Willmann, Michael

Willmann, Michael, Maler und Radierer , zu seiner Zeit der schle- sische Apelles genannt, wurde 1630 in Königsberg geboren, und von seinem Vater Peter in den Anfangsgründen der Kunst unter- richtet. Er hatte schon als Jüngling von zwanzig Jahren seine Kunstgenossen übertroffen, und somit begab er sich nach Amster- dam, wo ihn J. de Backer in sein Haus aufnahm. Willmann rich- tete aber auch ein Augenmerk auf Rembrandt, und copirte meh- rere Werke desselben. Puhlmann, Beschreibung der Gallerie in Berlin (S. 126), behauptet sogar, er sei Rembrandt's Schüler ge- wesen; allein man kann nur annehmen, dass der Künstler dem Rembrandt nachgeahmt habe. Auch ist es nicht erwiesen, wenn der genannte Schriftsteller sagt, dass der schlesische Apelles in Rom unter Pietro da Cortona Studien gemacht habe. In seinen Werken spricht sich nur die Nachahmung der Manier Rembrandts und der Rubens'schen Schule aus, da Willmann bei jeder Gelegen- heit Werke der holländischen Schule copirte, und eine grosse An- zahl von Zeichnungen nach solchen machte. Diese Studien ver- mehrte er von Jahr zu Jahr, da er auch Deutschland durchreiste, und in Polen und Böhmen viele interessante Kunstwerke zeich- nete und in Öel copirte. Mehrere seiner Copien dürften für Rem- brandt und Rubens genommen worden seyn, und noch jetzt für Original gelten. Besonders viel copirte er zu Prag in der Gallerie des Kaisers Rudolph II. Willmann malte in Prag auch mehrere Bilder nach eigener Composition, welche Diabacz verzeichnet. Die Kriegsunruhen vertrieben ihn endlich aus Böhmen, und somit begab sich der Künstler nach Breslau, wo fast alle Kirchen Werke von ihm haben. Auch Churfürst Friedrich Wilhelm der Grosse erwarb mehrere Gemälde von ihm, welche theils in Charlotten- burg, theils in der Gallerie zu Berlin ihre Stelle gefunden hatten, aber jetzt zurückgestellt sind. Der Churfürst ernannte den Künst- ler in Königsberg zum Hofmaler, hier aber wurde er zuletzt auf Veranlassung des Jesuiten Wolf katholisch. Dieser Schritt scheint seinen Aufenthalt unangenehm gemacht zu haben, denn wir fin- den von dieser Zeit an den Künstler im Cisterzienser Stift zu Leubus, wo ihm der Abt Arnold Freiberger eine Wohnung ein- geräumt hatte. Nicolai behauptet auch, dass der Künstler das Ordens- kleid empfangen habe, allein er erlebte nur einige Jahre im Kloster, und heirathete dann die Wittwe des k. Hofagenten Lischka in Breslau. Er brachte von dieser Zeit an noch vierzig Jahre auf einem Land- gute zu, und starb 1706 in Leubus. Seinen Stiefsohn Johann Christoph Lischka bildete er zum geschickten Maler heran. Auch

Die Werke dieses Meisters sind ausserordentlich zahlreich, da sie sich auf 4600 belaufen sollen. Man erkannte darin eine ungewöhn- liche Fruchtbarkeit des Geistes, allein Willmann benutzte vielfäl- tig im Einzelnen, wie im Ganzen fremde Compositionen, wobei ihm seine Zeichnungen und Copien dienten. Viele Bilder sind fleissig vollendet, andere skizzenhaft, besonders solche, welche ihm voraus bezahlt wurden. Er ging dann nur gezwungen ans Werk, und arbeitete nachlässig. Dennoch kann man bei früheren Schriftstel- lern lesen, dass Willmann zu den besten Malern, die je gelebt haben, gehöre. Unstreitig war er ein Mann von entschiedenem Talente, welcher als Techniker wenige seines Gleichen fand.

Mehrere seiner Bilder wurden gestochen.

Das Bildniss des Abtes Arnold Freiberger in Leubus, gest. von Tscherning, fol.

Jesus, Maria und Joseph in einer Landschaft, ersterer mit dem Kreuze auf einer Schlange stehend, und segnend. Gest. von B. Kilian, gr. qu. fol.

Die Kreuzabnehmung, Christus ins Grab getragen, die Beer- digung des heil. Leichnams, und die Erscheinung des heil. Gei- stes. 4 Blätter von J. J. Sandrart, gr. 8.

Christus erweckt den Sohn der Wittwe. Ohne Namen, fol.

**) Eine nackte Venus mit Amor und Vulkan war in der alten Gallerie zu Berlin, oder in Charlottenburg.

Christus in Wolken bei der sterbenden Magdalena. Ohne Namen, 4.

Darstellungen aus der Passion, 30 (?) Blätter von Melchior

Die heil. Familie. B. Kilian sce., kl. fol.

Die Austheilung des Abendmahles. Melch. Küsell sc., 8.

Das Leben des heil. Joseph, Folge von 14 Blättern, Willmann del. In Aquatinta von Balzer, dessen Name nur im zweiten Drucke vorkommt, 8.

Die Geschichte der Brüder und Schwestern aus dem Cister- zienser Orden, Folge von 40 Blättern von Ph. Kilian und Wolk- ang, 8.

Folge von 12 kleinen Blättern mit Heiligen, welche Erschei- nungen hatten. Ohne Namen des Stechers J. J. Sandrart.

Folge von 14 kleinen Blättern mit Ordensheiligen, meistens in Visionen. Ohne Namen des Stechers J. J. Sandrart,

Jesus, Maria und Joseph, von einer Menge von Heiligen un- geben, J. J. de Sandrart sc., 8.

Die hl. Ursula mit ihren Jungfrauen in Cöln landend. Id. sc., 4.

St. Bernhard meldet sich zum Eintritt in den Cisterzienser Orden, grosse These in 2 Blättern. J. Tscherning sc., gr. imp. fol.

Die heil. Ottilia. Wolfgang sc., 4.

St. Justina auf Wolken vom Engel gekrönt. W. Kilian sc, 4.

St. Theresia vor Armen und Krüppeln. Id. sc., 8.

Der Abt von Grissau, wie er der heil. Jungfrau ein Buch vork met. Id. sc., 8.

Die heil. Jungfrau mit dem Kinde auf Wolken zwischen zwei Heiligen, unten eine Abtei. Ohne Namen, 4.

Religiöse Gegenstände und Büsten, gest. von Tscherning, Rie- del und Burde, 8.

Die halbe Figur eines betenden Mannes, nach dem Bilde in Dresden von A. H. Riedel radirt, 12.

Mehrere Skizzen in Zeichnungsnachahmung, radirt von Bal- zer und J. Gregory 1704. Wenigstens 18 Blätter, qu. fol.

Einige dieser Blätter tragen den Buchstaben W, scheinen aber nicht von Willmann zu seyn.

Eigenhändige Radirungen,

Wir haben von diesem Meister mehrere geistreiche Blätter in Rembrandt's Manier, welche aber grösstentheils zu den Selten- heiten gehören. Auf der Bibliothek zu Grissau befinden sich 80 Platten nach seinen Werken, und solche von eigener Hand. Ein Ver- zeichniss seiner Blätter war bisher nicht vorhanden.

  1. Michael Willmann, halbe Figur mit der Brille am Pulte zeichnend. An der Leiste dessen Name: verkehrt, mit der

Jahrzahl 1675. Seltenes Blatt. H. 3 Z. 4 L., Br. 2 Z. 11 L.

Bei Weigel 2 Thl.

  1. Effigies R. et Religiosmi. Dni, Arnoldi Ducalis Monasterii

Lub (Leubus) Abbatis Aetatis suae LXXXII. Annorum, Bu- ste eines Prälaten, im Profil nach rechts. M. Will, fec. Av 1670. H. 4 Z. 2 L., Br. 2 Z. 10 L.

Die obige Schrift ist unten am Piedestal, es scheinen wohl erste Abdrücke ohne diese vorzukommen.

  1. Der Kopf eines jungen Mannes, wahrscheinlich Porträtt.

— Seltenes Blatt, 8.

  1. Jesus mit seinen Jüngern beim Abendmahl. Höchst geist '

reich in Rembrandt's Manier radirt, und sehr selten, 8.

In der Sternberg'schen Auktion 2 Thl.

  1. Die Himmelfahrt der Maria in Gegenwart der Apostel, welche ein Tuch über das Grab halten. Nach dem Altarbilde der Klosterkirche zu Saar, M. Willmann fec. 1683. Seltenes Hauptblatt in Rembrandt's Manier, H. 17 Z. 10 L., Br. 12 Z. 4 L. ;

I. Reine Aetzdrücke. Im Buche des rechts vorn sitzenden Apostels ist keine Schrift. ; II. Die mit der kalten Nadel vollendeten Abdrücke, Dieses Blatt galt auf Auktionen 4 — 6 fl.

  1. Maria in der Glorie mit dem Kinde auf einer Wolke sitzend, wie sie den Fuss auf den Kopf der Schlange setzt. An ihrer Seite steht Joseph, und alle Orden der Welt bringen ihre

Huldigung dar. Gott Vater in der Glorie gibt den Segen dazu. Unten, gegen links die genealogische Tafel des Hei- landes, M. Willmann fec. 1675. Seltenes Hauptblatt, fol. I. Reine Aetzdrücke, vor der Ueberarbeitung mit der kalten Nadel, vor der Schrift auf dem Buche und der Stammtafel, so wie im unteren Rande. Schreibseiten, II. Mit der kalten Nadel vollendet, und mit der Schrift, Bart. Kilian hat dieses Blatt 1683 nachgestochen. Unten im Rande: Haereditas sancta Nepotes eorum,

  1. Die Enthauptung des Täufers Johannes, wie Herodias den Kopf in den Sack steckt, kl. fol.

  2. Die Enthauptung eines Heiligen, nach einigen St. Paul, nach anderen St. Bavo. In Mitte des Grundes erscheint der ro- mische Feldherr zu Pferd mit Gefolge, Im Rande: M. Will- mann fec. 1683. H. 10 Z. 4 L., Br. 7 Z. 3 L.

Von diesem seltenen Blatte gibt es folgende Abdrücke: I. Aetzdrücke vor der Ueberarbeitung mit der Schneidnadel, II. Grund und der Himmel sind nicht überarbeitet. Sehr selten. .

  1. Die mit der Schneidnadel vollendeten Abdrücke,
  1. St. Anton von Padua auf den Knien vor dem Jesuskinde, M. Willmann fec., verkehrt, 8.
  2. St. Franz von Assisi mit dem Crucifix in der Wüste stehend,

und zu dessen Füßen das Lamm. Id. fec., 8.

  1. Loth und seine Töchter, in Rembrandt's Manier radirt, und dem Willmann beigelegt. Ohne Namen, fol.

  2. Susanna von den beiden Alten überrascht, geistreiches und seltenes Blatt, von Weigel (Nr. 1100) dem Willmann zu- geschrieben. H. 3 Z. 11 L., Br. 3 Z. 3 L.

  3. Ein im Sessel schlafender alter Mann, Kniestück im Profil nach rechts. In Rembrandt's Weise radirt, und diesem öfter zugeschrieben. Bartsch erwähnt dieses Blatt nicht. H. 3 Z. 9 L., Br 2 Z. 7 L.

Im ersten Drucke vor der Linie.

  1. Der schlafende Alte, Brustbild mit Bart im Mantel. In Rem- brandt's Manier, 4. Bartsch II. p. 141. Nr. 31.

  2. Ein bärtiger, nachdenkender Greis. H. 3 Z. 4 L. Br. 2 Z. 11 L.

  3. Ansicht des Klosters Leubus in Schlesien. Dem Willmann zugeeignet,

Nagler's Künstler - Lex. XXI. Bd. 33

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