Wiebeking, Carl Friedrich Ritter von, Architekt und Ingen- ieur, wurde 1762 zu Wollin in Pommern geboren, und befasste sich in seiner Jugend neben den klassischen Schulstudien beson- ders mit der Mathematik und dem topographischen Zeichnen, was ihn zunächst auch zur Civilbaukunst führte. Doch gründete er zuerst durch topographische Karten seinen Ruf. Er zeichnete von 1779 — 1780 die Karte von Mecklenburg-Strelitz , welche Graf von Schmettau in 4 Blättern herausgab. Von 1785 — 88 nahm er das Herzogthum Mecklenburg-Schwerin auf, und auch diese Karte gab Graf Schmettau in 16 Blättern heraus. Die Karten eines Theils von Pomeranien (1780), vom Herzogthum Weimar und Schmal- kalden (1784); vom Herzogthum Gotha, und von Preussisch-Polen (1781 — 83) blieben in Zeichnungen. Eine Karte des bayerischen Antheils des Herzogthums Berg, welche er von 1792 — 95 aufnahm, erschien in vier grossen Blättern, welche in sehr wenigen Exem- plaren vorkommen. Der Churfürst von der Pfalz ernannte ihn aber dafür zum Ingenieur-Officier, als welcher er noch eine Karte der Niederlande auszuarbeiten begann. Nach einiger Zeit trat er in österreichische Dienste, und erhielt den Titel eines Hofrathes, da ihm jetzt die Leitung des Wasserbauwesens oblag, bis er end- lich 1805 nach München berufen wurde, um als Chef der Ministe- rial-Sektion für Strassen- und Wasserbau einzutreten. In Bayern wurde endlich aus dem k. k. Hofrath ein geheimer Rath, und mit mehreren Orden decorirt erhielt er 1817 als General-Director des Brücken- und Strassenbaues seine Pension. Ritter von Wiebeking war viele Jahre ein gefeierter Mann, welchen mehrere Akademien der Künste und der Wissenschaften zu ihren Mitgliedern zählten. Er hatte in Bayern viele Brücken gebaut, fast alle von Holz mit gesprengten Bogen und, wie der Erbauer glauben machen wollte,
Wiebeking, Carl Friedrich Ritter von.
in einer neuen Constructionsmethode, was dem General-Pontifex häufig «widersprochen wurde, indem der Unterschied zwischen den Brücken Grubemann's, Kink's (in Tirol), Kulbin's (zu Peters- burg), Peronett's (Neuilly), und den seinigen unwesentlich ist. Die Ehre des Erfinders einer neuen Constructionsmethode wurde ihm nicht zugestanden, da er keine wichtige Verbesserung im Brü- ckenbau anbrachte, nur das Fahrbett auf die Bogen legte, und diese in die Widerlager einließ, — eine Modification, welche in mancher Hinsicht unvortheilhaft war. Der grösste Theil seiner Brü- cken ist daher auch schon in der ersten Hälfte seines Lebens einge- stürzt, und damit wurden ungeheure Summen im Wasser begrabe- nen. Ritter von Wiebeking betrachtete aber jede entgegengesetzte, noch so gegründete Ansicht für Verrath an seiner Celebrität, und wenn eine Brücke einstürzte, oder eine solche von dem Feinde ver- brannt wurde, so musste die Natur und der befehlende General sich gegen ihn verschworen haben. Zuletzt faßte auch das Finanz- Ministerium seine Kostenanschläge bedenklich, und er musste sei- ner Allmacht über die bayerischen Flüsse und Baupläne ent-
sagen. Mit der Aufzählung seiner verschwundenen Bauten, und
der noch vorhandenen Ruinen wollen wir die Leser nicht belästi- gen, und verweisen nur auf seine Beiträge zur Brückenbaukunde,
München 1810 ff., in welchen ein grosser Theil seiner in Bayern gebauten Brücken abgebildet ist. Dieses Werk sollte als ein baye- risches Nationalwerk betrachtet werden, es legte aber für Wiebe- king den Grund zu vielfachen Anfechtungen. In der «Allg. D. Li- teraturzeitung» 1800 Nr. 100 ff. erschien eine scharfe Critik, wel- cher Nr. 181 von Wiebeking schwache Berichtigungen entgegen setzte, angeblich als literarische Nothwehr. Der Rezensent (F. v. Spaun) blieb aber die Antwort nicht schuldig, und liess diese mit der Critik und Anticritik in einer eigenen Piece abdrucken, wel- che für die Beurtheilung der Wiebeking'schen Brückenbaukunst
von Interesse ist, da auch dessen Bauten aufgezählt und beur-
theilt sind.
Wiebeking hat aber nicht blos jene Beiträge, sondern auch noch viele andere Werke herausgegeben, worunter folgende die wichtigsten, wenigstens die theuersten sind:
Traité contenant une partie essentielle de la science de con- struire les ponts, avec dix-sept grandes planches. Dieses Werk ko- stete 110 Fr., und ging dann in den beiden folgenden auf.
Theoretisch-praktische Wasserbaukunde, 1811—17. 4 Bände in 4., mit einem Atlas, welcher 153 Kupfer enthält, fol. Die zweite Auflage verkaufte der Herausgeber um 530 Fr.
Vier Bücher des Wissenswürdigen der Wasserbaukunde, 5 Bände mit 110 Kupfern. München 1855—37, 4.
Diese beiden Werke sind nach und nach aus verschiedenes früheren Heften entstanden.
Atlas contenant 38 cartes hydrographiques et topographiques de la plus grande partie navigable du Rhin, et de toutes les 12 ifications de ce fleuve jusque dans la mer etc. Dédié à Sa Alt. Roy. Monseigneur le Prince d'Orange etc. Munich: 1832, fol.
Von den landwirthschaftlichen Gebäuden; Mit 11 lith. Blättern, fol. München 1841.
Als Resultate seiner Studien über Geschichte und Theorie der Baukunst sind folgende Werke zu betrachten:
Analyse descriptive, historique et raisonnée des monuments de l'antiquité, des édifices les plus remarquables du moyen âge et des derniers temps, des canaux, ports, ponts, grands dessèchements
Dieses Werk ist nach- und nach zu solcher Ausdehnung her- angewachsen. Ueber die Cathedralen von Rheims und York gab er 1825 in München ein Separatwerk in 12 Blättern in fol. heraus, Dasselbe fand 1839 mit dem Münster in Strassburg statt, fol.
Architecture civile theorique et pratique, enrichie de l'histoire et pratique des Edifices anciens et modernes les plus remarquables, 7 Bände mit 260 grossen Kupfertafeln, und Text in 4.
Das Werk über Civilbaukunst erschien auch mit deutschem Text in 4, und mit 169 Abbildungen von Baudenkmälern in fol. Die französische Ausgabe kostete auf grosses Velinpapier 685 Fr., und auf kleineres Papier 500 Fr. Im Jahre 1831 gab er zu diesem Werke »Tables appartenant a architecture civile theorique et pra- tique en sept volumes«, und dedicirte sie dem Kaiser Nicolaus I. von Russland,
Memoire sur l'état de l'architecture civile dans le moyen âge. Munich 1824, gr. 4. Eine Vorlesung im Institut Royal zu Paris, mit Benutzung früherer Platten und Steine.
Von dem Einfluss der Baukunst auf das allgemeine Wohl und die Civilisation, 4 Abhandlungen in der Akademie der Wissen- schaften zu München 1810—1810 gelesen, 4.
Von dem Einfluss, den die Untersuchung und beurtheilende Beschreibung der Baudenkmale des Alterthums, des Mittelalters und der neueren Zeit auf die Erforschungen im Gebiete der Ge- schichte haben. Mit 22 K. K. München 1834, 4.
An die genannten Werke schliessen sich noch viele kleinere über Brücken-, Hafen-, Strassen- und Wasserbau, Eisenbahnen, über Organisation des Bauwesens u. s. w. Im Jahre 1835 gab er die Biographie des Herzogs Alexander von Württemberg, Hof- und General Directors der öffentlichen Bauwerke des Russischen Rei- ches heraus, 4. Er war unermüdet, und liess keine Gelegenheit vorübergehen, um der literarischen und artistischen Welt von sei- nem Dasein Beweise zu liefern. Im Jahre 1838 überschickte ihm die Akademie S. Luca in Rom dafür das Diplom eines Ehrenpro- fessor. Um nichts fehlen zu lassen, schrieb er auch seine Biographie für den vierten Band der Zeitgenossen, und fügte das von Wachs- mann gestochene Bildniss bei. Im Jahre 1842 starb der Künstler, und 1844 kamen seine Bücher, Kunstsachen und Karten zur Versteiger- ung. Darunter waren viele Zeichnungen nach früheren ar- chitektonischen Werken, Plane zu Kirchen, Brücken, Palästen, Theatern, und andere architektonische Projekte. Seinen literari- schen Werken erging es fast wie seinen Brücken. In der letzten Zeit fand man nur mehr Bruchstücke, und der Rest wurde mit den Platten und Steinen nach dem Gewichte verkauft. Doch fin- det man immerhin noch viele vollständige Werke, da er nach Ab- satz getrachtet hatte. Die hohen Preise seiner literarischen Erzeug- nisse sind aber sehr tief gesunken,
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