Wagner, Johann Ludwig, Medailleur , geboren zu Durlach 1773. Fand an der k. Münze in Stuttgart eine Anstellung, und fertigte viele Stempel zu Münzen und Medaillen. Unter den letzteren erwähnen wir jene auf die Württembergische Verfassung 1810. Er ist der Vater des Theodor und Sigmund Wagner. Starb zu Stutt- gart 1845. Wagner, Johann Martin von, Maler und Bildhauer , wurde 1775 zu Würzburg geboren, und von seinem Vater Johann Peter schon früh im Zeichnen unterrichtet, da er entschiedene Liebe zur Kunst zeigte. Er besuchte auch das Gymnasium seiner Vaterstadt, ließ aber als Jüngling von neunzehn Jahren die Anstalt, um sich ausschliesslich der Kunst zu widmen. Doch stand er noch, län- gere Zeit unter Leitung seines Vaters, welcher ihn nach Gips
Lüssen, und nach dem lebenden Modelle zeichnen -Jiess. Auch in der Anatomie und in der Perspektive gab ihm der Vater Anleitung, was diesem Künstler zu nicht geringem Ruhme gereicht, da Mar- tin Wagner zu den gefeiertsten Meistern unsers Jahrhunderts ge- hört. Von Würzburg aus. begab sich M. von Wagner mit Em- pfehlung des Bischofs von Dalberg nach Wien, um unter Füger sich in der Malerei auszubilden. Er besuchte fünf Jahre die k, k. Akademie, und gewann 1803 den ersten Preis mit einem Gemälde, welches Aeneas vorstellt, wie er die Venus um den Weg nach Carthago befragt. Dieses Gemälde erregte grosse Hoffnungen, doch war für den Künstler in Wien keine Aussicht vorhanden, und so- mit begab er sich durch Tyrol und die Schweiz in die Heimath zurück. In Würzburg ging er jetzt an die Lösung einer Preis- Aufgabe, welche Göthe im Namen der Weimarer Kunstfreunde 1805 gestellt hatte. Es musste Ulysses dargestellt werden, wie er den Polyphem durch Wein besänftiget. Wagner schickte seine Zeich- nung nach Weimar, und begab sich ohne das Resultat abzuwarten nach Paris, wo er 1804 durch seinen Vater die freudige Nachricht erhielt, dass seine Composition den ausgesetzten Preis von 50 Du- katen erhielt. In der Jena'schen Literaturzeitung von 1806 ist eine Beschreibung dieses Werkes mit dem Umriss des Bildes. Wag- ner verweilte nur ein halbes Jahr in Paris, und ging 1805 nach Rom, um seine künstlerische Ausbildung zu vollenden. Er hatte schon in Paris eine grosse Anzahl von Kunstwerken gesehen, da sie von allen Seiten her ins Central-Museum gebracht wurden; in Rom aber waren noch immer so viel Schätze alter Kunst, dass noch andere Central-Museen gefüllt werden konnten. Wagner richtete vor allem das Augenmerk auf die antike Plastik, und bil- dete sich dann durch das Studium der Werke der alten italieni- schen Malerschule zum Geschichtsmaler aus, ungefähr auf der Basis, wie früher Carstens und Eberhard von Wächter. Im Jahre 1807 vollendete er ein Gemälde, welches die Helden vor Troja vorstellt, wie sie im Lager ihre Lage berathen, da Agamemnon und Hektor geschlagen waren. In der Ferne kommen die Kund- schafter und Diomedes heran. Die neun Figuren dieses Bildes sind in Lebensgrösse, und man sieht es jetzt in der k. Gallerie zu Schleissheim, da König Ludwig als Kronprinz dasselbe bestellt hatte. In der Jenaer-Literaturzeitung 1808 VII. ist die Composi- tion in einem Briefe aus Rom beschrieben, mit der Bemerkung, dass Zeichnung, Ausdruck, Beleuchtung und Colorit eben so gros- ses Lob verdienen, als die Anordnung des Ganzen, und dass die- ses Bild mehr eine leichte (?) Darstellung der Natur selbst, als eine künstliche sei. Dann heisst es weiter, Wahrheit, Natürlichkeit und, Einfachheit sei die besonders anziehende Eigenschaft aller Com- positionen dieses Künstlers. Wagner brachte 1808 auch Zeich- nungen zur Ausstellung, wie Saturn von den Horen umtanzt, den Leichnam der Muse von Engeln ins Paradies, und die hei- lige Jungfrau von Engeln zu Grabe getragen in Begleitung der Apostel. Von dem letzteren Bilde heisst es, dass man in die Zeit des Angelico da Fiesole und Masaccio zurückkehren müsse, um Werke von solcher Innigkeit des Gefühls anzutreffen, wie jenes von Wagner. Dem Angelico schenkte der Künstler grosse Auf- merksamkeit. Er zeichnete 1806 die Ueberreste der Malecreien des- selben in der vatikanischen Capelle, und radirte sie in Kupfer. Diese Bilder stellen in 115 Feldern das Leben des heil. Lorenz und Stephan dar. Doch sind es nicht gerade jene Bilder, welche die Innigkeit des Gefühls der vorrafaelischen Schule athmen, die dem Meister frühem Namen machten, sondern jene im Geiste der
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Wegner, Johann: — Martin v.
der antiken Kunst. Sein großes Bild der Helden vor Troja eröffnet uns eine großartigere Welt, wo alle Sentimentalität schwindet. Es erinnert durch die lebendige Deutlichkeit der Gruppirung, und die kräftigen Formen an die großartigsten Werke der italienischen Schule. Mit den plastischen Werken der Antike vertraut spricht ein lebendiger Sinn dafür aus jedem seiner Gemälde und Zeich- nungen, und der Styl derselben ist durchaus plastisch. Nur wenig mit der Palette, dem Zauber der Farben und den Wirkungen des Helldunkels bekannt, gestaltete sich ihm auch unter dem Pinsel und dem Crayon alles mehr plastisch als malerisch, im Einzelnen wie in der Zusammenstellung. Man darf daher sein Bild der Hel- den vor Troja nicht ausschließlich als Malwerk betrachten, da hinsichtlich der Farbengebung und der Technik von anderen Mei- stern viel mehr geleistet wurde; sieht man aber auf die tief durch- dachte Composition, auf die strenge Zeichnung, auf den sprechen- den Ausdruck der Gestalten, dann steht das Bild über vielen an- deren Werken damaliger Zeit. Auch hatte Wagner seine Höhe noch nicht erreicht. Die volle Entwickelung seines für das Schöne antik-plastischer Formen ausgebildeten Sinnes, für das Zierliche der Gestalten, die Grazie ihrer Bewegungen zeigt sich erst später, namentlich in den als Basreliefs ausgeführten bildlichen Darstel- lungen des eleusinischen Festes nach Schiller's Dichtung, welche in weitem Kreise bekannt wurden. Wir verlassen aber jetzt Wagner den Maler, da dieser zum Plastiker geworden ist.
Die Verdienste dieses berühmten Künstlers wurden von seinem Könige schon früh gewürdigt. Er machte seine Studien als k. Pensionär in Rom, und dann erhielt er den Titel eines k. Profes- sors der Geschichtsmalerei. Die Akademie in München zählte ihn früh unter die korrespondirenden Mitglieder, und zuletzt ernannte sie in ihm ihren General-Sekretär. Doch blieb Wagner in Rom. König Ludwig war schon als Kronprinz der wärmste Gönner des Meisters, und ihm verdankte er 1820 durch die Ertheilung des k. b. Civil-Verdienst-Ordens die Erhebung in den Adelstand des Königreichs. Wagner unternahm im Auftrag des Kronprinzen eine Reise nach Griechenland, um antike Bildwerke zu erwerben; bei dieser Gelegenheit zeichnete er den Fries vom Tempel des Apollo Epicurius in Phygalia, welcher bis 1812 im Schutte des Tempels begraben lag, jetzt aber im brittischen Museum aufbewahrt wird. Nach seiner Rückkehr wurde seine Zeichnung in Rom von F. Ru- ggherini gestochen, unter dem Titel: Bassorilievi antichi della Grecia o sia fregio del tempio di Apollo Epicurio in Arcadia, di- ssignati di Gio. Martino Wagner, Rom 1814 25 Blätter, gr. qu. fol. Nach einiger Zeit unternahm Wagner eine zweite Reise nach Grie- chenland, um Kunstwerke für den Kronprinzen zu sammeln, und bei dieser Gelegenheit erwarb er in Malta die 1811 von Cockerell, Baron Haller, Forster und Linkh auf der Insel Aegina unter den Ruinen des Tempels des Zeus Panhellenios aufgefundener Sta- tuen, welche jetzt die Hauptzierde der k. Glyptothek in München ausmachen. Diese äginetischen Statuen erkaufte König Ludwig 1812 um 20.000 Scudi, und Wagner brachte sie nach Rom, wo Thorwaldsen dieselben restaurirte. Wie sehr der Künstler auch in die Geschichte der antiken Plastik eingedrungen, zeigt sein Abhandlung über diese berühmte Statuengruppe, welche unter fol- gendem Titel erschien: Bericht über die äginetischen Bildwerke in München, mit kunstgeschichtlichen Anmerkungen von Schel- ling. Stuttgart und Tübingen 1817. Von dieser Zeit an beschaft- tigte sich Wagner wenig mehr mit der Malerei. Er pflegte fast ausschliesslich die Plastik, lieferte aber auch viele Zeichnungen.
Nach Vollendung dieses Werkes, welches mit der Giebelgruppe
von L. Schwanthaler nicht nur die Hauptzierde der Walhalla, son- dern eine der grössten und merkwürdigsten Sculpturarbeiten der
Grosse gebracht. Von den Werken in Marmor rühren einige von Peter Schöpf in Rom her, andere wurden in München nach Waz- ner's Modellen ausgeführt. In kurzer Zeit wird vielleicht die Quad- riga mit der Bavaria ihre Stelle einnehmen, und München um eine herrliche monumentale Zierde reicher seyn. Gott erhalte, der König Ludwig; seine Begeisterung für die Kunst nahm er mit von Throne herab, als er diesen seinem Sohne überliess.
Im Jahre 1841 ernannte der König unsern Künstler zum Gallerie-Direktor in München, dieser bat aber um Enthebung von der Stelle, da er Rom liebgewonnen hatte. In der Villa Malta ist sein Atelier, wo er noch immer (1851) im Reiche der Plastik im frischem Geiste waltet. Der sächsische Hofmaler C. Vogel von Vo- gelstein hat 1815 in Rom sein Bildniss gezeichnet. Keller hat im neuer Zeit sein Bildniss radirt.
Eigenhändige Radirungen.
Die Werke nach seinen Zeichnungen haben wir mit dessen Bericht über die Aeginetischen Bildwerke, Stuttgart 1817, oben im Contexte erwähnt, nämlich das Eleusinische Fest von Schiller, Stutt- gart 1810, gr. fol., und die Bassorilevri antichi etc. Roma 1812 gr. qu. fol. Einer Abbildung seines Walhalla-Frieses sieht man noch entgegen. Von seinem grossen Gemälde der Helden von Troja findet sich im Journal des Luxus und der Moden von 1816 ein Umriss von G. Müller.
Die hl. Familie in einer Landschaft. Der Jesusknabe sitzt auf dem Schoosse der hl. Jungfrau, und Joseph, rechts bei Maria sitzend, hält das Lamm, kl. qu. fol.
Die Malereien des Angelico da Fiesole in der vatikanischen Gallerie, das Leben der Heiligen Stephan und Lorenz vor- stellend, 15 Blätter von 1800. Auf dieses Werk machen die italienischen Miscellen V. 69, und Meusel's Archiv II 1818
aufmerksam. Wir haben es nie gesehen.
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