Westermayer, Conrad

Westermayer, Conrad, Maler und Kupferstecher , wurde 1765 zu Hanau geboren, und widmete sich unter Leitung seines Vaters Daniel Jakob der Goldschmiedekunst . Er besuchte aber auch die Zeichenakademie seiner Vaterstadt, und gewann die Preise aller Classen, so dass er im letzten Jahre freiwillig auf den Concurs verzichtet; Inzwischen arbeitete er als Goldschmid im Hause sei- nes Vaters, welcher aber Mangel an Bestellungen hatte, was den Sohn bewog, auf anderem Wege seinen Erwerb zu suchen. Er zeichnete jetzt Portraite mit Kreide auf Pergament , was ihm so wohl gelang, dass er sogar den Vater mit einer bedeutenden Summe unterstützen konnte. Westermayer reiste von Stadt zu Stadt, und fand erst 1788 in Cassel Gelegenheit, ernste Studien zu machen; Er besuchte da die Akademie, und fing in Oel zu malen an. Seine ersten Arbeiten bestehen in Copien nach G. Dow, Rembrandt, H. Tischbein u. a. zugleich copirte er Bilder holländischer Meister in Gouache , Sepia und Kreide . Im Jahre 1791 fand er in Weimar an Lips einen Lehrer in der Kupferstecherkunst, und begann bald danach den Stich der grossen Platte mit Götz von Berlichingen nach H. W. Tischbein. Das Gemälde besass Göthe, welcher mit der Uebertragung so zufrieden war, dass er fortan dem Künstler

Grade geschätzt. Seine Gattin Henriette theilte mit ihm Sorgen | Schutz angedeihen liess, und ihn bei jeder Gelegenheit empfahl, Westermayer stach in Weimar auch die Madonna nach G. Reni, und radirte mehrere Blätter nach Schalken, Rembrandt etc. Auch für das Industrie-Comptoir von Bertuch arbeitete er viele Blätter aus. In Dresden suchte er sich 1705 im landschaftlichen Fache auszubilden, und copirte zu diesem Zwecke Bilder von Berghem und Both. Auch nach der Antike zeichnete er, und Susemühl gab ihm Unterricht in der Aquatintamanier. Nach einer kurzen Reise in Italien fand er dann in Dessau Arbeit, wo die chalkographische Gesellschaft Blätter in Aquatinta durch ihn ausführen liess. Von 1800 – 1800 war er wieder in Weimar thätig, wo er gerade zu der Zeit, als er durch die Plünderung der Stadt einen grossen Theil seines Vermögens und seiner Kunstsachen verlor, einen Ruf an die Akademie in Hanau erhielt. Er wurde Professor an dieser An- stalt, und 1813 Con-Rektor derselben, nachdem er schon vier Jahre vorher mit dem Titel eines Hofrathes beehrt worden war. Später stand er der Akademie als Direktor vor, und erwarb sich als sol- cher wesentliche Verdienste. Als erfahrner und geschickter Künstler umfasste er alle Zweige des Unterrichtes, und richtete diesen auf das Zweckmässigste ein. Es war für Handwerker und Künstler gesorgt, so dass diese Zeichenakademie von allen Seiten her Zulauf hatte. Westermayer unterstützte das Talent auf jede Weise, und war in seinem Kreise als Lehrer und Mensch in gleichen und Arbeit.

Westermayer malte viele Bildnisse in Oel und Miniatur, geschichtliche und romantische Darstellungen, merkwürdige Ereignisse seiner Zeit, Landschaften u. s. w. Zahlreich sind seine Zeichnungen in Tusch, Sepia, Kreide und Aquarell. Er arbeitete auch ein Werk zum Unterrichte in 15 Blättern aus. Starb zu Hanau um 1826 Die Blätter dieses Meisters belaufen sich über 600 an der Zahl, und finden sich grösstentheils in literarischen Werken. Darunter sind viele Bildnisse. In den geographischen Ephemeriden von Zach und Bertuch zählt man deren gegen achtzig, alle fein punktirt, aber meistens Copien. Andere Blätter sind radirt, gestochen und in Aquatinta behandelt. Zu den vorzüglichsten gehören:

  1. Landgraf Wilhelm IV. von Hessen, 1704 nach Boettner ge- stochen, gr. 8.

  2. Der Großherzog von Frankfurt, nach Garteret, gr. 4.

  3. Ernst II., Herzog von Sachsen-Gotha-Altenburg, 8.

  4. Leander van Ess, nach Diogt, 8.

  5. Der Dichter Herder, nach F. Tischbein, 8.

  6. Der Dichter Wieland, nach Lips, 8.

  7. Hofrath Böttcher, nach F. Tischbein, fol.

  8. Franz Hals, Maler, radirt, 4.

  9. Mehrere Köpfe nach Rembrand, Radirungen in 4.

  10. Adam und Eva, die Figuren punktirt, die Landschaft in Aqua-

  11. Die Madonna mit dem Kinde, nach G. Reni gestochen, fol.

  12. Götz von Berlichingen, wie Weislingen vor ihn gebracht wird, nach H. W. Tischbein, gr. fol.

I. Die Aetzdrücke (1700).

  1. Unter Leitung von Lips mit dem Stichel vollendet.
  1. Amor, nach Schenau, kleines Oval. Kommt nur in selte- nen Probedrücken vor, da die Platte zu Grunde ging.

  2. Der Junge, welcher Seifenblasen macht, nach Miens punktirt, 4.

  3. Der Lautenspieler, nach F. Hals radirt, 4.

  4. Der Simson mit Mondschein, nach F. Kobell in Aquatinta,

  5. Das Grabmal der Familie Plautia, Aquatinta, fol.

  6. Das Grabmal der Cäcilia Metella. Aquatinta, fol.

  7. Jenes des Theoderich in Ravenna, Aquatinta, fol.

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