Waismuth, ein deutscher Künstler , dessen Bild neben jenen der Meister Awram und Riquin auf den berühmten Korssunschen Thü- ren in der Cathedrale zur heil. Sophia in Nowgorod erscheint. Er ist jünger als die genannten Künstler, ohne Bart und mit lang herabfallendem Haare dargestellt, und fasst mit beiden Händen eine Zange, die grösser ist als jene, welche die beiden anderen Meister tragen. Jeder Figur ist der Name beigefügt, aber nur Riquin ist als Verfertiger genannt: Riquin me fecit. Er trägt ausser der Zange auch noch eine Waage. Diese Thüren sind von Holz, welche auf ihrer 6 Zoll starken Metallbekleidung in 24 Fel- dern biblische und allegorische Darstellungen, und dann Portraite enthält, mit Inschriften in lateinischer und russischer Sprache. Un- ter den Bildnissfiguren erscheinen Bischof Alexander von Blüchich (Plotzko), und Erzbischof Wichmann von Magdeburg, der hier, so wie in Chroniken, Wicmannus genannt wird. Beide lebten im 12. Jahrhunderte, letzterer ausgezeichnet durch seinen Kreuzzug ins gelobte Land, und durch seine Fehden mit Heinrich dem Löwen.
Wo diese künstlichen Thüren gefertiget wurden, und wann sie nach Nowgorod kamen, ist unbekannt. In einer Nowgorod'schen Chronik heisst es bei dem Jahre 1336, dass Erzbischof Wladika Wassili kupferne und vergoldete Thüren angeschafft habe. Diess kann aber nicht von den fraglichen Thüren verstanden werden; denn die Metallbekleidung ist nicht vergoldet, sondern bald braun, bald gelblich. Die Arbeit deutet auf die Zeit des Erzbischofs Wich- mann, oder auf das 12. Jahrhundert. Dass diese Gusswerke schon ursprünglich für Russland bestimmt waren, dürfte sich aus den russischen Inschriften ergeben, und dass sie deutsche Arbeit sind, kann wohl kein Zweifel seyn. Man ist seit Adelung auch in Russ- land von der Meinung abgegangen, dass diese Werke aus Cher- son herrühren; denn »Kojssunsch« soll nur merkwürdig oder be- rühmt bedeuten. Wie das Bildniss des Erzbischofs von Magde- burg auf die Thüren komme, ist noch unerklärt. Einige glaubten ihn in den Künstlerkreis ziehen zu müssen. Vielleicht war er der Besteller für Nowgorod, oder erscheint als historisch merkwürdi- ger Mann seiner Zeit. Abgebildet sind diese Thüren in einem ei- genem Werke darüber: Die Korssunschen Thüren in der Cathedrale zur heil. Sophia in Nowgorod, von Adelung. Berlin 1823,
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