Waldmüller, Ferdinand Georg, dere mehrere Werke der italienischen und niederländischen Schule. Solche Nachbildungen gingen in den Privatbesitz über, und wer- den noch gegenwärtig hoch gehalten. Auf Schödelberger's Anre- gung machte er auch Studien nach der landschaftlichen Natur, und als weitere Resultate seiner Bemühung sind die Copien nach J. Ruysdael's und P. Potter's Bildern in der Gallerie des Grafen Czernin zu betrachten. Durch mannigfaltige Studien nach dem Le- ben wurde er endlich zum Genre-maler, als welcher der Künstler seit einer Reihe von Jahren in Wien das Feld behauptet. Schon 1820 zogen zwei Bilder die allgemeine Aufmerksamkeit auf sich, Er malte einen türkischen Pfeifenhändler im Caffeehaus, welchen der französische Gesandte Caraman kaufte, und das zweite Bild stellt einen Taglöhner mit seinem Sohne dar, welches in den Be- sitz des Apothekers Pfandler in Wien kam. Diese Gemälde sind sehr fleissig vollendet, und des besten flämischen Meisters dama- liger Zeit würdig. Ein anderes Bild aus jener Zeit ist in der Gal- lerie Esterhazy, das Bildniss eines hundertjährigen Mannes. Fünf Gemälde (1822 — 30) bewahrt die k. k. Gallerie zu Wien.
Im Jahre 1820 unternahm Waldmüller eine Reise nach Italien , verweilte aber nur kurze Zeit in Rom . Im folgenden Jahre finden wir ihn in Dresden , wo die Schätze der k. Gallerie seine Auf- merksamkeit fesselten. Zwei berühmte Bilder von J. Ruysdael: die Jagd und den Kirchhof, hatte er getreu copirt, so wie zwei herrli- che Gemälde von Correggio, die Nacht und die heil. Magdalena. Von Dresden aus begab sich der Künstler nach Leipzig, wo er 1827 durch seine Bildnisse Beifall erndtete. Auf der Rückkehr nach Wien besuchte er auch München, verweilte aber daselbst nur kurze Zeit. In Wien erhielt er sogleich den ehrenvollen Auftrag, für die Erzherzogin Sophie das Bildniss des Kaisers Franz I. zu malen, welches so wohl gelang, dass man es durch einen Stich von Steinmüller im weiteren Kreise bekannt machte. Die Portrait- Malerei beschäftigte ihn aber fortan nicht nur mehr in Nebenstun- den, obgleich die Zahl der Bildnisse aus der mittleren Zeit des Künstlers gerade nicht gering ist. Er malte noch mehrere Mit- glieder des k. k. Hofes, und 1836 den Kaiser in Lebensgrösse.
Dieses schöne Gemälde ging als Geschenk desselben an das k. preussische Garde-Regiment Kaiser-Franz von Oesterreich nach Berlin. Wir fassen jetzt mehr den Genremaler Waldmüller ins Auge, da schon von 1828 ab seine Bilder in dieser Richtung zu den vollendetsten Arbeiten gezählt wurden. Sie erinnern an Mie- ris, und zeigen ein tiefes Studium der Natur. Die Anzahl seiner Genrestücke ist sehr bedeutend; viele gehören zu den schönsten Erzeugnissen der neueren Kunst, und sind den eigentlich histo- rischen Werken des Künstlers vorzuziehen. Unter diesen nen- nen wir eine grosse Kreuzabnehmung von 1844, welche im Kunst- blatt desselben Jahres zwar gebührende Anerkennung findet, doch meint der Referent, dass für solche Gegenstände der gemüthvolle und fleissige Genremaler nicht ganz ausreiche. Andere Bilder die- ser Art gehören mehr in den Bereich des religiösen Genres, wie seine Wallfahrer vor der Statue des heil. Johannes (1845), wo es nicht ohne Laune und Humor hergeht. Zu seinen vorzüglichsten Darstellungen aus dem Volksleben gehören: das Kind, welches gehen lernt (1831), des Landmanns Ausgang, der Rabbi, wel- cher ein Mädchen unterrichtet, die Tiroler Bauernfamilie vor der Thüre des Hauses ruhend (1834), die reisende Bettlerfamilie (1854), die fromme Alte, die Rückkehr des Landmannes von der Arbeit zu seiner Familie (1835), der Hund neben dem Korb voll Wein- trauben (1810), die Dorfschule (1841), die Niederösterreichische
Waldmüller, Ferdinand Georg.
Bauernhochzeit, das Erstehen zum neuen Leben (der Landmann tritt auf seine Frau gestützt am Frühlingstage über die Schwelle 1844), die Heimkehr von der Ernte, die Kühe des Theaters zu Taormina in Sicilien, in zwei verschiedenen Ansichten, der Christ- tagmorgen (eine Kinderscene), die Gratulation des Enkels an den Großvater (1845), das Ende der Schule, das Ave Maria, die Mut- ter mit den Kindern, der kindliche Schmerz, der Holzbrenner
- beim Mittagsbrod, der Conscribire für die Schule, die Erndte (1840), das Abendmahl im Bauernhause, die Ansicht der Bucht bei Messina (1817) etc.
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