Weinbrenner, Friedrich

Weinbrenner, Friedrich, Architekt , wurde 1766 in Karlsruhe geboren, zu einer Zeit, da es in seinem Vaterlande noch keine Gewerbsschulen und Bildungsanstalten für Künstler gab. Er sah sich daher auf seinen Vater, eines tüchtigen Zimmermeister , an- gewiesen, welcher auch den älteren Sohn zu seinem Gewerbe her- angebildet hatte. Allein der Vater starb früh, und der Jüngling war jetzt ohne Führer, bis endlich der Major Lux, dem Baden die erste Einrichtung einer Artillerieschule verdankt, auf das Ta- lent des jungen Weinbrenner aufmerksam wurde. Dieser ertheilte ihm jetzt Unterricht im Zeichnen und in der Mathematik, so dass jener Grund gelegt war, auf welchem Weinbrenner rastlos seiner Ausbildung oblag. Daneben beschäftigte er sich mit dem Bau- wesen praktisch, vorzüglich unter Leitung seines Bruders, welcher zu den ausgezeichnetsten Maurermeistern zu zählen ist. Im Jahre begab er sich nach Zürich , um den Bau einiger Gebäude zu leisten, wodurch er in den Stand gesetzt wurde, einen Jahreskurs an der Akademie in Wien durch zu machen. Seine Rückkehr nahm er durch Böhmen , und kam über Dresden nach Berlin , wo ein glücklicher Wendepunkt für ihn eintrat. Er unternahm von da aus auf Zureden des Malers Carstens eine Reise nach Italien , wo die Werke der alten classischen Architektur einen mächtigen Ein- druck auf ihn machten. Die Erforschung derselben lag von jeher in seinem Sinn, jetzt aber sah er seine Richtung erst klar vorge- zeichnet. Er suchte in den Geist der alten Bauwerke einzudrin- gen, was ihm bei seinem eigenen Kunstvermögen in hohem Grade gelang. Das frühere mangelhafte Studium der Baukunst wurde jetzt auf haltbare Grundsätze zurückgeführt, und in allen seinen Schöpfungen traten antike Formen dem manierirten Modekram seiner Vorgänger entgegen. In Rom unternahm er mehrere sinn- reiche Restaurationen antiker Gebäude, wovon einige später durch den Stich bekannt wurden. Er ging aber auch über die Gränzen der alten Stadt der Cäsaren, um in Ober- und Unter-Italien die

Ueberreste der alten Baukunst aufzusuchen. In Sicilien staunte er die mächtigen griechischen Bauten Paestums an, an welchen ihm die Formen der römischen Baukunst in ihrer Einfachheit bei schwe- ren Massen erschienen. Weinbrenner kam überhaupt über den

Kreis der alten römischen Kunst nicht hinaus, und sie war ihm

maßgebend in allen Verhältnissen. Das Gepräge derselben drückt sich in allen seinen Werken aus, theilweise in großer Nüchtern- heit, so dass z. B. seine vielen Bauten in Karlsruhe monoton und

leer erscheinen. Die edelste Blüthezeit seiner Kunst, welche sich

in den griechischen Werken aus der Periode des Perikles abspie- gelt, blieb ihm noch fremd, da er die Formen der antiken römi- schen Architektur als klassische Grundlage nahm. Erst Schinkel hat den reinen Styl, den lebensvollen Organismus der griechi- schen Kunst zur Anschauung gebracht, was für die Architektur von der

weitesten Tragweite war. Man muss sich daher nicht beirren las- sen, wenn in früheren Werken über Baukunst Weinbrenner als Wiederhersteller der klassischen Kunst bezeichnet wird. Sein Stre- ben war indessen von grösster Bedeutung, und die Schule, welche er gründete, verwaltete gewissenhaft das anvertraute Gut. Viele Schüler übertrafen aber den Meister, da der Gesichtskreis von Jahr zu Jahr sich erweitert hatte,

Weinbrenner gab schon in Rom Unterricht in der Baukunst,

und wies mit Beharrlichkeit auf die Werke der klassischen römi- schen Architektur hin. Die Restaurationen, welche er in genauen Zeichnungen vornahm, trugen viel zur Läuterung des Geschma- ckes bei, wandte aber den Sinn von den Werken der mittelalter- lichen Kunst ab. Der romanische und gothische Styl blieb unbe- achtet. Alle Compositionen des Meisters antikisiren. Die Pläne, welche er in Italien ausgeführt hatte, namentlich auch seine pers- pektivischen Ansichten mit Staffage, fanden bei seiner 1797 erfolg- ten Ankunft in Karlsruhe große Aewunderung; es wurde ihm aber nur eine geringe Anstellung zu Theil. Er verließ desswegen nach einiger Zeit das Vaterland, und zog mit seiner Gattin, einer ge- bornen Arnold, nach Strassburg, wo er Gelegenheit fand, sein Talent von glänzender Seite zu zeigen. Er fertigte den Plan zum Monumente des Generals Desaix bei Strassburg, zu jenem des Generals Beaupuy bei Neubreisach, den Entwurf zu dem vom fran- zösischen Direktorium projektirten National-Denkmal der Repu- blik auf dem Platze des Chäteau de Trompettes in Bordeaux, und den Plan zu einem 1801 in Strassburg projektirten Friedensdenk- mal. Diese Compositionen gründeten den Ruhm des Meisters, und er wurde unter vortheilhaften Bedingnissen nach Hannover berufen. Weinbrenner war schon entschlossen, einem fremden Hofe seine Dienste zu weihen, als die edle Gräfin von Hochberg seine An- stellung als Bauinspektor in Karlsruhe bewirkte. Hier öffnete sich jetzt dem Künstler ebenfalls ein glänzender Wirkungskreis, und er nahm in der Folge die höchste Stelle seines Faches ein. Nach Müller's Tod ernannte ihn der Großherzog Carl Friedrich zum Ober-Baudirektor des Landes. Auch Ordens-Decorationen fehl- ten nicht. Er wurde zum Ritter des Zähringer-Ordens, und zum Commandeur des Hessen-Darmstädtischen Verdienstordens ernannt.

Was Karlsruhe jetzt in seiner schönen Umwandlung ist, muss grossentheils als Weinbrenners Werk angesehen werden. Er baute die neue katholische und lutherische Kirche, die Synagoge, das Rathhaus, das Theater, das Ettlinger Thor, das Palais der Reichs- gräfin von Hochberg, das Gartenpalais der Markgräfin Friederike, die älteren Caserne etc. Die Stadt wurde nach seinem Plane erwei-

tert, die Häuser der neuen Strassen bieten aber keine für das Auge wohlthuende Abwechslung der Form. Auch in anderen Go- genden Badens , und selbst im Auslande wurden Bauten nach sei- nen Plänen geführt, Häufig hatte man sein Gutachten über Bau- pläne eingeholt, da Weinbrenner als Autorität in weitem Kreisen alt. Seine Entwürfe und Pläne sind sehr zahlreich, da er keine Gelegenheit vorüberliess , um irgend ein merkwürdiges Ereigniss, oder einen verdienten Mann durch ein Monument zu Verewi- gen. Doch blieb es häufig beim Projekte. Wir haben aber litho- graphische Abbildungen solcher Entwürfe, so wie solche von aus- geführten Gebäuden. Ein besonderes Augenmerk richtete er auch auf das Theater. Er kam zu der Ueberzeugung , dass die alte classische Form in optischer und akustischer Hinsicht noch jetzt die beste sei. Nach den Grundsätzen der Alten verfertigte er das Hof- theater in Karlsruhe an, und gab ein Werk über das Theater im Allgemeinen heraus: Ueber Theater in architectoni- scher Hinsicht. Tübingen 1800. Mit 3 Kupfern, 4. Im Jahre 1847 wurde dieses Theater ein Raub der Flammen. Die innere Ein- richtung und die Ausschmückung war aber schon früher nicht mehr die alte. Nach dem Regierungsantritt des jetzigen Gross- herzogs nahm der Architekt Schnick Aenderungen vor. Bei Gele- genheit seiner inneren Umgestaltung des Stadttheaters in Leipzig erklärte er sich in der Abendzeitung 1817 Nr. 144 über Bau und Form unserer heutigen Schauspielhäuser.

Doch beschränkte sich Weinbrenner nicht auf die Architektur allein ; sein reger und empfänglicher Sinn umfasste auch die übri- gen bildenden Künste. Die historische Malerei, die Plastik in selbständiger Richtung und als decoratives Element, die Bauge- werke fanden eine würdige Vertretung. Er gründete auch eine Ar- chitekturschule, in welcher sich bald aus allen Gegenden Deutsch- lands und der Schweiz talentvolle Jünglinge zusammenfanden, denen er Lehrer, Freund und Vater ward. Er arbeitete für sie ein ein- ziges architektonisches Lehrbuch aus, wovon der erste Theil, mit

der geometrischen Zeichnungs-, Licht- und Schattenlehre, um 1811 erschien. Der zweite Theil, über perspektivische Zeichnungslehre, erschien 1817 in Tübingen, mit 3 K. in fol. Der dritte Theil handelt über den Hochbau, und erschien später. In diesem ar- chitektonischen Lehrbuche legte der Künstler die Hauptresultate seiner Studien, Erfahrungen und Ansichten nieder. Die Abthei- lung vom Treppenbau, und den Schlosser- und Schreinerarbeiten lag bei seinem Tode im Manuscripte da,

Nach dem frühen Tod seiner Gattin lebte er einzig in der Kunst und Literatur. Sein Haus stand jedem Künstler und jedem Gebildeten offen, wie sein Herz dem Unglücklichen. Weinbrenner war eben so gross als Mensch, wie als Künstler. Mit scharfem Verstand begabt, und einer künstlerischen Gewandheit, welche jede Schwierigkeit besiegte, hätte er sicher auch in der Literatur Anerkennung errungen, wenn ihm die Sprache ganz zu Gebote ge- standen wäre. Seine verschiedenen Aufsätze sind aber voll scharf- sinniger Ideen. Er schrieb auch eine Selbstbiographie, welche nach seinem 1826 erfolgten Tod unter folgendem Titel erschien: Friedrich Weinbrenner, Denkwürdigkeiten aus seinem Leben, von ihm selbst geschrieben. Herausgegeben und mit einem Anhange versehen von Dr. A. Schreiber. Heidelberg 1820. Ausser dem oben erwähnten architektonischen Lehrbuche, und der Schrift über das Theater haben wir noch folgende Werke von ihm;

Entwürfe und Ergänzungen antiker Gebäude von F. Wein-

WText. Karlsruhe 1822, 24. fol.

Ausgeführte und projectirte Gebäude, lithographirt und mit |

Text von ihm selbst und Hofrath Schreiber. 7 Bände, Karlsruhe 1830. 34. fol. Das letzte Heft unter dem Titel: das Kurgebäude in Baden, und das Hubbad, herausgegeben von A. Schreiber, mit 8 Lith. Karlsruhe 1835, fol. Das erste Heft der alten Ausgabe erschien schon 1822.

Wrenn hat das Bildniß dieses Künstlers gestochen, gr. fol.

Bei Velten in Karlsruhe erschien es lithographirt.

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