Weinher oder Weiner, Hans (Johann)

Weinher oder Weiner, Hans (Johann), Maler und Radirer ‚ von Weilheim, gewöhnlich der Meister mit der Weintraube ge- nannt, war in München Schüler von F. Sustris, welcher nach

gewöhnlichen Annahme in hohem Alter starb. Man sagt auch, Weiner habe nach Christoph Schwarz (+ 1597) studirt, wahr- scheinlich noch zu Lebzeiten dieses Künstlers, und somit war er jedenfalls 1500 ausübender Maler. Lipowsky behauptet aber, dass Weiner erst am 12. Jänner 1610 das Probestück gemacht habe, was wohl einer Berichtigung bedarf. Wir fanden in den Zunft akten nur angegeben, dass Weiner 1610 Stuckmeister war, d. i. einer der in der Stuckkammer anwesenden Meister. Er bekleidete damals die Stelle eines Camerdieners (Hofmalers) der Herzogin Maria Maximiliana von Bayern . Unter dem Jahre 1617 fanden wir seiner zum letzten Male erwähnt. Damals nahm er den Hans Lang in die Lehre.

Hans Weiner ist durch mehrere radirte Blätter bekannt, auf welchen der Name oder die Buchstaben H. W. mit einer Traube stehen; es ist aber zu bemerken, dass sich der Buchstaben H. W. (als Initialen und Monogramm) auch andere Künstler bedienten, welche nicht alle namenmäßig bekannt sind. Wir kommen unten auf einen Hans Weyher zurück, welcher um 1567 zu München als Radirer auftritt. Sollte dieser seine Blätter auf solche Weise bezeichnet haben, so muss man sie von jenen unseres Weiner un- terscheiden.

Die Blätter dieses Künstlers sind selten, besonders in gutem alten Abdrücken.

  1. König Heinrich IV, in 3 Ansicht nach links. Neben dem

Kopf: Henri IIII. Rex Franciae et Rex Navarrae, Rechts unten das Monogramm H. W., oder H. A. W., und die Adresse; Paulus Brachfeld exc. H. 8 Z. 11 L., Br. 6 Z. 6 L.

Das erwähnte Zeichnen legt man dem Hans Weiner bei, die Behandlungsweise des Blattes stimmt aber nicht für ihn. Es scheint indessen zu München herausgekommen zu sein, da eine Familie Brachfeld, oder Prechenfeld im 16. Jahr- hundert daselbst lebte. Vielleicht ist dieses Bildniß von Hans Weyher.

  1. Ecce homo. Christus in Mitte des Blattes auf dem Stein sitzend, hinter ihm Juden und Soldaten. Links Pilatus im langen Mantel mit Stab und Zettel, auf welchem die Buch- staben J. N. R. I. stehen. Unten rechts H. W. und die Weintraube. H. 10 Z. 2 L., Br. 7 Z. 3 L.

Bei Weigel 2 Thlr. 8 gr.

  1. Die Verspottung Christi. Mit H. W. und der Traube, fol.

Dieses Blatt könnte mit dem obigen dasselbe seyn.

  1. Der Engelsturz, reiche Composition. Hochaltarbild in der Jesuitenkirche zu München. Oben: links: Christoff Schwarz inventor, rechts: Johann Weinher fecit Monachii 1611, und die Traube. Sehr selten, fol. Anderwärts finden wir eine Darstellung des jüngsten Gerichtes erwähnt, glauben aber, dass vom Engelsturz die Rede sei,

  2. Ein König von Polen bei einer Religionsberatung. Er sitzt und ist von Bischöfen und den Grossen des Reiches umge- ben. Links in der Ferne sieht man einen Heerhaufen, Un- ten steht: Erklärung dieser 5 Kupferstücke etc. 1580. H. W. invent, et scul. H. 8 Z., Br. 10 Z.

Dieses radirte Blatt, welches zu den Artikeln des Ver- trags von Polen 1580 gehört, schreibt Frenzel (Sternberg'scher Catalog II. Nr. 1318) dem Meister H. W. mit der Traube zu; es scheint ihm aber nicht anzugehören. Viel- leicht ist es von dem älteren Hans Weyher.

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