Vries, Adrien de

Vries, Adrien de, Bildhauer, wurde um 1560 im Haag geboren,

und unter unbekannten Verhältnissen herangebildet. Man weiss aber durch Sandrart, dass der Künstler in Italien bei Gio. da Bo- logna Aufnahme gefunden habe. Wie lange de Vries in Flo- renz den Kunststudien oblag, ist unbekannt, er dürfte aber auch in Rom und in anderen Städten sich umgesehen haben, da er ver- schiedene Modelle nach antiken Bildwerken mitbrachte. Ein sol- ches der unter dem Namen des Farnesischen Stieres bekannten Gruppe in Neapel hatte er 1614 in Erz gegossen. Dieses schöne Bildwerk befindet sich in der Kunstkammer zu Gotha . Es haben sich aber noch mehrere andere Werke dieses Meisters erhalten, da er in Stein und Metall arbeitete. Zahlreich waren die Modelle in Wachs, sowohl Gruppen, als Basreliefs, Andere bildete er in Thon, welche gebrannt als Zierden galten. Nach der Rückkehr aus Italien trat de Vries 1600 in Dienst des Kaisers Rudolph II. und lebte in Prag seiner Kunst. Er fertigte eine Reiterstatue die- ses Fürsten, und goss 8.Fuss hohe Statuen in Erz, wie Garzoni behauptet. Dlabacz erwähnt aber in seinem Künstler-Lexikon für Böhmen kein Werk dieser Art. Die Bilder in Wachs , welche der Künstler für den Kaiser bossirte, scheinen zu Grunde gegangen zu seyn. Die meisten der von Jan Müller gestochenen Bild- werke waren im Auftrage des Kaisers entstanden.

Von Prag aus begab sich A. de Vries nach Augsburg , wo in der Haupstrasse zwei grosse Brunnen seinen Namen verkünden: Auf der Säule des einen steht ein colossaler Herkules mit der Hy- dra, wozu 30 Zentner Erz verwendet wurden. Das Mittelgesims nehmen drei lebensgrosse Najaden ein, wovon diejenige, welche das triefende Haupthaar auswindet, auf dem Rathhause im Modell noch vorhanden ist. Auf dem polygonen Bassin sind Tritonen und Genien angebracht. Die drei vergoldeten Basreliefs an den Säulenwänden sind von dem Goldschmied David Altenstetter, wahr- scheinlich nach Modellen von Vries ausgeführt. Sie enthalten Sce- nen aus der Römerzeit. Eine Gedenktafel besagt, dass der Mei- ster 1600 das Werk vollendet habe. Er trat damit mit Hubert Gerhard, welcher 1594 zur Ausführung des Augustus-Brunnen

Ob sich A. de Vries von Augsburg wieder nach dem Haag be- geben habe, ist nicht bekannt. Über seine späteren Leistungen im Fache der Bildhauerei gibt Rathgeber in den Annalen der nie- derländischen Baukunst und Bildnerei S. 112 — 120 umständli- che Nachrichten. Nach C. van Mander ergriff er später auch den Pinsel, allein er kann doch nicht jener Adrien de Vries seyn, von welchem sich ein Bildniss von 1641 findet. Das von Sadeler gestochene Reiterbild des Kaisers Rudolph II. könnte aber von de Vries dem Bildhauer gemalt seyn, wenn nicht eine Zeichnung zu Grunde liegt. Dass sich dieser Meister durch Gemälde bekannt gemacht habe, beweiset auch sein Bildniss in der Ausgabe des Werkes von C. van Mander von 1618. Unter diesem Bilde, welches wahrscheinlich nicht zu Lebzeiten des Künst- lers erschien, stehen vier Verse:

Frisio bonus Pictor, Pario quoque marmore finxit Qui statuas: credas esse Myronis opus.

Et clarus sculptor Mullerus sit tibi testis, Hunc qui miratur tum colit artificem,

Auch in J. de Jongh's neuer Ausgabe dieses Werkes, W. W. Nr. 2 ist die Büste des Meisters beigefügt. Ein älteres Bildniss hat die Adresse H. Hondius exc., und gehört in die Sammlung von Künstlerbildnissen des genannten Verlegers: Pietorum aliquot celebrium Germaniae inferioris Efigies — —; G. C. Kilian hat es ebenfalls gestochen.

Stiche nach Werken dieses Meisters,

Kaiser Rudolph II. zu Pferd mit dem Lorbeerkranze auf dem Haupte. Unten ist eine Schlacht dargestellt, und im Rande ste- hen acht lateinische Verse. A. de Vries Hagiensis inv. (oder pinxit?). Egid. Sadeler sc., gr. qu. fol.

Der Herkules-Brunnen in Augsburg. Fons ex marmore et aurichalco cum imaginibus Herculis et Charitum Augustae Vindeli- corum in foro vinario opus stupendum. Adrianus de Vries Ha- giensis Sculptor hujus fontis, cum sculpturae tum architecturae in-

ventor. Joan. Muller sculp. 1602. Delin, et dedicavit Joannes ab.

Acht. In 2 Blättern, gr. fol. Das dritte Blatt enthält den Herku- les mit der Hydra, gr. fol. Derselbe Brunnen., W. Kilian exe., gr. fol.

Grimer und Schifflein haben diesen Brunnen in kleinerem Format gestochen, fol.

Der Brunnen des Merkur in Augsburg, gestochen von Wolf- gang Kilian 1594, gr. fol.

Grimer stach diesen Fugger-Brunnen in kl. fol.

Der Sabinerraub, nach einer berühmten Gruppe in Wachs für

Kaiser Rudolph II. In drei Blättern von Jan Müller gestochen.

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