Weckler, Georg

Weckler, Georg, Mosaik-Meister des Kaisers Nicolaus I. von Russ- land, wurde 1800 in Riga von armen Eltern geboren, welche 1801 nach St. Petersburg zogen, wo er von 1808 — 10 an der Isaak- Schule mit anderen unbemittelten Kindern den Elementar Unter- richt erhielt. Nach dem Tode des Vaters, eines Lehrers, brachte ihn die Mutter bei einer Freundin zu Neischlot in Finnland unter, deren Gemahl Commandant der dortigen Festung war. Sein neuer Pflegevater ertheilte ihm Unterricht im Zeichnen und in der Ma- thematik, da er ihn zum Artilleristen heranbilden wollte, allein der Eleve gerieth 1812 beim Abfeuern einer Canone in solchen Schrecken, dass ihm von nun an der Militärdienst verleidet wurde. Die angestrengten Beschäftigungen, und das Auswendig- lernen der vielen Bibelsprüche machten ihm zuletzt den Aufent- halt unerträglich, und er fand sich unendlich glücklich, als er 1814 auf inständiges Bitten mit der Gattin eines Oberstlieutenants nach St. Petersburg zurückkehren durfte. Hier brachte ihn die Mutter bei einem Glaskünstler unter, wo er mit Oelfarben glä- serne Eier bemalte, deren in Russland als Geschenk für Freunde zum Osterfeste benutzt werden. Auch andere Glassachen bemalte er, welche der Meister am Fenster zur Schau stellte. Einmal traf sich, dass der römische Mosaiker Mullie vorbeiging, und die Kleinigkeiten beschaute. Dieser erkundigte sich nach dem Verfer- tiger, lud ihn zum Besuche ein. und bald war Weckler der glück- liche Schüler desselben. Mollie ertheilte ihm freundlichen Unter- richt, es wollte aber bei allem Fleisse nicht gehen, so dass der Meister die Verzweiflung des Jünglings auf Geduld und Zeit an- weisen musste. Im Jahre 1817 ging es schon wirklich besser, und nach zwei Jahren war er im Stande, durch Anfertigung kleiner Mosivbilder seinen nöthigen Unterhalt zu erwerben, Weckler lebte damals mit Mollie in Moskau, und sollte 1819 dem Meister nach Italien folgen, allein er zog es vor, auf eigene Rechnung zu ar- beiten, und nach Gypsabgüssen und nach der Natur zu zeichnen. Im Jahre 1821 nach St. Petersburg zurückgekehrt brachte er ein Mosaikstück zur Ausstellung, welches den verlorenen Sohn nach S. Rosa vorstellt. Dieses Werk erweckte Bewunderung, und wurde

von der Kaiserin Elisabeth gekauft. Die Schönheit desselben be- wog den Kaiser Alexander, bei ihm zwei Landschaften zu bestel- len, welche die kaiserlichen Landsitze Kameni Ostrow und Jelagin

er den jungen Künstler 1822 zum Mosaik-Meister der k. Akademie in St. Petersburg ernannte. Im Jahre 1824 überreichte er dem k. | Hofe vier Ansichten der Gegend von Petersburg, und 1825 unter- | nahm er in der Eremitage die Copie des Capuzinerklosters von | Granet. Während dieser Arbeit schien ihm der Tod des Kaisers Alexander seine so glänzend begonnene Laufbahn stören zu wollen, allein der Minister stellte dem Kaiser Nikolaus I. die grosse |

dass er dem Künstler eine ansehnliche Summe auszuzahlen ließ, | und ihm einen kostbaren Brillantring schenkte. Im Jahre 1828 | bestellte der Kaiser eine Copie des berühmten Viehstückes von P. Potter in der Eremitage, und als Pendant die Landschaft mit der | Flucht nach Aegypten von C. Lorrain. Nach fünf Jahren hatte er ' seine schwierige Aufgabe gelöst, und Jedermann bewunderte die genaue Zeichnung und die Farbenpracht dieser aus Tausenden von Glasstiften zusammen gesetzten Bilder.

Im Jahre 1834 verlieh ihm der Kaiser eine Pension zur Reise nach Italien, um in Rom seine Ausbildung zu vollenden. Hier | verschaffte er sich vor allem eine genaue Kenntniss der alten und | neuen Mosaik, sah aber bald, dass die römischen Arbeiten den| seinen bei weitem nachstanden, und schöpfte daher den Mut; ein grosses Werk zu beginnen, nämlich Rafael's berühmte Trans- {

360 Mosaikers welche er in Rom kennen gelernt hatte, schüch- terten über den Unternehmungsgeist des Russen bedenklich den Kopf; denn seit Rafael's Zeit hatte in Rom kein Künstler sich an dieses| Werk gewagt*). Selbst der russische Gesandte rieth dem Meister| Weckler von seinem Unternehmen ab, allein dieser vertraute auf seine Fähigkeit, und ging im April 1835 mutig an die Arbeit, die von frühem Morgen bis spät Abends dauerte. Im Mai 1835 war das Werk vollendet, und wurde, noch nicht abgeschliffen, von| Künstlern und Kunstfreunden, ja selbst von Sr. Heiligkeit be- wundert. Der Papst erwies sich dem Künstler sehr gnädig, und gab ihm eigenhändig die goldene Medaille mit seinem Bildniss. Dann bot ihm vergebens 12000 Scudi, da er sich seinem Monarchen zu Dank verpflichtet fühlte. Nach St. Petersburg zurückge- kehrt, liess ihm der Kaiser sogleich 5000 Rubel auszahlen, und weitere 20060 Rubel erhielt er nach der Abschleifung des Bildes. Auch setzte ihm der Monarch ein Jahresgehalt von 3000 Rubel aus; welches nach dem Tode des Künstlers auf seine Gattin übergeht. | Durch einen Ukas vom 16. März 1838 wurde er zum Hof-Mosaik- | Meister, und zum Mitglied der k. Akademie ernannt. Die Copie| der Transfiguration ist ein Meisterwerk der neueren Mosaik, und, findet ihres Gleichen nicht, da sie im Geiste Rafael's erfasst, und bis zu den feinsten Nuancen des Pinsels in glänzend täuschender Wahrheit gegeben ist. Durch Weckler hat die musivische Kunst| eine früher nie gekannte Vollendung erreicht. In einiger Entfer- nung verschwindet in seinen Bildern das tausendfache Gefüge, und

*) Raffaeli copirte in noch viel grösserem Massstabe das Abend- mahl des Leonardo da Vinci in Mosaik, gab aber einen glänzend colorirten Carton, nicht die Feinheit und scharfe Charakteristik des Originals.

Vorsicht

Diese Seite wurde maschinell erstellt. Die Zuverlässigkeit der OCR ist durch die Qualität der Scans, der Software und des Workflows zwangsläufig beschränkt. Eine menschliche Korrektur und Redaktion fand nicht statt.

Das Ziel dieser Seite ist es, die gezeigten Resourcen einfach zugänglich zu machen. Für Zitate und eine direkte Nutzung sind sie nicht ausreichend. Hierfür ist notwendigerweise das originale Quellenmaterial hinzuzuziehen.

Der zugrundeliegende Scan ist hier zu finden https://archive.org/details/bub_gb_bly19Wlc3NgC