Wenng, Carl Heinrich

Wenng, Carl Heinrich, Maler und Erfinder des Kunstdruckes ohne Presse, wurde 1787 zu Nördlingen geboren, und reifte da- selbst zum Jüngling heran, welcher eben so viel Geschick für die Wissenschaften, als für die Kunst zeigte. Er genoss Anfangs den Unterricht zweier Zeichnungslehrer, bis er nach Stuttgart sich begab, um unter J. G. von Müller der Kupferstecherkunst sich zu wid- men, wo er aber bald die Malerei vorzog. Er machte sich durch hi- storische Darstellungen und Landschaften in Oel bekannt, beson- ders zahlreich sind aber seine Zeichnungen nach der Natur, deren er in der Schweiz und in Italien ausführte. Die Kunsthandlung von Orell und Füssly erwarb eine bedeutende Anzahl, besonders Prospekte, deren auch in Kupfer gestochen wurden, Nach seiner ersten Reise in die Schweiz begab er sich nach München , um un- ter P. Langer in der historischen Composition sich weiter auszu- hilden. Nebenbei copirte er auch Bilder der k. Gallerie, da unter Mannlich eine Copierschule eingerichtet war, Im Jahre 1816 er- hielt der Künstler die Stelle eines Professors der Zeichenkunst an der k. lithographischen Anstalt zu Stuttgart, wo er selbst eine grosse Anzahl von Blättern auf Stein gravirte, darunter viele nach eigener Composition. Auch mit dem Grabstichel arbeitete Wenng einige Blätter aus, wie vier kleine Bildnisse von württembergischen Herzogen nach alten Originalgemälden. Auch die Technik des Formschnittes nahm einige Zeit in Anspruch. In den Ferien un- ternahm der Künstler Reisen in Württemberg, um Ansichten von Städten zu zeichnen. Diese Zeichnungen führte er im Auftrage der Ebner'schen Kunsthandlung aus, welche die Publikation durch den Steindruck beabsichtigte. Eine Ansicht von Tübingen hat Elias in gr. qu. fol. lithographirt. Ein anderes Werk dieser Verlags- handlung enthält plastisch-mimische Darstellungen des Athleten Lebesnier, von Wenng gezeichnet, und in Stein gravirt, 12 Blätter, gr. 4. Unter der historischen Compositionen nennen wir einen grossen Carton, welcher in zahlreichen Figuren die Sündfluth vor- stellt. Er brachte ihn 1826 in München zur Ausstellung, und fand Beifall damit.

Im Jahre 1827 gab Wenng seine Stellung als Lehrer in Stuttgart auf, und begab sich nach München, um der literarischen Anstalt von Cotta seine Thätigkeit zu widmen. Er gravirte die schönen Blätter nach C. Weitbrecht's herrlichem Friese im k. Landhause Rosenstein bei Stuttgart, worüber wir im Artikel jenes Künstlers berichtet haben. Wenng hatte sich durch seine Arbeiten mit der Nadel auf Stein Ruhm erworben, da wenig andere Künstler mit

Im Jahre 1837 begab sich der Künstler von München wieder nach Stuttgart, wo er Unterricht erteilte, und Zeichnungen und Gemälde ausführte. Es finden sich Landschaften, historische Dar- stellungen und Genrebilder in Öl von ihm. In Stuttgart arbeitete

er auch ein Werk über Perspektive aus, welches noch in Handschrift vorliegt. Auch viele Aufsätze über Kunst sind im Manuscript ge- blieben, so wie seine poetischen Versuche. Wenng ist ein wissen- schaftlich gebildeter Künstler, dem auch bedeutende Sprachkennt- nisse zu Gebote stehen. In Stuttgart kam er zuletzt auf eine neue Erfindung, auf den Kunstdruck ohne Presse, welcher in drei Ab- theilungen besteht: im Kunstdruck mit Mechanismus, in der Spie- gelauffassung und Darstellung, und in einer neuen Handzeich- nungsmethode. Der Druck- und Zeichnungsstoff, welcher schwarz und farbzig ist, ist zur Production ebenfalls neu erfunden, un- auslöslich auf Wand und Papier. Durch eine einfache mechani- sche Vorarbeit kann die Vervielfältigung der Blätter bewerk- stelligt, und demnach ein und derselbe Gegenstand, ohne Presse und ohne Platte in beliebigen Exemplaren hervorgebracht und plötzlich vergrößert werden. Durch die Spiegelbild-Auffassung sieht man sich in den Stand gesetzt, menschliche Figuren- und Gesichtsbildungen, auch andere Gegenstände in Lebensgröße, oder in kleinerem Maassstabe auf das Papier zu bringen. Die Auffassung der Objekte wird indessen nicht durch optische Gli- ser, nicht durch Lichteindruck bewirkt, sondern sie gründet sich auf ein anderes Princip, nach welchem es dem Künstler möglich wird, das Bild des Spiegels festzuhalten, und dasselbe auf dem Papier zuerst in kaum sichtbarer Auflage (Hauchbild), und dann bis in das Vollendete hervorzubringen. Doch gehört hiezu immer die Hand eines Zeichners, und je geschickter dieser ist, desto vollkommener wird das Bild. Die freie Handzeichnung bleibt hier ohne mechanische Beihülfe, allein dem Künstler wird sowohl durch den Stoff als durch das Zeicheninstrument eine Fähigkeit an die Hand gegeben, dass ihm schon nach dem ersten Versuche die voll- ste Ueberzeugung werden muss, auf diese Weise schneller und besser, als mit Kreide oder Bleistift, besonders Kunststudien, und größere akademische Akte, anfertigen zu können. Es können also alle drei Theile, oder ein jeder für sich allein behandelt werden, und immer wird eine Kunstarbeit daraus hervorgehen, welche, da sie nach Wenngs Behauptung weder Zeichnung noch Druck ge- nannt werden kann, ein für sich bestehendes eigenthümliches Kunstwerk bildet. Das Papier zum Kunstdruck bedarf durchaus keiner Vorrichtung, es ist im reinen, trockenen Zustande zur so- fortigen Verwendung, geeignet. Wenng arbeitete 1847 in München, wo er sich seit dieser Zeit befindet, eine Schrift über seine Erfin- dung zum Drucke aus: Geschichte und Leistungen der neuen Er- findung Kunstdruck ohne Presse etc., München 1848, worin in 18 Abschnitten über die Fähigkeit und Anwendung seiner Kunst ge- handelt wird. Die Erfindung ist aber noch Geheimniss, so dass über die Manipulation und die Art der Hervorbringung der Zeichnungen und Abdrücke nichts verlautet. Das Resultat seiner Kunst ist aber

durch viele glückliche Proben entschieden, und die Nützlichkeit der Anwendung derselben augenfällig. Die Erscheinung, sowie die

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