Wegener, Johann Friedrich Wilhelm

Wegener, Johann Friedrich Wilhelm, Thiermaler, geboren zu Dresden 17812, äusserte schon in früher Jugend entschiedene Neigung zum Zeichnen, war aber als der Sohn unbemittelter Bürgersieute auf fremde Hülfe angewiesen. Nach dem Austritt aus der Elementarschule wollte ihn ein Verein von Künstlern studiren lassen, allein bald darauf trat ein Geistlicher ins Mittel, welcher ihn in eine Buchdruckerei brachte. Jetzt verlebte er fünf kummer- volle Jahre unter einem barbarischen Lehrherrn, und konnte nur die Nächte zum Zeichnen benützen, wodurch die Gesundheit der jungen Schriftsetzers untergraben wurde. Nach erstandener Lehrzeit arbeitete Wegener auch noch in anderen Offizinen, endlich aber trat er mit einem Pastellkasten versehen die Reise an, um fahrender Künstler sein Brod zu suchen. Er malte jetzt in einigen kleinen Städten Bildnisse in Pastell, so wie Landschaften in Oel. Auch in der Lithographie versuchte er sich, und nahm besonders häufige Bestellungen an, wenn Thiere gezeichnet werden mussten. Mit mässiger Barschaft versehen trat er dann von Röstöck aus eine Seereise nach Copenhagen an, wo er nach Vorzeigung Naturstudien sogleich in den Gypssaal der k. Akademie aufgenommen wurde. Allein seine Mittel waren bald aufgebraucht, und da sich kein Nebenverdienst fand, musste Wegener wieder nach Deutschland zurückkehren. In Kiel und zu Hamburg fand er jedoch lithographische Beschäftigung, und als später auch eine kleine Erbschaft fiel, ward es ihm vergönnt, zu Dresden an der Akademie ein geregeltes Studium zu beginnen. Nebenbei besuchte er auch die Veterinärschule, indem sie ihm die Gelegenheit bot, die Natur der Thiere zu studiren, war aber bald wieder dem Mangel preisgegeben, ohne durch seine Kunst Verdienst finden zu können. In dieser Lage ermunterten ihn die Professoren Dahl und C. v. Vogelstein durch Rath und That, und Wegener ist diesen berühmten Künstlern zu warmem Dank verpflichtet. Im Jahre 1828 kaufte endlich der Kunstverein in Dresden ein Bild von ihm, worauf so fort noch einige andere Gemälde und Zeichnungen, so dass der Künstler muthig auf seiner Bahn fortschreiten konnte. Auch der König von Sachsen richtete ein Augenmerk auf die Leistungen Wegener's, und zeichnete ihn bald durch ehrenvolle Aufträge aus. Ueberdies ertheilte er in den vornehmsten Häusern Unterricht im Zeichnen und Malen, und zählt selbst Prinzen und Prinzessinnen zu seinen hohen Schülern.

Wegener's Werke sind bereits zahlreich, da er ausser den Oelgemälden auch viele Zeichnungen in Aquarell ausführte. Seine Bilder sind meistens nach der Natur gerandet, und mehrere von den Kunstvereinen in Bergen und Christiania angekauft worden. Andere gingen durch die Verlosungen des Dresdner Kunst- vereins in Privatsammlungen über, und ein Theil kam unmittelbar in die Hände hoher Besteller, so dass sie der öffentlichen Ausstellung entzogen waren. Die Kritik sprach sich aber immer vortheilhaft über seine Leistungen aus; Wegener ist nicht blos Künstler, sondern auch Naturforscher. Wenige Meister haben eine so glückliche Beobachtungsgabe für die Eigenthümlichkeit

In dem grossen Werke: Sachsens Kirchengallerie, sind eine An- zahl seiner Zeichnungen lithographirt, aber gerade nicht am besten übertragen. Von ihm sind auch Zeichnungen zu Altenburgs Kirchen- gallerie, und jene des Osterlandes und des Thüringschen; die lithographische Ausführung ist leider ungenügend. Bemerkenswerth sind nur die Ansichten von Wolkenstein, Wechmar und Tschopau von Berger lithographirt. Im Jahre 1851 erschien folgendes Werk von ihm: Das Leben der Thiere. Bilder und Erzählungen von F. W. Wegener, Nebst einem Vororte von Direktor Lud. Reichenbach. Dieses interessante Buch ist mit Holzschnitten nach seinen Zeichnungen geziert, und fand die günstigste Aufnahme. Der Künstler legte darin die Erfahrungen seines Lebens und bei seinem vielfältigen Aufenthalte in der freien Natur nieder. In der berühmten Portraitsammlung des Hofmalers C. Vogel von Vogelstein ist das Bildniss desselben.

Eigenhändige Radirungen. Wir haben von Wegener auch zwei Hefte mit Radirungen, welche verschiedene Thiere zum Gegenstand haben, und sich durch Naturtreue und geistreiche Behandlung empfehlen.

  1. Zwei Hunde, der eine stehend, der andere mit eingezogener Schwanz über seinem Knochen knarrend. W. Wegener, Erster Versuch 1832, qu. 12. A

  2. Der neben den Malergeräthen sitzende Hund. W. Wegener 1840, gr. 8.

  3. Der lächelnde Hund im Schiffe. J. F. W. Wegener 1846 u. 10.

  4. Der triernde Hund an der Bretterwand. J. F. W. Wegener 1847, qu. 16.

Diese unter dem Namen Hitze und Frost des Hunds bekannten Blätter kamen nicht in den Handel.

  1. Der Spitzhund an der Bretterwand neben der Mauer. W. Wegener 1844, 16. A

  2. Die beiden Katzen beim heissen Brei in der Schüssel. Wegener 1844, 16. A

  3. Der Fuchs, welcher vom Fenster des Dachstuhles herab die Henne im Nest beschleicht. Am Querbalken rechts Schatten: W. Wegener fec. 1844 (verkehrt), 12. B

  4. Die drei Füchse, der eine links beim Gesteine am Baume, die Pfote auf den Fasan gelegt. W. Wegener 1840, 12. A

  5. Die drei Wildschweine, ein viertes links am Berge. W. Wegener 1840, qu. 4. |

  6. Die vier Gemsen auf der Gebirgsheide. Alle stehend, in der Mitte der Bock. W. Wegener 1840, qu. 4.

  7. Der über den Baumstamm setzende Hirsch nach links. Hin- tendrein ein Rehbock, links am Baume die Rehgeiss mit dem Jungen., W. Wegener 1845, qu. 4.

  8. Die zwei Hirsche und die Hindinn nach links, über Baum- äste steigend. W. Wegener 1845. 4. „

  9. Die beiden Affen. Sie sitzen bekleidet vor der Bude auf der Stange. Der zur Rechten hält Früchte, und der andere, als Soldat gekleidet, will mit dem Gewehre nach ihm schla- gen. Links oben am Anschlagszettel: Zum neuen Jahr 1844, unten an demselben; Wilhelm Wegener, 4. „

Vorsicht

Diese Seite wurde maschinell erstellt. Die Zuverlässigkeit der OCR ist durch die Qualität der Scans, der Software und des Workflows zwangsläufig beschränkt. Eine menschliche Korrektur und Redaktion fand nicht statt.

Das Ziel dieser Seite ist es, die gezeigten Resourcen einfach zugänglich zu machen. Für Zitate und eine direkte Nutzung sind sie nicht ausreichend. Hierfür ist notwendigerweise das originale Quellenmaterial hinzuzuziehen.

Der zugrundeliegende Scan ist hier zu finden https://archive.org/details/bub_gb_bly19Wlc3NgC