Vogel von Vogelstein, Carl Christian, königlich sächsischer Hofmaler und Professor , Mitglied des akademischen Raths zu Dres- den, wurde den 26. Juni 1788 zu Wildenfels im Erzgebirge gebo- ren, wohin sein Vater, der berühmte Christian Lebrecht Vogel *) von Dresden , im Auftrage des Grafen Solms gekommen war. C. von Vogel blieb bis zum vierzehnten Jahre in Wildenfels, und stand unter der liebevollen Leitung des Vaters. Er zeichnete nach Kupferstichen nach Rafael und anderen grossen Meistern, zugleich
*) Unser Hofmaler wurde vom Könige von Sachsen, in den Adelstand erhoben, und führt daher den Namen Vogel von Vogelstein. Vor seiner Erhebung kommt er gewöhnlich un-
ter dem Namen Carl Vogel vor, und wenn er C. Vogel jun. genannt wird, geschieht dies zum Unterschiede von seinem Vater.
wie es in jener Zeit selten vorkam. Er gab auch in einigen vor- /
nehmen Häusern Unterricht im Zeichnen, zuletzt im Hause des Landrathes Baron von Löwenstein aus Livland , wo im Leben des Künstlers ein günstiger Wendepunkt eintrat. Im Jahre 1807 kehrte der Baron nach Russland zurück, da der Gemahl der zwei ten Tochter, Chevalier und nachmals Graf Bray, als k. bayerischer Gesandter nach St. Petersburg versetzt wurde. B. v. Löwenstern forderte den Künstler auf, mit ihm die Reise anzutreten, was für Vogel um so erfreulicher war, als er die Unmöglichkeit erkannt hatte, weder vom Staate noch durch seine Eltern in den Stand gesetzt werden zu können, seine Studien in Italien zu verfol- gen. In Russland konnte er aber Gelegenheit finden, das Reit- segel zu erwerben, und somit reiste Vogel im Herbst 1807 in der vollsten Hoffnung auf besseres Glück nach Memel, wo er mit der Familie Löwenstern zusammentraf, welche zunächst ihre Güter Kockenhausen, Stockmanshoff und Wolmarshoff besuchte, und in November des genannten Jahres nach Dorpat sich begab, wo Vo- gel den Winter zubrachte. Hier setzte er den Unterricht der über den jüngeren Töchter des Baron fort, und malte auch verschie- dene Bildnisse angesehener Personen, wozu sich leicht Gelegen- heit bot, da die ausgezeichnete Familie, namentlich die Frau Landräthin von Löwenstern durch ihre großen Gaben des Her- zens und des Geistes, wo sie sich nur immer aufhielt, stets die interessantesten und ausgezeichnetsten Personen um sich versam- melte. Sie gehörte zu den geistreichsten Damen deutscher Bildung. Alles Gute und Schöne fand durch sie bereitwillige Unterstützung, und Vogel's Herz ist noch voll von dankbaren Erinnerungen an die liebenswürdige Dame. Im Frühjahr 1808 begab sich die Familie Löwenstern nach St. Petersburg, und C. Vogel folgte nach eini- gen Wochen nach, da ihn seine Arbeiten länger zurückhielten. In St. Petersburg richtete sich der Künstler selbstständig ein, wo er im fürstlich Gagarin'schen Palais eine kleine Wohnung fand. Die Familie Löwenstern, so wie Graf Bray suchte ihn aber nach Kräften als Portraitmaler zu empfehlen, zunächst durch das Bildniss des Grafen, welchen er in ganzer Figur unter Naturgröße gemalt hatte. Durch den bayerischen Gesandten machte er unter andern auch die Bekanntschaft des französischen Ambassadeur Mr. de Colincourt, dessen Portrait er malte, so wie die Bildnisse von vielen Bekannten desselben, unter welchen sich auch jenes
berühmten Grafen Joseph de Maistre befindet. Es gefiel allge- mein, und machte dem Künstler einen Namen in der gehobene- ren Gesellschaft, in Folge dessen er bis zu seiner Abreise im Juli unausgesetzt beschäftigt war. Zu jener Zeit wurde in Oranien- baum ein russischer Kriegskutter für den Grafen Bray und den k. sächsischen Gesandtschafts-Attaché Grafen von Bon in Bereit- schaft gesetzt, und Vogel von Vogelstein erhielt durch den Grafen Solty- uff, dessen Portrait er kürzlich gemalt hatte, glücklich vermöge die Erlaubniss, mit dieser Gelegenheit nach Deutschland zurück kehren zu dürfen. Jetzt war der Künstler am Ziele seiner heftig- sten Wünsche, nämlich Italien zu sehen, und die Werke der gro- ßen Meister des Landes zu schauen.
Fache der Historienmalerei ohne Sentimentalität ein wahrhaft christ-
licher Maler.
Vogel von Vogelstein malte in Rom mehrere Bilder, und viele
andere Compositionen blieben einer späteren Ausführung in Oel vorbehalten. Eines seiner früheren Werke aus jener Zeit ist jetzt in der Kirche zu Wildenfels, und stellt Christus mit dem Versu- cher auf dem Berge bei Jerusalem vor. Die Figuren sind in hal- ber Naturgrösse, später wiederholte er aber diese Darstellung in lebensgrossen Figuren für die Stadtkirche zu Wolmar in Livland. Für den Baron von Funck malte er in Rom die Verkündigung und die Taufe Christi, und die Prinzessin Johanna von Sachsen erhielt für ihren Betschrank ein kleines Bild der heil. Anna, wie sie die kleine Maria lesen lehrt. Eine grössere Wiederholung be- sitzt G. v. Quandt in Dresden. In der Kirche zu Alt-Bunzlau in Böhmen ist ein betender Johannes von Nepomuck in Lebensgrösse, ein gerühmtes Bild von 1820. Im kleinen Formate ziert diese Darstellung den Betschrank des Prinzen Johann von Sachsen, und mit Veränderungen führte er sie später für den Grafen Ribeaupierre in St. Petersburg aus. Für den Domherrn von Ambach malte er den Heiland am Kreuze, wahrscheinlich im Rom, da der Domherr be- kanntlich damals reiche Bestellungen gab. In die römische Zeit fällt der Composition nach auch die Madonna mit dem Kinde im
fürstlich Harrach'schen Palais zu Wien. Daselbst ist auch ein von ihm gemaltes lebensgrosses Bildniss der Gräfin Harrach. Dann malte C. v. Vogel in Rom auch Bildnisse, darunter jenes des Pap- stes Pius VII. im Sessel im Auftrage des Königs von Sachsen. Dieses Portrait erregte 1817 in Rom grosses Aufsehen, da es von vollkommener Aehnlichkeit war, und in Zeichnung, Färbung und Behandlung in gleichem Grade befriedigte. Vogel malte in Rom auch das Bildniss Thorwaldsen's, welches man mit den besten
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Vogel von Vogelstein, Carl Christian.
Leistungen eines van Dyck verglich. Es kam in die Gallerie des österreichischen Consuls von Krause. Ein drittes Bildniss aus je ner Zeit ist jenes des Königs von Holland in ganzer Figur, und nicht minder gerühmt. Die Leistungen dieses geistvollen Charak- termalers fanden in Rom allgemeinen Beifall, und man liest in den damaligen Zeitschriften nur von seiner »Eccellenza e bravura im quest' arte divina«. Sein erster italienischer Aufenthalt dauerte sieben Jahre, da ihm der König von Sachsen eine Pension verlie- hen hatte. Die meiste Zeit verlebte er in Rom, nur kleinere Reisen führten ihn nach Assisi, Orvieto, Perugia, Florenz und Neapel.
Im Jahre 1820 folgte C. v. Vogel einem Rufe nach Dresden, wo er an der Stelle des unglücklichen G. von Kügelgen zum Pro- fessor an der Akademie ernannt wurde. In dieser Eigenschaft malte er zuerst das Brustbild des Königs Anton von Sachsen und seiner Gemahlin, dann jenes der Prinzessin Kunigunde und ande- rer Mitglieder des k. Hauses. Vogel wurde 1824 auch zum Hof- maler ernannt, als welcher er im Verlaufe der Zeit eine grosse Anzahl von hohen Personen und andern Notabilitäten malte, von denen mehrere durch lithographirte Nachbildungen bekannt sind, deren wir unten aufzählen. Das Bildniss des Königs malte er in wiederholten Malen, auch in ganzer Figur für den Thronsaal, für andere öffentliche Gebäude. Von ausgezeichneter Schönheit sind auch die Bildnisse des Königs Friedrich August und seiner Gemahlin, des Sohnes des Prinzen Johann von Sachsen, die Porträt- gruppe der Prinzessinnen Sidonia und Anna (1853?), die Bild- nisse des Hofraths Ludwig Tieck, des Prälaten Salarius von Osegg, des geheimen Raths Dr. v. Langen, der Mistress Noel, der Schauspielerin Maria Bayer, die eigenen Portraits des Künstlers u. s. w. Unter letzteren ist eines von ziemlicher Grösse, und die sinnige Anordnung merkwürdig. Der Künstler erscheint in Lebensgrösse, wie er so eben von der Arbeit weg dem 14 jährig* Sohn (*), sich zuwendet, und ihn vor dem Gang in die Schule zum Fleisse und zur Tugend ermahnt. Den Hintergrund bildet ein an- gefangenes Portrait der Mutter des Knaben, auf welches ihr Bild gerichtet ist. Eine interessante Zusammenstellung von Bildnissen gewährt das unter dem Namen des Atelier des Meisters bekannte Gemälde, welches auch in Wiederholungen vorkommt. In diesem Atelier sind merkwürdige Personen vereinigt. Der Bildhauer David d'Angers modellirt die Büste des Ludwig Tieck, und Vogel fixirt gerade die im Sessel sitzende Gestalt des Dichters, um diese zu malen. Letzterer fasst die Hand des Knaben Johann von Vogelstein, und neben ihm steht Dorothea Tieck. Hinter dem Maler von Vogel blitzt Graf Baudissin hervor, und zurück im Mittelgrunde stehen Baron von Stackelberg und Dr. Carus. Das erste Bild dieser Art kam in den Besitz des Buchhändlers Brockhaus in Leipzig, das zweite erhielt H. v. Soudienko zu Kieff in Rußland und das dritte erwarb der König von Sachsen. Die letztere Wieder- holung ist von 1836, und hat wesentliche Veränderungen. Es sind Hofrath Böttiger links vorn, Professor Carl Förster, und Baron Ungarn-Sternberg hinzugefügt, und statt Hofrath Carus der Kupfer- stecher M. Steinle angebracht. Der Bildhauer David trägt eine helle Blouse. Die oben genannten Bildnisse und das Atelier-
*) Dieser einzige Sohn des Künstlers, Johann von Vogelstein, widmete sich der Jurisprudenz, und erlangte 1850 in Mün- chen die Würde eines Dr. Juris.
erschienen in Zwischenräumen neben grösseren historischen Wer- ken, und mehrere andere reihen sich an diese an. Vogel von Vo- gelstein behauptet als „Porträtmaler" fortwährend einen unbestrittene nen Ruf, denn seine Meisterhand weiss in sprechender äusserer Erscheinung das innerste Leben in idealer Wahrheit darzustellen. Stellung, Farbengebung und technische Vollendung sind gleich bewundernswerth.
Doch ist Vogel von Vogelstein nicht allein als Porträtmaler zu nennen; wir verdanken ihm auch viele andere Meisterwerke, unter welchen wir der Zeit nach zuerst seine Deckengemälde im Speisesaal des k. Schlosses zu Pillnitz, und die Fresken in der Capelle daselbst nennen, da diese Werke zunächst seine Berufung nach Dresden bewirkten. Im Schlosse zu Pillnitz fand Vogel die ruhmvolle Gelegenheit, in Anwendung zu bringen, was vieljähriges Studium ihn gelehrt. Er steht hier auf der Basis der neueren deut- schen Schule, welche durch begabte Meister in Rom ihre Bele- bung fand. Vogels Genius entfaltete sich in den grossen Composi- tionen des Saales in edler Weise, und daher fanden diese schö- nen Bilder gerechte Würdigung. Er stellte in acht Bildern die Künste dar, welche das Leben verschönern, die Völker beglücken, Geisteskultur und Genuss befördern. Ueber diesen sinnvollen Zy- klus der gesammten Kunstwelt, welchen Liebe, Philosophie, Poesie und Anmuth schützend umschweben, gibt das Kunstblatt von 1826 zwei interessante Berichte. In dem genannten Jahre be- gann er in der neuen katholischen Capelle zu Pillnitz das Leben der heil. Jungfrau in Fresco zu malen, nachdem man seit hun- dert Jahren in Sachsen diese Technik nicht mehr geübt hatte. Sechs Wandgemälde und die Plafonds zeugen hier in sinniger Weise von Vogels Kunst, welche jener der geübteren Meister der neue- ren religiösen Richtung gleichkommt. Das Altarbild ist in Öl ge- malt, und stellt die heil. Jungfrau in Wolken dar. Im Vorgrunde erblicken wir die lebensgrossen Gestalten der Heiligen Friedrich und Johannes Nepomucensis, in unmittelbarer Beziehung mit den hohen Donatoren stehend. Der landschaftliche Hintergrund zeigt neben der Basilika des heil. Paulus die Kirche alla tre fontane in Rom. Die Capelle wurde 1850 eingeweiht, und zog eine Menge von Bewunderern herbei. Von dieser Zeit an fand Vogel von Vo- gelstein wieder Muße zur Ausführung von historischen Bildern in Öl, und von Porträten, deren wir oben eine Anzahl der treff- lichsten erwähnt haben. Sie sind, wie es mit Erzeugnissen der Kunst überhaupt der Fall ist, überallhin zerstreut. Vogel besitzt aber von den meisten seiner Werke kleine Ölskizzen, und namentlich auch von den vielen interessanten Bildnissen, und seiner oben erwähnten Ateliers. Zuerst erwähnen wir einige Al- tarwerke von bedeutendem Umfange. Im Dome zu Naumburg ist eine Kreuzigung Christi, und in der Gymnasial-Kirche zu Brüx in Böhmen sieht man seinen heil. Johannes von Nepomuk mit seinen armen Schulkindern am Altare. Eine zweite Darstel- lung dieses Gegenstandes, doch mit einigen Veränderungen, ist seit 1841 in der katholischen Kirche zu Annaberg im Erzgebirge. In dem genannten Jahre malte Vogel von Vogelstein auch für die Pfarrkirche zu Wölmar in Livland ein grosses Altarbild nach der Idee eines schon in Rom behandelten Gegenstandes. Es zeigt den Heiland, wie er voll göttlicher Erhabenheit und mit mildem Ernste den Versucher von sich weist. Dieser flieht bereits erdwärts, wäh- rend auf beiden Seiten des Erlösers Cherubengruppen, von hellem Licht umflossen, die Glorie des himmlischen Sieges erhöhen, und
auf der weiten Landschaft bereits die Dämmerung ließ; früher als dieses Werk entstand ein Gemälde mit der Erweckung des Lazarus, wo der Heiland wieder in seiner göttlichen Zuvor- sicht erscheint. Das kleinere Bild dieses Gegenstandes besitzt E. von Soudienko in Kieff, und eine grössere Darstellung erwarb die Gräfin von Einsiedel zu Herrnhuth. Ein sehr schönes Staffeleibild ging 1841 nach St. Petersburg ab; Es stellt die Madonna mit den Kindern auf dem Throne sitzend dar; Alle diese Gemälde sind ideale Kunstschöpfungen, welche in der schönsten Form erscheinen; es finden sich aber auch einige Bilder, in welchen Vogel sein grosses Talent für tief empfundene treue Naturdarstellung zeigt. Ein Ge- mälde dieser Art von 1841 stellt zwei kleine Mädchen in Lebens- grösse in einer lachenden Gegend der sächsischen Schweiz auf der Felsenmauer an der Elbe sitzend dar. Die ältere hat das Gesicht vom Strohhute zur Hälfte beschattet; die andere stützt das Köpf- chen auf ihren Schooss. In Darstellungen dieser Art war Vogel der Vater berühmt, und der Sohn zeigt noch nicht minderes Talent zu idyllischen Bildern.
Im Jahre 1842 ging Vogel von Vogelstein wieder nach Italien, wo er während eines beinahe zweijährigen Aufenthaltes Werke schuf, welche zu den schönsten des Meisters gehören. Vor allem begeisterte ihn Dante, dessen göttliche Comödie von jeher das Lieblings- studium des Künstlers war, welcher überhaupt aus den italienischen und deutschen Dichterwerken mehrere sinnvolle Bilder schuf. Die öffentlichen Blätter aus Rom, Neapel und Florenz gaben von Zeit zu Zeit Nachricht von seiner unermüdeten Thätig- keit. Unter den Bildern, welche er 1844 im Studio des berühmten Sabatelli zu Florenz ausstellte, nimmt das elf Fuß hohe Ge- mälde mit Dante in seiner Beziehung zur Divina Comedia den ers- ten Platz ein. Die Einfassung dieses grossartigen Werkes bildet ein dem Dome von Orvieto ähnliches Frontispiz mit der Königskrönung, durch das Kreuz in der Mitte die Religion, durch die Bildnisse des Papstes zur Rechten, und des Kaisers zur Linken die Parteien der Guelphen und Ghibellinen andeutend. Unter dem mittleren Bogen sitzt der Dichter am Sarcophage der Beatrice Portinari mit Feder und Buch in den Händen; in dem Momente gedacht, wie er den Entschluss fasst, sich der Vereinigung mit der Geliebten durch ein neues frommes Leben würdig zu machen. Dieser Entschluss fällt im Augenblicke mit der Schöpfung des Planes zur göttlichen Comödie zusammen, in welcher er, den Verstorbenen zum Denkmale, der Mit- und Nachwelt zur Belehrung, seine eigene religiös-moralische Wiedergeburt beschreibt; Hauptscenen seines Gedichtes umgeben ihn daher in kleineren Gemälden; Den unteren Theil nehmen drei bunte und vier graugemalte Bilder ein, und deuten Dante's Gang durch die Hölle an, in welcher Virgil — die menschliche Vernunft — die Folgen der Laster erblicken lässt. Auf seinem Gange durch das Fegefeuer begleiten wir ihn in den darüber auf beiden Seiten des Mittelbildes befindlichen vier Gemälden; Erst nachdem er sich hier gereiniget hat, darf er — im linken oberen Eckbilde — vor der in die Theologie verwandelten Beatrice erscheinen; zu welcher wir ihn, auf dem Eckbilde rechts, durch die Sonne, Aufenthaltsort des verklärten Thomas von Aquino und andere Heiligenlehrer, einporschweben sehen. Im obersten Giebelfelde langt der Dichter endlich zur höchsten Glückseligkeit der Anschauung des vereinigten Gottes. Dieses Gemälde fand in Rom und Florenz so grossen Beifall, dass der Grossherzog von Toskana es dem Palazzo Pitti ankaufte, und zu gleicher Zeit der Kunst-
Nach seiner Ankunft in Dresden fuhr Vogel von Vogelstein fort, dem grössten italienischen Dichter seine Verehrung zu be- zeugen, und ging zunächst an ein Doppelbild, welches dem poe- siereichen Inhalt des fünften Gesanges des Inferno entlehnt ist. Auf dem einen Bilde führt uns der Künstler auf den düstern, grauen- vollen Schauplatz der Hölle, wo durch den dunklen, zerrissenen Luftkreis Stürme brausen, und die Schatten derer, die im Leben der Macht ungezügelter Leidenschaften verfallen waren, unstät hin und zurückgetrieben werden. Inmitten der erschütternden Darstellung se- hen wir den Hauptgegenstand des Dichtwerkes, Francesca di Ri- mini und ihren Geliebten Paolo Malatesta, welche, gleichzeitig durch einen Todesstoss vom Leben getrennt und dem dunklen Verhängniss verfallen, vereint von den Stürmen umhergetrieben aufwärts schwe- ben. Francesca richtet den grauerfüllten Blick auf Dante, und dieser sinkt neben Virgil erschüttert zu Boden. Der Künstler ist hier tief in den Geist des Dichters eingedrungen, und hat dessen düstere Scenen mit ergreifender Wahrheit dargestellt. Das Gegen- stück athmet aber Friede, Unschuld und Ruhe. Francesca badet am waldbewachsenen Felsenhang, und steigt in vollem Liebreize aus den Wellen empor. Die ganze Umgebung athmet Frieden. Kein Lufthauch bewegt das Laub, Blumen spriessen am Wasser, und Rehe weiden in der Nähe. Dieses schöne Bild erinnert an die Werke der besten älteren Meister, welchen Vogel überhaupt nachstrebte, unbekümmert um die neue Bravourmalerei. Als Ge- genstück zu Dante am Grabe der Beatrice wählte er später Scenen aus Göthe's Faust, welche in ähnlicher Einfassung erscheinen, wie jene aus der göttlichen Comödie in der Gallerie des Pitti. Von beiden Wer-
© Es existiren kleinere Wiederholungen, und eine Beschreibung in
französischer Sprache, mit der Zeichnung der architektonische Räume: Description de deux petits tableaux, representing, die histoire de Faust, po&me de Goethe, peint a Dresde en 1817, Pautre ist die Divine Com&die du Dante, der letztere die reproductios en raccourci des Grand tableaus au palais Pitti. Im oberen Rand erscheint Gott Vater auf dem Regenbogen, und in der großen mitte lere Abtheilung sitzt Faust im Studierzimmer, wie er im Drang nach übermenschlichem Wissen und Begehren den Bösen ruft, vor dessen Anblick er schaudert. In den kleineren Räumen sind die Hauptscenen der Dichtung dargestellt, welche unter sich im inn vallen Zusammenhange stehen, von dem rührenden Bilde an, wo Faust als Knabe die fromme Mutter in die Kirche führt, bis zur verhängnissvollen Momente, in welchem er dem Versucher zur Beute wird. Vogel von Vogelstein malt dieses poetische Bild# der Größe seines Dante, ist aber damit noch nicht zu Ende g kommen. Während der Stürme der letzten verwichenen Jahr schuf er aber ein großes Altarwerk für die katholische Kirche zu Leipzig, welches aus mehreren Abtheilungen besteht. Das Hauptbi{ ld zeigt eine colossale Christusgestalt von Engeln umgeben, und üb er dieser erscheint der ewige Vater. Der Christus' gehört zu den s eltenen Abbildern des Heilandes, welche den Beschauer mit Erb hebung und Frieden erfüllen. Er paart hohen Ernst mit mässiger licher Milde, und die edelste Verklärung des Menschengesichts ist in seinen Zügen ausgeprägt. Schon in der Bewegung der Hirn ist der Grundgedanke der Composition: »So ihr den Willen e eines Vaters thut, bin ich bei euch alle Zeit auf das Entspreche nde dargestellt. In den Seitenabtheilungen sind die fast lebensgro ßen Evangelisten, und unter dem Ganzen die sieben Werke d Barmherzigkeit grau in Grau dargestellt. Dadurch hat der Künt ler die Aufgabe, die Lehre des Christenthums durch die lebendig That in die Wirklichkeit über zu tragen, und durch Ausübung der schönsten menschlichen Tugenden jener erhabenen Lehre® folgen, in diesem herrlichen Werke befriedigend gelöst. Bei dieser Gelegenheit erwähnen wir auch einer allegorischen Darstellung ® Aquarell, welche sich auf die genannte Kirche bezieht. Die Religion erscheint mit dem Kreuze, und im Grunde erhebt sich die » Kirche. Als Einfassung dienen Arabesken mit aus den Blumen! schen hervorragenden Engeln, welche die Werkzeuge jener bild Künste tragen, die zum Schmucke des Tempels beitrugen. Zu Seiten der Religion sind Engel mit Opferschüsseln, auf die bei träge anspielend, durch welche der Bau zu Stande kam. V ogel hat selbst dazu viel beigetragen, indem er für sein großes Gem de nur die nöthigen Ausgaben vergütet erhielt. Im Jahre 1850 voll endete er zwei colossale Gemälde für die große Hofkirche in Dres den. Das eine stellt den am Kreuze sterbenden Heiland, andere die Erscheinung desselben dar, beide in halber Figur® Medaillon. Diese Bilder sind sehr hoch angebracht.
Die Portraitsammlung dieses Künstlers,
Vogel von Vogelstein brachte eine in ihrer Art einzige Sammlun g von Bildnissen kunstliebender Fürsten, von Staatsmännern, Kür stern, Dichtern, Gelehrten und Kunstfreunden zusammen. Sie w ird grössten Theils von ihm selbst nach dem Leben gezeichnet, a mit aller jener charakteristischen Schärfe dargestelt, welche t
seine Bildnisse im Allgemeinen auszeichnet. Er begann diese Samm lung im 1811 in St. Petersburg, setzte sie nach seiner 1812 erfolgte Rückkehr im Vaterlande fort, und vermehrte sie auf seinen e rholten Reisen in Deutschland, Italien, England und Frankreich
Vogel von Vogelstein ist auch ein gründlicher Lehrer. Im Kunstblatt von Schorn 1824 Nr. 50. hat er seine Ansichten über die Bildung junger Künstler in einem Aufsatze in Form eines Brie- fes an P. von Cornelius ausgesprochen. In Bötticher's Notizenblatt 1831 Nr. 1 steht ein interessanter Aufsatz über den Doppelgänger der Sixtinischen Madonna von Rafael in Rouen. Vogel erklärte das Bild in Rouen zuerst für mittelmässige Copie.
Professor Vogel von Vogelstein ist Mitglied der Akademie der bildenden Künste zu Berlin, München, Wien, St. Petersburg, Madrid, Kopenhagen u. s. w. Sein Bildniss kommt zu wieder- holten Malen vor. Im Jahre 1828 von Törner, und 1841 von Paul de la Roche gezeichnet findet man es in seiner berühmten Por- traitsammlung. J. M. Edlinger hat 1846 das in der Tribune der Gallerie zu Florenz vorhandene Brustbild radirt. Das oben er- wähnte Bildniss des Künstlers, wie er fast in ganzer Figur vor der Staffelei im Sessel sitzend seinen Sohn ermahnt, ist durch einen schönen Stahlstich bekannt. Dann kommt es auch mit meh- reren anderen Personen in dem trefflichen Gemälde vor, welches das Atelier des Meisters vorstellt. Über dieses Bild haben wir oben Näheres berichtet. J. Schüler hat es als Briefvignette gesto- chen, aber nur die ältere Darstellung, welche weniger Figuren zählt. A. H. Payne stach das spätere Bild, wo auch Bötticher's Bildniss vorkommt.
Andere Stiche nach Werken dieses Meisters.
Anton, König von Sachsen, lith. von L. Zöllner, nach einer Zeichnung 1835, gr. fol. 4.
Maria Augusta, Herzogin zu Sachsen, lithogr. von Zölloer,
Fol. 1.
Friedrich August, König von Sachsen. Gostochen von M Steinla, fol. 1.
Derselbe in ganzer Figur, lith. von G. Baisch, fol.
Derselbe in ganzer Figur, nach dem Bilde im Thronsaalt, lith. von J. Grünewald, roy. fol.
Derselbe in ganzer Figur, lith. von Roy, fol. 1.
Maria, Königin von Sachsen, lith. von L. Zöllner, gr. fol.,
Theresia, Königin von Sachsen, lith. von L. Zöllner, 4". 1
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