Waltherr, Friedrich

Waltherr, Friedrich, Maler von Dinkelsbühl , wurde durch Bey- schlag (Beiträge zur Kunstgeschichte der Reichsstadt Nördlingen 1798 — 1801) näher bekannt, durch Fiorillo und Füssly aber irrig von einem Berner Künstler dieses Namens geschieden. Walther; wurde Bürger in Nördlingen , wie Beyschlag aus dem Raths- protokoll d. d. Febr. IV, a. post Andree 1460 er sah. Der neue Bür- ger genoss fünf Jahre Steuerfreiheit, musste aber alljährlich dem Rathe ein Boese (rundes, bemaltes Schild von Eisenblech, oder Glas?) übergeben. Er war Glasmaler , ist aber nur durch ein sel- tenes xylographisches Werk bekannt, welches er mit dem Schreiner Hans Hürning herausgab. Es ist diess die »Bibel der Armen« (Biblia pauperum) mit deutschem Text, und aus nur auf einer Seite gedruckten Blättern, die mit A— Z, und A— L, und mit drei anderen Marken bezeichnet sind. Auf dem letzten Blatte sind rechts zwei Schilde (mit Eichhorn, und zwei Schnitz- messern 1470). Links steht:

»Friedrich Walthern Maler zu Nördlingen vnd Hans Hürning habent dis buch mit ein ander gemacht.« Walther hat vermuth- lich die Figuren auf die Platten gezeichnet, und Hürning diesel- ben geschnitten, weil ein Schild ausdrücklich auf den Schneider hinweist. Eine Nachbildung des ersten Blattes gibt Heinecke, Nach- richten II, 132, und Idee generale p. 308. Das letzte Blatt ließ Zapf für seinen Turrecremata nachbilden.

Die Armenbibel dürfte indessen nicht das einzige Werk von F. Walther seyn. Er ist wahrscheinlich auch der Meister F. W. von 1470 bei Brulliot II, 290. Diese Buchstaben stehen auf dem ersten Blatte eines xylographischen Produktes, welches St. Ambro- sius und Augustin vorstellt. Das Werk hat den Titel: Defen- sorium inviolate perpetuaeque Virginitatis castis- simae Dei Genitricis Mariae. Ebert nennt dasselbe Xylo- graphicum, unter dem Titel: Historia conceptionis b. Mariae 1470 acht Blätter qu. fol. Auf der k. Hof-, und Universitäts-Bibliothek zu München sind Exemplare, und jenes aus der von Nagler'schen Sammlung ist im k. Kupferstich-Cabinete zu Berlin.

F. Walther trat zu Nördlingen in ein eheliches Verhältniss, mißhandelte aber dann sein Weib, und kam desswegen auf einige Tage ins Gefängniß. Vielleicht war diess die Ursache, dass der Künstler 1472 mit seiner Familie nach Basel zog. Man schreibt ihm die merkwürdigen Glasgemälde des Chores des Münsters in Bern zu. Er stellte auf sonderbare Weise die Geschichte der Trans- substantiation dar. Man sieht eine Mühle, und am Flusse steht der Papst mit der Mehlschaufel in der Hand. Anstatt des Korns wer- den die vier Evangelisten in die Trommel aufgeschüttet, und darüber steht: Das ist mein Leib. Durch den Kasten geht ein Haufen von Hostien, und darunter die kleine Figur des Erlösers. Diese Hostien kommen in den Kelch, und nachdem sie die Weih- ung erhalten, theilt sie der Papst den Gläubigen aus. Diese Bil- der scheinen für jene Zeit ernsthaften Sinnes, und keine Satyre zu seyn. Das Unwürdige der Darstellung erweckte aber später Spott. Beyschlag versichert auch, dass Walther 1479 mit Friedrich Herlen ein Altargemälde mit zwei Flügeln in Wasserfarben (Tem- pera?) auf Leinwand gemalt habe, welches sich in der Kirche zu Bopfingen befand. Ein Kriegsknecht hält eine Fahne mit den Buch- staben: W. N. 1479. Wenn sich der Buchstabe W. auf unsern

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