Vries, Hans Vredeman de

Vries, Hans Vredeman de, Maler und Architekt aus Leeu- warden in Friesland , wurde 1527 geboren, und von dem Glasmaler

*) Sein Monogramm besteht aus den Buchstaben HVR., so dass der Künstler sich selbst Hans statt Jan nannte. Auf seinen Kupferwerken steht aber Johannes,

Periode spiegelt sich in diesen Blättern ab, in dem, was er Schö- nes und Barockes hatte. Diese Vorbilder übten grossen Einfluss auf die Kunst und Industrie damaliger Zeit, Namentlich aber wandten sich einige Maler der von de Vries vorbereiteten Rich- tung der Perspektivmalerei zu, welche mit dem älteren Hendrick van Steenwick von 1573 ab diesen Zweig der malenden Kunst zu einer früher nie erreichten Selbstständigkeit brachten. Steenwyck hatte viele Schüler und Nachfolger, wovon allerdings einige ärmer an Geist und Talent als die Meister des 10. Jahrhunderts sind, und als Nachahmer älterer Erfindungen nur die frühere Härte durch eine weichere Behandlung milderten.

Über die verschiedenen Reisen des Künstlers und über eine Anzahl seiner Werke gibt C. van Mander Nachricht, nur ist seine Angabe bezüglich der letzteren zu summarisch. Wir haben oben den Künstler in Mecheln verlassen, im Jahre 1570 kehrte er aber wieder nach Antwerpen zurück, Hier malte er im Hofe des Wil- lem Keij ein Portal, welches in Perspektive von Holz construirt sich zeigte. Ein grösseres Thor dieser Art malte er im Hause des Gillis Hofmann, und gab durch dasselbe die Aussicht auf einen Hof so täuschend, dass einige Edelleute und der Prinz von Ora- nien glaubten, es stehe ein wirkliches Gebäude. Um die Tochter des Kaisers zu ehren, welche 1570 nach Spanien zurückreiste, malte er auf Befehl des Rathes in fünf Tagen einen Triumphbo- gen, wofür er 60 Reichsthaler ausbezahlt erhielt. Bald darauf be-

ab sich der Künstler nach Aachen, wo er fast zwei Jahre ver-

lebte, und anderthalb Jahre verlebte er dann in Lüttich. Hierauf kehrte er wieder nach Antwerpen zurück, wo er aber nur so lange verblieb, bis er zu einer Reise nach Brüssel die Vorbereitung ge- troffen hatte. Hier verzierte er das Sommerhaus des Schatzmeisters Aart Molkman mit perspektivischen Darstellungen, und brachte neben anderem eine offene Thüre an, in welche bei seiner Ab- wesenheit Peter Breughel Mars und Venus in Umarmung malte, während ein Bauer mit seinem Weibe dasselbe Spiel treibt. Diese Scene gab viel zu lachen, und Molkman wollte sie um keinen Preis wegnehmen lassen. In der Kirche des heil. Gerey zu Brüssel ist ein Bild des Abendmahls von Joas van Winghen, wo de Vries den architektonischen Hintergrund malte, Hierauf ernannte ihn die Stadt zum Architekten, als welcher er die Vestungswerke in Stand zu setzen hatte. Nach der 1586 erfolgten Uebergabe der Stadt an Parma zog der Künstler mit seiner Familie nach Frank- furt, und bald darauf nach Braunschweig, wo der Herzog bis 1580 ihn beschäftigte, Von Wolfenbüttel aus kam er zum zweiten Male nach Braunschweig, und 1591 finden wir ihn in Hamburg beschäf- tiget, wo er zu wiederholten Malen sich aufhielt, und mehrere Werke hinterliess. In der St. Peterskirche daselbst sind drei grosse Werke von ihm. Das eine stellt Christus vor, wie ihn die Phari- säer aus dem Tempel stossen, und im zweiten Gemälde stellte er den Heiland dar, wie er die Verkäufer aus dem Tempel jagt. Hier ist auch das oben erwähnte grosse Perspektivgemälde mit Christus, wie er Teufel, Tod und Hölle unter seinen Füssen hat. Es bildet das Grabmal des Goldschmieds Jakob Moor. Unten sieht man zwei halb offene Thüren, wodurch sich die Aussicht auf eine Treppe öffnet. Diese Thüre täuschte einen polnischen Woiwoden der Art, dass er einige Tausend Gulden wettete, sie sei eine wirkliche Thüre. An diesem Monumente brachte er oben auch eine Lampe an, die so täuschend gemalt war, dass sie als eine wirkliche Lampe zu brennen schien. Es gingen sogar Wetten verloren, und van Man- der sagt, dass die Getauschten im Zorne riefen: »dat de Vries

Diese Prophezeihung ist nicht eingetroffen; denn die Werke des Künstlers sind zu Grunde gegangen, oder verschollen. Einige mögen noch unbekannt liegen. In der k. k. Gallerie zu Wien ist

ein kleines Gemälde, welches das Innere einer gotischen Kirche ohne Figuren zeigt. Wie es mit den Bildern der Petrikirche in Hamburg steht, wissen wir nicht. Immerzeel nennt ein Bild der Heimsuchung Mariae aus der Sammlung des Dr. Robinson in Lon- don. In der Gallerie zu Turin ist eine Landschaft, welche im Galleriewerke von Roberto d'Azeglio von T. Boselli unter dem Namen Gio. Vredeman de Vries gestochen ist. Sie wird wohl nicht dem Jan Reiner de Vries angehören? Anderweitige Werke dieses Meisters im Stiche.

Die Stiche nach diesem Meister sind mannigfaltig und interes- sant. Man bemerkt darin eine grosse Vorliebe zum Grotesken, und namentlich auch das Streben, den Luxus damaliger Zeit zu erhöhen. Besondere Anerkennung verdient aber seine Bemühung zur Begründung der Perspective im weiteren Kreise der Künstler- welt. Van Mander sagt, dass der Künstler 20 Bücher herausge- geben habe, gibt aber kein genaues Verzeichnis. Das folgende hat nur in so fern einige Anspruch, weil nirgends ein so ausführliches vorkommt. Wir wollen es nicht für ganz vollständig und sicher erklären.

Architectura oder Bauung der Antiquen aus dem Vitruvius, Joannes Vredeman Vriese Inventor, Antverpiae apud Gerhardum de Jode — — sub floreni aurei 1577. 34 Blätter, fol.

C. v. Mander sagt, dass de Vries für G. de Jode ein Buch über Fontainen, und die Säulenordnungen, wo jede Säule auf fünferlei Art dargestellt ist, ausgearbeitet habe.

Architectura, ou Bastiment prins de Vitruue — Inventes par Jean Fredeman Frison Ao. 1577. En Anvers chez Gerard Smits. Antwerpiae apud gerardus de Jode — 1577. n

Diese Ausgabe erwähnt Rathgeber in den Annalen der nieder- ländischen Kunst,

Architectura Oder Bauung der Antiquen aus dem Vitruvius, welches sein funff Collummen orden — ann Dag gebracht durch Johannes Vredeman Vrisae Inventor, Getruckt tzo Antorff by Geer- haert de Jode. An. 1581, fol.

Jo. Vredeman Architettura aus dem Vitruvius. Antorff 1587, fol.

Architectura bestehende in vyf manieren van Edifitien, als Thus- cana, Dorica, Jonica, Corinthica ende Composita etc. gheinven- teert doer Joh. Vredeman Vriese ende synen Sone Paule Vred. Vries 1606, door Hen. Hondius, qu. fol.

Eine französische Ausgabe ist von 1620.

Joannis Vredemani Vrisii Architettura studio atque opera Sam, Maralois recognita. Amst. 1647, fol.

Variae Architecturae formae a Joan. Vredemano Vriesio etc. Theod. Galle exeud. Antverpiae 1601, kl. qu. fol.

Dieses Werk enthält 50 Blätter mit alterthümlicher Architektur, Perspektiven, Gärten etc.

Artis perspectivae formulae etc., Antwerpiae Joan. et Lucas Deutecom fecerunt, kl. qu. fol.

Merkwürdige Folge von 18 Blättern mit Perspektiven reicher Gebäude, Gärten, Brunnen und Figuren:

Eine andere Ausgabe seiner Perspektive ist von 1604, mit dem Bildnisse des Künstlers: Ant. Aet. 77. Henricus Hondius 1604, qu. fol. Jo. Vredeman perspectiva theoretica et practiea cum notis Sam. Maralois. Amst. s. a., qu. fol. Diese vermehrte Ausgabe erschien um 1647,

Caenotaphiorum, tumulorum et mortuorum monumentarum va- riae formae, Pictores, Statuarii, Architecti etc. valete. H. Cock exc. . 1503, gr. qu. 8. Dieses Werk enthält 238 merkwürdige Blätter mit Grabmonu- menten für Monarchen und grösse Männer, Grabaltäre u. s. w. Auch C. v. Mander spricht von Grafieradjen, omtrent 24 stuks. Es finden sich auch Darstellungen obiger Art mit Carr. Mal- Jery's Adresse. — Eine Folge von 25 Blättern mit Säulen, Basen, Friesen, Por- tiken u. s. w. von A — Z, bezeichnet, H. Cock exc., gr. 8. C. v. Mander sagt, dass de Vries für Jeronim Cock auch 14 Blätter mit Perspektiven von Tempeln, Höfen, Palästen und Sälen gezeichnet habe. Dann spricht er auch von »Ovaalen, Perspecti- ven met de punten in t' midden voor de Inleggers.« Eine Folge von 24 nummerirten Blättern mit Modellen zu reich verzierten Brunnen in Strassen, Alleen und Gärten, perspectivische Darstellungen. Phil. Galle exc., 8. und 4. Eine Folge von 24 componirten Perspektiven. Phil. Galle exc., qu. 8. C. v. Mander sagt, de Vries habe für Philipp Galle »Ordinan- tien, van Hoven, Laanen (of Allees) en groene Terassen in Per- spectief, midsgaders Doelhoven, verder voor denzelven ten dienste van kisten- mackers , en schrijn- werkers allerlei werk van Portaa- len, Koetzen, Tafels, Buffetten etc.« in Perspektive dargestellt. Sein Werk für Schreiner hat folgenden Titel: Differents Pourtraicts de menuiserie de l'invention de Jean Vredeman dit de Vriese et mis en lumiere par Phil. Galle, 47 Blät- ter, kl. fol. | Hortorum, Viridariorumque elegantes formae ad architectoni- cae artis normam delineatae a Joanne Vredemano Frisio, Philippus Galleus exc. Antverpiae 1585, 17 Blätter, qu. fol. Die Copie dieses Werkes hat die Adresse: Joh. Bussemacher exc. Colon. 1615, qu. fol. Grottesco: in diversche manieren zeer chierlyck bequaem en oirboorlyc voor Schilders, Glaes-schryners, Beeldsnyders en al die de chierlycke ornamenten der Antiquen beminnen, gemackt by Johans Vredeman Vriese, wth ghegheuen duer Goraert de Jeude, 23 Blätter, qu. fol. Caryatidum (vulgus Termas vocat) s. Athlantidum multifor- mium ad quemlibet Architecturae ordinem accomod, etc. Veelderley diverse Termen of de V. ordene der Edificien tot behoef alle .. Beelt ende Steenhouwers, Schreynwerkers, Glaescriuers etc. Gein- venteert duer Johannes Vreedman Vriese, Ger. de Jode excud. 17 Blätter, qu. fol. Panoplia seu armamentarium ac ornamenta cum artium et arti- ficiorum tum etiam Exuviarum Martialium, qua spolia quoque ali appellari consuevere. Antwerpiae apud Theod. Gallaeum Joan. Vreedman Vriese inuen. 17 Blätter, qu. fol. Theatrum vitae humanae aeneis tabulis per Joan. Phrys exara- tum. Antverpiae, Pieter Baltens exc. 7 Blätter mit Titel, kl. qu. fol. Diese interessante Folge, welche auch mit der Adresse von Theod. Galle vorkommt, enthält die fünf Säulenordnungen, und stellt zugleich die Lebensalter der Menschen mit ihren Beschäfti- gungen dar. Sie beginnt mit der compositen Ordnung, und endet mit der toskanischen, wo das Alter vorgestellt ist. Das Blatt mit Ruinen schildert den Tod, welchem die Epitaphien vorherginge.

Nagler's Künstler-Lex. Bd. XXI. 2

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