Vivarini, Bartolomeo

Vivarini, Bartolomeo, genannt B. da Murano, angeblich jüngere

Bruder des Antonio, gehört zu den wichtigsten Meistern der alt-venetianischen Schule, welche die von Antonio und Giovanni da Murano eingeschlagene Richtung verfolgte, und die Malerei zu eigener Eigenthümlichkeit brachte. Die älteren Vivarini suchten den Typen der Giotto'schen Schule Leben und Weichheit zu verleihen, aber ohne vom byzantinischen Einfluss sich ganz loslassen zu können, Bartolomeo brachte aber die Schule in Murano zu eigenthümlicher Blüthe, und bezeichnete den Uebergang zur Schule des G. Bellini, welcher in Naturwahrheit alle Vivarini übertrifft, so dass ihre Werke im Vergleiche mit jenen Bellini's bei aller Würde der Charaktere doch etwas Starres im Ausdruck haben. Anfangs malte er nach der Weise der älteren Vivarini in Tem- pera, dann aber suchte er das Geheimniß des Jan van Eyck zu ergründen, und er war einer der ersten, die sich mit Erfolg in der Oelmalerei versuchten. Bartolomeo war um mehrere Jahre jünger als Antonio. Im Jahre 1449 trat er mit einem Gemälde für die Carthause in Pavia auf, welches nach England kam. Im Jahre 1450 malte er mit Antonio das berühmte Bild für die Car- thause in Bologna , welches jetzt in der Pinakothek daselbst ist. Wir haben es im Artikel des Antonio Vivarini näher erwähnt, wie ein zweites Gemälde von , welches ebenfalls von diesen beiden Künstlern herrührt. In den Kirchen zu Venedig sah man ehedem mehrere Gemälde von ihm, jetzt aber sind sie gezählt. In St. Giovanni e Paolo ist noch ein sitzender St. Augustin von anderen Heiligen umgeben. Dieses Bild ist in Oel gemalt, und erinnert in der Behandlung sehr an A. Dürer. Es hat folgende Inschrift: Bartholomeus Vivarinus de Muriano pinxit M.CCCC.LXXIII. Zanetti versichert, dass diess das erste Gemälde sei, welches zu Venedig in Oel ausgeführt würde. Ridolfi schreibt ihm auch den Carton zum grossen Glasfenster mit 8 Figuren und 17 Brustbildern über der Thüre derselben Kirche zu. Moschini bezweifelt aber diese Angabe. Im Jahre 1814 wurde das Fenster restaurirt. Das von Vasari erwähnte Gemälde auf dem Altare des heil. Alvise in dieser Kirche ist nicht mehr vorhanden. Es stellte den heil. Ludwig im Diaconengewande sitzend dar, St. Gregor, St. Sebastian und St. Dominicus auf der einen, St. Nicolaus, St. Hieronymus und St. Rochus auf der anderen Seite. Über ihnen waren mehrere halbe Figuren von Heiligen. In St. Maria For- mosa sieht man zwei Altarbilder mit der Madonna und mit Hei- ligen. Das eine dieser Gemälde ist von 1457. Die Bilder, welche man in der Certosa in Isola sah, sind jetzt in der akademischen Gallerie zu Venedig. Das Hauptgemälde stellt die Madonna mit dem schlafenden Kinde auf dem Throne dar, links St. Andreas und den Täufer, rechts St. Dominicus und Petrus, alle in gothi- schen Nischen. Am Sockel des Thrones steht: Opus Bartolomei Vivarini De Murano M. CCCC. LIX. IM (1459). Gest. von Viviani für Zanotto's Pinacotheca della Gall. Veneta, folg. Andere Gemälde aus der Carthause stellen die Heiligen Dominikus, Andreas, Petrus und Johannes Baptista dar. In St. Giovanni in Bragola war ein Bild der Auferstehung Christi von 1458. Boschini sah es noch.

fand aber Namen und Jahrzahl schon halb erloschen. Cap. Gas- paro Craglieto zu Venedig, besass noch in neuer Zeit ein ausge- zeichnet schönes Bild von 1475, welches die Madonna mit dem schlafenden Kinde auf dem Throne vorstellt, die von mehreren Heiligen begleitet ist. In der Gallerie des k. Museums in Neapel ist ebenfalls eine Madonna mit dem schlafenden Kinde, vier Hei- ligen und zwei Engelgruppen. Dieses Gemälde trägt die Jahrzahl 1465, und gehört zu den erhaltensten Werken. Die Gallerie des k. Museums in Berlin bewahrt ein grosses Altarwerk in sechs Ab-

theilungen von Bartolomeo, dessen Hauptdarstellung die Ausgies- sung des heil. Geistes ist. Oben auf der mittleren Abtheilung steht Christus im Grabe mit verehrenden Engeln. In den anderen Abtheilungen sind Heilige dargestellt, alles auf Goldgrund in Tem- pera gemalt. Ein zweites Gemälde im Museum zu Berlin stellt den heil. Georg dar, wie er den Drachen durchbohrt. In der Ferne kniet die Königstochter, und den Hintergrund bildet fels- ige Landschaft. Bezeichnet: Factum Venetiis per Bartolomeum Vivarinum De Muriano Pinxit 1485. Dieses Bild ist ebenfalls in Tempera gemalt, wie das obige. Beide sind noch streng und hart behandelt, zeichnen sich aber nach Kugler, Beschreibung des Museums S. 490, durch die mit grosser Consequenz durchgeführte Charakteristik in den Köpfen aus. Ein drittes Bild der genannten Gallerie zeigt die halbe Figur eines Bischofs, von eigenthüm- licher Anmuth in den Hauptumrissen. Er ist in Tempera auf Gold- grund gemalt. Eine dem Bartolomeo in Berlin zugeschriebene Madonna mit dem auf einer Brüstung stehenden Kinde ist noch von weicherer Modellirung, und gehört nach Kugler in die Zeit des Ueberganges zu den Leistungen des Schule des Bellini. Im Cataloge der Gallerie des Museums ist es als Temperabild ange- geben, und somit müsste der Künstler diese Technik auch noch in der letzten Zeit geübt haben. Das Todesjahr dieses Meisters ist unbekannt. Man weiss nur, dass er 1490 noch thätig war. Sein Bildniss findet man in Zanotto's Galleria della Academia Veneta, Venezia 1834, fol.

Vivarini II. Giovanni, s. Antonio und Gio. Vivarini.

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