Vogel, Ludwig oder Georg Ludwig

Vogel, Ludwig oder Georg Ludwig, Historienmaler, geb. zu Zürich 1788, verrieth schon in seiner Jugend eine entschiedene Neigung zur Kunst, was der Vater nicht ungern sah, weil er ihn zum geschickten Zuckerbäcker heranbilden wollte. Er bestand auch glücklich die Lehrzeit, und zur Freude des Vaters, weil seine landschaftlichen Tafelverzierungen in Hochrelief solchen Beifall fanden, dass H. Lips eine derselben in Kupfer stach. Vogel wurde daher zünftiger Zuckerbäcker in Zürich, hatte aber durchaus nicht im Sinne, die Kunst hintanzusetzen. Er machte im Gegen- theil unter H. Füssly's Leitung allerlei Kunstversuche, und übte

andere einen härtigen Greis mit seinen Enkeln an der Hütte dar.

Die Motive entnahm er der Natur, und brachte so viel Treuher zigkeit und Wahrheit in die Darstellung, dass endlich der Vater Jaubte, er müsse den Sohn die Akademie beziehen lassen. Vogel begab sich zu diesem Zwecke 1808 nach Wien, war aber noch nicht Willens, der Zuckerbäckerei zu entsagen, weil er glaubte, die Schwierigkeit der Kunst nicht besiegen zu können. Erst nach einem Jahre, nachdem er Proben auffallender Fortschritte einge sandt hatte, glaubte der Vater selbst, dass sich der Sohn der Kunst ausschliesslich widmen sollte. Der junge Vogel entschloß sich aber erst nach reifer Ueberlegung für den neuen Beruf, welch er ihm das akademische (maschinenmässige) Treiben der für unfähig sich haltenden Professoren gerade nicht erfreulich machten. Alles gab damals rüstige Talente, welche es wagten, den pedantische Zwinger Herren trotz aller Weigerungen den Gehorsam aufzukündi gen und ihre eigenen Kräfte zu versuchen. Wie sehr ihnen diese lang, haben wir bereits im Artikel eines Overbeck, Pfarrus, s. bemerkt, und an diese Meister schloss sich auch Vogel an. wurden aber angefeindet, weil sie den Weg der Natur gingen und die Spuren der grossen alten Meister verfolgen wollten. Man verwies sie zuletzt von der Akademie, und als endlich in Folge der Kriegsunruhen auch die Gallerie oft lange geschlossen blieb,

gingen sie 1810 nach Rom, wo ihnen bald grosse Aufmerksamkeit Aufmunterung zu Theil wurde. Im Jahre 1811 kam auch der gl gesinnte P. Cornelius dahin, und bei solchem kräftigen Zufluss eilte die Reformation der Kunst unaufhaltsam zum Ziele. Die genannten Künstler waren unzertrennliche Freunde, die Schöp fer einer eigenen, idealen, schönen Kunstwelt. Sie lasen Dante, Nibelungen und verwandte Dichter, zeichneten nach dem lebend Modelle und nach der Antike, studirten die Werke Rafaels und seiner Vorgänger, und schufen Werke, welche man als etwas damaligen Kunst Fremdes anstaunte, und belächelte. Vogel war in Rom wenig; aus jener Zeit stammt aber das berühmte Bild der Heimkehr der Schweizer aus der Schlacht von Morg arten 1315. Göthe, Kunst und Alterthum I, 2, S. 43., spendet dem Gemälde grosses Lob. Es gefiel ihm die reiche poetische Findung, der belebte Ausdruck, das eigenthümliche National Gestalt und Gesichtszügen der Figuren. Die Reinlichkeit die fleissige Ausarbeitung erinnerten ihn an Breughel's Zeit Kunst. An dieses Bild reihen sich mehrere andere reiche Com positionen, welche alle der vaterländischen Geschichte, der Schweizer Zeit der Schweiz und ihrer urkräftigen Naturen entnom men sind. Doch riss ihn Anfangs seine lebendige Imagination zu getriebenen Gestalten hin, er legte aber diesen Fehler nach eini gen Jahren wieder ab. Seine Formen sind indessen immer schärf geprägt, und von plastischem Charakter. Die Studien machte er nach seiner 1813 erfolgten Heimkehr ins Vaterland in Geschicht swerken, im Volke, in Zeughäusern, in der Wohnung des Reits und in der Bauernhütte. Er lebt noch immer im Mittelalter, durchwandert es fleissig und gefühlvoll. In seinen Werken findet man nichts von neuer Kunst und Technik. Sei es nun ein historisches Bild, eine Volksscene oder eine Landschaft, alles ist unschuldig und kindlich gemalt, wie man es vor 300 Jahren that. Vogel ist auch nur in seinem Vaterlande ein Künstler von Bedeutung, im Ganzen untergeordnet.

Aquarell, worunter Winkelried's Kampf mit dem Drachen, und der Kampf des Adam Näf um das Banner in der Schlacht bei Cap- pell (1531) zu den bekannteren gehören. Auch einige Genrebilder und Landschaften lieferte er in sorgfältigen Zeichnungen. Er ging überhaupt nie an die Ausführung eines Gemäldes, ohne vorher eine genaue Zeichnung oder einen Carton gemacht zu haben. Die Zahl seiner Zeichnungen in Aquarell und Tusch ist daher sehr bedeutend, und auch viele grössere und kleinere Gemälde in Öel sind von ihm bekannt. Ein Bild seiner überkräftigen Zeit ist ne- ben anderen sein Nicolaus von der Flue unter den streitenden Eidgenossen. Sein Uli Rothbach, Wilhelm Tell nach dem Schusse seinen Sohn umarmend, die Messe in Wildkirchli, die Freiburger Tanzkirchweihe, das Steinstossen auf dem Rigi, die betende Wie- dertäufer Familie, die Appenzeller-Familie, das Schwingfest, die Milchsuppe im ersten Cappeler Krieg, Karl der Kühne etc. sind Gemälde, welche in den früheren Jahren ihren Urheber rühmten. Noch grösseren Beifall erwarb ihm aber das grosse Gemälde mit Tell, wie er dem Gessler den zweiten Pfeil muthvoll unter die Augen hält. Es wird im Schlosse Gorgier aufbewahrt, und ist durch den Stich bekannt. Ein grosses, an Portraitfiguren reiches Gemälde ist auch jenes, welches Zwingli vorstellt, wie er vor der Schlacht bei Cappel von seiner Familie Abschied nimmt. Dieses gerühmte Bild, welches Vogel 1838 zuerst ausstellte, und erst nach einigen Jahren ganz vollendete, besitzt der Bürgermeister Muralt in Zürich. Nicht minder trefflich wurde sein Tod des Arnold Winkelried gefunden, ein grosses Bild, welches Ziegler in Win- terthur erwarb. Im Jahre 1842 beschäftigte ihn ein grosses Ge- mälde, welches das Fest bei Tellenplatten vorstellt, und ein an- deres Bild heroischer Aufopferung brachte er 1846 zur Ausstellung. Es stellt den Schultheiss Wenge von Solothurn dar, wie er sich vor die Mündung der zum Abfeuern bestimmten Canone stellt, deren Inhalt den Tod in die Reihen der Protestanten bringen sollte (1533). Ein fast gleichzeitiges Bild ist jenes des Mönches Ritter Burkhart von Landskron, wie er am Abend der Schlacht von St. Jakob durch Arnold Schick für seinen Hohn bestraft wird. Das neueste Werk des Meisters schildert die Schlacht am Stoss 1405, oder vielmehr eine Episode aus derselben, wo ein Mann in Ver- zweiflung den Kampf gegen viele aufnimmt. P. Bruckmann schnitt 1850 nach seiner Zeichnung die Medaille mit den drei Schweizern.

Dann findet man auch Bildnisse von diesem Meister, deren sorgfältige Vollendung sich bis auf die Kleinigkeiten erstreckt. Auch in schwarzer Kreide zeichnete er solche. Sein eigenes Bildniss, 1828 von Schinz gezeichnet, ist in der Portraitsammlung des Hof- malers Vogel von Vogelstein in Dresden,

Stiche und Lithographien nach seinen Werken.

Nicolaus von der Flue als Friedenstifter auf dem Tage zu Stanz, Zest. von Esslinger, qu. fol.

Zwingli's Abschied vor der Schlacht bei Cappel, nach dem Originalgemälde bei Bürgermeister von Muralt in Zürich von G. Jalder lithographirt, gr. roy. qu. fol.

Dazu gehört ein Erklärungsblatt mit Conliaren.

Nagler's Künstler-Lex. Bd. XX. 32

Tell vor Gessler, radirt und gest. von J. Lips, qu. imp. fol.

Die Capelle auf der Tellplatte, geätzt und in Aquarell von Hegi, Züricher Kunstvereinsblatt 1835, qu. fol.

Das Tischgebet, lith. von Fendrich, 4.

Die Wallenstetter Bauernwohnung, lith. von Fendrich, 4.

Die Appenzeller Familie, lith. von demselben,

Die Schlacht am Stoss 1405, Holzschnitt in der illustrierten Zeitung vom 5. Oktober 1850.

Landschaft, Tafelverzierung in Hochrelief für sein Vaterzuckerwerk ausgeführt, gest. von Lips.

Eigenhändige Radirungen.

Die Heimkehr der Eidgenossen nach der Schlacht von Morgarten, im Umriss radirt. L. Vogel pinx. et sculp. Oben links: Ludw. Vogel f. 1815, qu. fol.

Dieses seltene Blatt erschien in den Weimarschen Zeitungen.

Vorsicht

Diese Seite wurde maschinell erstellt. Die Zuverlässigkeit der OCR ist durch die Qualität der Scans, der Software und des Workflows zwangsläufig beschränkt. Eine menschliche Korrektur und Redaktion fand nicht statt.

Das Ziel dieser Seite ist es, die gezeigten Resourcen einfach zugänglich zu machen. Für Zitate und eine direkte Nutzung sind sie nicht ausreichend. Hierfür ist notwendigerweise das originale Quellenmaterial hinzuzuziehen.

Der zugrundeliegende Scan ist hier zu finden https://archive.org/details/bub_gb_QbZVVTX7ctMC/