Wagenbauer, Max Joseph , Landschaftsmaler , geb. zu Grafin 1774 gest. zu München 1820. Im achten Jahre seines Alters nac München zur Schüle geschickt, erhielt er auch nebenbei in der Musik und Zeichnung Unterricht, welcher, obwohl unzureichend, doch die Neigung zur Kunst und sein Talent dafür weckte. Seine ungewöhnlichen Fortschritte im Zeichnen gewannen ihm den An- theil des damaligen Gallerie-Direktors Dorner, und dieser würdige Mann verschmähte es nicht, die weiteren Studien des Jünglings zu leiten. Nur der Ausbruch des Krieges hemmte Wagenbauer's künstlerische Thätigkeit, denn er schloss sich als Freiwilliger einem Chevauxlegers-Regimente an, in welchem er bis zum Frieden mit Muth und Ausdauer diente. Jetzt widmete er sich mit Eifer der Kunst, unternahm auf Kosten des geheimen Rathes Reinwald eine Reise durch Bayern , auf welcher er herrliche Aquarellzeichnun- gen fertigte, und bildete unter dem Schutze des General-Direk- tors Ch. v. Mannlich sein entschiedenes Talent für Thiermalerei aus. Am meisten aber verdankte Wagenbauer der Huld des Kö- nigs Maximilian, der ihn zu seinem Hofmaler ernannte, und viele seiner Gemälde an sich brachte. Im Jahre 1813 wurde er Inspek- tor der k. Central-Gallerie, und später nahmen ihn auch mehrere Akademien unter ihre Mitglieder auf.
Wagenbauer nimmt unter den Künstlern seiner Zeit eine hohe Stelle ein, und ist namentlich im Fache der Landschafts- und Thiermalerei trefflich zu nennen. Seine Laufbahn als Künstler zerfällt in zwei Perioden. In ersterer zeigte er sich vornehmlich als Thiermaler, und entwickelte ein so eminentes Talent, dass viele seiner Hervorbringungen den Bildern alter Meister dieses Faches an die Seite gesetzt wurden. Durch ein sorgfältiges Stu- dium der Natur, verbunden mit einer höchst gewandten Behand- lung des Pinsels, wusste er seinen Bildern einen ganz eigenen Reiz zu verleihen, welcher durch eine stets kunstgemässe Ver- theilung des Schattens und Lichtes noch gehoben wurde. Sein Farbenauftrag ist ungemein klar und leicht, und dabei fast immer kräftig, malerisch und lebendig. In der Ausführung verfuhr er mit grosser Sorgfalt,
In seiner zweiten Periode wählte er mehr die Darstellung der Landschaft, und zwar die gebirgige zu seinem Hauptfache, und seine Kunst als Thiermaler wandte er jetzt nur zur Ausschmückung jener landschaftlichen Scenen an. Die Studien machte er in Bayerns Hochland, wo er eine reiche Auswahl schöner und grossartiger Formen fand. Dass sich der geniale Künstler auch in dieser Kunst- sphäre mit grossem Glücke, und stets geistvoller Darstellung he- wegte, hat ganz Europa an seinen Kunstbildungen einsehen ge- lernt. Seine überaus zahlreichen Bilder theils früherer, theils spä- terer Kunstperiode, finden sich in mehreren in- und ausländischen Gemäldesammlungen, zumeist aber in den k. Gallerien zu Schleiss- heim, Augsburg, Nürnberg, in dem herzoglich Leuchtenbergischen Gemäldesaal, und in der Sammlung des Königs Maximilian zu Tegernsee. Mehrere andere Bilder wurden vom Könige an fremde Höfe, namentlich nach Petersburg, Berlin, Dresden, Wien etc. als Geschenke gesandt.
Wagenbauer behauptete in München viele Jahre seinen Ruf, und ausser ihm wurden unter der Regierung des Königs Maximi-
Man nur wenige Künstler mit solchem Beifall überhäuft. Als Neg- benbuhler in seinem Fache standen ihm die beiden Dillis, Dorner und Kobell gegenüber; Conjola und Warenberger concurrirten als Prospektmaler; Diese Meister repräsentirten vor der Thron- besteigung des Königs Ludwig die landschaftliche Richtung in Bayern, und jeder hatte in gewisser Hinsicht sein Feld, welches der andere nicht gerne betrat. Desswegen nahm es Dorner un- serm Künstler übel, als er die Darstellung der landschaftlichen Natur zur Hauptaufgabe machte, und höchstens nur Thierstaffagen anbrachte. Im Unwillen machte es ihm Dorner einmal sogar öf- fentlich zum Vorwurfe, dass er das liebe Vieh verlassen, und seine landschaftliche Revier betreten habe. Mit König Ludwig beginnt eine neue Aera, J. Wagenbauer steht an der Grenze der Alten,
Wir verdanken ihm auch ein Unterrichtswerk, welches auf die Heranbildung junger Landschafter im weiten Kreise Einfluss hatte, da es selbst im Auslande als praktisch befunden wurde. Es ist dieses Wagenbauer's Anleitung für angehende Künstler im Fach der Landschaftsmalerei, wovon 1815 eine neue Auflage erschien. Er hatte zum Zwecke des Unterrichtes eine Anzahl landschaftlicher Blätter zum Elementar-Unterricht lithographirt, und liess 1823 wei- tere Vorlegeblätter für Landschaftszeichner folgen. Wagenbauer schenkte der jungen Kunst der Lithographie von jeher grosse Auf- merksamkeit. Schon 1800 lieferte er eine landschaftliche Probe, welche allerdings noch sehr mager erscheint. In seinem Unter- richtswerke hat sich aber die lithographische Kreidemanier schon zu grosser Freiheit erhoben, und bot gefällige Muster zum Nach- zeichnen. Später lieferte er noch mehrere andere Blätter dieser Art, welche unter den älteren Original-Lithographien grosse Be- achtung verdienen. Steingrübel lithographirte nach ihm eine Land- schaft mit Viehheerde am Ufer des See's, gr. qu. fol. Friedrich Hohe lithographirte zwei Bilder der herzoglich Leuchtenberg'schen Galerie in München: Ein Thierstück, und die Heerde mit dem Hirten, gr. fol. Ein anderes Blatt Hohe's, der Abend, gehört in das Künstler Album von F. Hanfstängl, fol. Auch Bockhorny litho- graphirte eine Landschaft mit weidendem Vieh, so wie Eckemann in München, qu. fol.
Schleich stach nach ihm zwei Blätter zart in Kupfer: Reiche Landschaft mit Hirt und Heerde; die kleine Heerde auf der Weide, kl. fol.
Original-Lithographien, R. Weigel werthet einzelne Blätter auf 1 Thl. und darüber.
Landschaft. Rechts zwei Bäume auf dem Hügel, links auf der fernen Höhe ein Kirchlein neben dem Hause bei Bäu- men. Erster lithographischer Versuch von 1800, ohne Na- men des Zeichners, qu. 4.
Die Kreuzalpe an der Zugspitze bei Partenkirchen. Auf der Anhöhe des bewachsenen Vorgrundes liegt eine Kuh, und neben der stehenden Kuh ist die Melkerin.
Dieses Blatt gehört mit den beiden folgenden in die Samm- lung von lith. Original-Handzeichnungen bayerischer Künst- ler, 5 Hefte. München bei Zeller. 1817 — 20. Das neue Werk enthält 34 Blätter mit Ton gedruckt von A. Sene- felder, gr. fol.
Landschaft mit Vieh. Aus dem obigen Werke, qu., fol.
Der Abend. Grosse Landschaft mit Viehheerde. Aus demsel- ben, gr. qu. fol.
Vorsicht
Diese Seite wurde maschinell erstellt. Die Zuverlässigkeit der OCR ist durch die Qualität der Scans, der Software und des Workflows zwangsläufig beschränkt. Eine menschliche Korrektur und Redaktion fand nicht statt.
Das Ziel dieser Seite ist es, die gezeigten Resourcen einfach zugänglich zu machen. Für Zitate und eine direkte Nutzung sind sie nicht ausreichend. Hierfür ist notwendigerweise das originale Quellenmaterial hinzuzuziehen.
Der zugrundeliegende Scan ist hier zu finden https://archive.org/details/bub_gb_bly19Wlc3NgC