Vivarini III. Luigi, Maler von Murano, jener merkwürdige Meister,
welcher nach Andrea da Murano für den Begründer der alt-vene- tianischen Schule angesehen werden muss. Es ist aber ein jün- erer Künstler dieses Namens zu unterscheiden, worauf frühere Schriftsteller nicht Rücksicht nahmen, so dass Vivarini von 1414 — 1450 gemalt haben müsste. Der ältere L. Vivarini war Schüler des Andrea da Murano, oder malte wenig- stens in der trockenen Manier desselben, da jener Maler noch unter dem Einflusse der byzantinischen Meister sich herangebildet hatte. Der jüngere Luigi Vivarini folgte der Richtung des Anto- nio und Giovanni Vivarini, und schloss sich dann an Gio. Bellini an, so dass er mit diesem gleichsam den Weg bahnte, auf wel- chem die grossen venetianischen Meister des 15. Jahrhunderts die höchste Aufgabe der Kunst lösten. Der ältere Luigi Vivarini hatte die Formen nicht durchgebildet, seine Proportionen sind unrichtig, und in der ganzen Haltung der Figur herrscht Steifheit. Der jün-
ere L. Vivarini brachte in seine Gestalten Leben und Ausdruck, und besitzt alle Vorzüge der Vivarinischen Schule. Seine Formen sind richtig und weicher modellirt, als jene seines Vorgängers, die Gewandung ist verständig geordnet, und in der reifgebildeten Färbung lässt sich der überwiegende Einfluss der Bellinischen Schule
erkennen. Er liebte glänzende Farben, die durch braune Schichten gehoben sind. Zu bemerken ist auch seine 'Prachtliebe': in der Anordnung, in Folge deren er reiche Architektur anbrachte. Luigi Vivarini sen. ist in der Sakristei in S. Gio. e Paolo zu Ve nedig ein kreuztragender Christus mit dem Namen und der Jahr, zahl 1414. Diese Inschrift halten einige für unächt, weil das Bil d ganz übermalt ist; allein tüchtigere Schriftsteller, wie Sansovin, Ridolfi u. A., welche das Gemälde noch im ursprünglicheren Stande sahen, nahmen keinen Anstand. In der Gallerie der A kademie zu Venedig sind zwei Bilder von ihm, welche den Hi ligen Johannes und den heiligen Matthäus vorstellen, ehedem u nter der Kirche S. Pietro martire auf Murano. Diese Bilder zeigen beim Vergleiche mit jenen des L. Vivarini jun. einen wesent, lichen Unterschied. Gest. von Aliviani für Zanotto's Pinaco theca, fol. In St. Maria maggiore in Isola ist ein Madonn enbild von ihm, welches schon Sansovino erwähnt. Die Gallerie Manfrin zu Venedig bewahrt ebenfalls ein Madonnen, bild von ihm, in der starren Weise des Andrea da Murano gemalt und Maffeo Pinelli besass um 1785 ein Bildchen der von der D reifigkeit gekrönten Maria mit anderen Figuren. Mehrere and ere Madonnen sind in den Noten des Elogio de' Vivarini par J. N eumann-Rizzi. Venez. 1816, genannt.
Luigi Vivarini jun. hinterliess viele Gemälde, die aber u r alle der Zeit getrotzt haben. In der akademischen Gallerie zu V enedig ist eine Madonna mit dem Kinde auf dem Throne, mi t drei Heiligen zu den Seiten. Dieses Altarbild soll aus S. Fr ancesco in Trevigi kommen, und ist eines der ausgezeichnet, sten Werke der Schule von Murano. Am Sockel des Thrones s teht Alvise Vivarin. P. MCCCCLXXX. Gest. von Aliviani für Z anotto's Pinacotheca della Accademia. Venez. 1834, fol. In der Gallerie sind auch vier Tafeln aus St. Maria della Carità, die H eiligen Antonius Abbas, Lorenz, Sebastian und Johannes Bapt ist vorstellend. Zanetti kennt ein Madonnenbild von 1490, mit' Inscriptionschrift: Alvisius Vivarinus de Murano P. MCCCCLXXXX. der Schule vom heil. Hieronymus zu Venedig malte Vivarini Concurrenz mit V. Carpaccio und G. Bellini. Er stellte den Hieronymus dar, wie er den Löwen liebkoset, während seine P rädikatoren fliehen. Oben sieht man den ewigen Vater, welcher h in allein übrig ist. Das Bild des Hieronymus ist nicht mehr vom Vorhanden. Dann ist er auch jener Vivarino, welchem Vasari das grös ste Gemälde in der Aula des Dogenpalastes zuschreibt, welches Otto, " Sohn Barbarossa's vorstellt, wie er sich bei dem Papst und den V atikanischen anbietet, Frieden zu stiften zwischen ihnen und f riedrich, seinem Vater. Er kniet vor dem Papst und dem Kardinal und bestätigt durch einen Schwur seine Treue. In einem zweiten Gemälde Vivarini's erscheint Otto vor seinem auf dem b isitzenden Vater, wie er knieend dessen Hand ergriffen. In se inem Gefolge sieht man viele venezianische Edelleute, welche nach dem Leben abgebildet sind. In beiden Gemälden ist Architektur gebracht, in welcher eine für damalige Zeit merkwürdige Kenn zeichen der Perspektive sich zeigt. Ridolfi schreibt das erstere die ses Gemälde dem Vittore Pisanello zu, Vasari aber hält beide von Vivarini gemalt, und bemerkt nur, dass der Künstler sein Werk nicht vollendet habe, indem er starb. Bellini setzte die Arbeit fort, doch weiss man nicht in dem einen, oder in dem andern Bilde. Früher als die Bilder der Aula (1501) führte er das schön ste Gemälde in der Schule de' Battuti zu Belluno aus. Dieses
Auch im Auslande findet man einige Bilder von Vivarini. In der Gallerie des k. Museums zu Berlin sieht man ein Altargemälde, wel- ches Maria mit dem Kinde auf dem Schoosse in einer Capelle si- tzend und von Heiligen umgeben darstellt. Noch grösser ist ein zweites Altarbild der thronenden Madonna in einer Capelle, welche ebenfalls von Heiligen umgeben. Bezeichnet: Alonzo Vivarini. Dann ist in Berlin auch ein Brustbild des heil. Marcus mit auf- geschlagenem Buche, auf blauem Grund in Tempera gemalt. In der Gallerie des Belvedere zu Wien ist eine thronende Maria mit dem schlafenden Kinde auf dem Schoosse, und zwei musicirenden Engel zu den Füssen. In Tempera auf Goldgrund und bezeichnet: Alvisius Vivarinus, De. Muriano, P, MCCCCLXXVI.
Das Todesjahr dieses Künstlers ist unbekannt. Wenn er 1501 in Belluno gemalt, und die Bilder in der Aula des Dogen- palastes wegen Todtfalls unvollendet hinterlassen hat, so dürfte er um 1550 gestorben seyn. In Zanotto's Pinacotheca Veneta, Venez, 1834, ist sein Bildniss zu finden.
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