Vischer, Peter, Erzgiesser zu Nürnberg , und seine Söhne Peter, Hermann, Johann, Paul und Jakob, spielen in der älteren deut- schen Kunstgeschichte eine grosse Rolle, da aus ihrer Giesserei ein- t Menge Werke hervorging, deren viele noch jetzt bewundert werden können. Namentlich ist Peter der Vater Gegenstand der Verehrung geworden, da man in ihm auch einen grossen plast- ischen Künstler erkennt, nicht bloss den Bronzegiesser, als welcher er indessen selbst nur gelten wollte, nicht als Bildhauer. Erst in neuester Zeit wollte man sich berechtiget fühlen, seinen Künst- lerehm zu schmälern, wie wir schon, im Artikel des Veit Stosch bemerkt haben,
Peter Vischer sên, wurde 1455 oder 56 zu Nürnberg geboren, und nach der neuesten Annahme ist er der Sohn des Eberhard Vi- scher, welcher, wie in einem Manuscripte vom Nürnberger Kirchen- geläute bemerkt ist, aber erst im Jahre 1450 das Meisterrecht erhielt. Früher hielt man ihn muthmasslich für den Sohn des älteren Her- mann Vischer, welcher Meister wurde. Dieser letztere Ma- ster ist indessen mehr bekannt, als Eberhard. Von ihm ist der Guss des Taufbeckens im Dome zu Wittenberg mit vier Apo- steln an den Pfeilern, welche dasselbe stützen, und mit der Aufschrift: »da man zalt von Christi gepurt 1400 und darnach im 57. Jar an Sant Michaels Tag, da ward dis Werk vollbracht von Meister Herman Vischer zu Ninberg.« Dieser Hermann und Eber- hard Vischer könnten Brüder gewesen seyn, und sie sind vielleicht die ersten Meister, welche in Nürnberg den Erzguss gepflegt hat- ten. Wir können annehmen, dass Peter Vischer unter der Leitung des einen oder des anderen zu gleicher Beschäftigkeit herangebildet wurde. Als Geselle soll er Deutschland und Italien durchwandert haben, was wohl möglich ist, da die meisten Künst- ler einige Jahre auf der Wanderschaft zubrachten. Sandrart wus- ste oder vermuthete, dass der Künstler in Rom sich aufgehalten habe und auch die neueren Schriftsteller behaupten dieses, da einige seiner Arbeiten das Studium der Antike verrathen, während andere im altdeutschen Style ausgeführt sind, oder überhaupt in jener älteren Kunstweise, welche in den ersten Jahren des 10. Jahrhun- derts einer neuen Richtung weichen musste, die nicht schliesslich von Italien her den Weg sich bahnte, sondern selbst in Deutschland auf eigenthümliche Weise Platz griff, wie wir Artikel der Meister Martin Schaffner und Hans Schülein bemerkt haben. Sehr belehrend ist hierüber die Abhandlung von F. Kusche im Museum für bildende Kunst 1837, S. 37. Er weist den Zusam- menhang der Kunstrichtung P. Vischer's mit der älteren deutschen Plastik im Gegensatze gegen diejenige Meinung, welche dieselbe vorzugsweise aus italienischen Studien hervorgehen lässt, schläg- end nach. Peter Vischer soll aber nach der gewöhnlichen, doch noch nicht streng erwiesenen Ansicht mehrere Jahre in Italien als Bildhauer bei grossen Meistern gearbeitet haben, ja sogar zwei» in jenem Lande gewesen seyn. Die erste Reise lässt man ihn 1489 unternehmen, weil er in diesem Jahre in Nürnberg das Mei-
streng erlangte, wie aus dem Bürgerbuche der Stadt erhellet, wo folgende Notiz steht: »Peter Vischer ist angenommen und Meister worden 1489.« Wenn nun Vischer wirklich die Werke der großen italienischen Meister kennen gelernt, und in ihren Werkstätten gearbeitet hat, so bleibt es auffallend, dass der Auf- schwung, welchen die italienische Kunst damals gewonnen hatte, auf Vischer keine Rückwirkung äusserte. Die Werke, welche er als Meister in Nürnberg unternommen hatte, sind noch alle im alten germanischen Style ausgeführt, wie das Denkmal des Bis- chofs Johann zu Breslau von Sachsen im Dome zu Magdeburg von 1497, die Monumente in Römhild u. s. w. Alle diese Werke werden dem Peter Vischer nach Erfindung, Modell und Guss zugeschrieben, er verläugnet aber den italienischen Einfluss so sehr, dass man nicht glauben kann, dass der Meister schon früher in italienischen Werkstätten gearbeitet habe. Wir weisen aber auf sein Verhältniss zu Veit Stoss hin, welches sich erst in neuester Zeit herausgestellt hat. Der Einfluss, welchen dieser Meister auf ihn übte, kann wohl nicht mehr geläugnet werden, und der Rothgießer hatte Modelle vor sich, welche er nicht selbst gemacht hatte. Wäre Vischer auch der Erfinder, der Modellirer jener monumental Werke gewe- sen, so hätte er gewiss eine höhere Ehre in Anspruch genom- men, als jene eines bescheidenen Rothgießers. Auf den meisten seiner Gusswerke steht nur: Gemacht von mir Peter Vischer Roth- gießer etc., selbst auf dem später ausgeführten St. Sebaldus Grab, welches als Triumph seiner Kunst gilt. In diesem Werke (1500 bis 1519) ist aber die Kenntniss der Antike sichtbar, so wie eine vollkommene technische Umdellung. Die späteren Werke des Meisters sind im Style der Renaissance ausgeführt, oder sie zeigen eine Verbindung der Formen des gothischen (germanischen) Styls mit den später üblichen, so dass sie gleichsam den Uebergang von der Gotik zur Renaissance bilden. Erst in neuester Zeit wollte man aus dieser Verschiedenheit des Styls den Schluss ziehen, dass Vischer Modelle verschiedener Meister gebraucht habe, und nament- lich war es Heideloff, der sich im vierten Heft seiner Ornament- tik des Mittelalters gegen Vischer aussprach, und behauptete, dass unser Rothgießer höchstens in Wachs modellirt, keine Holzmo- delle habe fertigen können. Veit Stoss sollte ihm nach Heideloffs Vermuthung zur Ausführung grösserer Gegenstände derlei Modelle gefertiget haben. Wie sehr der Architect Döbner (Kunstblatt 1846, S. 11) gegen diese ketzerische Ansicht geeifert hat, haben wir im Artikel des V. Stoss erwähnt, und wir bemerken hier nur noch, dass Döbner als Kenner Vischerscher Erzgüsse von seinem histo- rischen Standpunkte aus berechtigt war, für den grossen Nürn- berger Meister in die Schranken zu treten, da man damals noch glaubte, Stoss sei erst zu Anfang des 16. Jahrhunderts nach Nürn- berg gekommen, wo Vischer schon zahlreiche Werke in die Welt geschickt hatte. Allein wir haben im Kunstblatt 1847, Nr. 36 aus Urkunden bewiesen, dass Stoss viel früher dahin gekommen ist, und zwar von 1479, jenes des Erzbischofs Ernst –
Der Einfluss des Krakauer Meisters ist zwar noch nicht zur Evi- denz bewiesen, die Wahrscheinlichkeit kann aber nicht mehr zu- rückgewiesen werden, da Stoss damals die grösste Holzschnitz- Werkstätte in Nürnberg hatte, und die alterthümliche Manier des Peter Krafft in Vischers Gusswerken wenig Analogie findet. Vi- scher hat indessen von jeher als einer der vielseitigsten Meister ge- holten, der im Stande war, jede Bildhauerarbeit zu unternehmen, und in Erz zu giessen nach eigenen Modellen. Um den Wider- streit zu erklären, welcher im Style jener Werke sich kund gibt,
musste er eine zweite Reise nach Italien unternommen haben, wo er jetzt die neuere Richtung eingeschlagen haben sollte, in wel- cher er jene Werke im antiken und Renaissance-Style ausgeführt hatte. Allein es ist zu bedenken, dass der neuere, der Antike sich nähernde Styl damals auf viele deutsche Künstler mehr oder we- niger Einfluss übte, und wie früher die Weise eines Wohlgemuth, Dürer u. s. w. in der allgemeinen Kunstrichtung der Zeit eine Er klärung findet, so nimmt in den ersten Decennien des 16. Jahr- hunderts der neuere, zunächst von Italien ausgehende Umschwung die begabten Geister in Anspruch. A. Dürer war indessen Allem, was nach seiner Redeweise antikisch schien, abhold, erkannte aber wohl die Vorzüge, welche Gian Bellini und Rafael hatten. Veit Stoss verließ aber die germanische Richtung, welcher er in Krakau und in den ersteren Jahren zu Nürnberg streng huldigte, immer mehr, und befand sich zuletzt auf der Basis der Renaissance. Mit Gusswerken hat es überhaupt eine eigene Bewandtniss; oft wird der Bildhauer, welcher das Modell geliefert hatte, mit der
- Zeit vergessen, und der Giesser tritt in seine Rechte ein. Es wird in einer fernen Periode vielleicht eben so oft gesagt werden, von Stiegelmayer oder Miller (statt von Schwanthaler) sei die riesen hafte Bavaria in München. Vischer's zweite Reise nach Italien will man um 1503 — 1505 setzen. Er soll sich in Rom aufgehal- ten, und dort die hohe Stufe erreicht haben, auf welcher er alle früheren deutschen Erzgiesser überragte. Der Meister sollte aber dennoch in Rom eine untergeordnete Stelle behauptet, und in ir- gend einer Werkstätte thätig gewesen seyn, wo man antike Bil- werke nachahmte, da die Nachfrage nach alter Plastik sich stets |
gesteigert hatte. Den Beweis ist man schuldig geblieben. Es ist |
aber, dass Vischer in Nürnberg zahlreiche Gusswerke geliefert, und zuletzt mit fünf Söhnen gearbeitet habe, worunter Hermann der tüchtigste Bildhauer war, welcher Modelle ausarbeiten konnte Vater und Söhne wohnten mit ihren Familien in einem Hause auf dem St. Catharinen Graben, und arbeiteten gemeinschaftlich. Peter Vischer traf wahrscheinlich nur die Vorbereitung zum Guss, und leitete diesen. Wenn er auch im Modelliren in Thon und Wachs erfahren war, was wir nicht in Abrede stellen, und vielleicht auch Holzmodelle hätte ausführen können, so war er sicher, mit den vielen Gussarbeiten so sehr beschäftigt, dass ihm zum Copiren und Modelliren gar keine Zeit übrig blieb. Er war also ge- zwungen, sich fremder Hülfe zu bedienen. Veit Stoss ist ihm als Bildhauer am nächsten, und dann reiften neben diesem seine Söhne Hermann und Johannes heran, welche Neudörffer beide als ge- schickte Bildhauer erklärt. Doppelmayer dehnt nur dieses Lob etwas weiter aus, wenn er sagt, sie seyen in der Zeichen, Bos- sierz und Giesskunst eben so erfahren gewesen, wie der Vater. Letzterer erscheint aber immer als Häuptmeister, und nahm die Ehre in Anspruch, seinen Namen auf die Gusswerke zu setzen; doch nur als bescheidener Rothgiesser. Als solchen, nicht als Bild- hauer, sah ihn wahrscheinlich auch der etwas kunststolze Dürer an, und hielt sich fern von dem Schurzfell. Er erwähnt Vischer nicht ein einziges Mal, während er doch Mitbürger war. Es findet sich keine Spur eines Verhältnisses zwischen beiden. Man wollte dieses Fernhalten aus Dürer's Abneigung gegen alles Antike erklären, ohne zu bedenken, dass der grösste Theil der Werke Vischer's in jenem alterthümlichen Style ausgeführt ist, dessen Grenzen Dürer nicht überschreiten wollte. Dieser Meister scheint aber auch mit V. Stoss nicht viel in Berührung gekommen zu seyn, und man kann wohl nicht sagen, dass er den einen wegen
Peter Vischer, Rothgießer, starb zu Nürnberg den 7. Jänner 1520, und wurde auf dem St. Rochus Kirchhof begraben. Hier sind die Epitaphien des Meisters und seiner Frau. In älteren Werken lesen wir, dass der Künstler 1540 gestorben sei, in Folge einer Körperverletzung. Er soll zur Nachtszeit, als er mit
— Wolfgang Traut nach Hause ging, von einem Schlitten über-
fahren worden seyn. Neuere Forschungen stellten die Unrich-
tichtigkeit dieser Nachricht heraus. Seine Portraitfigur ist oben am
St. Sebaldus Monument, so wie er in der Giesshütte aussah. Gest., von Alb. Reindel, für das Werk: die Nürnberger Künstler, ge-
schildert nach ihrem Leben etc. Nürnberg 1822—30. Die Le- bensgeschichte seiner Söhne ist dunkel. Peter starb 1528. Johan-
nes war noch 1530 in voller Thätigkeit, Hermann starb 1540. Sein Bildniß ist in einer Medaille von 1511 erhalten, welche von ihm
selbst gefertigt seyn könnte, da J. Neudörffer (Nachrichten von
Nürnberger Künstlern, neu gedruckt 1828 bei Campe) sagt, er sei im Conterfeien ausgezeichnet gewesen. Die beiden anderen Brü-
der waren schon früh gestorben,
Werke des P. Vischer und seiner Söhne. Das Hauptwerk P. Vischer's ist das Grabmal des heil. Sebaldus, in der nach diesem Heiligen genannten Kirche zu Nürnberg. Er
führte es von 1506—19 mit seinen Söhnen aus, und verbrauchte
420 Zentner 14 Pfund Erz. Die Kosten des ganzen Monumentes
beliefen sich auf 2402 fl. 6 Heller und 16 Pfennige, welche zu-
Jetzt durch freiwillige Beiträge zusammen gebracht werden muss-
ten. Das Monument ist 15 F. hoch, 8 F. 7 Z. lang, und 4 F. 8 Z. breit. Der innere Sarg ist von 1507, und kostete 5060 Gold- Gulden, da er mit Gold- und Silberblech überzogen ist. Ueber die Schönheit des Erzwerkes von Vischer herrscht nur eine Stimme,
und es ist durch Abbildungen bekannt. Eine der Hauptzierden
sind die 12 Apostel, welche 1 F. 11 Z. hoch sind, und auf Po- stumenten an den die Bekrönung tragenden Pfeilern stehen. Auf den Kapitellen der Pfeiler stehen 12 kleinere Figuren von Kir- chenvätern, und ausserdem zählt man noch 72 Figuren verschie- dener Art, und in den abwechselndsten Stellungen. Die Basreliefs am Sockel, welcher den alten Sarg trägt, stellen Scenen aus dem Leben des heil. Sebald dar. Die Reinheit des Gusses, die Rich-
tigkeit der Zeichnung, der großartige Wurf der Gewänder, die
edlen Charaktere sind zu bewundern. Die Gestalten sind im Gei- ste der schönsten Werke des italienischen, auf der Antike basie- renden Mittelalters gehalten. Sie konnten höchstens Dürer's stil- len Neid erregen, aber nicht Gegenstand seiner Abneigung seyn.
Am Sockel steht die Inschrift: Peter Vischer, Burger in Nürnberg, machet dieses Werk mit seinen Söhnen, ward vollbracht im Jahr 1510, etc., u
Ist nun Vischer auch wirklich der Erfinder des Ganzen, oder nur der Giesser? Diese Frage wurde in neuester Zeit gestellt, da Heideloff eine 5 F. hohe Zeichnung von Veit Stoss auffand, wel- che er im sechsten Hefte der Ornamentik des Mittelalters im Stiche bekannt machte. Die Zeichnung trägt die Jahrzahl 1488 und das Monogramm des V. Stoss. Vischer führte sein Werk, später in Erz aus, und erlaubte sich bedeutende Abänderungen, da der ur- sprüngliche Entwurf für die Ausführung zu kostbar war. Das Monument sollte 60 F. hoch werden, Vischer reducirte es aber be-
dendend. Konnte er aber dieses eigenmächtig vornehmen, da Stoss noch in Nürnberg lebte, oder hat dieser auch an der Reduction Theil? Im Artikel des V. Stoss ist weiter darüber zu lesen. Ueber den Antheil, welchen die Söhne an diesem Werke haben, ist man nicht im Klaren. Den Apostel Bartholomäus hat nach einer alten Tradition Hermann Vischer gemacht. Es ist diess die schönste Fi- gur des Monumentes,
Stiche nach diesem Werke:
Sanct Sebald's Grab zu Nürnberg, Albert Reindel del, et sculp. 1821, 8, gr. roy. fol.
Dasselbe Denkmal, gest. von G. Fenitzer, um 1600, qu. fol. . Die 12 Apostel, nach den ehernen Figuren von G. C. Eupart in schwarzer Manier gestochen, fol.
Vierzehn der vorzüglichsten Figuren des von P. Vischer in Er gegossenen Grabmals des heil. Sebaldus zu Nürnberg, Gez. und gest. von A. Reindel. Nebst einer perspectivischen Ansicht des Mo- numents von F. Geissler, Nürnberg, gr. 8,
Dieses Werk enthält die 12 Apostel, St. Sebald und die Ste- tuette des P. Vischer. Die Apostel erschienen früher im Frauer- Taschenbuch in Octav, wurden aber dann in dem obigen Werke vereiniget. Die Ansicht des Monuments von Geisler kommt auch im neuen Taschenbuch von Nürnberg 1819 vor, und in der Samp- lung der Kunstblätter aus dem neuen Taschenbuche von Nürn- berg 1830, | Die wichtigsten Bildwerke am Sebaldusgrabe zu Nürnberg von P. Vischer, 18 Blätter, gez. und gest. von A. Reindel, Neue Aus- gabe mit Text in deutscher, engl. und franz. Sprache, Nürnberg 1858! gr. 4,
In der Egidienkirche zu Nürnberg ist ein Basrelief mit den Monogramm SV 1522, welches auf P. Vischer sen. bezogen wird. Das Bildwerk stellt die Kreuzabnehmung vor, H. 4 F.., Br. 3 F., 1 Z. Die Arbeit ist mittelmässig, und vielleicht von P. Vischer dem Sohne, obgleich die Zeit für den Vater passt. Auch das ge- genüber eingemauerte kleine Grabdenkmal des Bischofs Ch. v. Str idon kann nicht von ihm seyn. Der Bischof starb 1545, zu einer Zeit, wo nicht einmal mehr ein Sohn des Künstlers lebte. Ein- schreiben das Monument einem solchen zu,
In der St. Lorenzkirche ist die Gedächtnisstafel des Anton Kress von 1513 sein Werk. Es ist in Rafael's Geist gedacht, und von reinstem Gusse.
Ein Meisterwerk anderer Art wurde aus dem Kaiserzimmer auf der Burg zu Nürnberg in die dortige Kunstschule gebracht, und stand ehedem auf dem Brunnen am Schiessgraben. Es ist diess die nackte Gestalt des Apollo mit dem gespannten Bogen, in Nach- ahmung der Antike, 22 li* hoch. Dieses Bild wird dem Peter Vi- scher zugeschrieben, es kann aber nur von Hermann Vischer her- rühren, da die Jahrzahl 1532 eingegraben ist.
Ehedem in der v. Volkamer'schen, jetzt in der v. Forster'schen Sammlung zu Nürnberg ist die berühmte Bronze eines sich kra- zenden Hündchens, bekannt durch die Radirung von J. A. Klein, 4. In der Kunstkammer zu Berlin und im grünen Gewölbe zu Dresden sind Wiederholungen. Im Cabinet Volkamer ist noch ein Cardinalskopf, der umgekehrt jenen eines Narren vorstellt, ebenfalls durch den Stich bekannt.
Im grossen Rathhaussaale zu Nürnberg sah man ein herrliches Bronzegitter mit Basreliefs von Lebenwoll; gegossen von P. Vi- scher. Dieses Werk wurde um 1609 eingeschilzen,
Die ehernen Denkmale hennebergischer Grafen von Peter Vi- scher in der Stiftskirche zu Römhild. Gezeichnet und beschrieben von A. W. Döbner. Mit 6 lith. Blättern. München 1840, fol.
Den Namen des Verfassers dieses interessanten Werkes haben wir schon oben genannt, denn er ist es, welcher im Kunstblatt, 1846 Nr. 11 gegen Professor Heideloff in Nürnberg auftrat; da
dieser bekanntlich dem Meister Vischer die Ehre der Erfindung ab- spricht, und ihn nur zum Giesser nach fremden Modellen macht. Der Zeit nach kann Stoss allerdings die Modelle gefertigt haben,
und er hatte ja durch sein Monument des Königs Casimir in Kra- kau vor allen seine Tüchtigkeit zu monumentalen Arbeiten be- wiesen. Zur Evidenz ist es freilich nicht erhoben, dass Stoss
die Modelle geliefert habe, es ist aber auch an Hermann Vischer
nicht zu denken, und noch weniger an Peter. Composition und Behandlung der Monumente erinnerten Heideloff augenschein- lich an Stoss, so dass er dem P. Vischer nur den Guss übrig lässt.
Die hohe Meisterschaft des Veit Stoss an den Werken in Krakau bestätiget auch F. v. Quast, Kunstblatt 1847 Nr. 50, und er scheint
eine Wechselwirkung beider Meister nicht bestreiten zu wollen. *)
Eines der reichsten Gusswerke unsers Meisters ist das Monu- ment des Erzbischofes Ernst von Magdeburg im Dome daselbst, 1497 gefertigt. Dieses Werk schreibt Heideloff ebenfalls nach Composition und Modell dem V. Stoss zu, so dass also dem P. Vischer wieder nur der Guss bliebe. Der Seelige liegt im Ornate in Lebensgröße auf dem Sarge, an welchem die 12 Apostel erho- ben sind. An der Seite zu seinem Haupte steht der heil. Moriz, und unten der heil. Stephan. Der Löwe mit dem sächsischen Wappen liegt zu den Füßen des Bischofs, und an den Ecken des Sarges sieht man auf Postumenten die Attribute der Evangelisten, wie am Römhilder Monumente, so dass in der Vischer'schen Gies- serei stehende Formen waren.
Abgebildet in der Beschreibung der berühmten Domkirche zu Magdeburg 1680.
*) Wir haben im Artikel des V. Stoss gezweifelt, ob auf dem Monument des Königs Casimir Jagellonides ein Stoss stehe, und nicht eher Fitt zu lesen sei. F. v. Quast versichert, dass es Ein Stosse heisse. Auch ist das Monument nicht von rothem Granit, sondern von röthlich braunem Marmor. Es ist noch entschieden im gothischen Style, und zwar in sei- ner spätesten üppigsten Entfaltung ausgeführt. Der reich verzierte Dachhimmel lässt die Phantasie jenes Meisters er- kennen, welcher den Heideloff'schen Entwurf zum Sebaldus- grab gefertigt hat.
‘ und Mecklenburg innerhalb eines beinahe vierzigjährigen Z
‚des Thieres, welches sitzt, und sich mit der linken Hinterpfote
beschrieben von Cantion. Mit der Abbildung in 3 Blättern, mit
sche Linienspiel der Composition, und die Schönheit der Form
Vischer, Peter;
Das eherne Denkmal des Erzbischofs Ernst von Magdeburg,
Titel und einem Blatt Text, gr. fol. Im Dome zu Bamberg sind die Grabmäler der Bischöfe Hein- rich II., Veit I. und Georg II. von P. Vischer in Erz gegossen. Abgebildet in J. Heller's Beschreibung der bischöflichen Grab-
Sein Werk ist ferner das bronzene Denkmal des Churfürsten Jo- hann Cicero (+ 1409) im Dome zu Berlin. Professor M. F. Rabe theilte 1843 in der Versammlung des Vereins für Geschichte der Mark- Brandenburg den im Staatsarchive liegenden Contract über die Errichtung des Denkmals mit, aus welchem hervorgeht, dass P. Vischer der Urheber sei. Rabe legte auch ein Verzeichniß der zahlreichen Monumente vor, welche damals von diesem Meistere für Familienglieder der Fürstenhäuser Brandenburg, Dänemark
Raumes gelöst wurden. | Abgebildet in dem Werke: Forschungen im Gebiete der Vor- geschichte von M. F. Rabe, 1. Heft mit 4 K. K., Berlin 1843, 4
In der k. Kunstkammer zu Berlin ist von P. Vischer ein 4 Bronze gegossenes kleines Relief, welches aus der v. Nagler'sche Sammlung herrührt. Es stellt Orpheus und Eurydice auf ihrer Reise aus der Unterwelt dar, Beide sind nackt. Rechts schreitet Orpheus mit der Geige voran, und wendet das Gesicht nach 4 Gattin zurück, neben welcher die Flammen des Orkus hervorbli- chen. Neben der lateinischen erklärenden Inschrift sieht man P. Vischer's Monogramm, wie sich dasselbe auf seinem Grabsteine vor- findet, zwei Fische, die von einem kurzen Speer durchstocht sind, ungenau bei Brulliot I. 3265. Dieses Relief erklärt Kur- z (Beschreibung der Kunstkammer S. 107) als eine der schönsten und seltensten Zierden der Sammlung, und würdigt es ausführ- lich. Es ist hier die Poesie des Gedankens, sowie das harmoni- sche,
an sich, auf eine Weise durchgebildet und in einander verschmol- zen, wie die deutsche Kunst nur wenig ähnliche Arbeiten auf- weisen haben dürfte. Der Körper des Orpheus hat die un- kennbarste Aehnlichkeit mit der Apollostatue im Locale der Kur- schule zu Nürnberg. Allein diese soll am Fusse daselbst die Jahr- zahl 1532 tragen, und kann somit nicht von P. Vischer seyn, da er 1529 starb. Das Monogramms mit den durchstachenen Fischen bedien- ten sich wahrscheinlich auch Hermann Vischer, und es ist als Zeichen der Vischer'schen Giesserei zu betrachten. Ein zweites Werk der k. Kunstkammer ist ein Exemplar des sich kratzenden Hun- dens, wie es in der von Forster'schen Sammlung zu Nürnberg und im grünen Gewölbe zu Dresden vorkommt, dieses Bildwerk gewährt ein eigenthümliches Interesse. Die schwierige Stellung —
am Ohre kratzt, ist vortrefflich durchgeführt. Ueber die darauf befindlichen Abdrücke des Wappens des Churfürsten Albert von Mainz s. unten die Werke Vischer's in Aschaffenburg., '
Im Dome zu Breslau ist das Monument des Bischofs Johannes, mit der Aufschrift: »gemacht zu Nürnberg von mir Peter Vischer 1400.« |
In der Schlosskirche zu Wittenberg sind zwei eherne Denk- mäler der sächsischen Churfürsten Friedrich des Weisen, und Jo- hannes des Beständigen. Von Peter Vischer ist aber nur das erste gegossen, das andere wahrscheinlich von Hermann Vischer.
Diese meisterhaften Monumente sind im folgenden Werke be- schrieben und abgebildet: a) Wittenbergs Denkmäler der Bild- hauerei, Baukunst und Malerei. Von J. G. Schadow. Wittenberg 1825, gr. 4
In der alten Pfarrkirche St. Ulrich zu Regensburg sah man früher die eherne Gedenktafel der Margareth Martein Tucherin. Links ist Christus mit den vier Aposteln in Flachrelief dargestellt, wie sie auf Dürer's berühmten Gemälde in der Pinakothek zu München erscheinen. Rechts sieht man drei Frauen, unstreitig Porträts von Frauen der Tucherschen Familie, im Geiste Dürer's gehalten. Links unten ist das Monogramm: P. V. norimberge, Die Inschrift enthält die Jahrzahl 1521. Dieses ausgezeichnet schöne und reine Gusswerk befindet sich seit 1839 im Dome zu Regensburg. Bei der Versetzung wurden Gypsabgüsse gemacht. Es ist 1½ Elle hoch,
Der Graf Clam-Martinitz zu Prag erwarb aus der Silberadt- schen Sammlung zu Nürnberg ein sechs Zoll hohes Bronzetäfel- chen mit einem Ecce Homo in Relief. Diesem Bilde liegt wahr- scheinlich eine Zeichnung von Dürer zu Grunde, und desswegen wurde dessen Monogramm mit der Jahrzahl 1515 eingegraben. Später erhielt es der Maler J. Bergler, der die Bronze als kostbare Reliquie vergolden ließ.
Im Chore der Stiftskirche zu Aschaffenburg ist von P. Vischer das Monument des Albert von Brandenburg, Cardinal und Chur- fürsten von Mainz, ein 7 F. hohes und 3 F. breites Erzbar- relief, welches den Kirchenfürsten im erzbischöflichen Ornate dar- stellt. Auf einer Tafel liest man Namen, Titel und Sterbejahr (1545) des Cardinals, und in der Einfassung sind die Wappen an- gebracht. Unten steht: Opus petri fischer norimbergae 1525. Die- ses Monument wurde also 20 Jahre vor dem Tode des Branden- burgers gefertigt, und bezeichnet nicht die Grabstätte, da er in Mainz begraben liegt. Die Wappen in der Einfassung machen es sehr wahrscheinlich, dass P. Vischer oder einer seiner Söhne die Siegel des Cardinals Albert gefertigt habe, auf welche Kugler l. c. S. 112 aufmerksam macht. In der Kunstkammer zu Berlin sind nämlich zwei grosse in rothes Wachs gedruckte Urkunden- Siegel dieses merkwürdigen Fürsten, welche dem genannten Schrift- steller nicht ohne ein gewisses Verhältniss zur Schule Vischer's entstanden zu seyn scheinen. Das erste Siegel fällt in die Zeit, in welcher Albert noch erst die erzbischöfliche Würde allein be- kleidete (1517—18). Er sitzt zwischen zwei schlanken Säulen vor einem befestigten Teppich, und sechs Wappen befinden sich zu den Seiten. Auf den Säulen stehen zwei Genien, welche das Mainzer Wappen halten. Die Zeichnung des Ganzen ist vor- trefflich, und die Ausführung sehr schön und fein. Styl und Be- handlung haben noch eine Erinnerung an altthümlich Conven- tionelle. Das zweite Siegel gehöret der Zeit an, in welcher Albert die Cardinalswürde bekleidete. Man sieht hier zwischen verzier- ten und mit Laubkapitälen versehenen Pfeilern die halbe Figur des Cardinals vor dem Teppich, und in der unteren Hälfte des Siegels ein grosses Wappenschild, welches das vollständige Bran- denburgische Wappen mit denen von Mainz, Magdeburg und Halberstadt vereiniget. Auf den Säulen sitzen zwei Genien, welche den Cardinalshut halten. Die Ausführung dieser Arbeit zeugt von einer merkwürdigen Meisterhaftigkeit. Bei dem starken Relief des Ganzen ist alles feine Detail eben so zart und sauber, wie mit
Im Dom zu Aschaffenburg sind noch andere Gusswerke, welche der Vischer'schen Schule angehören, darunter ein Sarkophag im Renaissance-Styl, auf welchen C. Becker (Kunstblatt 1840 Nr. 33) aufmerksam macht. Am Kupfe des Sarges befinden sich die brandenburgischen Wappen mit der Inschrift: Corpus S. Margarethae virginis et martiris e numero undecim millium virginum — 1536. Demnach enthielte dieser Sarg die Gebeine der heil. Margaretha, einige Schriftsteller halten ihn aber für das Grabmal der im des Cardinal Alberts von Brandenburg so tief eingreifenden Margaretha oder Magdalena Rüdinger. Der Künstler nennt sich auf dem Werke nicht, ein solcher gibt sich aber auf einem anderen Erzbilde der Stiftskirche kund, welches der genannte Cardinal fertigen liess. Es ist diess das 7 Fuß hohe Relief, welches die Madonna mit dem Kinde auf dem Halbmonde darstellt, sichtlich nach einem Vorbilde von Dürer. In der Einfassung sieht man die Passionswerkzeuge, oben die Veronika mit dem Schweißtuche, und unten das Wappen des Cardinal-Erzbischofs Albert von Mainz. Der Meister setzte seinen Namen auf das Werk: Johannes Vischer Noric, faciebat MDXIX. Durch dieses Bild könnte sich Johannes auch zur Ausführung des genannten Sarkophags emporklommen haben, sowie zur Anfertigung jenes Bronzekastens mit Reliquien der unschuldigen Kinder, weil derselbe in Mainz nach der Stiftkirche in Aschaffenburg gebracht wurde;
Auf einem von Hieronymus Gärtner gefertigten Brunnen im Schlosse zu Aschaffenburg soll sich nach J. Heller (Beiträge zur Kunstgeschichte. Bamberg 1822 S. 39) eine Statue des heil. Marius mit dem Wappen des Erzbischofs Albert befunden haben. Dieses Werk ist nicht mehr vorhanden.
Aus Vischer's Werkstätte ging vielleicht auch das Bronzerelief am Grabmale des Prinzen Friedrich, Cardinal Bischofs von Krakau, im Dome daselbst, hervor. Links thront Maria mit dem Kinde, über welcher zwei Engel einen Vorhang halten. Rechts vorwärts kniet der Cardinal, dem ein Bischof zur Seite steht, und den ihm zur Seite führt. Dieses Relief ist von höchster künstlerischen Vollendung, trägt aber weder Namen noch Monogramm. F. von Quast (Kunstblatt 1847 Nr. 50) glaubt es indessen mit vollem Rechte der Nürnberger Werkstätte vindiciren zu dürfen, da das Werk eine künstlerische Vollendung zeigt, wie sie damals nur durch Vischer erzielt werden konnte. An ihn erinnern namentlich auch die kleinen Engel, so wie andere denselben ähnliche Figuren, welche sich zu beiden Seiten des Monumentes befinden, und Wappen tragen. Sie sind, wie so häufig an Vischer's Werken, z. B. dem berühmten Relief des Henning Gaden in der Schlosskirche zu Wittenberg und im Dom zu Erfurt, weniger vollendet, wie die großen Gestalten, vielmehr zeigen sie auch hier eine gewisse Härte. Veit Stoss einen Antheil an diesem Kunstwerke genommen hat.
scherte 1. Peter, 2. Kunstliebhaber, geb. zu Basel 1770, widmete sich der Kaufmannschaft, übte sich aber unter B. Birmann's Leitung auch in der Zeichenkunst, und brachte es neben seinen Berufsge- schäften zu einer Vollkommenheit, welche nicht jeder Künstler von Profession erreicht. Wir haben radirte Blätter von ihm, theils nach eigener Zeichnung, theils nach grossen Meistern. Diese Ar- beiten, welche in Landschaften mit Staffage bestehen, sind in Con- ception und Behandlung der Nadel gleich ausgezeichnet. Dann legte Vischer auch eine interessante Kunstsammlung an, welche viele Seltenheiten in sich schliesst. Vischer bewies sich als grosser Kenner, und lieferte mehrere interessante Abhandlungen. Im Streite über H. Holbein und H. Lützelburger war er einer der gewichtig- sten Stimmführer, wie wir im Artikel des letzteren gezeigt haben. In den letzteren Jahren lebte Vischer auf seinem Gute in Wilden- stein. In der berühmten Portraitsammlung von Vogel von Vogel- stein zu Dresden ist sein Bildniss,
Die radirten Blätter dieses Kunstfreundes, ungefähr 15 an der Zahl, tragen theils den Namen des Verfertigers, theils ein Mono- gramm mit den Jahrzahlen 1801, 4, 6, 7, 8, 10, 11, 30, und sind in verschiedenen Formaten, 8. — gr. fol.
- Die Landschaft mit den Ochsen, 1805, qu. fol. Es gibt Aetzdrücke, wo keine Störche etc. vorkommen,
- Die grössere Waldpartie bei Wildenstein mit den Wasser- fällen, 1810, fol. Es gibt reine Aetzdrücke, und vollendete Abdrücke,
- Die kleinere Waldpartie in Wildenstein, dieselbe Darstel- lung, wie Nr. 2, aber von der Gegenseite, 1807, fol. Es kommen Aetzdrücke vor.
- Landschaft mit einem Reiter, welcher drei Fussgänger ver- folgt. Mit dem Namen, qu. 8.
- Ansicht in Chrüchona, fol.
- Einige Blätter nach J. Both, J. Ruysdael, oder in deren Manier,
holländischen Meister dieses Namens, s. Visscher.
SCHI, Francesco Maria, Kupferstecher von Siena, arbeitete in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Es finden sich Grabsti- chelblätter von ihm;
- Pandolfo Petrucci, Herr von Siena, nach B. Peruzzi, fol.
- Die hdl. Familie, nach J. Nasini, fol.
- Die Madonna mit dem Kinde, nach F. Solimena, fol.
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