Wappers, Gustav,
ihn an Feinheit und Eleganz übertrifft. Unser flämische Meister zählt aber mit noch grösserer Leichtigkeit, und steht an Kraft der Darstellung und des Colorits nicht zurück,
Wappers lebte nach seiner Rückkehr von Paris einige Jahre in Antwerpen der Kunst, und malte mehrere Bilder, welche ihn aber nur in einem engeren Kreis bekannt gemacht hatten. Wir nennen unter diesen das gefallene Mädchen an der Wiege im Kam- merlein sitzend. Es ist diess die harmonische Schöpfung eines jun- gen Künstlers, gedacht und überall abgerundet, nur in technischer Hinsicht mit seinen späteren Werken nicht zu vergleichen. Ähnli- che Bilder findet man noch mehr von ihm; seinen Ruf gründete aber 1830 das grosse Gemälde, welches den Bürgermeister van der Werf von Leyden darstellt, wie er bei der Belagerung der Stadt durch die Spanier dem ausgehungerten Volke seinen Leichnam anbietet, und zur Standhaftigkeit auffordert. Dieses Gemälde, welches der Prinz von Oranien um 8600 fl. kaufte, erregte ausserordentlichen Beifall, und man datirte davon den Beginn einer neuen Periode der Kunst. Von dieser Zeit an war Wappers ein gefeierter Meister, und um schlossen sich mehrere junge Künstler an ihn an, mit dem Entschlusse, auf gleichem Wege zum Aufblühen der vaterländischen Kunst zu wirken. Unter den vielen nennen wir J. L. Dijckmans, J. J. Delin, E. du Jardin, E. Slingeneyer, J. Meynne, H. Gregoir, J. H. van der Laar, E. van Maldeghem etc. Alle diese Künstler bearbeiteten nach dem Vorbilde des Meisters mit Vorliebe die vaterländische Geschichte, ohne die heilige Ueberlieferung auszuschliessen, so dass sich durch Wappers eine eigentliche belgische Historienm?- lerei bildete, neben welcher das höhere Genre in eben so erfreu- licher Weise gedeihete. Ein grosses Gemälde aus dem biblischen Kreise, welches Wappers 1833 in Brüssel zur Ausstellung brachte, stellt die Grablegung Christi dar, welche H. Wanderschrick für die St. Michaelskirche zu Löwen bestellte. Die Handlung geht in ei- ner dunklen Grotte vor, und nur auf den Leichnam und die ihn tragenden beiden Jünger fällt ein effectvolles Licht. Dieses Bild ist ergreifend durch den hohen Ernst in der Stimmung, und die grosse Wahrheit der Darstellung. Eine Meisterhand hat hier mit fleckem Pinsel gewaltet. Der König ertheilte dem Künstler bei der Ausstellung den Leopoldsorden. Ein anderes Altarbild von grosser Ausdehnung ist in der Jesuitenkirche zu Antwerpen, die Madonna auf Wolken von Engeln umgeben, wie sie dem Stifter des Jesuit tenordens das Scapier ertheilt. Unten stehen Verehrnde: ein Fürst mit seiner Gemahlin, ein Greis von seiner Familie umgeben etc. Dieses Hauptaltarbild zeigt, dass Wappers auch sentimental seyn kann, was sonst bei ihm nicht der Fall ist.
Im Palais de la Nation zu Brüssel sieht man im Vestibule der Schlacht von Worringen (1288) von de Keyzer gegenüber eine Scene aus den Septembertagen von 1830, eines der grössten und bedeutendsten Werke der neueren Zeit. Die Handlung spielt auf dem grossen Platze vor dem Rathhause zu Brüssel, wo die Frei- heitsberauschte Masse sich zusammendrängt, und die Proclamation vom 24. September jubelnd vernimmt, nachdem sie vom fernen Gemetzel herbeigeströmt war. Genauer beschrieben ist dieses ge- bildige Bild der schrecklichen Wirklichkeit im Kunstblatt 186 S. 397. Hier ist alles zu bewundern, und Wappers steht als Volks- maler unübertroffen da. Der ungeheuere Drang einer Volksmasse die wenige Minuten vorher im verzweifelten Kampfe lag, das Verachtete, die Seufzer der Sterbenden nicht hörte, jetzt auf Sieg und Hoffnung aufjauchzt, in ungemessenen Leidenschaften.
Wappers wurde 1832 erster Professor, und 1840 Direktor der k. Akademie zu Antwerpen. Er bekleidete schon früher die Stelle eines Conservators des Museums in Antwerpen, und 1846 erhielt er jene eines Präsidenten des belgischen National-Museums; Im Jahre 1845 wurde er als erster Maler des Königs Leopold von Belgien zum Baron erhoben. Seine Brust zieren mehrere Orden, wie jener des belgischen Löwen, der Ehrenlegion, der portugiesische Christus-Orden, der preussische rothe Adlerorden, und das Sachsen- Coburgische Ritterkreuz. Er bewahrt auch viele Ehrenmedaillen, und nur wenige Akademien zählen ihn nicht zu ihren Mitgliedern.
Stiche, Lithographien und Holzschnitte nach diesem Meister.
Christus zu Grabe getragen, nach dem berühmten Altarbilde in der St. Michelskirche zu Löwen gest. von F. Lhörie, Mezzo- tintoblatt, gr. fol.
Invocation de N. D. du Scapulaire, das berühmte Bild in der Jesuitenkirche zu Antwerpen, lith. von Manche, gr. fol.
L'Ange du Bien et l'Ange du Mal. Mich. Verzwyvel'sch., roy. fol.
Der Bürgermeister van der Werf bei der Belagerung von Ley- den, das oben erwähnte Bild im Besitze des Prinzen von Oranien, in Mezzotinto gestochen von F. Lherie, gr. qu. fol.
Heloise et Abélard. F. Lhörie sc., roy. fol.
Die Blätter in folgendem, nach Wappers' Zeichnungen illustrir- tem Werke: Hoe men Schilder wordt, door H. Conscience. Mit Holz- schnitten von H. Brown. 2. Ausgabe, Amsterdam 1844, 8°.
Jene in der Geschiedenis van België, door H. Conscience, Ver- ziert met 200 houtsneden, getekend door Wappers, Haman, Lau- ters, Jacobs etc. Antwerpen 1846, gr. 8°.
Die Compositionen in »La Belgique monumentale, historique et pittoresque«, Par A. Baron. Bruxelles 1844, gr. 8°. Die Vig- netten sind nach Zeichnungen von Wappers, de Keyser, Madoa etc. von H. und W. Brown etc. in Holz geschnitten.
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