Voigt, Carl Friedrich, Medailleur und Edelsteinschneider, geb.
zu Berlin 1800, zeigte schon früh grosse Neigung zum Zeichnen,
und als ihn im Verlaufe der Zeit immer mehr die Schönheit
der Form, als die Farbe anzog, so schien sein Beruf zum Bild-
hauer entschieden. Allein es fehlten zur Befriedigung seines sehnsüchtigen
Wunsches die Mittel, und somit trat er bei dem berühmten Graveur Vollgold in die Lehre. In dieser Lage konnte
er nur in Abendstunden und Feiertagen in der höheren Zeichen-
kunst sich fortbilden, bis ihm einige Male in der Woche der
Besuch der Akademie gestattet wurde. Voigt erlangte aber in
Zeitraum von vier Jahren grosse Fertigkeit im Stahlschneiden, und im letzten
Jahre seiner Lehrzeit ertheilte Vollgold auch Unterricht
Im Jahre 1825 erhielt Voigt im Modelliren den akademischen Preis nach dem lebenden Modelle, und damit die Aussicht auf eine Unterstützung zur Reise nach Italien . Er trat auch noch in dem- selben Jahre die Reise an, besuchte alle an Kunstschätzen reichen Städte, und sass zuletzt in London fest, ohne seine Pension aus- bezahlt erhalten zu können. Er hatte Empfehlung an Pistrucci, den ersten Medailleur der k. Münze, welcher abwesend war. Auch die Hoffnung, die Stempel für Columbien ausführen zu dürfen, scheiterte, da man dort einen Medailleur suchte, und Voigt nicht dahin gehen wollte. Alle Mühe, Beschäftigung in London zu er- halten, schien vergeblich, bis endlich Pistrucci zurückkehrte, dem die Arbeiten des Künstlers sehr gefielen. Er konnte sozleich ein- treten, musste aber in einem abgelegenen Zimmer seiner Woh- nung arbeiten, damit Niemand erfahren sollte, dass jener sich frem- der Hilfe bediente. Pistrucci war zwar ein ausgezeichneter Stein- schneider, und führte schöne Modelle in Wachs aus, hatte aber im Stahlschneiden damals noch keine Übung. Voigt theilte ihm alle Vortheile des Medaillenschneidens mit, fand aber den Italiener in seiner Kunst zurückhaltend, und konnte ihm im Steinschneiden nur einige Vortheile ablausern. Voigt war aber in London nicht einzig auf Pistrucci angewiesen; er erhielt mannigfaltige Aufträge. So modellirte er die Bildnisse des Lord Eldon und mehrerer an- derer Personen zu Medaillen. Einen besonderen Gönner fand er an dem Herzog von Wellington, welcher ihn in London zurück- halten wollte, als endlich nach sechs Monaten die vom k. preus- sischen Ministerium bewilligte Unterstützung von 300 Thl. eintraf. Jetzt begab sich der Künstler nach Paris, wo er einige Arbeiten nach London vollendete, welche bei seinen Kunstgenossen die günstigste Aufnahme fanden. Im September 1826 kam er in Mat- tand an, wo er die nach der Londoner am besten und zweck- mäßigsten eingerichtete Münze sah, und dann nach Rom abreiste.
Hier verwendete er die erste Zeit dazu, alles Merkwürdige der alten und neuen Kunst zu sehen, und nur des Abends modellirte er. Übrigens vollendete er die Medaille mit dem Bildniß des Lord Eldon. Hiernauf übte er sich bei Girometti im Steinschneiden, welchem er dagegen die Vortheile im Stempelschnitte mittheilte. Voigt hatte von jeher grosse Lust zu der von den Alten mit Meisterschaft ge- triebenen Kunst in Edelsteine zu schneiden, und brachte es bald zur Vollkommenheit. Die Köpfe der Sappho, des Alexander, des Homer nach der Antike, und die Bildniße des Königs und des Kronprinzen von Preußen nach Rauch's Büsten in Onyx gehören
Nach der Vollendung dieser Arbeiten erhielt Voigt einen Ruf nach München, lehnte aber denselben ab, da er dem Vaterlande Dank schuldete. Bald darauf ging bei der Anwesenheit des Kö- nigs Ludwig die wiederholte ehrenvolle Einladung an ihn, welcher er jetzt Folge leistete, da ihm auf seine Anfrage in Berlin der Mi- nister zu seiner Anstellung in München Glück wünschte. Im Mai 1820 erhielt Voigt das Dekret als erster Medailleur an der k. Münze, mit der Erlaubniss, noch ein Jahr in Rom verweilen zu dürfen. Während dieser Zeit bekam er den unverhofften Auftrag, das Bildniss des Papstes Pius VIII. in Wachs zu bossiren, wozu ihm derselbe vier Stunden sass. Das Modell fand ungetheilten Beifall, und der Künstler fertigte sogleich auch die Stempel zu den Scudi mit dem Bildnisse Sr. Heiligkeit. Bei dieser Gelegenheit beschränkte Voigt die Grösse der Münzen, die früher sehr dünn geprägt waren. Er führte das Prägen im Ringe ein, wodurch die Münzen ein schöneres Ansehen bekamen, und nicht leicht nach- gemacht werden können. Am 30. März 1830 verheirathete sich der Künstler mit der berühmten Miniaturmalerin Therese Fioroni und reiste im Juni nach Bayern ab.
Voigt kam zu München in eine sehr angenehme Stellung, da er alle Ämter unmittelbar vom Könige erhielt, und ihm die Mo- delle und vollendeten Arbeiten selbst vorlegen durfte. Der Künst- ler begann mit der Ausarbeitung der ihm vom Könige aufgetra- genenen Geschichtsthaler (zehn eine feine Mark), welche sich im Verlaufe der glorreichen Regierungsjahre desselben zu einer Ge- schichte der bedeutendsten Ereignisse in Bayern gestalteten. Jeder trägt im Revers das Bildniss des Königs, welches Voigt nach dem Leben modellirte, und die Rückseite enthält entweder das Bild- niss eines ausgezeichneten Mannes, oder die allegorische Bezeich- nung eines für Bayern wichtigen Ereignisses. Die grossen Kunst- schöpfungen des Königs finden darin eine besondere Berücksich- tigung, und Abbildungen in Miniatur, welche alle grossen über- treffen. Die Reihenfolge beginnt mit dem Jahre 1820, und zählt 37 Stücke bis zum Jahre 1848. Obgleich die Regierung des Kö-
*) G. Krämer gibt in Bayerns Ehrenbuch, Nürnberg 1834, 4., die Bescheinigung und Abbildung der früheren Geschichts- thaler.
besonderer Liebe, da sie zugleich auch ein Denkmal der Dank barkeit ist, welches Kunst und Wissenschaft diesem grossen Für sten bei seinem Rücktritte von der Regierung 1848 weihten. Ein der neuesten Medaillen enthält das Bildniss des Königs Maximil lian mit der allegorischen Gestalt der Constitution auf dem Reven Aus der' Folge der bayerischen Geschichtsthaler heben wir in art- stischer Hinsicht folgende hervor: Auf die Vollendung des König baues 1826; auf den Bau der Pinakothek 1826; auf Reichenhall und Frauenhofer 1826; auf die Errichtung der Verfassungssäule in Gaibach 1828; auf die Königin Theresia, umgeben von den Bild- nissen der Prinzen und Prinzessinen 1828; auf Bayern's Treue 1830; auf den Landtag 1831; auf die Thronbesteigung des König Otto von Griechenland 1832; auf die Errichtung des Obelisken zu Ehren der in Russland gebliebenen Bayern 1833; auf den Zollver- trag mit Preussen, Sachsen, Hessen und Thüringen 1833; auf die Errichtung des Denkmals in Wittelsbach 1834; auf die Errichtung des Denkmals bei Aibling; auf die Errichtung des Monumentes des Königs Maximilian in München 1835; auf die Reiterbildsäule Maximilian's I. in München 1836; auf die Errichtung der Statue Dürer's in Nürnberg 1840; auf die Errichtung des Standbildes Paul's zu Bayreuth 1841; auf die Vermählung des Kronprinzen Ma- ximilian mit der Prinzessin Marie von Preussen 1842; auf die Ein- weihung der Walhalla 1842; auf die hundertjährige Gründung der Hochschule zu Erlangen 1843; auf die Eröffnung der Feldherrnhalle 1844; auf die Geburt des Erbprinzen Ludwig von Bayern 1845; auf die Errichtung des Denkmals für Freiherrn von Kreitmayer zu München 1845; auf die Vollendung des Ludwigs-Canals 1846; auf die Errichtung des Standbildes des Fürstbischofs Julius zu Wür zburg 1847.
Voigt ist Ritter des k. griechischen Erlöser-Ordens, Mitglied der Akademie zu Rom, München, Berlin, Florenz etc. Im Jahre 1838 wurde er auch zum Ehrenprofessor der Akademie in Florenz ernannt. Sein Bildniss befindet sich in der Portraitsammlung des Hofmalers Vogel von Vogelstein in Dresden. Therese hat hat sein Bildniss in Miniatur gemalt.
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