Wagner, Otto

Wagner, Otto, Landschaftsmaler , wurde 1803 zu Torgau geboren, kam aber 1815 mit seinem Vater, dem k. sächsischen Wasserbau- Direktor Christian Friedrich Wagner, nach Dresden , wo er 1810 die Akademie besuchte, um sich in der Historienmalerei auszubil- den. Allein er fühlte sich auf dem Gebiete der Landschaftsmalerei

bald heimischer, und suchte daher die Mittel zu erlangen, welche ihm dazu nothwendig waren. Er genoss aber nur in der Perspek- tive gründlichen Unterricht, welchen ihm der Theatermaler Jentzsch ertheilte, mit Hinweisung auf die Gesetze der Architektur und Or- namentik. In der Technik der Oelmalerei war er fast auf sich al- lein angewiesen, da auf der Akademie in dieser Beziehung wenig Lehroptionen wurde. Er hätte sich zwar der Anleitung der berühmten

Landschafter Dahl und Friedrich bedienen können, allein man hatte damals die vorgefasste Meinung, alles unmittelbar nach der Natur zu studiren, um nicht in die Manier eines anderen zu ge- rathen. Auch nach guten alten Bildern zu copiren, hielt man für hinderlich, und so lernte Wagner die praktischen Hilfsmittel zwar spät, aber sicher kennen.

Das erste Bild, welches sich einiger Beachtung zu erfreuen hatte, stellt eine Schlittschuhbahn oberhalb der Elbebrücke dar. Damals befasste sich Wagner auch mit der Theatermalerei, da ihm Jentzsch fortan behülflich war, und als dieser Meister 1820 mit Tod abgegangen war, wurde ihm die Auszeichnung zu Theil, Vor- lesungen über Perspektive und Schattenlehre auf der Akademie ge- ben zu dürfen. Das Honorar benützte er zu einer Reise nach dem Rhein, dem Schwarzwald, nach der Schweiz und nach Bayern, wobei die architektonischen Denkmäler seine besondere Aufmerk- samkeit erregten. Nach seiner Rückkehr führte er mehrere Bil- der in Oel aus, worunter der Kreuzgang in Zurich, und die Wart- burg-Capelle mit vielen Figuren zu den gelungensten gehören. Durch den Verkauf dieser und anderer grösseren und kleinere Bildern wurde es ihm 1830 endlich möglich, eine Reise nach Ita- lien zu unternchmen, wo er eine grosse Anzahl von Zeichnungen fertigte, und besonders auch solche Studien machte, welche einem Architekturmaler und Ornamentisten am meisten von Nutzen sind. In Rom verlebte er Herbst und Winter, die weiteren Pläne störte aber 1831 der Ausbruch der Unruhen, und somit fand er es ge- rathen, nach Deutschland zurückzukehren, wo die politischen Ver- hältnisse ebenfalls eine bedenkliche Wendung nahmen. Jetzt führte Wagner einige seiner Zeichnungen in Oel aus, unter welchen wir die Ansichten des Grabmales der della Scala in Verona, des Ho- fes im Palazzo vecchio zu Florenz, des Marktplatzes in Perugia, und der Piazetta in Venedig erwähnen. Im Jahre 1832 führte er mit seinem Freunde Oehme eine Reihe von Temperabildern aus, die durch Kerzenlicht beleuchtet zur öffentlichen Ausstellung be- stimmt waren, und grossen Beifall fanden. Im folgenden Jahr erhielt er von Dr. Härtel in Leipzig den Auftrag, mit dem Malei- Peschel eine Loge in seinem neuen Hause in Fresco zu verzieren. Andere Malereien dieser Art sind im Gartensalon des Dr. Crusius

zu Rüdigdorf. Inzwischen malte Wagner auch einige Bilder in Öl, welche grösstentheils dem heimathlichen Boden entsprossen sind, da die deutsche Natur die italienischen Eindrücke nach und nach verdrängte. Die einfache Architektur bot ihm die liebsten Gegenstände, welchen er aber einen poetischen Reiz verlieh. Ein Ge- mälde aus dieser Zeit, die Ansicht einer Stadt im Magdeburgischen bei Morgendämmerung; die mit grossem Beifall aufgenommen wurde, entschied nun völlig seine Richtung. Es wurde ihm jetzt klar, dass gemüthlich poetische Situationen der Natur und des Lebens das Feld seien, welches er, um seinen Empfindungen zu- entsprechen, zu bearbeiten habe. In diesem Sinne malte er eine Überschwemmungsscene, den Wintersontagsmorgen in einer Stadt, den Christabend, das Dachstübchen bei Abenddämmerung, den Abend mit einem Gasthofe in einer Provinzialstadt, die heimkehrenden Jäger im Winter bei Abendbeleuchtung, das Stadtthor bei Mor- gendämmerung, die Bergstadt bei Sonnenuntergang, den Dorf- kirchhof mit der Ansicht in die Kirche beim Gottesdienste, das Bergstädtchen nach dem Gewitter, und mehrere andere Bilder, die in verschiedenen Besitz übergingen. Dann erhielt er auch viele Aufträge für Zeichnungen zum Stiche. Im malerischen und ro- mantischen Deutschland sind Prospekte nach seinen Zeichnungen gestochen. Auch im Fache der Ornamentik wurde er beschäftigt. Er malte die Frucht- und Blumenguirlanden am Vorhange des neuen Theaters in Dresden. Im Jahre 1840 zeichnete er für die königlich Einsiedel'schen Eisenwerke verschiedene Verzierungen. Die Hofbühne in Dresden bewahrt auch schöne Decorationen von ihm. Im Jahre 1843 malte er eine vollständige Decoration, und 1844 nach Semper's Angabe die architektonischen Stücke zu Sophokles' Antigone. Dann malte Wagner auch viele Bilder in Aquarell, worin er besondere Fertigkeit besitzt. Sie sind die Arbeiten seiner Erholungsstunden, und von höchst gemüthlicher Auffassung. Eines seiner neuesten Werke, wie alle seine Bilder von warmer und reizender Färbung, schildert einen Sommerabend im Dorfe. Kin- der treiben sich in Gruppen herum, und die älteren Bewohner geniessen vor den Häusern der Ruhe. Ein anderes Bild stellt in magischer Beleuchtung eine kleine Bergstadt dar. Die Anzahl sei- ner Werke ist gross, und nur wenige sind von bedeutender Aus- dehnung. Von treuer Naturwahrheit und naiver Auffassung er- innern einige kleine Bilder an die niederländischen Meister der guten Zeit. — In der berühmten Portraitsammlung des Hofmalers C. Vogel von Vogelstein zu Dresden ist sein von Peschel gezeichnetes Bildniss. L. Schütze stach mehrere Blätter nach seinen Zeichnungen und Gemälden, darunter die nordwestliche Ansicht von Dresden, mit Randbildern, und dann die Aussicht von der Bastei, mit Rand- bildern der sächsischen Schweiz, beide qu. roy. fol. Hammer stach 1837 ebenfalls die Ansicht von Dresden, als erstes Jahresblatt des sächsischen Kunstvereins, gr. qu. fol. In der Bilderchronik des Dresdner Kunstvereins ist seine Ansicht des Marktplatzes in Pe- rugia von T. Faber gestochen. Eigenhändige Radirungen.

  1. Hermannsbad bei Lausigk. O. Wagner fec., qu. fol. Es gibt schwarze und colorirte Abdrücke.

  2. Ansicht der Verwüstungen in der Stadt Wahlen durch den Wolkenbruch vom 1. Sept. 1822. Seltenes Blatt, fol.

  3. Ein altes Thor, unter welchem drei Figuren, dabei der Künst- ler stehen, 1842. Sehr selten, fol.

  4. Partie in einer kleinen sächsischen Stadt, mit der Aussicht auf die Elbe durch das Thor, 1844, qu. 8.

  5. Zwei Blätter: sächsische Gegenden mit Figuren, Mit dem Na- men und dem Monogramm, 1823, qu. 4. und qu. 8.

  6. Mann und Weib beim Holzsägen. Seltenes Blatt, qu. 4.

  7. Eine Flussansicht, qu. fol.

  8. Drei Landschaften mit Baulichkeiten, qu. fol.

  9. Folge von 6 Landschaften mit alten Gebäuden und Resten. Dresden, 1846. Blätter in verschiedenem kleinen Formate, in ei- nem Foliohefte. -

  1. Säulenrest vom Palast Carl des Grossen zu Igelheim.

  2. Das Meissner Thor in Grosshain.

  3. Das alte Thor zu Rhens am Rhein.

  4. Das Waldthor in Töplitz.

  5. Das alte Thor in Meissen.

  6. Die Kirche in Quedlinburg.

  7. Lithographien. 1 Ansichten vom Kloster Altzelle bei Nossen, lith. von P. Wag- ner, Heft mit 4 Blättern, gr. 4. Diese Blätter gehören zu den früheren Leistungen des Stein- drucks, und kommen selten vor. Neue Zeichnungsschule. Dieses Werk erschien von 1841 an in Abtheilungen. Von Wagner sind die Ornamente, fol.

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