Vos, Marten de

Vos, Marten de, Zeichner und Maler, wurde 1531 *) zu Antwer- pen geboren, und von seinem Vater Peter de Vos unterrichtet, welcher aber das Talent des Sohnes nur kurze Zeit leiten konnte, da ihn Marten bald übertraf. Er gab ihn daher zu Franz Floris in die Lehre, wo der junge Künstler mehrere Gehülfen traf, wel- che seine Begierde nach Ruhm entflammten, und ihn zu übermässi- gem Fleiss spornten. Bald wurde ihm aber der Kreis, in welchem er sich bewegte, zu eng, und somit ergriff er den Wanderstab, um in Italien seine Ausbildung zu vollenden. Entzückt von den Leistungen der venezianischen Künstler , schloß er sich in Venedig an Tintoretto an, welchem er landschaftliche Gründe und Thiere in die Bilder malte, wodurch er den Grund zu seinem Rufe in Ita-

*) Nach anderen 1520, 1524 und 1534.

Jen legte, weil ihn Tintoretto überall empfahl, selbst nach Rom und nach Florenz. In S. Francesco a Ripa zu Rom ist ein ge- rühmtes Bild der Empfängnis Mariä von ihm, wo er wider Ge- wöhnheit viele Zuschauer anbrachte. In der Gallerie Colonna be- wunderte man die vier Jahreszeiten, welche in schönen Landschaften durch lebendig geordnete Figurengruppen sich aussprechen. In Florenz malte er mehrere Bildnisse der mediceischen Familie, und für die grossherzogliche Gallerie eine Darstellung des Para- dieses mit einer Menge von Thieren. Dann fertigte de Vos in Italien auch viele Zeichnungen nach Gegenständen verschiedener Art, welche er dann bei seinen Gemälden benutzte. Mit Vorliebe zeichnete er antike Vasen und andere Geräthschaften, deren er dann bei seinen Festgelagen zur Schau stellte. Auch viele reiche und malerische Costüms zeichnete er, in welche er später seine Figuren kleidete, was seinen gemalten Schaustücken grösseren Beifall bereitete, da er überdies Lebendigkeit der Darstellung zu erzielen wusste. Michel Angelo und Tintoretto waren seine Vorbilder, welche er aber nur in ihrer Uebertreibung erfasste. Die Bilder von M. de Vos sind manierirt, aber nicht selten voll Leben und Affekt. Er bewegte sich meistens auf der Basis der historischen Kunst, theilweise mit Hineinziehung der Allegorie und der Novelle, und schuf in dieser Weise interessante Werke, deren höheres und malerisches Element sehr ansprechend ist. Seine reich costümirten Figuren bewegen sich oft gefällig und anmuthig, und man kann ihm in anderen Bildern auch die etwas über- triebene Hast und Affektation verzeihen, da er auch wieder so viel Schönes und Malerisches bringt und auf jeder Stelle Talent und künstlerisches Bewusstsein zeigt. Einige seiner fein und sauber gemalten Bilder können als Vorspiele der später so anmuthig entwickelten Genremalerei betrachtet werden. Die Mehrzahl seiner Werke ist aber der biblischen Historie und der Mythologie entnommen. Die Bewohner und die Räume des Olym- pus sind jedoch nicht im Sinne der alten Griechen und Römer, son- dern nach der venetianisch-holländischen Anschauungsweise des Meisters interessant ausgestattet.

M. de Vos verweilte mehrere Jahre in Italien. Im Jahre 1550 liess sich aber Maestro Martina zu Antwerpen in die Malergilde ein- schreiben, und blieb fortan im Vaterland, wo er in Folge seiner gros- sen Leichtigkeit so viel als zehn andere Künstler zeichnete und malte. Im Dom zu Antwerpen zählte Descamps 14 Bilder, meist Altar- blätter von ihm. Das Wunder mit den Broden in der Wüste ge- hört zu seinen Hauptwerken. Auch in mehreren anderen Kirchen und öffentlichen Gebäuden waren Gemälde von ihm, wovon meh- rere im Museum zu Antwerpen aufgestellt sind. Da sieht man die Auferstehung des Herrn, das Opfer der armen Wittwe, die Taufe Christi, die Pharisäer, wie sie den Messias zur Bezahlung des Tributs auffordern, die Jünger mit dem Fische, welcher die Münze dazu in sich trug, Christus mit dem ungläubigen Thomas, die Enthauptung des Täufers Johannes, die Versuchung des Antonius, St. Lucas die Madonna malend, die Taufe des Constantin, den- selben, wie er von Werkleuten umgeben den Bau einer Kirche beschliesst, und ein Paar kleine Bilder grau in Grau. In der Frau- enkirche zu Antwerpen ist das grosse Bild der Hochzeit zu Cana mit einer Anzahl römischer Prachtgefässe. Bei St. Jakob sieht man die Versuchung des Antonius, die Marter des heil. Jakob und die Anbetung der Dreieinigkeit. In der St. Paulskirche ist eine Ge- burt Christi. Im Museum zu Brüssel ist nur ein Bild von ihm,

Auch im Auslande sind Werke von M. de Vos zu finden. In der k. Museum zu Berlin ist ein auf beiden Seiten bemaltes Bild mit dem Zeichen M. d. V. 1580. Auf der einen Seite ist Christus bei den fischenden Jüngern am See Tiberias, und auf der anderen Seite wird Jonas vom Schiffe ins Meer geworfen. Das zweite viel kleinere Bild des Museums führt in einen prächtigen Saal, wo im Grunde liebende Paare beim Festmahle versammelt sind. Links vorn ist ein prächtiges Himmelsbett, wo Mars und Venus unter Gesang und Lautenspiel schön geputzter Olympierinnen scheinbar zu geliebt zu haben scheinen, bis der Herr des Hauses zurückkehrt, welcher, in spanischer Tracht, für den Unfug den Amor zum Tode setzt, indem ihn mit dem Pfauenwedel durchpeitscht. In der k. Gallerie zu Wien ist das eigene Bildniss des Künstlers, mit blankem Haupte und steifer Halskrause, lebensgrosses Brustbild. Ein kleines Gemälde auf Kupfer daselbst stellt Christus am Kreuze, Maria und Johannes dar. In der Tribune der florentinischen Galerie ist ebenfalls ein eigenhändiges Bildniss des Künstlers, und ein kleines Gemälde mit der Kreuzigung Christi. In der Gallerie des Louvre ist eine Eberjagd von M. de Vos, wo das Thier, durch die Verfolgung der Hunde zur Wuth gebracht, grimmig aufspringt. Die Gallerie Orleans bewahrte zwei grosse, wohl jetzt in England verborgene Bilder. Das eine stellt die Flussgötter Asiens und Afrika's mit Najaden dar, das andere die Syrinx, welche den Jäger hindert, die Tiger zu bekämpfen.

M. de Vos starb zu Antwerpen 1603 oder 1604. Sein in der Tribune zu Florenz befindliches Bildniss hat A. Pazzi gestochen.

fol. E. Sadeler stach ein von J. Heintz gemaltes Bildniss des Meisters. Ein anderes ist nach dem Bilde von Jansonius gestochen. In Chabert's Vie des peintres ist es von Jourdy beschrieben. Kleinere Bildnisse findet man in den Werken von Bolswert, d'Argensville, Descamps und C. v. Mander. In dem Werke letzteren ist auch ein Lobgedicht auf den Meister.

Die Stiche nach diesem Künstler sind zahlreich, und geben interessante Compositionen. Der eigenthümlichen Zartheit des Meisters ist auch der Stich angemessen. Wir lassen hier nur eine Auswahl von Blättern folgen, andere sind in den Artikeln der Sadeler, de Passe, Collaert, de Bye, Goltzius, Wierix, Mallery, Gheyn, de Bruyn u. s. w. aufgezählt. Die nach ihm gestochenen Blätter belaufen sich über 600.

Der Engelsturz. R. Sadeler fec. et exc. 1583, fol.

Die Schöpfung. N. de Bruyn se. Rund, qu. 8.

Gott Vater erscheint dem Cain nach dem Brudermord. R. Sadeler sc. 1587, fol.

Adam und Eva von der Frucht essend, C. Galle sc., kl. qu.

Die Schöpfungstage, Folge von 6 Blättern, gest. von El. van Bosche, Emundus Charpy, und Thom. de Leu, kl. qu. 8.

Die Schöpfungstage, Folge von 7 Blättern, mit dem Titel: Imago bonitatis illius. J. Sadeler sc., qu. fol.

Die Verstossung der Hagar. J. C. Visscher exc., 8.

Die Steinigung des Propheten Zaccharias, Sadeler exc.

Darstellungen aus dem ersten Buch Mosis, 16 Blätter mit dem Titel: Boni et mali scientia, J. Sadeler sc. et exc., kl. qu.

Die Geschichte von Ruth und Boas, schöne Composition auf 9 Blättern, jedes mit vier lat. Zeilen, und bezeichnet: Aux 4 vents,

  1. qu. fol. –

Die Geschichte der Susanna, Folge von 6 kleinen Blättern von C. de Passe.

Die Geschichte des Propheten Jonas, 6 Blätter, von Wierix, Collaert und de Bry äusserst zart gestochen, Ph. Galle ext., Rund, Durchmesser 3 Z. 3 L.

Die Geschichte des Tobias, Folge von 6 Blättern von C. de Passe, qu. fol. –

Die Geschichte des David und Sauls, mit dem Titel: Patientia Davidis Regis etc. Folge von 16 Blättern. J. Sadeler autor et exc., qu. fol.

Die Geschichte der Israeliten, Folge von 12 (?) Blättern von A. Collaert, qu. fol.

Folge von Darstellungen aus dem alten und neuen Testamente, 32 Blätter von C. de Passe, gr. 8. –

Folge von zwölf Darstellungen aus dem alten Testamente. N. C. Visscher exc., kl. qu. fol. –

Diese und andere Darstellungen gehören in Visscher's Bibel.

Die 7 Engel des alten Testaments: Raphael, Uriel etc. Joan. Galle exc., kl. fol. –

Die Verkündigung an die Hirten, oder der Triumph der En- gel. Reiche Composition. Joan., Sadeler fec. 1587, gr. fol. Die Geburt Christi. Mit dem Monogramm des A. Wierix, fol. – Der Kindermord. J. Sadeler fecit Coloniae, kl. fol. – Die Anbetung der Könige. A. Wierix sc. 1584, kl. fol. – Maria mit dem Kinde unter dem Throne, dabei zwei die Zil- ther spielende Engel. A. Wierix fec, Vrints exc., kl. fol. Maria mit dem Kinde in der Landschaft, wie diesem ein En- gel Trauben reicht. Jul. Goltzius sc. Vrints exc., kl. fol.

Maria mit dem Kinde an der Brust, Büste, Jul. Goltzius sc. Vrints exc., kl. fol. – Die Ruhe auf der Flucht in Aegypten. J. Wierix fecit. Vrints exc. 1584, kl. fol. – Die heil. Familie. Jesus hält eine Traube, Johannes einen Apfel. Hieron. Wierix sc. Hans Lietzrinck exc., kl. fol.

Die heil. Familie im Zimmer von Engeln, bedient (gest. von) Wierix), kl. fol. Maria mit dem Kinde und die heil. Anna, über ihnen musi- cierende Engel. Joh. Sadeler fec. 1584, kl. fol.

Maria mit dem Kinde, welches die Weltkugel hält. Oben Gott Vater und der heil. Geist. Nostra Sennöora de Consolation, Jul. Goltzius sc. J. B. Vrints etc., fol.

Die hl. Jungfrau mit dem Kinde auf dem Schosse, und sechs Engel mit dem Kreuze, R. Sadeler sc., kl. fol.

Christus und Johannes als Kinder, A. Wierix sc., 4.

Darstellungen aus der Kindheit Jesu, Folge von 9 Blättern.

J. Sadeler sc. et exc. 1570, 1581, gr. 8. Die Enthauptung des Täufers. Math. 14., fol.

Die Berufung des Petrus und Paulus. H. Wierix sc., kl. fol.

Lasset die Kindlein zu mir kommen. J. Bara sc., fol.

D. Jesu und die Märtha und Magdalena. K. Sadeler sc. et exc. 1571.

Magdalena wäscht dem Heiland die Füße. Id. et exc.

&. qu. fol.

Christus bei der Samariterin am Brunnen. J. B. Barbiert. Ad. Collaert exc., gr. qu. 4.

Das Abendmahl des Herrn. Ad. Collaert sc. et exc., kl. qu. 4.

Christus geht mit den Jüngern nach Emaus. J. Sadeler.

Christus als Sieger auf dem Grabe sitzend. J. Sadeler 1576.

Domus Laetitiae, N. de Bruyn fec.; gr. qu. fol.

Domus Lamentationis. Id. sc., gr. qu. fol.

Judicium Sanguinarium Judeorum contra Christum Salvatorem mundi. Composition von 30 Figuren. Martin de Vos invent. A. C. fec. Eduwart Koeswinckel ex., gr. fol.

Christus mit der Dornenkrone, Ecce homo., Aegidius Neelanus sc. Pet. Overveld impr., gr. fol.

Christus am Kreuze, mit Maria, Johannes und Magdalena, A. Wierix fec. Vrints exc., kl. fol.

Der Leichnam des Herrn von den Freunden beweint, von Hogenberg, kl. fol.

Christus sitzend, Ecce homo, in einem Rahmen, von den Büsten der Apostel umgeben, gr. fol.

Der Leichnam Christi auf dem Schoosse Gott Vaters. Wierix sc.

Die Mater dolorosa. A. Wierix sc., fol.

Die Krönung der heil. Jungfrau durch den Heiland. Jo. Sadeler sc. 1576, kl. fol.

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