Vite, Timoteo della, auch Tim. Viti genannt, gehört zu den vorzüglichsten Meistern Italiens.
*) Er fand an Vasari einen Biographen, aber nur in der zwei- ten Ausgabe. T. L. XCVIIL. Im Jahre 1800 gab Andrea Lazzari Memorie di Timoteo Viti d'Urbino, fol. heraus. Ein neues Werk ist das Elogio storico di T. Viti von Paoli und Urbino 1835. Auch Passavant kommt im Leben Rafael's öfter auf ihn zu sprechen.
Vasari bricht jetzt den Aufenthalt des Künstlers in Urbino ab, und lässt ihn dem Rufe Raphael's nach Rom folgen. Viti hatte diesen um mehrere Jahre jüngeren Künstler in Urbino bereits ge- wonnen, und wahrscheinlich das in der Gallerie Borghese befindliche Bildniss desselben gemalt, wie Passavant, II. c. 50 glaubt. Es stellt einen Knaben von zwölf Jahren dar, im Ausdrucke jugendlicher, liebenswürdiger Treuherzigkeit. Das Bild ist in Oel gemalt, und zeigt im frischen Colorit der Carnation die Behandlungsweise des F. Francia. Nach Vasari hatte Viti wenig länger als ein Jahr mit Raphael gearbeitet, und mit diesem in der Kirche della Pace gemalt. Vasari schreibt dem Timoteo daselbst die Sibyllen in den Lunetten zur Rechten zu, und nach eigener Erfindung. Er will diess von Augen- zeugen gehört haben, und stützt sich auch auf den Umstand, dass die Cartons zu jenen Gemälden zu seiner Zeit im Besitze der Nachkommen Timoteo's waren. Allein Vasari nennt an einer an- deren Stelle gerade diese Sibyllen die Krone der Arbeiten Raphael's.
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Vitti, Timoteo della
und daher hat Vitti wahrscheinlich keinen Teil daran. Passavant J. c. I. 1. 166 glaubt daher, Timoteo habe die Propheten oberhalb der Sibyllen ausgeführt, die um vieles schwächer sind. Vasari nahm vielleicht nur eine Aussage des Gio. Maria Vitti, des Sohnes un- sers Künstlers, hin, welcher ihm drei Zeichnungen von Timoteo schenkte. Weitere Arbeiten Vitti's waren in der Schule der heil. Catharina von Siena zu Rom; Hier malte er nach Vasari die Todten- bahre mit dem Leichnam der Heiligen, und ringsum andere gerühmte Gegenstände; der genannte Schriftsteller bemerkt aber dabei, dass einige Spanier diese Werke anderen Künstlern bei- mes sen, worunter man den Pacchiarotto und den B. Peruzzi ver- steht. Vasari selbst schreibt sie im Leben Peruzzi's diesem zu. Si- cher ist, dass Viti in jener Kirche mehrere Frescomalereien aus- führte, welche aber 1775 zerstört wurden.
Von Rom aus kehrte Viti zum Leid Raffaels nach Urbino zurück, und verblieb daselbst, obgleich ihn Rafael zu wiederhol- ten Malen nach Rom einlud. Er fertigte jetzt zu Urbino und in den umliegenden Orten eine Menge Bilder, in welchen der Ein- fluss Raffaels überwiegend ist, aber mit Hinneigung zur Ziererei in den Bewegungen. Der Färbung fehlt es an Wärme und Schmelz, und die Umrisse haben immer etwas Trockenes und Hartes, als Ueberbleibsel seiner früheren Richtung. In einer Capelle in S. Francesco zu Forlì malte er mit Girol. Genga; die Kirche wurde aber zerstört. Vasari sagt, dass von ihm eine Tafel nach Citta di Castello, und eine ähnliche nach Cagli gekommen sei; be- stimmt aber den Inhalt nicht. Das Bild in der Kirche S. Angelo zu Cagli stellt den auferstandenen Heiland in einer Landschaft dar, wie er der Magdalena erscheint, während im Grunde die Mägen dem Grabe sich nähern. Links im Vorgrunde steht der Erzengel mit der Waage und dem Satan zu den Füßen, rechts Antonius der Einsiedler, eine vorzüglich gelungene Gestalt, voll Ernst und Würde. Dies ist eines der Hauptwerke des Meisters. Es trägt das Gepräge des Raffaelschen Einflusses, mit den oben genannten Mängeln. Dasselbe ist auch mit dem berühmten Altarbild aus der Capelle Bonaventuri in S. Bernardino (ehedem S. Donato) zu Ur- bino der Fall, welches jetzt in der Gallerie der Brera zu Mailand sich befindet. Es stellt die Empfängnis Mariä in eigener Weise dar. Die heil. Jungfrau steht mit gefalteten Händen und nach den Himmel gerichtetem Blick in Mitte des Bildes, und oben schwebt das Kind auf einer Taube herab. Unten zu den Seiten stehen Jo- hannes der Täufer und St. Sebastian. Im Oratorium von Grotte di S. Giuseppe zu Urbino ist noch eine heil. Familie von Viti in halben Figuren, welche aber nicht zu seinen besten Werken gehö- rt. Die ausgezeichnetsten Bilder desselben prangen jetzt in Mu- seen. So sucht man auch das von Vasari erwähnte Bild der Mag- dalena vergebens im Dome zu Urbino. Es befindet sich in der Fr- nakothek zu Bologna, und wurde 1824 von Gius. Guizzardi re- stauriert. Die Büsserin steht in einer langen härenen Kleidung un- ter kurzem rothen Obergewand vor ihrer Höhle, eine herrliche Ge- stalt, welche eben so schön in ihrer Bildung ist, als würdig im Ausdruck der Reue und himmlischen Verlangens. Auf einem Ta- felchen steht: Deo Optimo et Maximo Magdalenae Ludovicus Am- tutius Archipresbyter sancti Cipriani Dicat. In S. Francesco zu Pesaro war ein Bild der Kreuzerhöhung, welches auf dem Trans- port ins Ausland zu Grunde gegangen ist. Die Bilder, welche in
einem Zimmer des herzoglichen Palastes zu Urbino von Viti zu sehen waren, sind ebenfalls untergegangen, wenn nicht irgendwohin verschleppt. Als bewunderungswürdig nennt Vasari den Apollo
Timoteo hat auch mit außerordentlichem Geschick in Minia- tur gemalt. Der Marchese Antaldo Autaldi in Pesaro besitzt ein großes Folioblatt mit Christus auf dem Ölberg, welches nichts zu wünschen übrig lässt. Die Familie Antaldi stand in Verwandt- schaftsverhältnissen mit Timoteo, und vererbte diese Miniatur als kostliches Kleinod. Im Auslande sind die Werke dieses Meisters sehr selten. In der Gallerie des k. Museums zu Berlin ist seit 1843 ein Bild des heil. Hieronymus. In der Gallerie des Fürsten Esterhazy zu Wien wird ihm eine Copie von Rafael's Madonna mit dem stehenden Kinde zugeschrieben. Das Original stammt aus der Gallerie Orleans, und ist jetzt im Besitz des Dichters Samuel Rogers in London. Das Esterhazy'sche Bild hat Joseph Burkowitz gestochen, und Legran dasselbe von der Gegenseite radirt, aber
Dann finden sich auch kostbare Zeichnungen von ihm. Im Nachlass des Malers Th. Lawrence ist ein Gewandstudium zum Christus und zum Petrus in der genannten Miniatur Antaldi's. Baron von Rumohr besass die halbe Figur einer Madonna, wel- che das Haupt nach links neigt, und die rechte Hand erhebt. Sie ist mit bleicher Tusche auf gelbbraunes Papier einfach ausgeführt. Im Papierrande steht von alter Hand geschrieben: Timoteo Viti, Frenzel (Sammlung aus B. v. Rumohr, Lübeck 1846) vermuthet, dass die Figur zu einer Verkündigung gehöre. H. 14 Z., Br. 9 Z, 3 L. Timoteo hatte sich auch die Art Rafael's mit der Feder zu zeichnen bis zur Täuschung angeeignet, so dass oft seine Fe- derzeichnungen jenem selbst zugeschrieben werden. Ein geübter Kenner wird sie nach Passavant 1, c. 1.-378 an dem geringeren Grad der geistreichen Behandlung, entschieden noch in grösseren Compo- sitionen am Mangel inneren Inhaltes erkennen, da die Figuren oft bedeutungslos und nicht in die Handlung eingreifend erschei- nen. Vasari besass mehrere schöne Federzeichnungen von ihm, welche ihm Gio. Maria Viti schenkte. Darunter nennt er ein Bild- niss des Giuliano de Medici, und ein Noli me tangere. Dieses stellt Christus als Gärtner mit Magdalena dar, und könnte somit der Entwurf zu dem oben erwähnten Gemälde sein. Dann besass er eine Zeichnung mit Christus am Ölberge, und dem schlafen- den Johannes. Eine solche Zeichnung befindet sich in der floren- tinischen Gallerie, und sie ist daher mit der erwähnten im Nach- lass Lawrence nicht zu verwechseln,
Zufolge der Notiz im Buche der Bruderschaft von S. Giuseppe zu Urbino starb Timoteo daselbst am 10. October 1523. Passavant c. 378.
Stiche nach Timoteo. Moses von Pharao's Tochter aus dem Wasser errettet, Nach einer Zeichnung des Cabinet Crozat von Caylus radirt und braun gedruckt, qu. fol.; Die Empfängniss Mariä, das berühmte Bild in der Brera zu Mailand. Im Umriss in der Pinacotheca della Gall. della Brera, fol. Die Geburt der heil. Jungfrau, nach einer Zeichnung des französischen Cabinets von Caylus radirt, fol. Die Dreieinigkeit, gest. für ein Brevier, welches 1730 bei Mai- nardi in Urbino erschien, 4. Magdalena in der Wüste. Das Bild in der Pinakothek zu Bo- logna, gest. von Rosaspina für die Pinacotheca della 'Accademia zu Bologna 1830, kl. fol. Merkur, welche dem Merkur den Zutritt zu Aglaja nicht ge- stattet. Nach einer Zeichnung des Cab. Crozat von Caylus radirt und braun gedruckt, fol. Vite, Lorenzo Antonio, Maler von Pistoya, war Schüler von Gherardo Starnina, und ein getreuer Nachahmer des Meisters. Auf Empfehlung desselben malte er im Capitel von S. Nicola zu Pisa die Passion, und brachte das Werk 1403 zu Stande. Im Pla- ste del Ceppo zu Prato malte er das Leben des Francesco und Marco, des Gründers jenes Ortes. Lanzi sagt, dass dieser Vite noch im alten Style des Giotto gemalt habe, während andere Schüler von Starnina schon der neueren Kunstweise huldigten. Baldinucci erwähnt seine Werke, Vasari kommt nur im Leben des Starnina auf ihn zu sprechen, bei Gelegenheit der Passion.
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