Vorherr, Johann Michael Christian Gustav

Vorherr, Johann Michael Christian Gustav, Dr., Architekt,

geboren zu Freudenbach im ehemaligen Fürstenthum Ansbach den 19. Okt. 1773, war der Sohn eines geschickten Maurermeisters, wel- cher ihm die sorgfältigste Erziehung angedeihen ließ. Auf den Universitäten zu Erlangen und Marburg absolvierte er einen staats- wirtschaftlichen Cursus, und seine strengen architektonischen Stu- dien machte er auf den Kunstakademien zu Berlin und in Paris . Er genoss dabei eine Pension des Königs von Preußen , wodurch er schon als Baupraktikant in den Stand gesetzt wurde, auf Reisen in Deutschland und der Schweiz , in den Niederlanden, in Frank- reich und England durch lebendige Anschauung jene Summe archi- tektonischer Erfahrungen und Kenntnisse sich zu erwerben, welche er in der Folge mit wahrer Begeisterung für die Landesverschö- nerung zu verwenden suchte. Nach seiner Rückkehr war er 1800 bis 1803 gräfl. Görtz'scher Architekt zu Schlitz, wo er das neue Schloss, mehrere Garten- und Wirthschaftsgebäude und einige Brücken baute. Sein kunstsinniger Bauherr regte ihn an, schon damals im Kleinen für Landesverschönerung zu wirken. Vom Jahre 1803 bis 1806 war er fürstlich-oranischer, dann bis 1806 kaiserl., franz. Baumeister zu Fulda , wo unter seiner Leitung die neue Wilhelmsstraße, eine neue Kirche, einige Schulhäuser, so wie mehrere Hof-, Domainen- und Salinenbauten, eine neue Hoch- straße etc. entstanden sind. Dort bildeten sich seine Ideen für Lan- desverschönerung immer mehr aus, da aber die kriegerischen Zeiten für praktische Leistungen in dieser Art ungünstig waren, so theilte er seine Gedanken druckschriftlich mit, zuerst im Jahre 1807, dann 1808 im Allgemeinen Anzeiger der Deutschen. Im Herbst 1806 ward er als Freibau-Inspektor zu München angestellt, 1810 wurde er Mitglied des Oberbau-Commissariats, dann Baureferent bei der Kreis-Oberadministration, 1815 zugleich Baucommissionsrath, 1817 provisorischer Oberbau-Commissär im Staatsministerium des Innern, und 1818 Baurath bei der Regierung des Isarkreises.

Nach seinen Entwürfen und unter seiner Leitung sind viele neue Kirchen, Pfarr- und Schulhäuser, Wohlthätigkeitsgebäude, mehrere Wasser-, Brücken- und Strassenbauten der Communen, der neue Begräbnissplatz zu München, dann viele Privatgebäude u. s. w. ausgeführt worden. In München suchte er besonders zur Bildung und Unterstützung der Bauhandwerker zu wirken, und einen besseren Baustyl zu verbreiten. In seinen 1819 im Druck erschienenen »Andeutungen über die Direktion des Öf- fentlichen Bauwesens in Bayern« gab er schätzbare Winke und Beiträge zur Organisation dieses wichtigen Zweiges der Verwal- tung. Das Hauptverdienst dieses Baumeisters ist aber die kräftige Anregung der Idee der Landesverschönerung. Er war mit uner- müdetem Eifer als Künstler und Beamter für die Verwirklichung dieser Idee thätig. Er hat seine Gedanken darüber also zusam- mengefasst: »Die Landesverschönerungskunst, an der Spitze aller Künste stehend, umfasst im Allgemeinen den grossen Gesammtbau der Erde auf höchster Stufe, lehrt wie die Menschen sich besser und vernünftiger anzusiedeln, von dem Boden neu Besitz zu neh- men, und so reichen klüger zu benützen haben, legt das Funda- ment zu einem verbesserten Kunst- und Gewerbwesen, gründet die echte Bauhütte, trägt wesentlich zur Veredlung der Menschheit bei, webt ein hochfreundliches Band, wodurch künftig alle ge- sittete Völker zu Einer grossen Familie vereiniget werden, und knüpft durch den Sonnenbau die Erde mehr an den Himmel.« Im Besonderen sollte diese seine Pflegetochter des neunzehnten Jahr- hundert

Das von Vorherr von 1821 — 1830 redigirte Monatsblatt für Bauwesen und Landesverschönerung enthält vieles Lehrreiche i die Idee der Landesverschönerungskunst, sowie über die Art w Weise ihrer praktischen Ausbildung und Anwendung, Dabei mic er bei jeder Gelegenheit auf die von Hofrath Dr. Faust in Bic burg angeregte richtige Himmelsstellung der Häuser, der Hiis reihen, der Dörfer und Städte aufmerksam, und er ist es, welc- die Lehre von Sonnenbau noch tiefer zu begründen suchte. Faust *). Auf seine wiederholte Anregung hin wurde 1821 Bayern ein Comit6 für Landesverschönerung zusammengesetzt, nd trat für Altenburg ein ähnlicher Bauverein ins Leben, 1827 ein scher für den Kreis Wittenberg im Königreich Preussen, und

und nach folgten mehrere andere Vereine in diesem Sinne.

Die Landesverschönerung war ihm nicht nur eine deutsch sondern eine europäische, ja eine das ganze grosse Vaterland der Erde angehende Angelegenheit. In Hunderten von Erinnero Blättern theilte er seine Ideen mit, zunächst durch seine niel Schüler der k. Baugewerksschule in München, und dann auch einschlägigen Zeitschriften, so dass er bei der redlichsten nung zuletzt den Vorwurf eines immerwährenden Eigenlobes sich lud. Sein Wahlspruch ist in folgenden Sätzen zusammenf fasst, und wir geben sie hier wörtlich, da der gute Mann gs dadurch in weitem Kreise bemerkbar wurde. »Freundliche, au beste eingerichtete Häuser und Höfe — glückliche Einwohr schönere Städte, Dörfer und Fluren — bessere Bürger; ven nerte Länder — verbesserte Völker; verschönerte Erde — ver Menschheit! — Vereinigen sich die Menschen weder in der äion, noch in der Politik, so werden sie sich im Punkte der L esverschönerung, die allerlei Baustyl duldet, aber gutrräumt, bare Ordnung und Reinlichkeit nicht bloss im Einzelnen, sondtn im Allgemeinen verbreitet, Wohlstand befördert und Liebe z Vaterlande mehrt, vereinigen — und dieser Zweig dürfte den künftig als eine neue Basis des Glückes der Menschheit ersd nen; — Heil und Ruhm dem Staate, welcher in dieser Hınt mit einem trefflichen Beispiele vorleuchtet! Möchte für diese gr Volkssache bald auf der ganzen Erde mit aller Liebe und Aus& gearbeitet werden !« /

Damit aber die Ausbreitung der Landesverschönerung selbst und die Lehre dieser Verschönerungskunst gedeihen möchte.

*) Zur Sonne sollen die Menschen wohnen etc. von Dr. Fa Bückeburg 1832, 4

Ausser den im gelehrten Deutschland 1827 verzeichneten Druck- schriften haben wir von ihm Entwürfe zu Landschulgebäuden, 10 Lith. Blätter von 1811, kl. fol. Diesem Werke ist das lith. Bild- niss des Künstlers beigegeben. Dann gab er auch mehrere archi- tektonische Entwürfe und Zeichnungen in einzelnen Lith. Blättern heraus; darunter den Riss zum gräflichen Schlosse (Halleburg) in Schlitz, das Projekt zur Verbindung des Louvre mit den Tuilerien 1800, den Plan zur Anlage des neuen Gottesackers in München etc. Von 1821 — 30 redigirte er das Monatsblatt für Bauwesen und Landesverschönerung, 10 Jahrgänge mit vielen Abbildungen, welche für Landbaumeister eine grosse Anzahl von Plänen liefern. Im Jahre 1825 erschienen 2 Hefte mit 32 auf Stein gravirten Vor- legestaltungen für die Baugewerkschule in München, und 1834 zwölf Blätter Entwürfe zu Schul- und Pfarrhäusern nach der Son- nenbaulehre, fol.

Ausser dem oben erwähnten seltenen lithographirten Bildnisse des Künstlers ist ein von C. Häck 1844 gezeichnetes Portrait des- selben in der Bildnissammlung des Hofmalers Vogel von Vogel- stein zu Dresden.

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