Watelet, Claude Henri

Watelet, Claude Henri, Zeichner, Maler und Kupferstecher , wurde zu Paris geboren, und erfreute sich als der Sohn ei- nes General-Intendanten einer sorgfältigen Erziehung. Er machte seine Studien auf dem Collegium in Harcourt, und widmete sich mit Vorliebe den schönen Wissenschaften, wobei auch die Zei- chenkunst einige Stunden in Anspruch nahm, da er durch Wort und Bild ausdrücken wollte, was ihn im Inneren bewegte, so ganz im Gegenteil eines Receveur-Général, welcher nur für klan- kende Münze Sinn hat. Watelet konnte nach seinen Vermögens- verhältnissen ungehindert seiner Neigung leben, da auch der Va- ter die größte Schonung für ihn bewies. Er liess den Sohn als Jüngling von neunzehn Jahren Deutschland und Italien bereisen, um den Kreis seiner Bildung zu erweitern, und in Rom entwarf Watelet in Umgang mit dem Maler Pierre den bestimmten Plan, seines dem Studium der Wissenschaften und schönen Künsten ge- widmeten Lebens. Talentvoll und liebenswürdig, war er in Paris als junger Mann bald in den glänzendsten Zirkeln gesucht, gab sich aber der Zerstreuung nie lange hin, da seine angeborene Liebe zur Kunst und Dichters der Ruhe bedurfte. Nur eine Freun- din hatte er, die Gattin des Gerichts-Procurateurs le Comte, welcher er auch Unterricht in der Zeichenkunst erteilte. Auf ihrem Land- gut Molin-joli weihte er den Musen glückliche Tage. In dieser schönen Gegend bearbeitete er sein Gedicht: l'Art de peindre, und zierte es mit eigenhändigen Radirungen (Paris 1760), wofür ihm die französische Welt den Lorbeer des Dichters und des Kunst- lehrers reichte *), Dieses Werk enthält die Grundlagen seines Die- tionnaire des beaux-arts, hatte aber bei allem ästhetischen Wer- the doch keinen bedeutenden Einfluss auf den Gang der Kunst. Es ist von einem Anonymus auch ins Deutsche übersetzt **), und längst vergessen. In den Tagen seines ungetrübten Glückes ar- beitete er auch ein Werk über den Ursprung und die Bestimmung der freien Künste aus, welches aber unvollendet blieb. Ferner übersetzte er die poetischen Werke des Tasso und Ariosto ins Französische, lieferte aber eigentlich nur freie Nachahmungen. Auch ein Essai sur les jardins, Paris 1774, 8., und dramatische Stücke finden sich von ihm, allein sein Theatre de Moulin-joli kümmert uns hier wenig ***). Inzwischen dieser literarischen Arbeiten fer- tigte Watelet auch verschiedene Zeichnungen und Radirungen nach solchen, so wie nach jenen anderen Meister.

*) In neuer Ausgabe: L'art de peindre. Poème avec de réflex- ions sur les differentes parties de la peinture. Nouv. édi- tion augmentée des deux poèmes sur l'art de peindre de M. du Fresnoy et de Marsy, Avec figures. Amst, 1761, 8 In ital. Übersetzung, Venezia 1771, gr. 4.

**) Des Herrn Watelet Kunst zu malen, ein Gedicht in vier Gesängen —, mit Pernety's praktischer Abhandlung von den verschiedenen Arten der Malerei. Aus dem Französischen übersetzt (von J. A. Lechninger). Leipzig 1766, 8.

***) Im Jahre 1784 erschien bei Perault in Paris ein »Recueil de quelques ouvrages de M. Watelet, 8.

Nach seiner Rückkehr aus Italien wurde Watelet an die Stelle des Mirabeau sen. zum Mitglied der französischen Akademie er- wählt, und er verfolgte jetzt seine literarische und artistische Lauf- bahn mit aller Ruhe, bis ihn das Unglück traf, einen großen Theil seiner Güter zu verlieren, wovon er den edelsten Gebrauch ge- macht hatte. Der Abbé Terrai hatte an ihm einen Gewaltstreich geübt, dem Künstler blieb aber die öffentliche Achtung, und seine mächtigen Freunde waren ihm noch wärmer zugethan. Von dieser Zeit an beschäftigte sich Watelet mehr als jemals mit den bilden- den Künsten. Er fertigte viele Zeichnungen, und arbeitete in ver- schiedenen Manieren in Kupfer. Diese Bemühungen waren wohl die Ursache, dass sein Dictionnaire des arts de peinture, sculpture et gravure unvollendet blieb. Den Schluss bearbeitete Levesque, welcher aber schon früher thätigen Antheil daran genommen hatte. Watelet starb 1786, und 1790 erschien das Werk in 5 Bänden. Über Theorie und Geschichte der Kunst hatte sich früher kein französischer Schriftsteller gründlicher verbreitet, und dass er mit seiner Critik ehrlich verfuhr, beweiset der Tadel, welcher der va- terländischen Kunst anderen Schulen gegenüber nicht selten zu Theil wurde. J. J. Taillasson und A. L. Millin traten in seine Fussstapfen, mehrere Andere benützten nur das Werk von Watelet und Levesque aus. H. Heydenreich hat es für Deutschland nicht am besten hergerichtet: Aesthetisches Wörterbuch über die bilden- den Künste nach C. H. Watelet und Levesque; mit nöthigen Ab- kürzungen und Zusätzen fehlender Artikel kritisch bearbeitet, 4 B. Leipzig, 1792 — 95

Näheres über Watelet berichtet Vicq d'Azy im Eloge dessel- ben, welches dem ersten Bande des Dictionnaire des arts vorge- druckt ist.

Eigenhändige Blätter.

Watelet hat viele Blätter (gegen 200) geistreich radirt, auch gestochen und geschabt. Sie gehören meistens zu den Seltenheiten, da sie nicht in den Kunsthandel kamen.

  1. Claude Henry Watelet, im Schlafrocke am Fenster stehend. Nachahmung von Rembrandt's Bürgermeister Six, fol.

  2. Claude Henry Watelet, Brustbild nach C. N. Cochin, 4.

  3. Marguerite le Comte, Maitresse du Moulin - joli, nach Co- chin 1753 4. Madame..., am Tische mit der Reisfeder (Mme. le Comte), 4.

Watelet, Claude Henry.

L. Vanhempereur hat nach ihm das Bildniß der Madame Comte | gestochen.

  1. C. A. de Villeneuve, Comte de Vence, nach Cochin, 4.

Im ersten Druck vor dem Wappen.

  1. P. F. A. Abbadie Copette, Docteur en Sorbonne, nach Cochin

Derselbe, 1765 gestochen, 4.

J. Laure, Chev. de Breteuil 1753, nach Cochin, 4.

J. E. Marquis de Sumeret, Colonel, nach Cochin, 4.

Mr. d'Alembert, de l'Academie francaise, nach Cochin, 4.

J. B. M. Pierre premier peintre du Roy, nach Cochin, 4.

Louis de Silvestre, Peintre, nach Cochin, 4.

L. G. Randoin, Capitaine aux gardes frangaises, nach Co- chin, 4.

Alexis Claude Clairault, de l'Acad. franc., nach Cochin, 4.

P. Joliot de Crebillon, de l'Acad. franc. nach Cochin, 4.

Marc Renc, Marquis de Voyer, nach Cochin, 4.

H. P. F. Chastre de Billy, nach Cochin, 4.

J. Sarrau, Chirurgien, nach Cochin, 4.

M. F. Bontin, Receveur general des Finances, nach Co- chin, 4.

Poisson de Vandieres (Marquis de Marigny), nach Cochin, 4.

F. de Chevert, Lieutenant general, nach Cochin, 4.

Le Beau de Curys, Controleur de menus plaisirs du Roy,

nach Cochin, 4.

  1. A. B. J. Turgot, Intendant de Limoges, nach Cochin, 4.

  2. Derselbe als Ministre d'Etat, nach Cochin, 4.

  3. J. J. Rousseau, nach Tarraval, 4.

  4. D. Dodart, de l'Acad. franc., nach Cochin, 4.

  5. Lady Herwey, nach Cochin, 4.

  6. J. F. A. Brunet de Neuilly, nach Cochin 1756, 4.

  7. J. F. de Valiere, Ingenieur, nach Cochin, 4.

  8. J. N. Watelet de Vologny, nach Cochin, 4.

  9. Die Flucht der heil. Familie, wie Joseph die Fackel trägt,

C) Gegenseitige Copie nach Rembrandt, qu. 38.

  1. Die Flucht in Aegypten, mit einem die Fackel tragenden

Engel, nach Dietrich 1765, gr. qu. 4.

Diese beiden Blätter sind in Rembrandt's Manier radirt,

  1. Eine Gruppe von vier Figuren aus dem Bilde des heil. Il defons von Rubens, welches Witdouc gestochen hat, kl. fol.

  2. Diana mit ihren Nymphen auf der Jagd, in Rembrandt's

Manier 1785, fol.

„Rubens im Cabinet Mariette. H. W. sc. 1755, 4.

Das Gemälde ist von C. Galle und von Surrugue ge

stochen.

  1. Eine sterbende Frau im Zimmer von sieben Figuren umge- ben, in Rembrandt's Manier, qu. fol.

  2. Gruppe von vier Frauen, radirt und geschabt 1760, fol.

  3. Die Zauberin (la Stregua) bei verfallenen Gebäuden. W.'

  4. La Nourrice, Die Rückkehr der Amme mit ihrem Säugling,

nebst andern Figuren. Nach Greuze, fol.

  1. Schiffer mit Gefässen auf ihren Barken, nach Pierre 1755

schmal qu. 8. »

  1. Eine sitzende Frau mit dem Fächer in der Hand, in der- selben Weise, qu. 4.

  2. Eine sitzende Frau in der Stube, wie sie dem Kinde die Brust reicht, in Rembrandt's Weise 1767, fol.

  3. Die Frau: mit der Birne, nach F. Bol, 4,

Außerdem erkennt man darunter das Bildniss der Mme. de Comte,

  1. Eine sitzende Frau in Betrachtung, hinter ihrem Sessel der Sarg. In Rembrandt's Weise 1765, gr. 4,

  2. Ein Knabe mit grossem Hut und mit der Flöte, nach F. Hals, fol. 1,

  3. Allegorie auf die Hochzeit der Mme. de Comte 1759, 4.

  4. Ein alter Philosoph in Meditation am Tische sitzend, in Rembrandt's Weise, fol.

  5. Ein alter Philosoph beim Scheine der Lampe lesend, in der- selben Manier, 8.

  6. Ein alter Mann, der ein Mädchen liebkoset, und von sei- ner Frau am Fenster beobachtet wird. In Rembrandt's Ma- nier, fol.

  7. Ein auf dem Bette liegendes nacktes Mädchen, vor ihr eine Frau, welche zeichnet. Eine von Watelet vollendete Platte Rembrandt's, 4; |

  8. Der kleine Kuchenhändler, nach Boucher, 4,

  9. Der chinesische Soldat, nach Boucher, fol.

  10. Die chinesische Gärtnerin, nach demselben, fol.

  11. Karikatur eines Herrn mit einem Orden, wie er mit dem Hut unter dem Arme einhergeht, fol.

  12. Der Koch der Academie in Rom mit dem Casserol. Im Grunde das Pantheon und Ruinen. Saly del. fol,

  13. Ein knieender alter Mann mit dem Hute, nach dem Bilde von Teniers aus dem Cabinet Vence geistreich radirt, gr. 8,

  14. Die Nachtstube mit bekleideten Affen, nach Teniers, kl. u. fol.

  15. Zwei Blätter mit Interioren von Bauernhäusern 1784, qu. 8.

  16. Zwei satyrische Blätter auf Lafond de St. Yennes, welcher Pamphlete auf die Ausstellung in Paris schrieb, 1750.

  17. Der Kopf des heil. Rochus, nach Pierre, gr. fol.

  18. Der Kopf eines bartigen Alten, nach Pierre, gr. fol.

  19. Ein Blatt mit drei Köpfen: ein Alter, Kind und Frau, dabei ein Eselskopf, 1756. In schwarzer Manier, 4,

  20. Ein Blatt mit drei Köpfen: ein Alter, ein Mann und ein junges Mädchen, dabei ein Ochsenkopf, 1756. In schwar- zer Manier, 4,

  21. Ein Blatt mit den Köpfen zweier Jungen, dabei ein Hunds- kopf 1758, In schwarzer Manier, 4.

Die obigen drei Blätter zählt Rost auf, und sie müssen von den folgenden verschieden seyn.

  1. Büste eines bartigen Greises, neben ihm ein Kind, oben die Büste eines Mädchens, links ein Eselskopf, nach Pierre schön radirt, kl. fol;

  2. Büste eines bärtigen Greises, über diesem der Kopf eines Mädchens, rechts das Profil eines Mannes, und darüber ein Ochsenkopf, nach Pierre schön radirt, kl. fol.

  3. Die Blätter in: L'art de peindre, poëme — par M. Watelet, nach J. B. M. Pierre radirt. Paris 1760, 4,

Watelet, Louis Étienne. 68) Die 14 Vignetten einer Ausgabe der Idyllen von S. Gessner, Lyon 1762.

  1. Die Schäfer im Walde bei Fackelschein, Nachtstück in Rem- brandt's Manier, 4,

  2. Landschaft mit einem beladenen Esel, dabei der Junge und ein Hund, nach C. du Jardin, kl. qu. fol.

  3. Le Clair de Lune, Landschaft nach Berghem, qu. fol.

  4. Landschaft mit Viehherde, die im Walde bei Fackelschein durchs Wasser geht, nach Berghem 1759, kl. fol.

  5. Le Mai. Landschaft nach Watteau, fol.

  6. Grosse italienische Landschaft mit der Ruine einer Brücke, nach J. Both, s. gr. qu. fol.

  7. Landschaften mit Ruinen und Figurengruppen, nach Pan- nini, gr. fol.

  8. Landschaft mit Architektur und Figuren, das Gegenstück zu obigem Blatte,

  9. Ein italienischer Brunnen mit einer Sirene, nach J. B. M. Pierre schön radirt, 8.

  10. Eine Fontaine mit zwei Mädchen, nach Pierre, gr. fol.

  11. Der Ponte Rialto zu Venedig, 8.

  12. Landschaft mit einem Flusse, rechts Gebüsch, qu. 8.

  13. Landschaft mit vier chinesischen Kinderp. Gravure cn un jour 1768, qu. 8.

  14. Landschaft mit einem grossen Monumente, kl. fol.

  15. Das Monument des Mr. Salvalette de Buchelai zu Rom — 1764, kl. fol.

  16. Ein Monument, welches Genien verzieren. A Vimmortalité, nach Pierre, gr. fol.

  17. Landschaft mit einer Stadt und mit Windmühlen, vorn zwei Ochsen und ein Bauer, in Rembrandt's Geschmack, schmal qu. fol.

  18. Landschaft mit Fischern am Wasser, dabei der Bauer mit Milch. in Rembrandt's Geschmack, qu. 8.

  19. Landschaft mit der (links) am Wasser trinkenden Kuh, im Kahn auf dem Wasser ein Bauer, Gegenseitige Copie nach Rembrandt, qu. 12.

  20. Das Haus der Mme. le Comte in Moulin - joli, seltene Ra- dirung. Cur valles permutem Sabina divitias operiosiores. 4,

  21. Six Vasi dal Sig. Pierre, intagliate dal suo amico Watelet ' 1740, 6 Blätter, 4,

  22. Raccolta di Vasi, dedicata alla A. M. Signora Geoffrin. Lor- rain inv. 1752, 6 Blätter, 4,

  23. Raccolta di Vasi, dedicata alla Signoria illust. Baroness, J. Lorrain et Pierre inv. 1752. 6 Blätter, 4.

  24. Eine Folge von Decorationen, im Cabinet der Mme. le Comte von Watelet gemalt, und gestochen 1754, gr.

Vorsicht

Diese Seite wurde maschinell erstellt. Die Zuverlässigkeit der OCR ist durch die Qualität der Scans, der Software und des Workflows zwangsläufig beschränkt. Eine menschliche Korrektur und Redaktion fand nicht statt.

Das Ziel dieser Seite ist es, die gezeigten Resourcen einfach zugänglich zu machen. Für Zitate und eine direkte Nutzung sind sie nicht ausreichend. Hierfür ist notwendigerweise das originale Quellenmaterial hinzuzuziehen.

Der zugrundeliegende Scan ist hier zu finden https://archive.org/details/bub_gb_bly19Wlc3NgC