Vogtherr, Heinrich

Vogtherr, Heinrich, Maler und Formschneider , zwei Künstler dieses Namens, sollen nach einigen in Augsburg , nach anderen in Strassburg geboren worden seyn. Gewiss ist aber nur, dass Werke von ihnen in Strassburg erschienen, und dass sie um Bürger in Augsburg waren. Füssly, Malpère u. a. lassen den äl- teren Heinrich Vogtherr geboren werden, allein das Titelblatt zum Kunstbüchlein der geilen Künstler löst den Irrthum. Auf diesem Blatte sind ihre Bildnissmedaillons angebracht, und da er- sichtlich sich aus den Umschriften die Geburtszeit. Um das Medaillon des älteren steht: Henrich Vogtherr Elter seines Alters im XXXXVII, 1537, um das andere liest man: Henrich Vogtherr de Junger sei- nes Alters XXIIII. 1537. Somit ist Vogtherr sen. 1490, und Vogt- herr jun. geboren. Das Todesjahr dieser Künstler ist unbe- kannt. Der jüngere Vogtherr lebte 1541 in Augsburg, und wenn nicht beide, so war doch dieser sicher noch 1545 thätig. In der Vorrede zum Kunstbüchlein nennt sich einer der H. Vogtherr, wahr- scheinlich der ältere, Bürger von Strassburg, Welcher von ihnen jener Hein. Vogtherr von Wimpfen auf Blatt Nr. 5 ist, wissen wir nicht. |

  1. Vogtherr's Holzschnitt- Bibel. Das Erst theil des Alten Te- staments. Strassburg, W. Köpphl (Cephalius) . Das Ander theil. Daselbst 1530. Alle Propheten, Daselbst 1532. Das Dritte theil des Alten Testaments. Durlach 1520. Apo- crypha, Strassburg . Alle diese Luthersche Ueberse-

ger (Strassburg , Joh. Grininger 1537, fol. .

Die vielen Holzschnitte dieser seltenen Bibel sind von

Vogtherr sen. Er hält die Mitte zwischen Burgkmair und

Holbein jun., erreichte aber keinen. Die Blätter des alten

Testaments sind kl. 4., die des neuen nehmen die ganze

Seite ein, weil mehrere Scenen vereint sind. Das schönste

Blatt bildet den Titel des neuen Testaments, und enthält

das Zeichen des Meisters. .

  1. Kunstbüchlein, von allerley seltsamen und wunderbaren frem-

den Stücken. 28 Blätter mit Titel, auf welchem die beiden

Bildnisse der Brüder H. Vogtherr erscheinen, 4. Diess ist

wahrscheinlich die Ausgabe von 1538. Von Brulliot und R.

Weigel wird indessen nur die folgende Ausgabe erwähnt,

mit den Bildnissen auf dem Titel, und der Jahrzahl 1537

in der Umschrift derselben,

  1. Ein Fremdes und wunderbarliches Kunstbüchlein, allen

Malern, Bildschnitzern, Goldschmiden, Steinmetzen, Waffen

und Messerschmiden hoch nützlich zu gebrauchen —. Von

den Malern Gebrüder H. Vogtherr. Gedruckt zu Strassburg

am Kornmarkt, bey Christian Müller. Im Jar MDLXXII. 4.

Die Blätter dieses sehr seltenen Werkes enthalten male-

risch drapirte Köpfe, Hände, Füsse, Wappenschilder, Säu-

lenknäufe, Rüstungen, Waffen, Helme, Leuchter etc. Auf

einem der Schilde steht die Jahrzahl 1538, so dass die erste

Ausgabe wahrscheinlich von diesem Jahre ist. Heller gibt

Angaben von 1537, 1540, 1543 und 1610 an. Jene von

1572 kennt er nicht. Weigel werthet sie auf 8 Thl.

  1. Wappen und derselben Wappenhaltern einiger Adelichen

Geschlechte in des heil. Röm. Reichs Stadt Augspurg. 33

Blätter mit auf Stahl radirten Wappen, welche im ersten

Drucke keine Familiennamen haben, und meistens ohne

Nummern sind. An diesem seltenen Werke hat auch I.

Burgkmair Theil. Später setzte es Peter Zimmermann fort,

unter dem Titel: Ernewtes Geschlechterbuch der löblichen

des heil. Röm. Reichsstadt Augsburg Patriciorum etc. Aug.

burg 1616, fol.

  1. Christus einem nackten Menschen (Adam?) die Hand rei-

chend. Unten der gute Hirt, rechts die Kreuzigung. Mit der

gedruckten Sittenlehren. Heinricus Vogther Maler zu Wimp-

fen, s. gr. roy. fol.

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