Weenix, Jan Baptista, Maler, war der Sohn eines Baumeisters, welcher den Beinamen Jan met de Konst hatte, und wurde zu Amsterdam geboren. Er verlor den Vater als Kind, und da der Knabe in der Folge grosse Liebe zur Lektüre äusserte, musste er bei einem Buchhändler in die Lehre treten. Allein er zeichnete jetzt lieber Figuren und Thiere, so dass er das Haus verlassen musste. Eben so erging es ihm in einer Tuchhandlung, bis sich endlich seine Verwandten genöthigt sahen, ihn Künstler werden zu lassen. Zuerst lernte er bei Jan Miener, einem mittelmässigen Maler, und dann übte er sich zu Utrecht unter Abraham Bloe- maert im Zeichnen nach der Natur. Weitere zwei Jahre brachte er bei Nicolaus Hooft zu, dessen Werke ihm so wohl gefielen, dass seine eigenen Bilder aus jener Zeit ganz im Charakter dieses Meisters behandelt sind. Seine frühe Reife beweiset auch der Um- stand, dass ihm Gillis Hondecoeter als Jüngling von achtzehn Jahren seine Tochter zur Ehe gab. Er lebte vier Jahre mit ihr in Utrecht, und suchte seine Studien nur in der Nähe der Stadt zusammen, endlich aber gestattete ihm das Weib eine Reise nach Italien mit dem Auftrage, nach vier Monaten wieder heimzukeh- ren. Allein Weenix blieb vier Jahre in Rom , und wurde daselbst Mitglied der Schilderbank, welche jedem Theilnehmer einen Bei- namen gab. Weenix wurde seiner unmännlichen Stimme wegen Kinderklapper genannt, in der Kunst aber übertraf er viele Be- sitzer von Bassstimmen. Sein besonderer Gönner war der Cardinal Pamphili, welcher ihm einen Jahresgehalt aussetzte, und überdiess die Gemälde des Künstlers gut bezahlte. Seine Verhältnisse waren in Rom glänzend, und er sollte auch Weib und Kind dahin kom- men lassen. Der Cardinal versprach seinem Sohne eine kirchliche Pfründe, und schon war die Zeit bestimmt, in welcher Frau Wee- nix die Reise nach Italien antreten sollte, als der Künstler den zärtlichen Bitten derselben nachgab, und heimlich Rom verliess. Er versicherte zwar den Cardinal durch ein Schreiben, dass er bald wieder kommen werde, allein der Künstler blieb im Vaterlande
Weenix, Jan Baptist. und richtete sich im Huys ter Meel, zwei Stunden von Utrecht her- aus ein, wo er aber nach drei Jahren starb, erst 30 Jahre alt. Weenix bearbeitete nicht ein einzelnes Feld, wie G. Dow, Mieris, Terburg und andere berühmte Zeitgenossen, sondern malte alles, was damals Anklang fand. In seinen Gemälden findet man wohl sehr selten eine hal beierte Gruppen ganzer Figuren, welche durch zauberisches Feildurchlicht besonders sind. In seinen kleinen Gemälden herrscht außerordentliche Feinheit, so dass man an Dow und Mieris er- innert wird. Dabei aber ist keine mühevolle Ausarbeitung zu be merken. Weenix hatte eine enorme Praxis. Er war nach Hou- braken im Stande, drei lebensgroße Brustbilder in einem Som- mertage zu malen, und eine sechs bis sieben Fuss hohe Landschatz ! mit Stieren, die gegen Hunde sich vertheidigen, in derselben Frist zu entwerfen und zu beenden. Seine Werke sind sehr mannig- faltig, und bestehen in Szenen aus dem vaterländischen Adels- und Volksleben, in Landschaften mit Figuren, Thieren und Gebäuden, in Fluss- und Küstenansichten, Seehäfen, Schiffen und Barken, und alles dieses ist so gut gemalt, wie das Land mit seinen Burgen und Dörfern. Weenix ist Figuren-, Thier- und Architekturmaler von Profession, und eben so sehr mit dem Elemente des Wassers vertraut. Man sollte glauben, er sei auch im Morgenlande ge- wesen, wohin aber nur seine Phantasie reichte. In anderen Ge- mälde sind wieder Stillleben behandelt, und diese so meisterhaft, dass er den grössten Meistern, welche sich damit ausschliesslich befasst haben, gleich kommt. Er malte mit gleicher Kunst todt Thiere mit Früchten und Gewächsen, als er die lebendigen getreu nach dem Leben auffasste. Todte Thiere malte aber auch Jan Weenix jun. mit Meisterschaft, so dass die Ausschüttung nicht im- mer richtig getroffen zu seyn scheint. Im Artikel des jüngeren Weenix werden wir darauf zurückkommen, und bemerken hier nur, dass in des älteren Weenix Werken zuweilen ein graulicher Ton herrscht, während Weenix jun. ein brillantes Colorit hat. Die Werke dieses Meisters sind im Vaterlande selten, da sie nach allen Winden zerstreut sind. Im Museum zu Amsterdam ist keine figurliche Darstellung. Man sieht da nur drei Gemälde mit todtem Wild, darunter ein Bild aus dem Cabinet des Gerrit van der Pot. Die Bilder, welche Descamps in holländischen Privatka- binetten sah, sind wohl alle in andere Hände übergegangen, und theils in England begraben. Pieter Locquet besass in neuerer Zeit ein Hauptwerk des Künstlers, die Landschaft mit einer Ruine und reicher Staffage von fürstlichen und militärischen Personen. Auch andere Figuren, und Vieh sieht man in dieser Landschaft. Im Ca- binet des Grafen F. de Robiano zu Brüssel war bis 1837 eine Flucht nach Aegypten, ehedem in der Sammlung des M. de Burtin. Mo- ria sitzt mit dem Kinde auf dem Schoosse am Fusse einer Ruine. Auch in französischen Sammlungen sah man ehedem Werke von Weenix. Das Museum des Louvre besitzt aber nur ein Bild von ihm, eine Seeküste, wo türkische Räuber zurück getrieben werden. Die- ses reiche Gemälde ist fleissig vollendet und brillant beleuchtet, aber nach Waagen (R. K. III 625) etwas bunt. In der k. Ere- mitage zu St. Petersburg ist eine Landschaft mit Ziegen und Scha- fen, eines der schönsten Werke dieser Art. Aus Frankreich und den Niederlanden wanderten mehrere Gemälde nach England, da- runter auch das vielleicht zweifelhafte Bild der Schwelzerei, wel- ches in der Galerie Orleans war. In der Galerie des Herzogs von Marlborough zu Blenheim ist das grosse und fleissig vollendete
Auch in deutschen Gallerien sind Bilder dieses Meisters. Im Museum zu Berlin ist ein 4 F. 6 Z. breites Gemälde mit Ermi- nia, welche bei den Hirten Aufnahme sucht. Die Gestalten der Hirten sind hier in frischer Naturwahrheit dargestellt, die kriege- rische Jungfrau erscheint aber als Theaterheldin. Vortrefflich ist das ruhende Vieh behandelt, und die Landschaft schwimmt in stark gelbem Abendlichte. Bezeichnet: Gio. Batta. Weenix f. In der Pinakothek zu München sind vier treffliche Bilder von ihm. Ein kleines Gemälde stellt ein bei Ruinen schlafendes Mädchen mit dem Hunde, das zweite den heimkehrenden Jäger mit todten Vögeln und einem Hasen, das dritte die Ruine eines Prachtge- bäudes mit einem schlafenden italienischen Mädchen und einem Jüngling, welcher das musikalische Instrument spielt, und das vierte den Scheerenschleifer am Eingange eines Prachtgebäudes von Figuren umgeben dar. In der herzoglich Leuchtenbergischen Gallerie zu München ist ein Seehafen mit Prachtgebäuden und spielenden Soldaten im Vorgrunde. Die Gallerie des Belve- dere in Wien bewahrt das Bild eines Seehafens mit alten Gebäu- den und Figuren, 3 F. breit, und bezeichnet: J. Weenix f. Auch in der Gallerie Esterhazy (Ruinen eines Gebäudes, Kurinthischer Architektur, Bildniss einer Dame mit dem Kinde) und in jener des Fürsten Lichtenstein (todtes Wild) sind Bilder von ihm. Unter den sechs Gemälden in der Gallerie zu Dresden dürfte auch dem Weenix jun. ein Theil gesichert werden. Sie stellen todtes Wild und Geflügel dar. In der Gallerie zu Gotha ist ein Gemälde aus der Sammlung des H. Destouches. Man sieht ein im classischen Styl errichtetes Gebäude, und vor demselben ergötzt sich eine Ge- sellschaft am Tische. Nach dem Vorgrunde zu schenkt ein Mäd- chen Wein ein, und ein anderes sitzt mit dem Hündchen auf dem Schoosse neben einer alten Frau, welche den Brief liest. Ein jun- ger Mann legt die Hände auf die Schulter der Dame. Rechts ver- folgt ein Hund den Pfau. H. 2 F. 4 Z., Br. 3 F. 6 Z. Dieses Bild besitzt nach Rathgeber (Annalen S. 165) eminente Vorzüge. Die Feinheit der Touche ist nicht geringer, als in den in dieser Hinsicht gepriesenen Werken von le Ducq. Herzog Ernst II. von Gotha besitzt ein schönes Bild, welches eine Gemüshändlerin vor einigen Häusern vorstellt. Vor ihr ist die Frau mit der Magd. Es ist im Catalogue de tableaux prov. de cabinet d'un amateur beschrieben, und wurde früher dem Le Nain beigelegt.
Das Bildniss dieses Meisters findet man in den Werken von Weyerman, d'Argensville, Descamps, Huubracken und Immer- zeel. Auch G. C. Kilian hat es gestochen, s.
Stichen nach Werken dieses Meisters.
La gaieté bacchique. Junge Männer und Frauen bei Tisch. Das oben erwähnte Bild des Verschwenders, welches aus der Gal- lerie Orleans nach England kam. J. L. Delignon fec. fol.
Jäger und Militärs in freier Unterhaltung mit Frauen bei Ti- sche: im Hofe des Gartens. Rechts ist ein Knabe, welcher den Hund anpiest, und vor ihm spielt ein Mädchen mit dem Hunde. J. N. Verkolj fec. Kostbares Schwarzkunstblatt, »de pissende Jonge« genannt, qu. fol.
La partie de plaisir, Fröhliche junge Leute beim Schmause vor der Osterie bei den Ruinen am Haten. Ein junger Mann hält ein Mädchen im Schoosse, und links verfolgt ein Hund den Hahn. Gest. von N. Delaunay, nach dem Bilde aus der Sammlung des Grafen Merle zu Paris. Verwandt jenem Gemälde, welches sich
jetzt in der Gallerie zu Gotha befindet, s. gr. roy. qu. fol.
Der Scheerenschleifer, nach dem Bilde in der Pinakothek zu München lithographirt, qu. fol.
Das schlafende Mädchen, für das Münchner Galleriewerk li- thographirt, qu. fol.;
Le Berger Napolitain, Peint par le vieux Weenix, grave par le Veux, qu. fol.;
Hirten und Vieh bei einer Ruine mit Säulen, A. Schlicht fec.
Aquatinta, roy. fol.,
Landschaft mit Ruinen links, und rechts ein grosser Baum, an dessen Fuss ein Monument mit einer Büste steht. Gegen den Vorgrund ruhen vier Schafe und eine Ziege. Unten am Rande: J. Weenix fexit 1641; fol.
Die Ruinen eines hohen Monumentes. Rechts am dürren Baume ist ein verfallener Brunnen, bei welchem Geräthe liegen. Unten: J. Weenix fec., fol.
Diese beiden Blätter sind von Bartsch nach Zeichnungen radirt.
Zwei Jagden, und die eingeschlafenen Musikanten. Solche Blätter erwähnt Füssly, ohne weitere Angabe.
Eigenhändige Radirungen.
Bartsch, P. gr. I. 391 — 04 beschreibt zwei äusserst seltene Blätter (Nr. 1, 2.) von diesem Künstler, welche aber in Zeichnung und Nadelarbeit so verschieden sind, dass man sie nicht für Ar- beit desselben Künstlers ansehen möchte. R. Weigel, welcher 1543 Supplements au Peintre-graveur de A. Bartsch herausgegeben hat, vermuthet daher, dass Nr. 2 von dem jüngeren J. Weenix her- rühre. Weigel fügt unter Nr. 3 — 7 den Blättern bei Bartsch noch fünf andere hinzu, wovon aber ebenfalls einige dem jüngeren Weenix
angehören dürften. Wir nennen im Ganzen nur 6 Blätter, da Nr. 3.
und 4, nach der Angabe im Catalogue de la Collection d'estampes
composant le cabinet de M. De la Motte Fouquet, Cologne 1847,
P. 10 als Copie und Original zusammenfällt.
- Der Stier und die beiden Kühe. Ersterer ist nach rechts gerichtet, wo die eine der Kühe in einer Niederung steht, so dass man ihre Beine nicht sieht. Links in einiger Ent- fernung zeigt sich die andere Kuh jenseits des grossen Fel- sens. Rechts unten: J. Batta Weenix. H. 5 Z. 8 L., Br. Dieses Blatt ist incorrect in der Zeichnung, und in der Nadelarbeit zeigt es eine unsichere Hand. Man glaubt da- her, es stamme aus der frühen Zeit des Künstlers,
P. Bönard (Cabinet Paignon Dijonval) beschreibt einen Abdruck, wo der Name des Radirers zum zweiten Mal im Rande verkehrt steht. Dieses Blatt misst ohne den oberen
Rand 6 Z., und ist 4 Z. breit. Daraus ergibt sich die Priori- tät des Abdruckes, so dass die Platte später abgenom men
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