Weigel, Christoph

Weigel, Christoph, Kupferstecher und Kunsthändler , wurde 1654 zu Redwitz in Böhmen geboren, und kam als Knabe von 12 Jah- ren in Hof bei einem Goldschmied in die Lehre. Hierauf berief ihn der berühmte Erhart Weigel nach Jena , wo er sich in Ver- fertigung von Instrumenten übte, bis er 1673 nach Augsburg ging, um unter Leitung des Andreas Wolfgang der Kupferstecherei sich zu widmen. Im Jahre setzte er bei M. Küsel seine Uebung fort, und nach dem Tod dieses Meisters (1682) suchte er in Wien sein Heil. Allein bei der Belagerung der Stadt durch die Türken ( ) begab sich Weigel nach Frankfurt, wo er bis 1688 verblieb. Hierauf arbeitete er wieder drei Jahre in Wien , und ging er nach Augsburg, wo der Künstler mit Chr. Eimmart und J. J. Sandrart an der bekannten Bilderbibel arbeitete, bis er endlich in Nürn- berg das Bürgerrecht erhielt, wo er bis an seinen erfolgten Tod verblieb, und eine Menge von Blättern und Kupferwerken herausgab. Die meisten sind aber nur Verlagsartikel, da er einen starken Kunst- handel trieb. Als Künstler ist Weigel von keiner Bedeutung, da er handwerksmäßig verfuhr, und wenn daher schätzbare Blätter sich vorfinden, so rühren sie von anderer Hand her. Er war der erste Kupferstecher, welcher die Gründe mit einer Maschine fertigte.

Weigel hatte eine Tochter, welche den 1722 verstorbenen Ma- ler Joh. Kenkel heirathete, und dann wahrscheinlich mit Martin Tyroff in die zweite Ehe trat. Man nimmt indessen gewöhnlich an, M. Tyroff habe die Tochter der Frau Kenkel geheirathet, al- lein V. D. Preissler's Bildniss der Wittwe unsers Künstlers mit: dem jungen Joh. David Tyroff scheint diese Ansicht nicht zu rechtferti- gen. Man liest darauf: Magdalena Esther Weiglin, Chrst. Weigelii sen. Vidua, ejusque Nepos. Joh. David Tyroff. Dieser Tyroff war Martin's Sohn, und Erbe der Weigelschen Handlung, wie er sich selbst auf dem ersten Blatte der späteren Ausgaben des Trachten- werkes nennt. Die Kunsthandlung des Joh. Christoph Weigel jun., kam in den Besitz Schneiders, und besteht noch. J. Kupetzky hat sein Bildniss gemalt, und B. Vogel selbes gestochen, roy. fol.

Unter seinen vielen Werken nennen wir folgende, ohne der Landkarten zu gedenken, welche Atlasse bilden. Die Bildnisse haben gewöhnlich nur die Adresse Weigel's, und sind wohl gröss— tentheils von anderer Hand. Mehrere sind von Weigel dedicirt. Einen Theil der übrigen Kupferwerke zählt Dlabacz auf. Doppel- kranz, welcher die Biographie des Künstlers beibringt, geht nicht darin ein.

  1. Ludovicus XIV. Rex Franciae. Ch. Weigel exc. In schwar- zer Manier, gr. fol.

  2. Carolus V. Lotharingiae Dux 1688. Ch. Weigel exe, In schwarzer Manier, fol.

  3. Georg Ludwig, Herzog zu Braunschweig, mit Beiwerken. | In schwarzer Manier, fol.

  4. Joannes V, Lusitaniae Rex. Ch. Weigel exc. In schwarzer Manier, gr. fol.

  5. Herzog Friedrich von Sachsen. Oval mit Wappen. In schwär- zer Manier, fol.

  6. Allegorisches Bildniss einer Österreichischen Erzherzogin, | Nach E. Ch. Heiss. In schwarzer Manier, fol.

  7. Nicolaus de Catinat, Marechal de France. Weigel exc. gr. fol. |

  8. Hans Carl Baron de Thüngen, Gen. Camp. Mareschal. In | schwarzer Manier, fol.

  9. Guill.. Joan. Baierus, Theol. Jen. In schwarzer Manier, fol.

  10. Joh. Phil. Treuner, Dr. Theol. Jen. In schwarzer Manier, fol.

  11. Fridericus Wilhelmus Ebener ab Eschenbach etc. G. Blen- dinger pinx. Ch. Weigel, exc. Schwarzkunstblatt, gr. fol.

  12. Johann Michael Bretschneider. In schwarzer Manier, kl. fol.

  13. Abrahamus a S. Clara. Seltenes Schwarzkunstblatt, fol.

  14. Samuel Faber, Gymn., Aeg. Nor. Rector.' In schwarzer Mi- nier, fol.

  15. Felix Spizius J. U. D. Consil. Norib. etc, Hauptblatt in N. Verkolje's Manier. Oval fol.

  16. Eucharius Gottlieb Rink, Juris Pub. Prof. in Univ. Altorp. fol.

  17. Christ. Theoph. Scheurl Defersdorf. Oval mit Wappen, gr. fol

  18. Phil. Jac. Scheurl, Prof., fol.

  19. H. Hildebrand, Prof., fol.

  20. G. G. Zeltner, Prof., fol.

  21. Joh. Weissbach, Pfarrer in Augsburg 1689, gr. fol.

  22. Adolph Zimmer, Schreibmeister, fol.

  23. Michael Bauernfeind, Schreibmeister, fol.

  24. Historien aus dem I. und II. Buch Samuels, I. und II. Buch von den Königen, I. und II. Buch der Chronica, welche zu nützlicher Betrachtung vorgebildet, in Kupfer gestochen und verlegt von Ch. Weigel in Augsburg.: MDCXCV. Mit 435 K. R., gr. fol.

  25. Historiae celebriores V. et N. Testamenti iconibus repraesent tatae, in lucem edit. a Ch. Weigelio. Norimbergae 1707 Mit | 261 Blättern von J. und C. Luyken, Meloni u. A., gr. fol.

  26. Biblia eotypa, 340 Blätter, 8., 4. und fol.

  27. Passio D. N. J. C. Das Leiden Christi mit 366 Bildern, Aug.

  28. Das schmerzhafte Leiden unsers Heilandes, in 100 Passions- kupfern, 8.

  29. Die kleine Passion des grossen Leidens Jesu Christi, 35

  30. Ethica naturalis, seu documenta moralia de variis rerum ne- turalium proprietatibus, virtutum vitiorumque symbolicis imaginibus collecta a Ch. Weigelio. Mit 100 Blättern von C. Luyken, Ohne Druckort und Jahrzahl, 4. Eine spätere Ausgabe mit deutschem Text ist von 1768.

  31. Gebrüder Neidner von Aussig, Maler von Prag

In späterer Ausgabe: Gedächtnishülfliebe Bilderlust. Durch Ch. D. Köhlers P. P. Nürnberg 1726.

Die Tafeln wurden auch zu folgendem Werke benutzt: Die Welt in einer Nuss, oder Historien vom Anfang der Welt, in Kupferstichen abgebildet. Nürnberg, 4, M. Kramer übersetzte dieses Werk ins Französische: Le monde dans une noix, c'est a dire un abrege de l'histoire universelle etc. Nuremberg, Ch. Weigel 1722. Mit 48 K. T. 4.

  1. Denkwürdige Kriegs- und Friedens- Begebenheiten des 18. Jahrhunderts, in jährlichen Kupferblättern von 1701 — 1725. Nürnberg, 4. ;

  2. Bononni's Verzeichniss der geistlichen Ordenspersonen in 477 Kupferstichen. 4 Bände, 4. V—

  3. Abraham's a S. Clara neu eröffnete Weltgallerie, mit 100 Ku- pferstichen, fol.

  4. Neueste Abbildung des Türkischen Hofes, nach den Gemäl- den des Mr. de Periol, französischen Ambassadeurs bei der Ottomanischen Pforte, 260 Blätter in 4 Theilen, 4.

  5. Abbildung und Vorstellung aller Künstler und Handwerker, 212 Blätter, 4.

  6. Abbildung und Beschreibung derer sämmtlichen Bergwerks- und Schmelzhütten- Beamten und Bedienten, 50 Blätter, 4.

  7. Nürnbergische Trachten, eine Folge von 20 nummerirten Blättern, wovon einige von C. L. (C. Luyken) 1701 ge- zeichnet und gestochen sind. Auf dem 18. und 20. Blatte steht Chr. Weigel's Adresse, 4. In der späteren Ausgabe unter folgendem Titel:

Deutliche Vorstellung der Nürnbergischen Trachten in - Kupfer gestochen etc. Nürnberg bei Joh. David Tyroff, Christoph Weigels des ältern sel. Erben 1766, 4.

  1. Prospekt der Stadt Nürnberg von St. Peter, welche Strasse

Josephus I, als Römischer König herein gezogen 1704. Chr. Weigel exe. Mit dem Einzug, aus dem Köler'schen Stadt- Atlas, fol.

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