Weitbrecht, Conrad, Bildhauer von Stuttgart , verlebte seine frü here Jugend als armer Waise unter ungünstigen Verhältnissen, hatte aber von Natur aus einen solchen reichen Erbtheil an Künstlertum zu kommen, dass es sein höchstes Glück war, mit diesem Wuchert- kÖnnen. Doch war Weitbrecht mit diesen Gaben ohne Brod zu- thätig entgegen ging. Dannecker stand damals auf der Höhe seiner Kunst, und erfüllte den jungen Künstler mit Begeisterung. Seine Werke machten einen unverblichlichen Eindruck auf Wegener und spornten ihn zu rastlosem Fleiß. Bei seiner eigenenthümlichen Gabe, die Erscheinungen des Lebens zu erfassen, machte er seine Studien unter dem Volke, welchem er angehörte, und seine Zei- chnungen nach der Natur hatten eine Treue und Lebendigkeit, wel- che bei mangelhaftem Unterrichte nur ein angeborenes Talent er- reichen konnte. Was über den Horizont des alltäglichen Lebens ging, musste Weitbrecht nach Kupferstichen sich eigen machen. Sein richtiger Sinn wusste aber auch den schlechten Vorbildern die gute Seite abzugewinnen, und daher zogen die Modelle, welche er fertigte, bald die Aufmerksamkeit auf sich. Es wurde ihm viel musste daher unter Entbehrungen eine Bahn betreten, auf welcher er, sich selbst und seinem guten Genius überlassen, seinem Ziele z
Weitbrecht fertigte den Fries des grossen Salons, und stellte in ungemein reichen Compositionen die vier Jahreszeiten dar. Die Scenen wählte er aus dem württembergischen Volksleben, und wußte dabei in einfachen Formen und Verhältnissen den gewöhn- lichsten Beschäftigungen und Scenen einen ungewöhnlichen Reiz abzugewinnen. Ohne früher die Antike studirt zu haben, entwi- ckelte der Künstler in diesen lebensvollen Bildern des Fleißes und der kräftigen Treuherzigkeit des württembergischen Volkes einen feineren Sinn für das Schöne, und wußte auf merkwürdige Weise das moderne Costüm des Landvolkes in ein richtiges Verhältniss zu der künstlerischen Behandlung zu bringen. Dieser Fries ist in Gyps ausgeführt, und hat bei einer Höhe von 3 F. 4 Z. einen Um- fang von 228 F. An diesem geistreichen Werke, welches 1830 vollendet wurde, hängt der Ruhm des Künstlers, und es machte ihn in weitem Kreise bekannt, da die Cotta'sche Kunsthandlung eine lithographische Nachbildung der vier Jahreszeiten veranstaltete. Weitbrecht fertigte aber noch mehrere andere Basreliefs, welche zum plastischen Genre gehören, und die glückliche Erfindungs- gabe dieses Künstlers beurkunden. Auch dem biblischen Kreise entnahm er mehrere Compositionen, und löste auch hierin seine Aufgabe mit feinem Sinne. Was in Nachbildungen bekannt ist, haben wir unten aufgezählt.
Nach Vollendung der Arbeiten im Rosenstein wurde Weitbrecht Professor der Ornamentenzeichnung an der Kunstschule zu Stutt- gart. Jetzt fand er durch die Gnade seines Königs auch Gelegen- heit, Italien zu besuchen, um an klassischer Stelle die Antike zu schauen, und seinen Geschmack noch mehr zu läutern. Er zeich- nete in Rom, Neapel, Florenz u. s. w. die schönsten antiken Werke, und brachte somit einen reichen Vorrath von klassischen Mustern in die Heimath zurück. Er arbeitete ein Unterrichtswerk aus, welches in 100 lithographirten Blättern besteht, und als Re- sultat seiner italienischen Forschungen zu betrachten ist. Weit- brecht sah sich jetzt in den Stand gesetzt, in seinem Kreise nützlich zu seyn, starb aber in der Kraft der Jahre 1837.
Basreliefs von C. Weitbrecht, 4 Lieferungen. Die vier Jahres- zeiten, eine Folge ländlicher Darstellungen, componirt und gröss- tentheils in Basreliefs ausgeführt als Fries in dem k. württembergi- schen Landhause Rosenstein, 70 (von C. Wenng) in Stein gravirte Blätter; Stuttgart 1820, 1833, gr. qu. fol.
Die Hausfrau, Basrelief-Fries in 17 Darstellungen, erfunden und gez. von Prof. Weitbrecht, Mit erklärendem Text von F. C. Bührken. Stuttg., 1838, qu. fol.
Tafel des neuen Testaments, entworfen von C. Weitbrecht, lith. von Emminger, roy. 8°. Württemberg, Kunstverein für 1840/41.
Ornamenten-Zeichnungs-Schule in 100 lith. Blättern für Künst- ler, Manufacturisten und Gewerbsleute, gez. und herausgegeben von C. Weitbrecht. 5 Hefte, Stuttgart 1832, 1835, gr. qu. fol.
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