Weinhard, Peter

Weinhard, Peter, auch Weiner und Weinhard genannt, Kupferstecher und Medailleur , stand zu München in Diensten Albrechts V., welcher von 1550 — 1579 regierte. Er war herzoglicher Münz- wardein, und fertigte als solcher wahrscheinlich die Stempel zu

— den Schau- und Currentmünzen des Herzogs. Er hatte auch das Bildniss desselben in Kupfer gestochen, so wie die Portraits der Herzöge Ernst (Bischof von Freising ), Ferdinand und Wilhelm, alle in Form von Medaillons. Die Angabe des Privilegiums des Buchdruckers Adam Berg, in Folge dessen sein Münzbuch nicht nachgedruckt werden durfte, beweiset, dass Münzgeprähe zu Grunde lagen. Auch auf den Stichen nennt sich Weinhard immer Ducalis Va- radinus. Auf den Schaumünzen kommt indessen sein Zeichen nicht vor. Gegen Ende der Regierung Albrechts V. stach Weinhard auch die Appianische Karte in Kupfer, welche nur in Holz geschnitten ist. Im Stiche enthält sie 24 Blätter mit einer Uebersichtskarte. In der Dedication an den Herzog von 1579 nennt er sich wieder »Suae Celsitudinis humillimus servus«. In dem genannten Jahre starb Albrecht V., und Wilhelm V. übernahm die Regierung. Er scheint auch in Diensten dieses Fürsten geblieben zu seyn, da er sich auf dem Blatte Nr. 2 von 1581 noch Varadinus Bavarus nennt. Doch befasste er sich um jene Zeit viel mit dem Kupfer- stiche, es bleibt aber ungewiss, ob jenes Blatt von 1590 noch von ihm ist, welches den Einsturz des Thurmes der Jesuitenkirche vor- stellt. Wir glauben, dass es von einem anderen Künstler her- rühre, da es flüchtig und malerisch radirt ist, während die Blätter von Weinhard fein und sorgfältig gestochen sind. Das genannte Blatt, welches Lipowsky u. A. unserm Künstler zuschreiben wollen, hat die Unterschrift: Anno 1590 den 10 May des neuen Calenders um 8 Yhr Vormittag ist dieser herrliche und hohe Thurm an der Jesuiterkirche zu München vmbgetfallen etc., kl. fol.

Weinhard scheint einen Sohn, Namens Hans gehabt zu haben. Wir fanden in einer Quartalliste des Herzogs Wilhelm eines Ma- lerbuben Hans Weinhard erwähnt. Er erhielt quartaliter 42 fl. 30 kr.

Bartsch, P. gr. IX. p. 551 ff. beschreibt 12 Kupferstiche von P. Weinhard, wir geben aber einen Anhang. Die Nr. 1 — 12 sind jene bei Bartsch. Der Künstler bezeichnete die Blätter mit seinem Namen, oder mit den Initialen P. W. V. B. (P. Weinhard Varadinus Bavarus). Auf anderen steht ein aus W. B. F. bestehendes Monogramm (Weinhardus Bavarus Fecit).

  1. Christus vor Pilatus. Er sitzt rechts mit der Dornenkrone im Gerichtssaal der Juden, welche den Pilatus auf dem Throne umgeben. Links von: Lasset sehn ob seine Wort

*) Beschrieben von J. v. Streber in einer Vorlesung der Akademie zu München am 312. Oktober 1814. München bei Lindauer, mit einem in Kupfer gestochenen höchst seltenen Medaillon, 4.

**) S. darüber Walf Müller im Neuen allgemeinen Künstler- Lexicon.

etc, Nach links bei einer Bank das Monogramm mit Mo- nachij 1580. H. 14 Z. 8 L., Br. 20 Z.

  1. Der Triumphbogen mit dem Heiland, welcher unter der Last des Kreuzes sinkt. Im Grunde sind die sieben Werke der Barmherzigkeit. Im Cartouche in der Mitte oben: Quis non accipit crucem suam etc. Links unten am Pilaster das Mo- nogramm und die Buchstaben P. W. V.B. C.S. inue. 1581. (Christoph Schwarz hat diese Darstellung gezeichnet.) Rechts ist die Dedication: Dedicabat Petrus Weinerus ducalis Ba- variae Waradinus, H. 14 Z. 9 L., Br. 20 Z.

  2. Der Triumphbogen mit Christus am Kreuze, zu dessen Fü- ßen Maria und Johannes stehen. In der Ferne sieht man die eherne Schlange. In ähnlicher Weise bezeichnet, wie das obige Blatt. H. 14 Z. 10 L., Br. 19 Z. 9 L.

  3. Der Triumphbogen mit dem Heiland der Welt. In ähnlicher Weise bezeichnet, wie Nr. 2. H. 14 Z. 6 L., Br. 20 Z. 2 L.

  4. Albertus D. G. Com. Pal. Rhe. utriusque Bava. dux —. Natus an. dni. M.DXXVIII, Obiit M.D.LXXVI. Büste im Pro- fil und in verziertem Ovale. In der Mitte unten die Initialen, und Weinher Bavarus fecit, H. 18 Z., Br. 12 Z. 6 L.

  5. Derselbe Herzog, Büste en face, in verzierter Einfassung. In der Mitte unten das Monogramm und die Buchstaben P. W. V. B. 1570, H. 13 Z., Br. 8 Z. 9 L.

  6. Viva imago ill. ac Seren. Princ. ac Dni. d. Alberti, Com. Palat. Rhe. Utrius, Bava, Duc. Aetatis suae XLV. Büste en face in verziertem Oval. Im Cartouche: Cum privilegio Cae- sareo nullo modo excudendum per Adamum Berg. Petrus Weinher Waradinus et invenit et fecit Monachij Anno M.D.L.XXI. H. 14 Z. 8 L., Br. 10 Z. 10 L.

  7. Vera imago reverend. ss. ac Ill. Princ. Dni. Ernesti. Epi. Freising. Com. Palat. Utriusq. Bav. Duc. Aetatis suae XVII. Halbe Figur im verzierten Oval. Im Cartouche: Cum privi- legio Caesareo nullo modo excudendum P. A. Berg. P. W, Ducalis Waradi, fecitque Monachij Anno M. D. LXXIII. H. 14 Z. 9 L., Br. 10 Z. 10 L.

  8. Viva imago Ill. ac Seren. Principis ac Domini D. Wilhelmi Com. Palat. Rhe. utriusque Bav. Ducis, Büste en face, in einem verzierten Oval. Im Cartouche: Cum privilegio Cae- sareo nullo modo excudendum, Per A. Berg. P. W. Duc, Waradi, et invenit fecitque. Anno M.D.LXXIII. H. 14 Z. 8 L., Br. 10 Z. 10 L.

  9. Viva imago Ill. ac Seren. Princ. dni. D. Ferdinandi. Com. Palat. Rhe. Vtr. Bava. Duc. Büste en face, in verziertem Oval. Im Cartouche: Cum privilegio nullo modo excuden- dum. P. A. Berg, P. W. Ducalis Waradi, et invenit fecit. Anno 1573 H. 8 Z. 7 L., Br. 10 Z. 10 L.

  10. Das Mausoleum des Herzogs Albert V. Er liegt auf dem Sarge, von den allegorischen Figuren des Glaubens, der Liebe, der Hoffnung und der Geduld umgeben. Unten steht: Ile ego Boiorum Princeps etc. Petrus W. Duc. Waratinus F. Monachij. Anno Dn. M. D. LXXVII. H. 18 Z., Br. 12 Z. 6 L.

  11. Das herzoglich bayerische Wappen in einem Cartouche, un- ten mit der Schrift: 'Herculeos, Leo testatur subiisse labores etc. P. W. Ducali, Waradi, et fecit 1573. H. 14 Z. 9 L., Br.

  12. Guilelmus Quint. D. G. Com. Pal. Rhe. Vtriusq. Bavariae Dux. Halbe Figur; Im Cartouche unten: Si pietas — — Gubernator fecit. In der Mitte unten zwei Monogrammen (P. Weinher Waradinus Fecit) 1581. H. 20 Z. 6 L., Br. 14 Z. 10 L. -

  13. Vera imago reverendiss. D. Joannis Eckii S. S. Theologiae Doctoris nostri temporis clarissimi, Halbe Figur in Oval mit allegorischen Figuren, und dem Wappen unten, zwischen den Buchstaben P, W. H. 7 Z. 1 L., Br. 5 Z. 5 L.

  14. Simon T. Eck, J. V. D. Bavariae Cancellar. Supremus, ; M. D. LXXIII Aetatis LVII. In ovaler Einfassung mit alle- gorischen Figuren. Links unten P, W., rechts das Wap-

  15. Herzog Albert V, auf dem Parade - Leichenbette, rechts und links brennende Kerzen, und acht betende Geistliche, Con- trafactura suae Celsitudinis Quando Obitus Admissis Con- spiciendus etc. P, W. Duc. Waretinus F. Rechts: Anno Dni. M. D. LXXVIII. H. 18 Z. 1 L., Br. 12 Z. 10 L.,

Dieses Blatt galt in der Frankischen Auction 13 fl. 30 kr.

  1. Das k. böhmische Wappen. Mit Helmdecke und einem gro- ßen Löwen. Unten: P. W. D. B. W. 1581, s. gr. roy. fe

  2. Das Wappen des Hauses Brandenburg, grosses und höchst seltenes Blatt von 1581. Von Brulliot, Table générale p. 470.

Nr. 053, dem P. Weinher zugeschrieben. 19) Das Wappen des Christoph Schmauss, mit Helm und einem Arm, der ein Scepter hält. Mit dem Zeichen P. W. links unten, und auf der Bandrolle oben 1570. H. 2 Z. 7 L.

  1. Das Wappen des Johann Salzberger, Patriziers von Mün- chen. In verzierter Einfassung mit zwei Genien als Schild- halter. In der Mitte unten P. W. H. 4 Z. 4 L., Br. 3 Z.

  2. Chorographia Bavariae. Beschreibung des Landts und lüb- lichen Fürstenthumbs Obern und Nidern Bayern etc. samt ! den umbliegenden Anstössen anderer Herrschaften etc. Mit } Dedication an Herzog Albert V. 1570. Copie der Appiani- || schen Karte im Holzschnitt, 24 Blätter, theils mit Arabes- { ken. Im Epigramme der Uebersichtskarte steht: Situm, flu- { vios et oppida Boiae regionis hic habes Amice lector, quam ; Petrus Weinerus aere dat tibi etc.;

Weinher unternahm dieses Werk im Auftrage des Her- zogs, obgleich die Appian'schen 24 Landtafeln von 1568 ein | Privilegium gegen den Nachdruck auf 30 Jahre hatten. Wein- her brachte aber Verbesserungen an, oder stellte die Lage | deutlicher dar, indem er in der Dedication an den Herzog sagt: Multis in locis illustriorem reddidi (Cosmographiam), verwahrt sich aber doch gegen üble Nachrede.

Aretin, Literarisches Handbuch I. 09, schreibt dem P. Weinher irrig auch die in Holz geschnittenen Appian'schen Landtafeln zu, weil er das auf denselben stehende Zeichen des Zeichners und Formschneiders falsch erklärt, so wie er | es auch ganz unrichtig gibt. Vgl. Brulliot I. 2923. |

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