche, und diese scheinen überhaupt auf die Malerei in Nürnberg einen grossen Einfluss geübt zu haben, wie denn die Bildhauerei in den Abendländern viel früher zu einer hohen Ausbildung gelangt ist, als die Malerei. Jene Sculpturen wurden 1301 beendet, und darauf setzt Waagen die Gemälde mit vieler Wahrscheinlichkeit in die nächsten Jahrzehnte. Die genannte Richtung der alt-kölni- schen Schule dauerte aber auch noch in der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts fort, bis endlich Wohlgemuth die fränkische Schule
Ueber den Charakter dieser Schule spricht sich Schorn in sei- nen Mittheilungen zur Geschichte der Bildschnitzerei in Deutsch- land; Kunstblatt 1853 Nr.: 1—3, und nach ihm Kugler (Handbuch der Kunstgeschichte S. 795) erschöpfend aus. Nach Schorn steht Wohlgemuth zwischen den kölnischen Meistern (Wilhelm und Ste- phan von Cöln) und den Niederländern (J. van Eyck, Rogier van der Weyden, H. Memling etc.) ungefähr in derselben Mitte, wie Israel van Meckenem (oder der Meister der Lieversberg'schen Passion); Er hat noch den häufigen Gebrauch der goldenen Lüfte und der tel- lerförmigen Glorien, zeichnet seine Figuren mit schmalen Schul- tern; etwas verdreht um die Hüften, die Gesichter rundlich, mit stark ausladenen Wangenknochen, feinen Nasen und Augen; und kleinem Munde, worin er etwas Ideales sucht; und fast bis zur Manier geht. Diess Alles ist Modification der kölnischen Schule. Er hat aber eine grosse Anzahl von Motiven und Costümen; und besonders den Gewandwurf aus der Schule der van Eyck, welche er indess weder an Geschick der Composition, noch an Richtig- keit der Zeichnung und Kraft der Färbung erreicht. Was ihn aber hauptsächlich von J. van Eyck unterscheidet, ist der grelle Ueber-
gang von wahrhaft edler, und oft zarter Schönheit zu karrikirter Hässlichkeit, Während in der kölnischen Schule durchgängig eine gewisse Idealität herrscht, bei van Eyck und seinen nächsten Schü- lern die Charaktere zwar bildnissartig genommen, aber edel gehal- ten, und die Abstufungen vom Mehr- und Minderschönen mit Frei- heit gewählt sind, sehen wir in Wohlgemuth's Werken immer ei- nen ‚Gegensatz zwischen fast abstrakter Schönheit, und den wider- wärtigsten Erscheinungen der Wirklichkeit. Seine Madonnen und heil. Familien sind von hoher Anmuth, seine Kriegsknechte und Juden dagegen abschreckende Missbildungen, Fand er vielleicht nur das Elende allein der Schönheit würdig, und das Sündige und Verworfene als von der Natur durch Hässlichkeit gezeichnet dar- stellen zu müssen? Wir möchten es fast glauben, und nicht, wie Schorn, den Grund allein in dem satyrischen Humor seiner Zeit suchen, obgleich auch die schwäbische Schule derartige Gegensätze liebt. Andere meinten, dass Wohlgemuth die hässlichen Gestalten den Gesellen überlassen habe, ohne zu bedenken, dass die künst- lerische Bestimmung vom Meister ausgehe. Ein grober, roher Ton scheint wohl in Wohlgemuth's Schule geherrscht zu haben, denn der junge Dürer beklagt sich bitter über die losen Gesellen des Meisters, welcher vielleicht selbst nicht den feinsten Humor hatte,
Früher hatte man das Verdienst dieses Meisters viel zu niedrig gestellt, und es ist ihm fast nur zu Dank gewusst, dass er den Albrecht Dürer zum Künstler herangebildet hat. Selbst Neudör- fer und Sandrart gehen leicht über ihn hin, indem sie nur die Bilder in der Augustiner Kirche zu Nürnberg erwähnen, welche jetzt in der St. Moritzkapelle bewundert werden. Wohlgemuth's Werke wurden aber in der neueren Zeit näher bekannt, und es zeigte sich, dass nicht so viele Bilder zu Grunde gegangen sind, wie Doppelmayer (Nürnberger Künstler S. 181) behauptet. Die frühere Missachtung erklärt sich einerseits aus dem Umstande, dass ihm nach und nach eine Unzahl von Bildern zugeschrie- ben wurde, welche nur von Schülern oder Zeitgenossen des Mei- sters herrühren, die seine Art zu malen mehr oder weniger ver- ständig nachahmten. Mehrere solcher Gemälde tragen zur Be- zeichnung den Buchstaben W. in älterer und neuer Form, und
gelten im Handel und in Privatsammlungen für Wohlgemuth, wenn sie nur obenhin das Gepräge der fränkischen Schule haben; Lange schob man alles auf diesen Meister, wofür kein anderer Träger zu finden war, und dasselbe ist mit B. Zeitblom der Fall. Irgendein besseres altes Bild, musste A. Dürer in der Schule Wohlgemuth's, oder auch noch später im Style desselben gemalt haben, ohne zu bedenken, dass er nur kurze Zeit unter Leitung des Meisters stand; dann in Colmar der Kunstweise des Martin Schongauer huldigte, und zuletzt unabhängig von Wohlgemuth den Gipfelpunkt der fränkischen Schule bezeichnete.
Der alten fränkischen Schule gegenüber, welche unter Wohl- gemuth in Nürnberg blühte, gestaltete sich in Ulm und Augsburg die schwäbische Schule zu, höchst bedeutender Eigenthümlichkeit, welche ebenfalls erst in der neuen Zeit genauer erkannt würde: Die Kunstrichtung in Ulm ist eine mehr ideale, und findet ihre Ableitung von der altkölnischen, wie sie vor Wohlgemuth in Fran- ken Eingang gefunden hatte. In Ulm war von 1304 bis 1514 eine
Familie Schönau einheimisch, und auch der berühmte Martin Schon- auer soll hier um die Mitte des 15. Jahrhunderts gearbeitet ha- ben. Andere Malerfamilien waren die Acker, Schühlein, Knech- telmann und Herlen. B. Zeitblom ging aus der Schule des alten Herlen hervor, und ist unter den Malern, deren Namen neuerlich aus langer Vergessenheit hervorgezogen worden, einer der bedeu- tendsten. Diesem, und dem Martin Schongauer, wurden deswegen eine Menge von Werken zugeschrieben, weil man sie nicht an- ders taufen konnte und wollte, Martin Schongauer, in welchem die Ulmer Schule zu der feinsten Ausgestaltung gelangte, musste früher ebenfalls sein Verdienst dem Schongauer überlassen. Ein Haupt- zweig der schwäbischen Schule blühte unter den beiden Hans Hol- bein *) und H. Burgkmair **) in Augsburg, welcher aber beson- ders für Wohlgemuth ausgebeutet wurde, obgleich die schwäbi- sche Schule im Allgemeinen eine durchaus eigenthümliche, von der fränkischen unabhängige, und keineswegs minder bedeutende ist; wie Waagen (K.K. IV 4.) aus dem Vergleich zahlreicher Werke erseh. Der Unterschied der alten schwäbischen und frän- kischen Schule scheint ihm vornehmlich in Folgendem zu bestehen, was für die Kenntniss alter Bilder von Wichtigkeit ist. Eine der wesentlichsten Eigenschaften, worin die schwäbische Schule über die fränkische eine entschiedene Ueberlegenheit behauptet, ist der Geschmack. Obgleich auch bei ihr jene übertrieben hässlichen und verzerrten Gestalten der Kriegsknechte, des gemeinen Volkes u. s. w., welche in den Bildern der fränkischen Schule oft so störend einwir- ken **), keineswegs fehlen, sind sie doch meist minder roh, oder
Or „ *) Holbein jun. steht schon als Jüngerer Mann über dem Vater,
vertraute aber bald Augsburg mit Basel, und verpflanzte
dann seine Kunst nach England. Der Glanzpunkt der schwä-
bischen Schule in Augsburg leuchtete daher im fernen Lande.
**) Burgkmair wurde noch vor kurzer Zeit unter Dürer's Schü- ler gezählt, er war aber bereits selbststündiger Meister, als er nach Nürnberg kam, wo Dürer erst später namhaften Einfluss auf ihn übte, besonders bei den Zeichnungen für den Holzschnitt. \ *
***) Die schwäbische Kunstweise fand auch in Bayern Eingang. In den Werken des Gabriel Mächselkircher in Schleissheim sind dieselben Erscheinungen. Auf den Bildern des Hans
haben wenigstens etwas Phantastisches oder Humoristisches. Bei den Gestalten heiliger Personen findet sich aber in der Regel ein feinerer Sinn für Schönheit der Form, für Anmuth der Bewegung; die Motive der Gewänder sind hiermit in Uebereinstimmung nicht von so vielen willkürlichen und scharfen Brüchen gestört, als in der fränkischen Schule, sondern reiner, gradliniger. Mit diesen Eigenschaften steht eine grosse Neigung zu einem, wenn schon edeln Naturalismus in enger Verbindung. Demzufolge haben in den historischen Bildern die Köpfe meist ein mehr portraitartiges Ansehen, und sind eigentliche Porträite, in Form und Farbe mit feinerem Naturgefühl durchgeführt. Die Gesammtstimmung der Far- ben ist dunkler, kühler, harmonischer, als bei den fränkischen Ma- lern, welche zwar darin lebhafter, wärmer, aber bunter sind. In den Gewändern waltet vor Allem ein tiefes Braunroth und ein sat- tes Grün vor. Ganz besonders aber hat die vortreffliche niederländi- sche Technik des Friedrich Herlen in Schwaben ungleich mehr Eingang gefunden als in Franken. Das Impasto ist daher solider, der Vortrag weniger zeichnend, als eigentlich malend und ver- schmelzend, die Färbung des Fleisches klarer und weicher in den Schatten, feiner in den Halbtönen. Dagegen ist die fränkische Schule der schwäbischen freilich in anderen sehr wesentlichen Stü- cken wieder überlegen, nämlich in der streng kirchlichen Auffas- sung, der Reinheit der religiösen Gefühlsweise, der stylgemässeren Composition, so wie endlich in der Correktheit der Zeichnung.
Wohlgemuth's Werke.
In Wohlgemuth's Werken verbindet sich die Malerei mit der Holzsculptur, welche er in grossartigem Maassstabe übte, da er mehrerer Gesellen bedurfte. Veit Stoss mag daher neben ihm spär- licher bedacht worden seyn, so dass sich daraus die verhältniss- mässig geringe Anzahl seiner Werke erklärt. Adam Krafft beschäf- tigte sich mehr mit Arbeiten in Stein.
In der Marienkirche zu Zwickau ist ein berühmter, urkund- lich beglaubigter Altar dieses Meisters. Auf der Rückseite dessel- ben war eine Inschrift, welche uns Schmidt (Chronica Cygnea Zwickau) I. 53) in Copie (in moderner Form) erhalten hat. Sie lautet: „Nach Christi Geburt vierhundert und neun und sieben- zigsten Jahr, am Sonntag Laetare sind übereinkommen, der ge- strenge Merten Römer, die Zeit Hauptmann zu Zwickau, und der erbare Rath allhier, Paul Strödel, die Zeit Bürgermeister, Caspar Sangner, und Thomas Vilberer, Alter-Leute, mit Meister Michel Wolgemut, Maler zu Nürnberg, umb dieses gegenwärtige Werk, das da allenthalben gestehet (kostet) vierzehen hundert Rheinische Gulden.« Das Innere des Altarschreines enthält neun lebensgrosse vergoldete und bemalte Figuren von weiblichen Heiligen zu den Seiten der hl. Jungfrau, welche mit dem Jesuskinde auf dem Halb- monde steht. Alle Figuren tragen Kronen unter reichen gothischen Baldachinen. Die Aussenseiten dieses, und die inneren eines zwei- ten Flügelpaares zeigen in vier Gemälden die Verkündigung, die Geburt Christi, die Anbetung der Könige und die Familie der drei Marien, alle mit guldener Luft. Die äusseren Seiten dieses zwei-
von Olmdorf daselbst ist zwar grössermässigung zu be- merken, es kommen aber die verdrehten Hüften der Wohl- gemuth'schen Bilder vor.
e) Ueber die Marienkirche in Zwickau schrieb auch v. Bernsdorf, Annaberg 1830.
Ton, und die innere eines dritten unbeweglichen Flügelpaares: stel- len Christus am Oelberg, das Ecce homo mit Episoden, die Kreuz- tragung und die Kreuzigung dar, mit landschaftlichen Hintergrün- den. Dieser Bildschrein ruht auf einer Staffel, die ebenfalls einen Schrank mit einfachen Flügeln bildet; In Mitte derselben sitzt die 14 F. hohe Figur Christi von den Aposteln umgeben. Auf den inneren Seite der Flügel sind halbe Figuren von Heiligen auf
Guldgrund gemalt, und von Aussen halten zwei Engel die Mon-
stranz. Auf der Rückseite des Altars ist in Tempera das jüngste Gericht, darunter das Schweisstuch; die Einsammlung des Manna und Melchisedech mit Brod und Wein dargestellt. Der obere Ausatz mit vergoldetem Schnitzwerk wurde erst 1570 geläutet. Das Innere des Altares macht einen sehr reichen und prachtvol- len Eindruck, und zeigt den Meister in seiner vollen Eigenthüm- lichkeit. Die Köpfe sind zwar etwas einförmig und rundlich, aber doch von feinen Zügen und jungfräulichem Ausdruck, und durch die sehr zarte Bemalung von ganz eigenem Reiz. Die Hände sind meist sehr zierlich in Form und Bewegung, die Gestalten schmäch- tig in ausgebogenen Stellungen, und erscheinen theilweise nur durch das bauschige Gefühl von ansehnlicherem Umfang. Die Gewänder sind theils vergoldet, theils farbig, und wie bei den Bildern der van Eyck'schen Schule mit prächtigen Mustern ge- ziert. Der Grund ist als ein in der Mitte quer überzogener Tep- pich bemalt, und darüber breitet sich der dunkelblaue Himmel mit goldenen Sternen aus; Von besonderer Schönheit sind nur die hl.
Frauen; der Christus und die dickköpfigen Apostel plumpe Geisel- beiten. Yennout hat man früher geglaubt, in den Schnitzwer- ken die Hand des Adam Kraft in Nürnberg zu erkennen. Unter den Gemälden sind die vier auf Maria bezüglichen Bilder die bess- ten, doch gehören sie immer noch zu den roheren Gemälden Wohl- gemuth's, und halten in Freiheit und Schönheit keinen Vergleich .
mit den Figuren von einzelnen Heiligen aus, welche früher in der Augustiner zu Nürnberg, jetzt daselbst in der Morizkapelle be-
findlich sind. Von den vier Bildern aus der Leidensgeschichte zei- gen Christus am Oelberge und die Kreuzigung in allen Theilen Gefühl, Zeichnung, Färbung und Behandlung, eine so völlige Übereinstimmung mit den vier vorigen, dass sie Waagen um so
mehr von der Hand des Wohlgemuths hält, als die Kreuzigung .
auch mit dem Bilde desselben Gegenstandes in der Pinakothek zu München die grösste Aehnlichkeit hat. Dagegen weisen bei dem Ecce homo, der Kreuztragung und den Bildern der Predella die grosse Rohheit und Faustmässigkeit des Gefühls und der Malerei, der schwere, lederbraune Ton entschieden auf einen Gesellen, von welchen auch die kindische und verworrene Composition herrühren dürfte.
Um die Erhaltung dieses herrlichen Altares machte sich 1837 der sächsische Alterthums-Verein in Dresden verdient, indem er die
„sämmtlichen Bildwerke und Gemälde reinigen und restauriren, und dann auch das Ganze zeichnen liess. Im Kunstblatt 1836 S. 10 be- spricht L. Schorn dieses Werk, und auch Waagen kommt 1831 c. I. S. 63 ausführlich darauf zurück. Folgendes Werk enthält litho- graphische Abbildungen: Die Gemälde des M. Wohlgemuth in der Frauenkirche zu Zwickau. Im Auftrage des k. sächsischen Altere- thumsvereins herausgegeben von G. Quandt. 8 Abb. u. 4 Bl. Text. Dresden (1839), fol. Ein anderer Altar mit Schnitzwerk und Gemälden von Wohl- gemuth ist in der Kirche zu Hersbruck bei Nürnberg, welcher ebenfalls restaurirt wurde. Im Kunstblatt von Schorn 1853 Nr. 12,
Nagler's Künstler-Lex., Bd. XXII, 3
In der St. Jakobskirche zu Rothenburg an der Tauber ist ein Altar, welcher mit unbemaltem Schnitzwerk aus Linden- holz geziert und 1478 von Anna, der Wittwe des Kunz Mohr für die Capelle des heil. Bluts gestiftet ist. Die Hauptvorstellung be- steht in dem Abendmahl in etwa 1 lebensgrossen Figuren, deren Gewänder höchst scharfe und knitteriche Falten haben, welche im Allgemeinen erst zu Anfang des 16. Jahrhunderts vorkommen. Die Flügel stellen in ziemlich flachem Relief den Einzug Christi in Je- rusalem, und den Heiland auf dem Ölberg dar. Am der Altar- staffel ist Christus am Kreuze von zwei Engeln umgeben, kleinen Rundfiguren. Dieses Altarwerk wird in Rothenburg einem (unbe- kannten) Bruder des Wohlgemuth zugeschrieben. Winterbach er- klärt es aber in seiner Geschichte der Stadt für eine Arbeit dessel- ben. Schorn (Kunstblatt 1830 S. 11) findet aber darin wenig mehr von jener Anmuth der Züge und von der edlen Ruhe des Aus- drucks, welche diesem Meister eigen ist, und er möchte ihm nur den geringsten Theil zuschreiben. Waagen l. c. I. 325 findet gar keinen Anklang an die sicheren Arbeiten aus Wohlgemuth's Werk- statt. Der Typus der Köpfe von langen Ovalen und geraden spitzigen Nasen deutet auf einen Einfluss von Martin Schongauer, ohne dass sich hier die jenem Meister eigenthümliche Feinheit des Gefühls fände. Auch die Zeichnungen und das Gefäll erinnert nicht an Wohlgemuth. Winterbach l. c. S. 334 behauptet auch, dass der genannte Meister 1451 den Altar zu Unserer Lieben Frauen ge- fertiget habe. Dieser war mit bemaltem Schnitzwerk versehen und brannte 1494 ab. Ob es damit so viel Richtigkeit habe, wie mit der Behauptung Winterbach's, dass die Bilder auf der Altarstaffel
In der Kirche zu Schwäbisch Gmünd ist ein wohl erhal- tener Altar, dessen Holzsculpturen Heideloff (Kunstblatt 1838 Nr. 74) dem Veit Stoss zuschreibt, was wir dahingestellt seyn lassen. Die Gemälde schreibt Scharf 1. c. dem Wohlgemuth zu. Auf den Al- tarflügeln sind die vier Evangelisten, die vierzehn Heiligen und die Legende vom heil. Sebald dargestellt.
Unter Wohlgemuth's beglaubigten Werken ist das späteste der Rossa Altar in der Kirche zu Schwabach. Der Accord, welchen er Künstler schloss, nachdem aber schon Verhandlungen vorher gegangen waren, ist in Meusel's neuen Miscellaneen IV, 476 zu lesen, und die frühere Beschreibung des Werkes gibt Falkenstein im Chronicon Swabacense 1750 S. 88. Der Rath ging sehr vor- sichtig zu Werke, und unterstellte die Arbeit einer Commission von Sachverständigen. Der Künstler musste sich verpflichten nach Umständen zu ändern und zu bessern, und wenn nicht mehr zu helfen wäre, die Tafeln behalten, unter Rückerstattung des Vor- schusses. Im Falle des Gelingens hatte er auf eine Summe von 600 fl. Anspruch. Der Meister war damals schon 73 Jahre alt, und musste vieles den Gesellen oder Schülern überlassen, welche die meisten Arbeiten unter seiner Aufsicht und für seine Rechnung unternahmen. Die Namen der Gehülten kennt man nicht, Waa- gen (1. c. I. 294) fand aber heraus, dass deren mindestens zwei daran Theil gehabt haben, welche aber die theilweise sehr gelun- , genen Computationen des Meisters nicht immer glücklich in Far- äen brachten. Die geistloseren Köpfe, die schwächere Zeichnung, der schwere Ton verrathen in der Ausführung die Hand der Schü- ler. Doch steht der Meister selbst nicht mehr auf seiner frühe- en Stufe. Es ist nach Waagen in allen Theilen, den Charak- teren der Köpfe, die minder schön sind, den bauschigen und knitt- richen Falten, der Zusammenstellung der Farben, der zeichnen- den Behandlung, der Ausbildung der Landschaft sehr deutlich die Rückwirkung der Kunstweise A. Dürer's zu erkennen. Die Mitte des Inneren zeigt in sehr reich bemaltem und vergoldetem Schnitz- ‚werk den thronenden Christus und Maria, über deren Haupt ein Engel die Krone, zwei andere einen Teppich halten. Zu den Sei- ten stehen St. Johannes der Täufer und St. Martin, jede der Ge- stalten unter Schirmdächern im reichsten und manieristischsten go- thischen Geschmacke der Zeit. Die innere Seite der Flügel ent- hält in erhabenem Relief die Anbetung der Hirten, die Ausgies- sung des heil. Geistes, die Auferstehung Christi und den Tod der Maria, das Innere der Altarstaffel endlich das Abendmahl. Auf der Aussenseite des Altares sind Gemälde. Die äussersten der drei Flügelpaare stellen in etwas überlebensgrossen Figuren den Täu- fer Johannes mit dem Lamme, und den heil. Martin zu Pferd dar, wie er den Mantel mit dem Armen theilt. Waagen glaubt nur diese beiden Bilder dem Wohlgemuth zu schreiben zu müssen, kein anderes Doch zeigt er entschieden eine Aenderung der früheren Kunstweise. Das rothe massige Gewand des Täufers hat scharfe Brüche, der Schimmel des St. Martin ist sehr steif ausgefallen, die Köpfe sind derber, die Formen des Nackten völliger, die Lichter
im Fleisch liegen den bräunlichen Lokalton weisser als in den früheren Werken des Meisters. Die zweiten Flügel enthalten den Verrath an dem Heilande, Pilatus, wie er die Hände wäscht, die Kreuztragung und die Kreuzigung, die Innenseite die Taufe Christi, die Predigt des Johannes, die Messe im Augenblick der Consecration, und die Statue des Saturn, welche vor den Heiden durch den Segen eines Bischofes zusammenbricht. Auf den Aussenseiten des innersten Flügelpaares sieht man die Enthauptung des Johannes, St. Martin, welcher den Mantel theilt, das Haupt des Johannes dem Herodes dargebracht, und St. Martin als Bischof, wie er drei in Leichentüchern auf Gräbern Sitzende segnet. Die inneren Seiten der Flügel der Altarstaffel stellen Heilige dar, und von Aussen sieht man die Grablegung, Alles von einem geringen Gesellen roh und fabrikmässig gemalt. Im Jahre 1508 wurde der Altar abgeliefert. Dass aber die Arbeit schon vor Abschliessung des Vertrages von 1507 in Arbeit war, beweiset die Jahrzahl 1500 auf dem Bilde des St. Martin zu Pferd. Man scheint damals nicht ganz zufrieden gewesen zu seyn, und daher die Klauseln im Schlussvertrag. Im Jahre 1817 hat Kothermund den Altar restaurirt, und man sagte ihm nach (Dr. Campe im Kunstblatt), dass er durch Uebermalung den charakteristischen Werth der Alterthümlichkeit geschmälert habe. Allein Dr. Waagen fand diese Anschuldigung unbegründet. Es sind nur einzelne Retouchen zu bemerken.
Ein grosser Theil der Werke dieses Meisters befindet sich noch in den Kirchen und Sammlungen zu Nürnberg, einige kann man ihm aber nur muthmasslich zuschreiben.
In der Frauenkirche, zu Ende des linken Schiffes an der Wand, ist ein Altar in bemaltem Schnitzwerke, welcher nach Waagen I. 250 aus der Werkstatt des Wohlgemuth hervorgegangen seyn könnte. In der Mitte ist Maria mit dem Kinde im goldenen Gewande, an den Flügeln sind zwei Heilige, und oben ein Ecce homo. Die Ausführung ist eben so fleissig, als die Bemalung zur.
Für eines der vorzüglichsten Werke des Meisters hält aber Waagen den Altar an der Wand zu Ende des rechten Schiffes. In der Mitte des Gemäldes liest St. Gregor in Gegenwart der Heiligen Catharina, Antonius, Franciscus und Dominicus die Messe, und die Flügel stellen die Heiligen Lorenz und Sebald dar, edle, schlanke Gestalten. In diesem Werke weht ein echt kirchlicher Geist. Die Charaktere, besonders der der Catharina, erinnern an die beglaubigten Bilder in der Morizkapelle. Die Gewandmotive sind aber hier zum Theil reiner, als in jenen, der Fleischton kräftig, bräunlich mit grauen Schatten, die mageren Hände gut bewegt.
In der St. Sebalduskirche ist am Pfeiler in der Nähe des Grabmales von St. Sebald ein Epitaph mit einer Kreuztragung, und mit Portraiten der Familie Tucher, welche 1485 das Werk stiftete, und nach der Ansicht der Nürnberger Kunstfreunde den Wohlgemuth betraut haben soll. Waagen I. 234 spricht sich dagegen aus, weil die überladene Composition in den Hauptmotiven auffallend mit dem berühmten Kupferstiche des M. Schongauer übereinstimmt. Die Köpfe sind mannigfaltig und ausdrucksvoll, die Hände gut gezeichnet, der Fleischton kräftig braun, der Vortrag ziemlich breit.
Für Wohlgemuth's Werk gilt auch ein Altar in einer Seitenkapelle der St. Lorenzkirche. Im Inneren sind im bemalten Schnitzwerke die Heiligen Helena, Catharina und Conrad, und die angeblich von Wohlgemuth bemalten Flügel stellen die Vermählung der heil. Catharina und die Kreuzesfindung dar. Nach Waagen
Ein namhaftes Altarwerk ist in der kleinen gothischen Kirche zum heilig. Kreuz, eine Stiftung der von Haller'schen Familie. In der Mitte sind in Holz sieben Figuren, welche den Leichnam des Heilandes beweinen, Gestalten von edlen Motiven. Die bemalten
Flügel enthalten acht Darstellungen aus dem Leben Mariä und dem Leiden des Heilandes. Im Inneren der Altarstaffel liegt Chri- stus im Grabe, und auf den Aussenseiten der Flügel ist das Ecce homo mit der Schmerzensmutter dargestellt. Waagen I. c. 284
- glaubt, dass diese Malereien früher fallen, als der Altar in Zwickau, Die Compositionen sind überladener, zumal die Kreuztragung, die Ausführung ist ziemlich roh und handwerksmässig, die Färbung indess von grosser Kraft und Tiefe,
Die Gemälde, welche ehedem eine Zierde des Hochaltares der demolirten Augustinerkirche waren, sind jetzt in der St. Moriz- kapelle (Gallerie) zu Nürnberg. Diess sind die einzigen Werke von Wohlgemuth, welche Neudörfer und Sandrart erwähnen, mit der Bemerkung, dass sie von Sebald Peringsdürfer gestiftet wur- den. In der Mitte des Altares waren, wie bei allen bekannten Al- tären des Meisters, in Holz geschnitzte Figuren, hier die Maria mit zwei Heiligen. Die Ausführung des Werkes fällt um 1487, da ein Flügel diese Jahrzahl trägt. Der Schrein wurde durch vier Flügel geschlossen, auf welchen Gemälde von Wohlgemuth und seinen Schülern sind. Auf dem ersten sind auf blauem Grunde die lebensgrossen Gestalten der Heiligen Georg und Sebald auf gothi- schen Kragsteinen, welche ans einer von schwarzen wilden Män- nern unterstützten Base hervorwachsen. Auf der Rückseite sind zwei Darstellungen aus der Legende des heilig. Veit, welchem die Kirche dedicirt war. Die Gestalten der einzelnen Heiligen sind schlank, die Charaktere der Köpfe, welche in einem klaren, bräun- lichen Ton gut impastirt sind, tüchtig und im Ausdruck fromm, die Obergewänder golden mit den im Hauptzuge reinen, in den einzelnen Brüchen aber scharfen, in Schwarz hineinschattirten Fal- ten. Diese Gestalten hält Waagen I. c. I. 182 für Wohlgemuth's Werk, die Darstellungen aus dem Leben des hl. Veit, welche von schwer braunem Tone sind, für Gesellenarbeit. An der Vorder- seite des zweiten Flügels erscheint die heilig. Catharina und Bar- bara, auf der Rückseite ist oben St. Lukas die Madonna malend, und unten St. Sebastian dargestellt. Die weiblichen Heiligen sind
schön und von zarter Jungfräulichkeit, in goldenen Mänteln mit
brokatenen, oder sonst schönfärbigen Unterkleidern. Der Ton des Fleisches ist auch in den Schatten sehr licht und klar, und doch erscheinen die Köpfe nicht flach. Hier scheinen nach Waagen auch
die Rückseiten von Wohlgemuth zu seyn, denn der Lukas kommt
an Wirkung der Van Eyck'schen Schule nahe, das Kind ist frei bewegt, die Ausbildung fein. Die Henker auf dem Bilde mit St.
Sebastian sind zwar von braunem, aber doch klarem Ton. Der
dritte Flügel zeigt die heilig. Rosalia und die heilig. Martha, wovon die erste besonders edel ist. Die beiden Darstellungen aus der Legende des heilig. Veit auf der Rückseite sind ebenfalls schöner und wärmer in der Farbe, als die eben genannten Bilder, so dass
In früheren Werken wird dem Wohlgemuth ein in der Rathsstube zu Nürnberg befindliches Bild des jüngsten Gerichtes zugeschrieben, wahrscheinlicherweise dasselbe Gemälde, welches wir als auf Burg vorhanden erwähnt fanden. Wie es mit jenem figurenreichen Gemälde steht, welches Wohlgemuth 1406 für die Kapelle der 14 Nothelfer gefertigt haben soll, ist uns unbekannt. Die Capelle wurde zur Wagenremise degradirt.
Ehedem waren auch in Privatsammlungen zu Nürnberg Bilder, welche dem Wohlgemuth mit mehr oder weniger Recht zugeschrieben wurden; allein alle namhaften Cabinete, welche v. Murr beschreibt, sind gänzlich verschwunden. Dr. F. Campe besass in letzterer Zeit die Mariam am Grabe, und Joseph von Arimathea mit Nicodemus. Campe hielt diese Bilder für eigenhändige Werke Wohlgemuths, und jene, welche zum Altare in der heil. Kreuzkirche gehören, für Gesellenarbeit. Campe's Sammlung ist jetzt ebenfalls zerstreut.
In der Sammlung des H. A. von Derschau in Nürnberg waren zwei Flügel eines Altares, welchen Wohlgemuth 1484 für die Abtey Ebrach in Franken verfertigte. Sie stellen auf geblümtem Goldgrunde den Zug nach Golgatha und die Kreuzigung des Heilandes dar. Diese Bilder sind nicht ganz vier Schuh hoch, und wurden 1825 versteigert. In der Derschau'schen Sammlung waren auch die Bildnisse des Dr. Hartmann Schedel und des Martin Pfinzing, beide in Brustbild auf Holztafeln geleimt.
In der Neumünsterkirche zu Würzburg sieht man an den Wänden des Chores zwei Gemälde, welche Wohlgemuth 1512 malte. Ehedem bildeten sie Theile des grossen Hochaltares, welcher 1711 einem mittelmässigen Altarbilde von J. Zimmermann weichen musste. Sie stellen die Anbetung der Hirten und Weisen, und die Geburt Christi dar.
In der k. Pinakothek zu München sind ebenfalls Werke von Wohlgemuth, welche Theile eines Altares ausmachen. Dieses Werk verdankt der Familie Landauer in Nürnberg seinen Ursprung, und war
*) In der k. k. Gallerie zu Wien sind ebenfalls Bilder von diesem R. F.
Die Gallerie des k. Museums in Berlin besitzt nur ein mäßi- ges Bild von Wohlgemuth, und zwar aus dessen früherer Zeit. In der Mitte steht Maria mit dem Kinde, und zu den Seiten sind die beiden Johannes, Laubgewinde sind in schwarzer Farbe aufge- tragen, Dazuüber dies sind auch im Privatbesitze viele Gemälde, welche dem Wohlgemuth zugeschrieben werden.
Der Formschnitt.
Dass Wohlgemuth mit eigener Hand in Holz geschnitten habe, ist weder unbedingt zu behaupten, noch zu verneinen. Sicher aber
- Beihilfe entstandenen Blätter zuerst das Bestreben nach einer be- stimmten Schattenwirkung zeigen. Doch sind wohl diejenigen im Irrthum, welche ihm die Erfindung der Kunst, Holzschnitte in Helldunkel zu fertigen, vindiciren wollen, so wie es auch nicht gewiss ist, dass Mair von Landshut, oder Hans Ulrich Pilgrim
- die Erfinder der Helldunkel von zwei Platten sind. Wohlgemuth's
- Theilnahme an der technischen Ausführung eines Formschnittwer-
- kes bezeugt die Schedel'sche Chronik, über welche wir schon im
- Artikel des Wilhelm Pleydenwurf gehandelt haben. Sowohl die lat
- einische (Liber chronicarum — Norimb. A. Koberger 1493), als
- die um ein Paar Monate später herausgekommene deutsche Aus-
- gabe weist auf Wohlgemuth und Pleydenwurf hin, indem es in
- der letzteren Ausgabe heisst, dass beide Künstler »diss Werk mit
- Figuren wirklich geziert haben.« Man kann daraus schliessen,
- dass die genannten Maler selbst Hand ans Werk gelegt, nicht
- allein, dass sie nur die Zeichnungen geliefert haben *). Wohlge-
- muth fertigte allerdings den grössten Theil der Zeichnungen zur
- Chronik, wie es scheint unmittelbar auf die Holzplatten. In Cam-
- pe's Reliquien A. Dürer's S. 178 sagt ein Zeitgenosse, Wohlge-
- muth sei ein guter Reisser auf Holz, Papier und dergleichen, und
- auch Neudörffer bemerkt, dasjenige, was Wohlgemuth gerissen,
- finde man in der Nürnberghischen grossen Chronik. Das Wort, reis-
- sen gebrauchen die Alten im ersten Sinne allerdings für Zeichnen auf '
- Holz, reissen kann aber auch in Holzschneiden bedeuten, da selbst
- Neudörffer die Holzschnitte Dürer's dessen gerissene Kunst nennt,
- Wir können daher annehmen, dass in H. Schedel's Chronik eigen-
- händefte Blätter von Wohlgemuth sind, und sicher die schönsten,
- namentlich die grossen, gut ausgeführten Schnitte zu Anfang des
- Werkes. - Die meisten Blätter sind Gesellenarbeit, und zeugen von
- geringer Uebung. Der junge Dürer kann die Handgriffe zum
- Formschneiden wohl nur in Wohlgemuth's Schule gelernt haben,
- so wie sie dem Meister deutlich und geläufig geworden waren. B.
- v. Rumohr (Gesch. u. Theorie etc. S. 80) glaubt ihm das grosse
- Bild fol. C. LXN u. fol. LXXV. zuschreiben zu müssen.
- Ein anderes Werk mit vielen merkwürdigen Holzschnitten nach
- Zeichnungen von Wohlgemuth und theilweise von ihm selbst, ist
- folgendes: Der Schatzbehälter oder Schrein der wahren Reichtümer
- des Heils. Nürnberg, A. Koberger 1491, gr. fol. Dieses Werk ist
- weniger gekannt und gepriesen als die Schedel'sche Chronik, es
- enthält aber eine Fülle reicher Compositionen und geistvoller
- Schnitte, denen man es ansieht, dass sie Vorgänger der Form-
- schnitte A. Dürer's, Wohlgemuth's grösstem Schüler, sind. R.
- Weigel gibt in seinem Prachtwerke: Holzschnitte berühmter Mei-
- ster — — in treuen Copien, Heft II. Leipzig 1854, die Glorifica-
- tion von Gottessohn in Nachbildung.
- *) Wir machen hier auf zwei streitende Parteien aufmerksam.
- Die eine vertheidigt die Eigenhändigkeit der Malerformschnitte,
- und verfährt mit viel gewichtigeren Gründen, als
- die andere, welche die alten Maler nur die Zeichnungen
- zum Schnitte liefern lässt. Bartsch ist Patron der letzteren,
- B. v. Rumohr ein scharfer Vertheidiger der Eigenhändigkeit,
- Vgl. dessen Werk zur Geschichte und Theorie der Form-
- schneidekunst. Leipzig, R. Weigel 1837. An ihn schliesst
- sich Umbreit: Ueber die Eigenhändigkeit der Mälerschnitt-
- stücke. Leipzig, R. Weigel 1840.
R. Weigel (Kunstkatalog Nr. 36346) erklärt auch die beiden geistvollen Holzschnitte im Würzburger Missale (Speciale missa- rum —, Würzb. Georg Reyser 1405, gr. fol.) für Wohlgemuth's Werk. Das erste Blatt enthält das bischöfliche Wappen nebst Schildhaltern. Sie sind jenen Kupferstichen nachgebildet, welche sich in den früheren Ausgaben vorfinden, qu, fol. Das zweite Blatt stelt Christus am Kreuze dar, an dessen Fusse die trauernden Jünger, heil. Frauen und Gläubige, fol. Auch die Blätter des Passional, Das ist der Heiligen Leben, Sommer und Wintertheil, Nürnberg, A. Koberger 1488, fol., sollen nach Wohlgemuth's Zeichnungen in Holz geschnitten seyn, Ist Wohlgemuth auch Kupferstecher? Die alten Schriftsteller beobachten darüber Stillschweigen, und die neueren haben es nicht beweisen können, dass Jakob Walch der Lehrer Wohlgemuth's in diesem Kunstzweige gewesen sei; Ist ja Walch selbst, oder vielmehr ein J. Walch genannter Monogram- mist W., noch eine etwas räthselhafte Person. Doch wurden spä- ter dem Wohlgemuth die mit einem W. bezeichneten Blätter zu- geschrieben, welche Bartsch P. gr. VI. 317 ff. mit vielen Gründen um Wenzel von Olmütz vindicirte, Seit dieser Zeit ist der ehr- würdige Michael aus der Reihe der Kupferstecher gestrichen, und selbst die Bemühungen des scharfsichtigen Y. Ottley, Inquiry etc. II. 679 ff. konnten die Autorität des gelehrten Kenners Bartsch nicht erschüttern, obgleich die dem Wenzel zugeschriebenen Blät- ter so ungleich sind, dass manüglich zwei Stecher W. vermuthen könnte, Das Beste sind die Copien nach M. Schön und A. Dürer; Gerade die angeblichen mit W. bezeichneten Copien nach Dürer sind es aber, an welchen Ottley Anstoss nimmt, und die er Bartsch entgegen als Originalblätter von Wohlgemuth erklärt, so dass Dü- rer dieselben copirt hätte. Es wäre indessen nicht so unmöglich, dass der Schüler ein Blatt des Meisters nachgestochen hätte, wenn nur Ottley in anderer Hinsicht halbwegs beweisen könnte, dass Wohlgemuth in Kupfer gestochen, und seine Blätter mit W. be- zeichnet habe. Auch keines der obengenannten Gemälde dieses Meisters trägt den Buchstaben W. Wir wollen aber hier auf einige Punkte aufmerksam machen, welche der genannte englische Schrift- steller berührt. Es fielen ihm besonders zwei mit W. bezeichnete Blätter im brittischen Museum auf. Das eine stellt die bekannte Maria mit dem Schmetterling dar, welche auch Israel van Mecke- len gestochen hat. Das Exemplar im englischen Cabinet ist hand- schriftlich mit dem Monogramm des Martin Schongauer bezeich- net, nachdem zuvor das W. ausradirt war, Im Vorgrunde nach rechts ist eine Fliege, welche auf den Blättern von Dürer und Meckenen nicht vorkommt. Ersterer copirte dieses Blatt von der Gegenseite, Letzterer im Sinne des Originals. In diesem ist der Kopf der Maria mit einer kreisförmigen Eins umgeben, und oben fehlt Gott Vater mit dem heiligen Geiste, welcher auf dem Blatte von Dürer hinzugefügt ist. Der Stich im englischen Museum sieht rauh und unangenehm aus, wenn er nicht retouchirt ist. Oltley will aber dieses Blatt dem Wohlgemuth zu schreiben, und Dürer's Stich für Copie nach J. van Meckenen nehmen. Bartsch P. gr. XII. p. 370 schreibt das Original dem Meister mit der Heuschrecke (Maitre 3 la sauterelle) zu, und fand kein Exemplar mit einem W. Er spricht nur von einer alten Copie mit dem Monogramm JM., welche vielleicht Ottley als mit W. bezeichnet nimmt. Das zweite Blatt, welches dieser Schriftsteller für Wohlgemuth beansprucht, stellt einen Herrn und eine Dame in der Landschaft dar, wie sie
Aus diesen Argumenten ist zu ersehen, dass Bartsch mit sei- nem W. von Olmütz noch immer das Feld behaupten muss, ob- gleich nicht alle Blätter von ihm herrühren, welche ihm zugeschrie- ben werden. Schließlich machen wir noch auf eine Notiz im Ca- talog Derschau S. 9. aufmerksam, nach welcher drei Platten mit dem Zeichen W., und angeblich Copien nach Dürer, nämlich der Traum (B. 76), der Raub der Amymone (B. 71) und das vom Tode überraschte Paar (B. 04) vor Jahrhunderten von den Erben Wohl- gemuth's erkauft, und in den Knorr'schen Verlagsbüchern einge- tragen wurden.
Michael Wohlgemuth starb zu Nürnberg 1510. Seine Züge sind uns in einem Gemälde von A. Dürer in der Pinakothek zu München erhalten (Nr. 1530). Aus der Inschrift geht hervor, dass Dürer das Bild 1510 gemalt, sie aber später auf das Gemälde gesetzt, habe, da auch noch bemerkt wird, dass Wohlgemuth am St. Andreus- tag 1510 gestorben sei. Auf dem Gemälde in der Morizkapelle zu Nürnberg, welches St. Lukas vorstellt, wie er die Madonna malt, trägt der Evangelist ebenfalls seine Züge. Im Jahre 1508 fertigte A. Dürer auch einen einseitigen Medaillon mit seinem Bildnisse ohne Namen. Doppelmayer und Will (Münzbelustigungen IV, 130) haben denselben in Abbildung gegeben. Dieser Medaillon ist wahrscheinlich auch zu jenem Blatte benützt, auf welchem Wohl- gemuth und Dürer in Medaillon gegenüber vorkommen, mit An- gabe ihrer Lebensgränzen. Unten rechts in der Ecke steht G. C. K. (G. C. Rilian). Auch Sandrart fügte ihn seiner deutschen Akade- mie I. tab. A. bei. G. W. Knorr stach Wohlgemuth's Bildniss mit jenem von M. Schön und Marc Anton auf einer Platte, 4. Eine ältere Radirung ist von V. S. (V. Solis), 4. In Franck's Künstler- bildnissen kommt es lithographirt vor.
Stiche und Lithographien nach Werken von Wohlgemuth,
Der berühmte Altar in Zwickau, in 8 lith. Blättern, im Auf- trage des sächsischen Alterthumsvereines herausgegeben von Quandt, Dresden (1859).
Die Verlobung des heil. Veit, nach dem Bilde in der St. Moritzkapelle zu Nürnberg, gest. von C. Mayer, fol. Die Heiligen Catharina, Barbara, Coeilia und Margaretha, rossartige Figuren, Nach dem Bilde in der obigen Capelle von Mayer gest., fol. Prospekt der Stadt Nürnberg im XV. Jahrhundert, angeblich nach einem Originalgemälde von Wohlgemuth in der St. Lorenzkirche, M. Wohlgemuth pinx. J. F. Volckart sc. (1789), qu. fol. Der Prospekt in der Schedel'schen Chronik ist nicht damit zu verwechseln. In andern Städten wurde dieser benützt. Wohlhaupter, Franz, Maler von Znaym in Mähren, war um 1667 Bürger in Brünn, und arbeitete für die Kirchen des Landes. Er lebte noch 1698. Wohlhaupter, Franz Anton, Maler von Brünn in Mähren, war um 1660 tätig. Er malte Bildnisse und religiöse Darstellungen. Wohlhaupter, Emanuel Cass, Maler von Salzburg, stand bei vielen deutschen Meistern in Condition, und scheint auch in Ita- lien gewesen zu seyn, da er in Piazetta's Weise arbeitete. Später wurde er Hofmaler des Fürstbischofs von Fulda, wo man in Kir- chen Werke in Öl und Fresco von ihm findet. Auch in Privat- häusern waren ehedem viele Bilder von ihm, gewöhnlich histori- schen und religiösen Inhalts. Man nannte ihn geradeweg Ema- nuel. Starb zu Fulda 1758, ungefähr 70 Jahre alt. Wohlrab, s. Wolrab. Wolard, Maler in Lyon, gehört zu den geschickten jetzt lebenden französischen Künstlern. Er malt Genrebilder. Wolff, Paul, Maler, war um 1570 — 1600 in Prag thätig. Er malte Bildnisse und historische Darstellungen, welche aber selten geworden sind. Wolck, Blathis, Maler, arbeitete in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts in Deutschland. Es finden sich Zeichnungen von ihm, religiöse Allegorien, Plafondstücke u. s. w. Wolcott, John, Maler und Dichter, und als solcher unter dem Namen Peter Pindar bekannt, wurde zu Dodbrock in Devonshire geboren. Im Jahre 1768 ging er als Wundarzt nach Jamaica, wo er zugleich auch die Stelle des Pfarrers versah, in welcher ihn aber der Bischof von London nicht bestättigte. Später ließ er sich zu Truro in England als Arzt nieder, bis er endlich durch eine Erb- schaft in den Stand gesetzt wurde, in London ein unabhängiges Leben zu führen. Jetzt gab er mehrere satyrische Schriften her- aus, in welchen selbst verdiente Männer die Zielscheibe seines Wi- tzes sind. Uebrigens zeichnete er Karrikaturen und Landschaften in Kreide, welche bedeutendes Talent verrathen. Peter Pindar starb 1816. Woldemar, Graf von Schleswig-Holstein, s. Waldemar. Wolf, Maler aus Dessau, machte seine Studien zu Dresden unter Professor Matthäi, und verblieb daselbst als ausübender Künstler.
Er malte Anfangs historische Bilder, worunter 1830 eine Dar- stellung von Adam und Eva im Paradiese erwähnt wurde. Die- ses Bild ist bis zum Baumblättchen und Grashälmchen ängstlich vollendet. Wolf suchte alle botanischen Werke zur Ausschmü- ckung seines Paradieses zusammen.
_ Er ist wahrscheinlich jener Portraitmaler Wolf, welcher in Dresden unter dem Namen Communalwolf bekannt ist. —
In Verwandschaft steht wahrscheinlich der Lithograph Wolf in Dresden. Von diesem Künstler haben wir eine kleine Ausgabe des Dresdner Galleriewerkes, welches sich aber über die Mittel- mässigkeit nicht erhebt, kl. 4.
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